Samstag, 30. Dezember 2017

Sich in höchste Liebe versenken

Sich in höchste Liebe versenken
Es reicht nicht aus, dass eine Lehre großartig ist, der Mensch muss eine großartige Einstellung haben.
Ich wende mich der tiefgründigsten Ebene von Liebe und Mitgefühl zu, die durch das Wissen über die Leerheit von inhärenter Existenz ermöglicht wird.
Ich verweise meine Ehrerbietung dem liebenden Mitgefühl, das die umherwandernden Lebewesen, obwohl sie als inhärent existent erscheinen, als leer von von inhärenter Existenz betrachtet, wie die Widerspiegelung des Mondes auf dem Wasser.
Die Widerspiegelung des Mondes auf einer klaren und ruhigen Wasseroberfläche scheint in jeder Hinsicht der Mond zu sein, ist aber keineswegs der Mond, der sich in Wirklichkeit am Himmel befindet. Dieses Bild symbolisiert die Erscheinung des „Ich“ und aller anderen Phänomene: Sie erscheinen so, als ob sie in und aus sich selbst bestünden. Obwohl sie aus eigener Kraft zu existieren erscheinen, sind die in Wirklichkeit leer von solch einer Beschaffenheit. Wie jemand, der die Widerspiegelung des Mondes fälschlicherweise für den Mond hält, so betrachte ich die Erscheinung des „Ich“ und aller anderen Phänomene fälschlicherweise als etwas, das aus eigener Kraft in und aus sich selbst heraus existiert.
Ich kann dieses Bild verwenden, um Einsicht darin zu entwickeln, wie ich unnötigerweise in Leiden hineingezogen werde, in dem ich irrtümlichen Erscheinungen meine Zustimmung gebe und so Begierde und Hass und allen daraus entstehenden Handlungen zum Opfer falle. Dadurch häufe ich Karma an und werde immer wieder in einen Kreislauf des Leidens wiedergeboren. Diese Einsicht und Erkenntnis werden tiefgehende Liebe und weittragendes Mitgefühl in mir wachgerufen, weil ich deutlich sehen kann, wie unnötig all diese Übel sind.
Ich betrachte hier die Lebewesen nicht nur als in einem sechsfachen Leidensprozess gefangen, wie der Eimer im Brunnen, und durchdrungen von Unbeständigkeit, wie die schimmernde Widerspiegelung auf dem Wasser, sondern ich beobachte sie, wie sie der Unwissenheit unterworfen sind, indem sie den irrtümlichen Erscheinungen von inhärenter Existenz ihre Zustimmung geben. Mit dieser Einsicht und Erkenntnis frisch in meinem Geist wird in mir die große Liebe und das große Mitgefühl für alle Lebewesen entstehen. Ich werde mich ihnen nahe und verbunden fühlen, weil sie alle, so wie ich selbst, Glück erlangen und Leiden vermeiden möchten, und da ich im verlauf unzähliger Leben alle schon einmal meine engsten Freunde gewesen sind, und ich sie mit Güte und Freundlichkeit unterstützt habe,
Um Zugang zu solch tiefer Liebe und weitem Mitgefühl zu kommen, muss ich zuerst verstehen, dass ich selbst und alle anderen Lebewesen leer von inhärenter Existenz bin. Ich wiederhole daher die Schritte, um die letztendliche Natur meines „Ich“ zu erkennen.
Kreise ich, wie ich das schon zuvor getan habe, das Ziel meiner Untersuchung ein , nämlich die Erscheinung des „Ich“, als ob es in und aus sich selbst heraus bestünde, erinnere ich mich an eine Situation, in der ich felsenfest daran glaubte.
Nehme ich deutlich die Unwissenheit wahr, welche die Wirklichkeit mit einer Schicht von inhärenter Existenz überzieht, und ich identifiziere diese Unwissenheit.
Ich lege besonderes Gewicht auf die Betrachtung folgender Tatsache: Wenn es ein solches inhärent existentes „Ich“ gäbe, dann muss das „Ich“ und das Geist-Körper-Gefüge entweder ein und dasselbe oder voneinander verschieden sein.
Betrachte ich dann mit Nachdruck die Widersinnigkeit der Behauptung, dass das Selbst und das Geist-Körper-Gefüge entweder ein und dasselbe oder aber von einander verschieden wären. Spüre ich die Unmöglichkeit der folgenden Zwei Behauptungen: Die Behauptung des Einseins untersuchen:
Das „Ich“ und Geist und Körper müssen vollständig und in jeder Hinsicht ein- und dasselbe sein.
So wäre es in diesem Falle sinnlos, von einem „Ich“ zu sprechen.
Auch wäre es unmöglich von „meinem Körper“ oder „meinem Kopf“ oder „meinem Geist“ zu sprechen.
Wenn Geist und Körper nicht mehr existieren, würde das Selbst auch nicht mehr existieren.
Da Geist und Körper mehr als eins sind, müssten die „Ichs“ einer Person auch mehrfach vorhanden sein.
Da mein „Ich“ nur eines ist, müssten Geist und Körper auch nur eines sein.
Genauso wie der Geist und der Körper entstehen und wieder vergehen, würde das „Ich“ inhärent entstehen und inhärent vergehen.
In diesem Fall würden weder die angenehmen Auswirkungen von heilsamen Handlungen noch die schmerzhaften Auswirkungen von nicht heilsamen Handlungen in mir zur Reife gelangen, oder aber ich würde die Wirkungen von Handlungen erfahren, die ich selber gar nicht begangen habe.
Die Behauptung des Verschiedenseins untersuchen:
Das „Ich“ und der Geist und Körper müssten vollständig voneinander verschieden sein.
In diesem Falle müsste das „Ich“ auffindbar sein, nachdem ich Geist und Körper beiseite geräumt habe.
Das „Ich“ würde nicht die Eigenschaften des Entstehens, der Bestehens und des Zerfalls aufweisen, was absurd wäre.
Das „Ich“ müsste unsinniger-weise nur reine Einbildung sein oder aber unvergänglich.
Das „Ich“ würde unsinniger-weise keine geistigen oder physischen Eigenschaften besitzen. Wenn ich ein solches „Ich“ nicht finden kann, dann treffe ich eine klare und feste Entscheidung: „Weder ich, noch irgendein anderer Mensch ist inhärent existent.“
Ich fasse den Entschluss: Aus der Tiefe meines Herzens möchte ich mich darum bemühen, aus diesem Kreislauf des Leidens heraus zu kommen, in den ich deswegen hineingeraten bin, weil ich das, was nicht inhärent existent ist, fälschlicherweise als inhärent existent ansehe.
Sich in höchste Liebe versenken
Es reicht nicht aus, dass eine Lehre großartig ist, der Mensch muss eine großartige Einstellung haben.
Ich wende mich der tiefgründigsten Ebene von Liebe und Mitgefühl zu, die durch das Wissen über die Leerheit von inhärenter Existenz ermöglicht wird.
Ich verweise meine Ehrerbietung dem liebenden Mitgefühl, das die umherwandernden Lebewesen, obwohl sie als inhärent existent erscheinen, als leer von von inhärenter Existenz betrachtet, wie die Widerspiegelung des Mondes auf dem Wasser.
Die Widerspiegelung des Mondes auf einer klaren und ruhigen Wasseroberfläche scheint in jeder Hinsicht der Mond zu sein, ist aber keineswegs der Mond, der sich in Wirklichkeit am Himmel befindet. Dieses Bild symbolisiert die Erscheinung des „Ich“ und aller anderen Phänomene: Sie erscheinen so, als ob sie in und aus sich selbst bestünden. Obwohl sie aus eigener Kraft zu existieren erscheinen, sind die in Wirklichkeit leer von solch einer Beschaffenheit. Wie jemand, der die Widerspiegelung des Mondes fälschlicherweise für den Mond hält, so betrachte ich die Erscheinung des „Ich“ und aller anderen Phänomene fälschlicherweise als etwas, das aus eigener Kraft in und aus sich selbst heraus existiert.
Ich kann dieses Bild verwenden, um Einsicht darin zu entwickeln, wie ich unnötigerweise in Leiden hineingezogen werde, in dem ich irrtümlichen Erscheinungen meine Zustimmung gebe und so Begierde und Hass und allen daraus entstehenden Handlungen zum Opfer falle. Dadurch häufe ich Karma an und werde immer wieder in einen Kreislauf des Leidens wiedergeboren. Diese Einsicht und Erkenntnis werden tiefgehende Liebe und weittragendes Mitgefühl in mir wachgerufen, weil ich deutlich sehen kann, wie unnötig all diese Übel sind.
Ich betrachte hier die Lebewesen nicht nur als in einem sechsfachen Leidensprozess gefangen, wie der Eimer im Brunnen, und durchdrungen von Unbeständigkeit, wie die schimmernde Widerspiegelung auf dem Wasser, sondern ich beobachte sie, wie sie der Unwissenheit unterworfen sind, indem sie den irrtümlichen Erscheinungen von inhärenter Existenz ihre Zustimmung geben. Mit dieser Einsicht und Erkenntnis frisch in meinem Geist wird in mir die große Liebe und das große Mitgefühl für alle Lebewesen entstehen. Ich werde mich ihnen nahe und verbunden fühlen, weil sie alle, so wie ich selbst, Glück erlangen und Leiden vermeiden möchten, und da ich im verlauf unzähliger Leben alle schon einmal meine engsten Freunde gewesen sind, und ich sie mit Güte und Freundlichkeit unterstützt habe,
Um Zugang zu solch tiefer Liebe und weitem Mitgefühl zu kommen, muss ich zuerst verstehen, dass ich selbst und alle anderen Lebewesen leer von inhärenter Existenz bin. Ich wiederhole daher die Schritte, um die letztendliche Natur meines „Ich“ zu erkennen.
Kreise ich, wie ich das schon zuvor getan habe, das Ziel meiner Untersuchung ein , nämlich die Erscheinung des „Ich“, als ob es in und aus sich selbst heraus bestünde, erinnere ich mich an eine Situation, in der ich felsenfest daran glaubte.
Nehme ich deutlich die Unwissenheit wahr, welche die Wirklichkeit mit einer Schicht von inhärenter Existenz überzieht, und ich identifiziere diese Unwissenheit.
Ich lege besonderes Gewicht auf die Betrachtung folgender Tatsache: Wenn es ein solches inhärent existentes „Ich“ gäbe, dann muss das „Ich“ und das Geist-Körper-Gefüge entweder ein und dasselbe oder voneinander verschieden sein.
Betrachte ich dann mit Nachdruck die Widersinnigkeit der Behauptung, dass das Selbst und das Geist-Körper-Gefüge entweder ein und dasselbe oder aber von einander verschieden wären. Spüre ich die Unmöglichkeit der folgenden Zwei Behauptungen: Die Behauptung des Einseins untersuchen:
Das „Ich“ und Geist und Körper müssen vollständig und in jeder Hinsicht ein- und dasselbe sein.
So wäre es in diesem Falle sinnlos, von einem „Ich“ zu sprechen.
Auch wäre es unmöglich von „meinem Körper“ oder „meinem Kopf“ oder „meinem Geist“ zu sprechen.
Wenn Geist und Körper nicht mehr existieren, würde das Selbst auch nicht mehr existieren.
Da Geist und Körper mehr als eins sind, müssten die „Ichs“ einer Person auch mehrfach vorhanden sein.
Da mein „Ich“ nur eines ist, müssten Geist und Körper auch nur eines sein.
Genauso wie der Geist und der Körper entstehen und wieder vergehen, würde das „Ich“ inhärent entstehen und inhärent vergehen.
In diesem Fall würden weder die angenehmen Auswirkungen von heilsamen Handlungen noch die schmerzhaften Auswirkungen von nicht heilsamen Handlungen in mir zur Reife gelangen, oder aber ich würde die Wirkungen von Handlungen erfahren, die ich selber gar nicht begangen habe.
Die Behauptung des Verschiedenseins untersuchen:
Das „Ich“ und der Geist und Körper müssten vollständig voneinander verschieden sein.
In diesem Falle müsste das „Ich“ auffindbar sein, nachdem ich Geist und Körper beiseite geräumt habe.
Das „Ich“ würde nicht die Eigenschaften des Entstehens, der Bestehens und des Zerfalls aufweisen, was absurd wäre.
Das „Ich“ müsste unsinniger-weise nur reine Einbildung sein oder aber unvergänglich.
Das „Ich“ würde unsinniger-weise keine geistigen oder physischen Eigenschaften besitzen. Wenn ich ein solches „Ich“ nicht finden kann, dann treffe ich eine klare und feste Entscheidung: „Weder ich, noch irgendein anderer Mensch ist inhärent existent.“
Ich fasse den Entschluss: Aus der Tiefe meines Herzens möchte ich mich darum bemühen, aus diesem Kreislauf des Leidens heraus zu kommen, in den ich deswegen hineingeraten bin, weil ich das, was nicht inhärent existent ist, fälschlicherweise als inhärent existent ansehe.

Donnerstag, 28. Dezember 2017

Erkenntnis auf andere ausweiten

Diese Erkenntnis auf andere ausweiten
Die Auffassung, dass alles beständig ist, und die egoistische Sorge um mich selbst führen mich ins Verderben. Daher ist es am furchtbarsten, auf die Vergänglichkeit und auf die Leerheit von inhärenter Existenz auf der einen Seite, und auf Liebe und Mitgefühl auf der anderen Seite zu meditieren.
Aus diesem Grunde sage ich: „dass Weisheit und Mitgefühl die beiden Flügel des Vogels sind, der zur Erleuchtung fliegt.“
Wenn ich von meiner eigenen Erfahrung ausgehe, das Vergängliche nicht als das zu erkennen, was es in Wirklichkeit ist, und diese auf andere übertragen, kann ich ein Gespür dafür entwickeln, was es heißt, dass andere Lebewesen auch unzählige Leben in unterschiedlichster Form innerhalb des Daseinskreislaufes durchwandern, nur weil sie genau den gleichen Fehler machen wie ich selber. Betrachte ich das unvorstellbare Leiden dieser Lebewesen und wie ähnlich sie mir selbst sind, indem sie Glück erreichen und Leiden vermeiden wollen. Im Verlauf unzähliger Leben waren alle diese Lebewesen einmal meine engsten Freunde gewesen und haben meine Güte und Freundlichkeit entgegengebracht und stehen mir dadurch ganz nahe. Erkenne ich, dass ich eine Verantwortung dafür habe, dass diese Lebewesen Glück haben und frei vom Leiden sind, und ich entwickle auf diese Weise große Liebe und Mitgefühl.
Wenn ich in meinem Schreibzimmer am Fenster zur Straßenseite stehe und aus dem Fenster sehe, und sehe wie die Autos auf der Straße hin- und herfahren, so reflektiere ich über die Tatsache, dass all diese Menschen denken: „Ich möchte glücklich sein“, „ich muss Geld verdienen,“ „Ich muss dies und das erledigen.“Obwohl alle diese Menschen vergänglich sind, betrachten sie sich irrtümlicherweise als unvergänglich und immerwährend. Und solche Gedanken beflügeln dann mein Mitgefühl.
Ich vergegenwärtige mir meine geliebte Ehefrau, und ich betrachte folgendes voller Gefühl.:
Der Geist, Körper, Besitz und das leben meiner geliebten Frau sind vergänglich, weil sie alle von Ursachen und Bedingungen hervorgerufen werde.
Dieselben Ursachen, die der Geist, Körper, Besitz und das Leben dieses Menschen entstehen lassen, führen dazu, dass all dies sich auch wieder auflöst, von Augenblick zu Augenblick.
Die Tatsache, dass Vergänglichkeit die wahre Natur der Dinge ist, zweigt, dass all diese Dinge nicht aus eigener Kraft heraus existieren, und dass sie unter äußeren Einfluss stehen und funktionieren.
Indem diese meine geliebte Frau das, was sich von Augenblick zu Augenblick wieder auflöst, irrtümlicherweise als konstant und vergänglich betrachtet, fügt sie sich selbst und anderen Schmerzen und Leiden zu.

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Subtile Vergänglichkeit

Subtile Vergänglichkeit
Die Substanzen, der mich umgebenden Dinge und Objekte lösen sich unentwegt von einem Moment zum anderen Moment in ihre Bestandteile auf. Ebenso löst sich mein Bewusstsein, mit dem ich die äußeren Objekte wahrnehme, von Augenblick zu Augenblick in seine Bestandteile auf, und das ist die Beschaffenheit von subtiler Vergänglichkeit. Teilchenphysiker nehmen die Erscheinung eines konkreten Gegenstandes wie zum Beispiel eines Tische nicht einfach als gegeben hin, sondern untersuchen die Veränderungen in den kleineren und kleinsten Bestandteilen dieses Gegenstandes.
Gewöhnliches Glück ist wie der Tautropfen an der Spitze eines Grashalmes und verflüchtigt sich schnell. Dass dieser Tautropfen sich verflüchtigt, macht deutlich, dass er vergänglich ist und unter der Kontrolle von anderen Kräften, von Ursachen und Bedingungen, steht. Dass dieser Tautropfen sich auflöst, zeigt auch, dass es unmöglich ist, alles richtig zu machen. Ganz egal, was ich innerhalb des Daseinskreislaufes tue, so kann ich die verschiedenen Bereiche des Leidens nicht überwinden. Indem ich erkenne, dass die wahre Natur der Dinge Vergänglichkeit ist, werde ich nicht schockiert sein, wenn Veränderungen stattfinden, noch nicht einmal dann, wenn mein Tod eintreten wird.
Ich betrachte:
Mein Geist, mein Körper, mein Besitz und mein Leben sind vergänglich, weil sie alle von Ursachen und Bedingungen hervorgerufen werden.
Dieselben Ursachen, die meinen Geist, Körper, Besitz und mein leben entstehen lassen, führen dazu, dass all dies sich auch wieder auflösen wird, von Augenblick zu Augenblick.
Die Tatsache, dass Vergänglichkeit die wahre Natur der Dinge ist, zeigt, dass all diese Dinge nicht aus eigener Kraft heraus existieren und dass sie unter äußeren Einfluss stehen und funktionieren.
Indem ich das, was sich von Augenblick zu Augenblick wieder auflöst, irrtümlicherweise als konstant und unvergänglich betrachtet, füge ich mir selbst und anderen Schmerzen und Leiden zu.
Aus der Tiefe meines Herzens sollte ich mich darum bemühen, jenseits dieses Leidenskreislaufes zu gelangen, der dadurch verursacht wird, dass ich Vergängliches irrtümlicherweise als unvergänglich betrachte.

Samstag, 23. Dezember 2017

Sich der Vergänglichkeit bewusst werden

Sich der Vergänglichkeit bewusst werden
Ich und die andere Menschen befinden sich in einer trügerischen Illusion der Unvergänglichkeit, und so denke ich, dass mir immer eine Menge Zeit bleibt. Aber diese fälschliche Annahme setzt mich der großen Gefahr aus, mein Leben durch Hinausschieben zu vergeuden, und das ist dann eine besonders große Vergeudung, wenn mein Leben mit den Freiheiten und Möglichkeiten für heilsame Handlungen gesegnet ist.
Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, ist es wichtig, über die Vergänglichkeit nachzudenken, zuerst über die Tatsache, dass der Tod jeden Augenblick eintreten kann, und dann über die vergängliche Beschaffenheit meines Lebens.
Einer der Hauptgründe dafür, dass Begierde und Hass entstehen, ist, dass ich eine große Anhaftung an das gegenwärtige Dahin-strömen meines Lebens habe. Ich fühle und denke, dass mein leben ewig andauern wird, und mit einer solchen Haltung fixiere ich mich auf bloße Oberflächlichkeiten wie materielle Besitztümer, vorübergehende Freunde und zeitlich begrenzte Situationen. Damit diese Unwissenheit über wunden wird, ist es wichtig, darüber nachzudenken, dass ich eines Tages nicht mehr hier sein werde.
Wenn es auch keine absolute Gewissheit dafür gibt, dass ich heute Nacht sterben werde, so entwickle ich ein Gespür dafür, dass ich ein Bewusstsein über den nahe bevorstehenden Tod entwickle. Mit dieser Haltung werde ich etwas, das sowohl in diesem, als auch im nächsten Leben von Nutzen ist, den Vorzug geben vor etwas, das in diesem leben auf oberflächliche Weise hilft. In dem ich mir nicht sicher bin, wann der Tod kommen wird, werde ich davon Abstand nehmen, etwas zu tun, das sowohl meinem jetzigen als auch meinem zukünftigen Leben schaden würde. Ich werde dazu angeregt, solche Einstellungen zu entwickeln, die als Gegenmittel gegen die verschiedenen Formen eines ungezähmten Geistes dienen. Ob ich deshalb nur noch einen Tag, eine Woche, einen Monat oder ein Jahr lebe: Diese Zeit wird für mich bedeutungslos werden, weil meine Gedanken und Handlungen auf dem Fundament dessen ruhen, was auf lange Sicht hin von Nutzen ist.
Wenn ich unter der Illusion der Beständigkeit und Vergänglichkeit stehe, und ich meine Zeit mit Angelegenheiten verbringe, die nur die Oberfläche dieses Lebens berühren, dann werde ich große Verluste erleiden.
Die Tatsache, dass sich die Dinge von Moment zu Moment verändern, öffnet die Möglichkeit für positive Veränderungen. Wären Situationen unveränderlich, dann würden sie für immer den Aspekt des Leidens behalten. Habe ich einmal erkennt, dass sich die Dinge ständig verändern, dann kann ich in schwierigen Zeiten, Trost in der Tatsache finden, dass die Situation nicht ewig auf diese Weise fortdauern wird.
Es liegt in der Natur des Daseinskreislaufes, dass alles, was sich zusammengefunden hat wie Eltern, Kinder, Brüder, Schwestern und Freunde, sich letztendlich auflösen wird. Wie sehr sich Freunde lieben, so werden sie sich dennoch trennen müssen
Lehrer und Schüler, Eltern und Kinder, Brüder und Schwestern, Ehepartner und Ehepartnerin, und auch die allerbesten freunde, wer immer sie auch sein mögen, werden letztendlich wieder voneinander getrennt werde.
Ich muss mich auch irgendwann von meiner geliebten Ehefrau trennen, auch von all meinem Wohlstand, was ich angehäuft habe, wie wunderbar diese auch sein mögen, werden letztendlich ihren Nutzen für mich verlieren.
Die Kürze des Lebens zwingt mich dazu, allen Wohlstand hinter mir zu lassen. Mein gegenwärtiges Leben, wie wunderbar es auch sein mag, wie ein Traum ist, in dem ich großes vergnügen erlebe: Wache ich aus diesem Traum auf, dann stehe ich mit nichts da, außer mit einen Erinnerungen.
Betrachte die Dinge, die aus Ursachen zusammengesetzt sind, wie funkelnde Sterne, wie Phantasieprodukte, die man aufgrund einer Augenkrankheit sieht. Wie flackerndes Licht einer Butterlampe, wie magische Täuschungen, wie Tau, Seifenblasen, Träume, Blitze und Wolken.
Ich erinnere mich daran, dass ich bald von meiner jetzigen Position herabsteigen werde, dann jedes Lebewesen, solange es auch leben mag, es muss einmal sterben. Wie wunderbar auch die Dinge sein mögen, aber es liegt in der eigentlichen Natur, dass diese sich letzten Endes wieder auflösen, denn ich erkenne, dass der Körper vergänglich ist, wie ein Tongefäß.
Wenn das Schicksal gut mit mir ist, so ist es nicht von Dauer. Es wird gefährlich, wenn ich große Anhaftung entwickle, weil alles reibungslos läuft. Es ist schädlich, wenn ich an die Unvergänglichkeit glaube. Wenn die Gegenwart mein Hauptanliegen ist, dann kümmert mich die Zukunft wenig, und das untergräbt meine Motivation, mich in mitfühlenden Handlungen um der zukünftigen Erleuchtung der anderen willen zu üben. Berücksichtige ich die Vergänglichkeit von Allem, so werde ich angemessen motiviert sein. Doch am Ende muss ich sterben sowie alle fühlenden Wesen, und ich weiß nicht wann, wann mein Ende kommen wird.
Darum bereite ich mich vor, dass ich, wenn ich auch heute Nacht sterben sollte, nichts zu bedauern habe. Wenn ich mir bewusst bin, dass mein Tod möglicherweise nahe bevorsteht und jederzeit eintreten kann, dann wird das Gefühl der Dringlichkeit, meine Zeit sinnvoll und klug zu nutzen, stärker und stärker werden.
Ich lebe inmitten von Ursachen für den Tod. Wie eine Kerzenflamme in einem Luftzug. Alle meine Besitztümer hinter mir lassend, bin ich im Tode machtlos und muss woanders hingehen. Doch alles, was ich für die spirituelle Praxis benutzt habe, wird mir als gutes Karma vorangehen. Wenn ich stets daran erinnere, wie schnell sich dieses Leben auflöst, dann werde ich meine Zeit zu schätzen wissen und das tun, was am Nützlichsten ist. Mit dem starken Gespür für das nahe Bevorstehen des Todes werde ich die Notwendigkeit verspüren, mich in der spirituellen Praxis zu üben, meinen Geist zu üben und zu verbessern, statt meine Zeit mit allerlei Ablenkungen zu verschwenden wie beim Essen und Trinken, über Klatsch bis hin zum endlosen Gerede über Kriege und Liebesgeschichten.
Aber für Menschen, die das Wort „Tod“ nicht einmal hören können, wird das tatsächliche Eintreten des Todes großes Unbehagen und Furcht mit sich bringen. Diejenigen aber, die daran gewöhnt sind, den nahe bevorstehenden Tod zu kontemplieren, sind darauf vorbereitet, dem Tod ohne Reue und Bedauern ins Angesicht zu sehen, wenn er dann eintritt. Über die Ungewissheit des Todeszeitpunktes nachzudenken, bringt einen Geisteszustand hervor, der friedvoll ist, gezähmt und heilsam, da er sich mit mehr beschäftigt als nur der oberflächlichen Angelegenheiten meines kurzen Lebens.
Ich führe ein leben, das von Leiden und Vergänglichkeit gekennzeichnet ist. Sobald ich einmal erkannt habe, wie viel mich mit anderen Menschen verbindet, sehe ich, dass es sinnlos ist, streitlustig zu sein und aggressiv miteinander umzugehen.
Ich werde vom leiden und der Vergänglichkeit gefangen gehalten, und unter diesen Umständen gibt es keinen Grund, miteinander zu kämpfen oder meine geistigen und körperlichen Energien damit zu vergeuden, Geld und materielle Güter anzuhäufen.
Ich nehme mir folgendes zu Herzen:
Es ist sicher, das ich sterben werde. Es gibt keine Möglichkeit für mich, dem Tod auszuweichen, denn meine Lebenszeit läuft ab und kann nicht verlängert werden.
Der Zeitpunkt, wann ich sterben werde, ist ungewiss, denn alle Menschen haben unterschiedliche Lebenslängen, und es gibt unzählige Todesursachen. Die Ursache, am Leben zu sein, sind vergleichsweise gering, denn der menschliche Körper ist zerbrechlich.
Wenn ich sterbe, wird mir nichts helfen können außer meiner transformierten geistigen Einstellung. Die freunde werden mir nicht helfen können, mein Besitz und mein Wohlstand werden mir nicht helfen können, noch nicht einmal mein Körper, den ich als Leiche zurück lasse.
Ich finde mich mit anderen Lebewesen in derselben bedrohlichen Lage, und so hat es keinen Sinn, zu streiten, zu kämpfen und die ganze geistige und Körperliche Energie mit der Anhäufung von Geld und materiellen Dingen zu vergeuden.
Ich übe spirituell, um meine Anhaftung an vorübergehenden Launen zu verringern.
Aus der Tiefe meines Herzens sollte ich mich darum bemühen, jenseits dieses Leidenskreislaufes zu gelangen, der dadurch in Gang gesetzt wird, dass ich das Vergängliche fälschlicherweise als unvergänglich betrachte.


Freitag, 22. Dezember 2017

Ein Bild für die Vergänglichkeit

Ein Bild für die Vergänglichkeit
Die Widerspiegelung des Mondes schimmert auf einem See, dessen Oberfläche aufgrund einer leichten Brise leicht gekräuselt ist. Die Unwissenheit, die das Geist-Körper-Gefüge fälschlicherweise für etwas inhärent Existentes hält, ist ein großer Fluss, der in den See der fälschlichen Annehme, dass das „Ich“ inhärent existent ist, fließt. Der See wird aufgewühlt durch die Winde der kontraproduktiven Gedanken und durch die Winde heilsamer und nicht heilsamer Handlungen. Die schimmernde Widerspiegelung des Mondes symbolisiert sowohl die gröberen Ebenen der Vergänglichkeit, aufgrund von Tod, als auch die subtileren Ebenen der Vergänglichkeit, aufgrund der langsamen aber stetigen Auflösung, von der alle Lebewesen beherrscht werden.
Das Schimmern der sich kräuselnden Wellen illustriert die Vergänglichkeit, denen die fühlenden Wesen ausgesetzt sind, und ich betrachte die Lebewesen auf solche Weise. Ich denke über dieses Bild nach, ich kann die Erkenntnis und Weisheit darüber entwickeln, wie die Lebewesen unnötigerweise in das Leiden hineingezogen werden, weil sie sich nicht im Einklang mit ihrer wahren Natur befinden. Diese Erkenntnis und Weisheit wiederum ruft die Liebe und das Mitgefühl wach.

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Meditative Kontemplation



Meditative Kontemplation
Ich entwickle die drei Ebenen der Liebe:
Der Mensch möchte Glück, ist dessen jedoch beraubt, leidet Not und steht alleine da. Wie schön wäre es, wenn sie oder er vom Glück und allen Ursachen des Glücks erfüllt wäre.
Dieser Mensch möchte Glück, ist dessen jedoch beraubt, leidet Not und steht allein das. Möge sie oder er vom Glück und allen Ursachen des Glücks erfüllt sein.
Der Mensch möchte Glück, ist sich dessen jedoch beraubt, leidet Not und steht alleine da. Ich werde alles Mögliche tun, um zu bewirken, dass er oder sie von Glück und allen Ursachen des Glücks erfüllt sind.
Ich entwickle die drei Ebenen des Mitgefühls:
Der Mensch möchte Glück erlangen und Leiden vermeiden, wird aber von furchtbaren Schmerzen heimgesucht. Könnte der Mensch frei sein von leiden und von den Ursachen des Leidens.
Der Mensch möchte Glück erlangen und Leiden vermeiden, aber er wird von furchtbaren Schmerzen heimgesucht. Dieser Mensch mag frei sein von leiden und von den Ursachen des Leidens.
Der Mensch möchte Glück erlangen und Leiden vermeiden, wird aber von furchtbaren Schmerzen heimgesucht. Ich werde diesem Menschen helfen, sich vom Leiden und von allen Ursachen des Leidens zu befreien.
Ich entwickle bedingungslose Hingabe:
Der Daseinskreislauf ist ein Prozess, der durch die Unwissenheit am Laufen gehalten wird.
Es ist sinnvoll und realistisch, wenn ich daran arbeite, die Erleuchtung zu erlangen, um anderen zu helfen, dasselbe zu tun.
Selbst wenn ich es alleine tun müsste, werde ich alle fühlenden Wesen vom leiden und von den Ursachen des Leidens befreien und werde alle fühlenden Wesen zum Glück und zu den Ursachen des Glücks führen.
Vergegenwärtige ich mir nacheinander einzelne Menschen, zuerst Freunde, dann neutrale Menschen und dann Feinde. Ich beginne bei den Feinden, die mich am wenigsten bedrohen, und ich wiederhole diese Kontemplationen bei jedem einzelnen dieser Menschen.
Aber es wird Monate und Jahre dauern, jedoch der Nutzen dieser Übung wird immens sein.


Mittwoch, 20. Dezember 2017

Die Einsicht auf andere ausdehnen

Die Einsicht auf andere ausdehnen
Da ich die Wirkungsweise von Qualen und Elend anhand meiner eigenen Situation verstanden habe, kann ich diese Erkenntnis auf andere fühlende Wesen anwenden, die sich in derselben miserablen Lage befinden. Damit ich jedoch mit Liebe und Mitgefühl reagiere, reicht es nicht aus, darüber Bescheid zu wissen, wie die anderen Lebewesen leiden. Ich muss auch ein Gefühl der engen Verbundenheit mit ihnen haben. Es kann ansonsten vorkommen, dass ich glücklicher wäre, je mehr ich von den Leiden meiner Feinde erfahren würde.
Wenn ich in der Welt Leiden bei meinen Feinden wahrnehme, ist das nicht nur unerträglich für mich, sondern ich freue mich sogar daran. Wenn ich Menschen leiden sehr, die mir weder geholfen noch geschadet haben, dann werde ich ihnen in den meisten Fällen keine Aufmerksamkeit schenken. Solche Reaktionen rühren daher, dass ich kein gefühl der nähe zu diesen Menschen habe. Wenn ich aber sehe, wie meine Freunde leiden, dann ist das erträglich für mich, im Sinne, dass ich etwas dagegen tun will, und der Grad der Unerträglichkeit ist genauso groß, wie mein Gefühl der Nähe zu diesen Menschen. Daher ist es unbedingt erforderlich, dass ich ein starkes Gefühl der Nähe und Verbundenheit für Lebewesen entwickle.
Aber wirkliche Liebe und wirkliches Mitgefühl wachsen auf dem Boden des Respekts für andere Menschen. Dieses Gefühl der Empathie erlange ich durch die Erkenntnis, dass ich und alle anderen Menschen , ob Freunde, Feinde oder Menschen, denen ich neutral gegenüber stehe, denselben grundlegenden Wunsch haben, Glück erlangen und Leiden vermeiden zu wollen, auch wenn unterschiedliche Vorstellungen zwischen den Menschen bestehen, was als Glück und Leiden angesehen werden.Ebenso hilfreich ist es, sich bewusst zu sein, dass im Verlauf von unzähligen Leben jedes einzelne fühlende Wesen und jeder einzelne Mensch schon einmal meine Mutter und mein engster Freund gewesen sein könnte.
Mit dieser Grundvoraussetzung des Gefühls einer intimen Verbundenheit mit allen anderen dient das Vermächtnis, wie die Lebewesen ohnmächtig im Daseinskreislauf umherwandern, um meine Liebe und mein Mitgefühl zu verstärken. Durch Vertrautheit und Einsicht entstehen Liebe, Mitgefühl und der Wunsch, anderen helfen zu wollen, mit einer natürlichen Leichtigkeit.

Dienstag, 19. Dezember 2017

Meditative Kontemplation

Meditative Kontemplation
Genauso wie ein Wassereimer in einem Brunnen an einem Seil festgebunden ist, so bin ich an Leid bringenden Emotionen und an den aus ihnen motivierten Handlungen festgebunden.
Genauso wie die Bewegungen des Wassereimers im Brunnen nach oben und nach unten von jemandem ausgeführt werden, der dies bewirkt, so wird der Prozess meiner unzähligen Leben, innerhalb des Daseinskreislaufes von meinem ungezähmten Geist am Laufen gehalten, genauer gesagt von der fälschlichen Annahme, dass mein „Ich“ inhärent existiert und dass das, was „meins“ ist, auch inhärent existiert.
Genauso wie der Wassereimer immer und immer wieder im Brunnen auf-und abwandert, so wandere ich ständig im großen Brunnen des Daseinskreislaufes auf und ab, von den höchsten Ebenen vorübergehenden Glücks bis zu den tiefsten Ebenen vorübergehenden Schmerzes.
Genauso wie es große Anstrengungen braucht, um den Wassereimer hochzuziehen, er sich aber mühelos nach unten bewegt, so muss ich große Anstrengungen unternehmen, um mich in ein Glücklicheres Leben hochzuziehen, wandere aber mit Leichtigkeit und mühelos in schmerzvolle Situationen hinunter.
Genauso wie ein Wassereimer nicht selbst über seine Bewegungen bestimmt, so sind die Faktoren, die mein Leben formen, das Ergebnis von vergangener Unwissenheit, Anhaftung und Ergreifen bzw. Handlung. In der Gegenwart schaffen dieselben Faktoren ständig neue Probleme für meine zukünftigen Leben, wie Wellen im Ozean.
Genauso wie der Wassereimer bei seinen Auf- und Abwärtsbewegungen gegen die Wand des Brunnens schlägt und dadurch zerbeult wird, so werde auch ich tagein tagaus in Mitleidenschaft gezogen durch das Leiden des Schmerzes, das Leiden der Veränderung und durch Abläufe, auf die ich keinen Einfluss habe. Daher sollte ich aus der Tiefe meines Herzens den Wunsch entwickeln, mich aus diesem Kreislauf des Leidens zu befreien.




Montag, 18. Dezember 2017

Eine Metapher als Hilfe für mein Gehirn

Eine Metapher als Hilfe für mein Gehirn
Wie kann ich Erkenntnis und Weisheit vertiefen, indem ich den Prozess verstehe, der mein leiden hervorruft. Diesen Prozess vergleiche ich mit einem Eimer, der sich in einem Wasserbrunnen hinauf und hinunter bewegt. Wie kann ich, die Lebewesen, die von einem Leben ins nächste wieder geboren werden, mit einem Wassereimer in einem Brunnen vergleichen? Dazu gibt es sechs Vergleichsmöglichkeiten: Genauso wie der Wassereimer an einem Seil festgebunden ist, so sind die Lebewesen an den Leid bringenden Emotionen und den von ihnen motivierten Handlungen festgebunden.
Genauso wie die Bewegungen des Wassereimers im Brunnen nach oben und nach unter von jemanden ausgeführt werden, der dies bewirkt, so wird der Prozess des Daseinskreislauf von einem ungezähmten Geist am Laufen gehalten, genauer gesagt von der falschen Annahme, dass das Selbst oder „Ich“ inhärent existiert und von dem daraus resultierenden falschen Verständnis von „meins“.
Genauso wie der Wassereimer immer und immer wieder im Brunnen auf und abwandert, so wandern die fühlenden Wesen ständig im großen Brunnen des Daseinskreislauf auf und ab, von den höchsten Ebenen vorübergehenden Glücks bis zu den tiefsten Ebenen vorübergehenden Schmerzes.
Genauso wie es große Anstrengungen braucht, um den Wassereimer hochzuziehen, er sich aber mühelos nach unten bewegt, so müssen die fühlenden Wesen große Anstrengungen unternehmen, um sich in ein glücklicheres Leben hochzuziehen, aber wandern mühelos in schmerzvolle Situationen hinunter.
Genauso wie ein Wassereimer nicht selbst über seine Bewegungen bestimmt, so sind die Faktoren, die das Leben eines Menschen formen, das Ergebnis von vergangener Unwissenheit, Anhaftung und Ergreifen bzw. Handlung. In der Gegenwart schaffen dieselben Faktoren ständig neue Probleme für unsere zukünftigen Leben, wie Wellen im Ozean.
Genauso wie der Wassereimer bei seinen Auf- und Abwärtsbewegungen gegen die Wand des Brunnens schlägt und dadurch zerbeult wird, so werden die fühlenden Wesen tagein, tagaus durch Leiden und Veränderungen des Lebens in Mitleidenschaft gezogen und durch Abläufe, auf die sie keinen Einfluss haben.
Mit dieser Metapher und diesem Vergleich wird ein Einblick in den Prozess ermöglicht, der den Daseinskreislauf antreibt.
Zuerst sollte ich diese Informationen, die hier über den Daseinskreislauf freigegeben werden, auf mich selbst anwenden, so dass ich, meine eigene Not, in der ich mich befinde, verstehe und den starken Wunsch entwickeln kann, diese Dynamik der sich immer wiederholenden Probleme überwinde. Wenn mein Geist noch nicht von der Erkenntnis beeinflusst ist, wie ich selbst in einem unkontrollierten Kreislauf der Selbstzerstörung herum wandere, dann werde ich das Leiden der anderen Lebewesen nicht als unerträglich empfinden, um all diesen Lebewesen aus dem Morast herauszuhelfen.






Freitag, 15. Dezember 2017

Empathie entwickeln

Empathie entwickeln
Heil dem liebenden Mitgefühl für die im Daseinskreislauf wandernden Lebewesen, die machtlos sind wie ein Wassereimer, der sich in einem Brunnen hinauf und hinunter bewegt, indem sie zuerst sich selbst übertreiben: „Ich“, und dann Anhaftung an die Dinge entwickeln: „Das ist meins.“
Auch wenn es am Anfang notwendig ist, einen starken Willen zu haben, um Liebe und Mitgefühl entwickeln zu können: Ein starker Wille allein reicht nicht aus, um diese altruistischen Geisteshaltungen ins Grenzenlose zu entfalten. Dazu ist es notwendig, die Übung in Liebe und Mitgefühl mit der Übung in Selbsterkenntnis und Weisheit zu vereinen. So kann der Vogel, der zur Erleuchtung fliegt, sein Ziel erreichen. Auch wenn ich aus Fürsorge einem anderen Menschen helfe, kann ich ohne Erkenntnis und Weisheit nicht wirklich sicher sein, welcher Nutzen aus meinen Anstrengungen entstehen werden. Ich brauche die Kombination von beiden: Ein gutes menschliches Herz und ein gutes menschliches Gehirn. Wenn die beiden Hand in Hand arbeiten, dann kann ich viel erreichen.





Donnerstag, 14. Dezember 2017

Meditative Kontemplatiom

Meditative Kontemplation
Das „Ich“ besteht in Abhängigkeit von Geist und Körper. Geist und Körper sind jedoch nicht das „Ich“, noch ist das „Ich“ Geist und Körper.
Das „Ich“ hängt daher von begrifflichem Denken ab und wird durch den Geist hervorgebracht.
Die Tatsache, dass das „Ich“ von begrifflichem Denken abhängt, zeigt, dass das „Ich“ nicht in und aus sich selbst heraus existiert.
Nehme ich wahr, dass ich ein feineres Gespür dafür habe, was es bedeutet, wenn etwas in und aus sich selbst heraus existiert. Die Erkenntnis der Leerheit zielt darauf ab, genau diese inhärente Existenz zu widerlegen.




Mittwoch, 13. Dezember 2017

Wie mir die Erkenntnis hilft, die inhärete Existenz zu identifizieren

Wie mir diese Erkenntnis hilft, die inhärente Existenz zu identifizieren
Ich sage, dass Existenz und Nichtexistenz durch gültige Erkenntnis bestimmt werden kann. Von dieser Perspektive aus betrachtet, scheinen das wahrgenommene Objekt und das wahrnehmende Subjekt gleich stark zu sein. Dieser Gesichtspunkt wird noch weiterentwickelt: So stelle ich fest, dass es nicht so ist, dass ein gültiges Bewusstsein Dinge findet, die aus eigener Kraft heraus existieren. Vielmehr ist es so, dass diese Dinge abhängig davon sind, von begrifflichem Denken konstituiert werden. Es kann nichts außerhalb begrifflichen Denkens existieren, und alles wird vom Geist als abhängend gesehen. Denn der Geist ermächtigt und bevollmächtigt, und der Geist erschafft die Welt.
Ich sage immer wieder: Das „Ich“ und alle anderen Phänomene existieren durch die Kraft begrifflichen Denkens. Obwohl das „Ich“ in Abhängigkeit von Geist und Körper besteht, sind Geist und Körper nicht das „Ich“, noch ist das „Ich“ der Geist und der Körper. Das „Ich“ wird in Abhängigkeit von Geist und Körper hervorgebracht, aber innerhalb von Geist und Körper gibt es nichts, was das „Ich“ wäre. Das „Ich“ und alle anderen Phänomene werden nur durch den Geist erschaffen.Wenn ich dies verstehe, dann bekomme ich eine Ahnung davon, dass Menschen nicht in und aus sich selbst heraus existieren. Sie sind nur etwas in Abhängigkeit Entstandenes.
Und wenn ich dann sehe, dass Phänomene normalerweise nicht so erscheinen, als ob sie unter dem Einfluss von begrifflichen Denken stünden, sondern vielmehr aus eigener Kraft heraus existieren scheinen, dann werde ich erkennen: „Ah! Das ist es, was widerlegt wird.“



Dienstag, 12. Dezember 2017

Meditative Kontemplation

Meditative Kontemplation
Ich gehe zurück in eine Situation, in der ich von Hass oder Begierde erfüllt bin.
Erscheint mir der verhasste bzw. der begehrte Mensch oder das verhasste bzw. das begehrte Objekt nicht als sehr substanziell, gegenständlich und wirklich.? Das dies der Fall ist, kann ich unmöglich behaupten, dass ich die Phänomene bereits als vom Denken abhängig betrachte.
Ich betrachte die Phänomene so, als ob sie aus eigener Kraft heraus existieren.
Ich erinnere mich dran, dass ich immer wieder auf die Leerheit meditieren muss, um dieser irrtümlichen Erscheinungsweise von Phänomenen entgegenzuwirken.


Montag, 11. Dezember 2017

Die drei Hauptaspekte des Pfades zur Erleuchtung

Die drei Hauptaspekte des Pfades zur Erleuchtung
Mit der gleichzeitigen Erkenntnis des Entstehens in wechselseitiger Abhängigkeit und der Erkenntnis der Leerheit, ohne zwischen diesen beiden hin und herzuwechseln, wird die Betrachtungsweise von inhärenter Existenz durch definitives Wissen vollständig zerstört. Indem das Entstehen in wechselseitiger Abhängigkeit als unwiderlegbar gesehen wird. An diesem Punkt angekommen, ist die Untersuchung der Wirklichkeit vollständig.
Wenn ich über das abhängige Geflecht im Herzen des Entstehens in wechselseitiger Abhängigkeit reflektiere, wird mein Verständnis gestärkt, dass die Phänomene nur dem Namen nach existiere und lediglich eine von mir zugeschriebene Existenz haben, nichts mehr als das. Wenn ich verstanden habe, dass allein schon die bloße Zuschreibung die Vorstellung untergräbt, dass Phänomene in und aus sich selbst heraus existieren, dann habe ich die Aufgabe erfüllt, herauszufinden, was die buddhistische Sichtweise der Wirklichkeit ist. Ich habe die Hoffnung, dass ich mich diesem Punkt nähere.
Alles, was meinen Sinnen und meinem geist erscheint, entsteht in Abhängigkeit vom begrifflichen Denken. Wenn ich das verstanden habe, werde ich die Vorstellung überwinden können, dass Phänomene aus eigener Kraft heraus existieren. Ich werde die Wahrheit darin erkennen, dass Phänomene nicht aus eigener Kraft heraus existieren. Ich werde die Leerheit, das heißt Freiheit von inhärenter Existenz, erkennen können, die jenseits der unzähligen Probleme existieren, die aus der Sichtweise hervorgehen, dass Phänomene in und aus sich heraus existieren.
Die Leerheit ist das Heilmittel, um die Täuschungen aufzuheben, in denen ich mich befinde.





Sonntag, 10. Dezember 2017

Grundlegende Abhandlung über die Mitte, die "Weisheit" genannt wird

Grundlegende Abhandlung über die Mitte, die „Weisheit“ genannt wird
Ein Handelnder hängt von einer Handlung ab, und eine Handlung existiert in Abhängigkeit von einem Handelnden. Außer dem Entstehen in wechselseitiger Abhängigkeit sehe ich keine andere Ursache für deren Existenz.
Handelnder und Handlung hängen voneinander ab. Ich kann eine Handlung nur in Abhängigkeit von einem Handelnden postulieren, und der Handelnde kann nur in Abhängigkeit zu einer Handlung postuliert werden. So entsteht eine Handlung in Abhängigkeit zu einem Handelnden, aber ein Handelnder entsteht in Abhängigkeit zu einer Handlung. Aber sie stehen nicht auf gleiche Weise wie Ursache und Wirkung miteinander in Beziehung, denn das eine wird nicht vom anderen erschaffen.
Wieso sind alle Dinge relativ? Wieso ist eine Ursache von ihrer Wirkung abhängig? Weil die Ursache nicht in und aus sich selbst heraus entsteht. Wenn eine Ursache aus sich selbst heraus bestünde, dann würde diese Ursache nicht von ihrer Wirkung abhängen. Es gibt keine autarke und selbständige Ursache. Ich finde nichts, das in und aus sich selbst heraus existiert, wenn ich eine Ursache analytisch untersuche, obwohl jedes Ding meinen alltäglichen und gewöhnlichen Geist so erscheint, als wenn er ein separates und unabhängiges Wesen hätte.
Alle Phänomene stehen unter dem Einfluss von etwas anderem als sich selbst, so hängt die Benennung von einem Ding als Ursache von der Betrachtung der Wirkung dieses Dinges ab. Das ist der Weg, durch den ich erkennen kann, dass dieses subtileres Verständnis des Entstehens in wechselseitiger Abhängigkeit im Sinne von Benennung in Abhängigkeit korrekt ist.
Was von Bedingungen abhängt, ist leer von seiner eigenen inhärenten Existenz.“
Ich habe folgende Gedanken:“Es mag in der tat Tiere geben, die vom Entstehen in wechselseitiger Abhängigkeit von Ursache und Wirkung eine Ahnung haben, aber für mich ist dieses Entstehen in wechselseitiger Abhängigkeit von Ursache und Wirkung eine unbestreitbare Tatsache, über die ich, im Unterschied zu den Tieren, reflektieren kann. Wenn ich diesen Gedankengang weiterverfolge, dann entwickelt sich das Entstehen in wechselseitiger Abhängigkeit von Ursache und Wirkung aufgrund von Benennung in Abhängigkeit, das ist ein Hinweis, dass Ursache und Wirkung keinen eigenen Wesenskern haben. Hätten Ursache und Wirkung ihren eigenen Wesenskern, so müsste man sie nicht in wechselseitiger Abhängigkeit benennen.
Wenn etwas aufgrund seiner eigenen unabhängigen und getrennten Existenz bestehen würde, so wäre es nicht notwendig, dieses als etwas Abhängiges zu postulieren.
Würde ein Ding in und aus sich selbst heraus existieren, dann wäre es genug, und ich könnte dann sagen: „Es ist das“, ohne Notwendigkeit, dieses Ding mit irgendetwas anderem in Beziehung zu setzen. Doch das das Ding nicht in und aus sich selbst heraus etabliert ist, so gibt es keine andere Alternative zu dem Postulat, dass dieses Ding in Beziehung zu etwas anderem steht.
Diese Gedanken finde ich sehr hilfreich.





Freitag, 8. Dezember 2017

Die Bedeutung erforschen

Die Bedeutung erforschen
Wie grundlegend ist begriffliches Denken? Es wäre unbequem anzunehmen, dass ich genau in dem Moment, wo jedes einzelne Objekt in meinem Wahrnehmungsbereich kommt, Gedanken entwickeln müsste, die jedes einzelne dieser Objekte konstruiert. Es wäre egal, wie schnell mein Denken funktionieren würde, so gäbe es nicht genügend Zeit für mich, um die Gedanken zu entwickeln, die für einen einzigen Augenblick der visuellen Wahrnehmung notwendig wäre.
Es ist in der Tat so, dass die äußeren Objekte Teil des Prozesses sind, wenn ich ein Bewusstsein über die entwickle wie wenn ich einen Baum und seine Umgebung wahrnehme. Wenn Abhängigkeit von Gedanken aber bedeutet, dass ich einen konzeptuellen Gedanken für alles, was ich sehe, entwickeln müsste, dann wäre das absurd.
Daher erscheint es mir, dass die „Erschaffung der Welt durch begriffliches Denken“ letzten Endes bedeutet, dass Objekte und Phänomene ihre Existenz nicht aus sich selbst erschaffen können, ohne von einem Bewusstsein abhängig zu sein.
Von diesem Standpunkt aus sage ich:“Dass alle Phänomene und Dinge als auch fühlende Wesen, durch begriffliches Denken erschaffen sind.“ Es ist offensichtlich, dass Wirkungen von Ursachen abhängen, aber Ursachen hängen auf subtile Weise auch von ihren Wirkungen ab.
So ist jede Ursache selbst eine Auswirkung ihrer eigenen vorausgegangenen Ursachen und entsteht daher in Abhängigkeit von diesen jeweiligen Ursachen. Ursache und Wirkung bilden eine zeitliche Sequenz, in der eine Wirkung nach ihrer Ursache entsteht, denn das ist ein Entstehen in wechselseitiger Abhängigkeit im Sinne von Erschaffen in Abhängigkeit.
Die Benennung von etwas ist eine Ursache, die von der Betrachtung der Auswirkung der Ursache abhängt. Es ist nicht so, dass etwas selbst in und aus sich selbst heraus eine Ursache ist, sondern dieses etwas wird als Ursache bezeichnet in Relation zu seiner Auswirkung.
Die Wirkung geschieht nicht vor ihrer Ursache, und die Ursache entsteht nicht nach ihrer Auswirkung, sondern innerhalb des Denkens an ihre zukünftige Wirkung bezeichne ich ich etwas als eine Ursache. Das ist mit dem Entstehen in wechselseitiger Abhängigkeit im Sinne von Benennung in Abhängigkeit gemeint.




Donnerstag, 7. Dezember 2017

Was bedeutet es, von begriffliches Denken erschaffen zu sein

Was bedeutet es, von begriffliches Denken erschaffen zu sein
Wenn ich schöne Blumen oder ein herrliches Haus betrachte, dann erscheinen die Phänomene in meinem wahrnehmenden Bewusstsein so, als ob sie in und aus sich selbst heraus existierten.Doch nichts in dem wahrgenommenen Objekten kann bei genauerer Betrachtung eine solche Existenzweise bestätigen. Die Wahrnehmungskraft meines Geistes ist die Quelle der wahrgenommenen Objekte, und das trifft auf alle Phänomene zu. Wenn ich diese Phänomene suche, dann kann ich sie nicht aus sich selbst heraus bestehend ermitteln, obwohl sie genau so erscheinen. Denn dadurch, dass Phänomene und Lebewesen Nutzen und Schaden bringen, was vom Bewusstsein abhängt, existieren sie. Phänomene und fühlende Wesen haben niemals in und aus sich selbst heraus existiert, existieren nicht auf solche Weise und werden niemals auf solche Weise existieren. Sie existieren durch die Kraft des Geistes, durch die Kraft der Konventionen.
So hängt die ganze Welt vom begrifflichen Denken ab:
Begierde und so weiter existieren,
nicht ohne begriffliches Denken.
Welcher intelligente Mensch würde daher postulieren,
dass sie wirklich Objekte sind,
die auch begrifflich sind..
Phänomene existieren nur in Gegenwert von begrifflichem Denken.
Phänomene, die nur dann existieren, wenn begriffliches Denken vorhanden ist, und die nicht existieren, wenn begriffliches Denken fehlt, bestehen nicht durch ihre eigene Natur, wie eine Schlange, die in einem aufgerollten Seil wahrgenommen wird.




Mittwoch, 6. Dezember 2017

Wahrnehmen, wie alles auf Gedanken beruht

Wahrnehmen, wie alles auf Gedanken beruht
Selbst die verschiedenen blühenden Blumen, die den Geist erfreuen, und die attraktiv schimmernden, erhabenen goldenen Wohnstätten sind in keiner Weise von einem inhärent existenten Schöpfer erschaffen. All dies wird durch die Kraft der Gedanken gebildet. Durch die Kraft begrifflichen Denkens wird die Welt erschaffen.
Wenn ich eine ungefähre Vorstellung davon entwickelt habe, dass alles von Gedanken abhängt, dann sollte ich die Frage stellen, ob andere Menschen und Dinge normalerweise auf diese Weise erscheinen oder nicht. Wenn ich auf subtiler Ebene von Emotionen beeinflusst werde, dann ist es schwierig, festzustellen, wie ich an diesen Emotionen festhalte. Ich rufe mir eine Situation in Erinnerung, in der ich starken Hass oder starke Begierde verspürte. Der gehasste oder der begehrte Mensch oder Gegenstand erschien mir als sehr substanziell und sogar völlig unveränderlich, nicht wahr? Wenn ich genauer hinsehe, dann verstehe ich, warum ich momentan nicht von mir behaupten kann, dass ich die Phänomene bereits als auf Gedanken beruhend betrachte.
Mir erscheinen die Phänomene so, als ob sie aus eigener Kraft heraus existierten. Das „ich“ kann weder innerhalb noch außerhalb des Geist-Körper-Gefüges gefunden werden, und die Existenz des „Ich“ hängt vom begrifflichen Denken ab.
Das gesprenkelte Farbmuster und die zusammengerollte Form eines aufgerollten Seils sind denen einer Schlange ähnlich, und wenn das Seil im Halbdunkel wahrgenommen wird, entsteht der Gedanke „Das ist eine Schlange“.
Was das Seil in dem Moment betrifft, wo es als Schlange gesehen oder wahrgenommen wird, sind die Ansammlung und die Teile des Seils, aber nicht im Geringsten eine Schlange.
Die Schlange ist durch begriffliches Denken verursacht und etabliert worden. Es ist genauso, wenn der Gedanke „Ich“ entsteht: Nichts innerhalb des Geistes und des Körpers, weder die Ansammlung, die eine ununterbrochene Folge von früheren und späteren Momenten ist, noch die Ansammlung der Teile zu einer bestimmten Zeit, noch die einzelnen Teile, noch die unterbrochene Folge von irgendwelchen der getrennten Teile, ist auch nicht im Geringsten, das „Ich“.
Ebenso gibt es nicht im Geringsten etwas, das ein von Geist und Körper verschiedenes Wesen ist, und als das „Ich“ begriffen werden kann. Folglich ist das „Ich nur durch das begriffliche Denken, in Abhängigkeit von Geist und Körper, verursacht und etabliert, es entsteht nicht durch sein eigenes Wesen.“
Mir war plötzlich, als ob ein Blitz durch meine Brust gefahren ist. Ich war von Ehrfurcht ergriffen, dass, wann immer ich während der folgenden Wochen Menschen sah, diese mir wie Täuschungen einer Zauberkünstlers vorkamen, weil sie mir als inhärent existent erschienen, ich aber wusste, dass dies in Wirklichkeit nicht der Fall war. Jetzt begann ich zu verstehen, dass es wirklich möglich ist, den Prozess des Entstehens, des Entstehens der Leid bringenden Emotionen anzuhalten, indem ich nicht länger der Art und Weise, wie ich das „Ich“ und all die anderen Phänomene erscheinen, meine Zustimmung gebe, die Leerheit, und jedes Mal rufe ich mir die Erfahrung von damals ins Gedächtnis, um sie in meinen Aktivitäten des Tages hineinzubringen. Lediglich „Ich“ zu denken, oder zu sagen, wie in dem Satz: „Ich werde dieses oder jenes tun“, löst dann oft ein Gefühl aus. Aber ich kann noch immer keinen Anspruch auf ein umfassendes Verständnis der Leerheit erheben.



Dienstag, 5. Dezember 2017

Die Behauptung des Verschieden-Seins untersuchen

Die Behauptung des Verschieden-Seins untersuchen
Das „Ich“ und der Geist/Körper müssen vollständig voneinander verschieden sein.
In diesem Falle müsste das „Ich“ auffindbar sein, nachdem Geist und Körper beiseite geräumt wurden.
Das „Ich“ würde nicht die Eigenschaften des Entstehens, der Bestehens und des Zerfall aufweisen, was absurd wäre. Das „Ich“ müsste unsinniger weise nur reine Einbildung oder unvergänglich sein.
Das „Ich“ würde unsinniger weise keine geistigen oder physischen Eigenschaften aufweisen.
Wenn ich so ein „Ich“ nicht finden kann, dann treffe ich eine klare und feste Entscheidung: „Weder ich noch irgendein anderer Mensch ist inhärent existent.“
Verweile ich einen Augenblick in dieser Wahrnehmung, und nehme ich die Bedeutung der Leerheit in mich auf, indem ich mich auf die Abwesenheit von inhärenter Existenz konzentriere.
Ich lasse wieder die Erscheinungen von Menschen in meinen Geist auftauchen.
Ich reflektiere über die Tatsache, dass Menschen und Lebewesen innerhalb des Kontextes des Entstehens in wechselseitiger Abhängigkeit Handlungen ausführen, und somit Karma ansammeln und die Wirkungen meiner Handlungen erfahren.
Stelle ich die Tatsache fest, dass das Erscheinen von Menschen und Lebewesen innerhalb der Abwesenheit von inhärenter Existenz möglich ist und Wirkungen herbeiführen kann.
Wenn Wirksamkeit und Leerheit einander zu widersprechen scheinen, ziehe ich ein Spiegelbild zu Hilfe.
Das Spiegelbild eines Gesichtes kommt in Abhängigkeit von einem Spiegel und einem Gesicht unbestreitbar zustande, auch wenn es leer von Augen, Ohren, der Nase usw. ist, die es zu haben scheint. Das Spiegelbild eines Gesichtes verschwindet, wenn Gesicht oder Spiegel fehlen.
Auf ähnliche Weise stellt es keinen Widerspruch dar, dass ein Mensch Handlungen ausführt, Karma ansammelt, die Auswirkungen von Handlungen erlebt und in Abhängigkeit von Karma und destruktiven Emotionen wiedergeboren wird, obwohl dieser Mensch nicht einmal ein Staubkörnchen inhärenter Existenz aufweist.
Ich versuche, dieses Fehlen eines Widerspruches zwischen Wirksamkeit und Leerheit in Bezug auf alle fühlenden Wesen und in Bezug auf alle Dinge wahrzunehmen.

Montag, 4. Dezember 2017

Die Behauptung des Eins-Seins untersuchen

Die Behauptung des Eins-Seins untersuchen
Das „Ich“ und der Geist/Körper müssten vollständig und in jeder Hinsicht ein und dasselbe sein.
Es wäre in diesem Falle sinnlos, von einem „Ich“ zu sprechen.
Und es wäre unmöglich, von „meinem Körper“ oder „meinem Kopf“ oder „meinem Geist“ zu sprechen.
Wenn Geist und Körper nicht mehr existieren, so würde das selbst auch nicht mehr existieren.
Weil Geist und Körper mehr als eins sind, müssten die „Ichs“ einer Person mehrfach vorhanden sein.
Da mein „Ich“ nur eines ist, müssten mein Geist und Körper auch nur eines sein.
Genauso wie der Geist und der Körper entstehen und wieder vergehen, würde das „Ich“ inhärent entstehen und inhärent vergehen.
In diesem Fall würden weder die angenehmen Auswirkungen von heilsamen Handlungen noch die schmerzhaften Auswirkungen von nicht heilsamen Handlungen in mir zur Reife gelangen, oder aber ich würde die Wirkungen von Handlungen erfahren, die ich selber gar nicht gegangen habe.

Sonntag, 3. Dezember 2017

Meditative Kontemplation

Meditative Kontemplation
Kreise ich, wie ich das schon zuvor gemacht habe, das Ziel meiner Untersuchungen ein, nämlich die Erscheinung des „Ich“, als ob es in und aus sich selbst heraus errichtet sei, und ich erinnere mich an eine Situation, in der ich felsenfest an die Existenz eines solchen „Ich“ geglaubt habe.
Nehme ich deutlich die Unwissenheit wahr, welche die Wirklichkeit mit einer Schicht in inhärenter Schicht überziehen, und ich identifiziere diese Unwissenheit.
Lege ich besonderes Gewicht auf die Betrachtung folgender Tatsache: Wenn es ein solches inhärent existentes „Ich“ gäbe, dann müssten das „Ich“ und das Geist-Körper-Gefüges entweder ein und dasselbe oder aber voneinander verschieden sein.
Betrachte ich dann mit Nachdruck die Widersinnigkeit der Behauptung, dass das Selbst und das Geist-Körper-Gefüge entweder ein und dasselbe oder aber voneinander verschieden wären., so spüre ich die Unmöglichkeit der folgenden Behauptungen.

Samstag, 2. Dezember 2017

Wie mir diese Sichtweise hilft

Wie mir diese Sichtweise hilft
Menschen und Dinge wie Täuschungen zu betrachten, hilft mir, ungünstige Emotionen zu verringern, da Begierde, Hass und alle anderen Leid bringenden Emotionen daraus entstehen, dass ich Phänomene jenseits dessen, was diese Phänomene in Wirklichkeit sind, mit Qualitäten wie „gut“ oder „schlecht“ überlagern.
Wenn ich mich über jemanden sehr ärgere, dann habe ich ein starkes Gespür für die Schlechtigkeit dieses Menschen. Wenn ich mich später beruhigt habe, und dann denselben Menschen betrachte, dann kann es sein, dass ich meine eigene frühere Wahrnehmung lächerlich finde.Der klare Vorteil von Einsicht ist der, dass sie mich davon abhält, Objekten jenseits dessen, was diese Objekte in Wirklichkeit sind, dass man diesen etwas Gutes oder etwas Schlechtes zuschreiben kann. Durch die Schwächung von Selbsttäuschung wird es mir möglich, Begierde und Hass zu verringern und schließlich ganz aufzugeben, weil die Leid bringenden Emotionen auf unrealistische Übertreibungen aufbauen. Dieses Auflösen von ungesunden Emotionen wiederum schafft mehr Raum für gesunde Emotionen und heilsame Einstellungen. Ich betrachte die Phänomene mit Einsicht, und ich hole sie in den Bereich meiner Übung der Leerheit hinein.
Wenn ich mich darin übe, Liebe und Mitgefühl auszudehnen, dann erinnere ich mich daran, dass auch Liebe und Mitgefühl und auch die Menschen, die das Objekt meiner Liebe und meines Mitgefühls sind, wie die Täuschungen eines Zauberkünstlers sind. Sie erscheinen mir nämlich so dinglich und konkret, als ob sie in und aus sich selbst heraus bestünden, was aber nicht der Fall ist. Wenn ich Liebe, Mitgefühl und die anderen Menschen als inhärent existent betrachte, dann werde ich dieses Sichtweise davon abhalten, Liebe und Mitgefühl in vollem Ausmaß entwickeln zu können.
Ich sollte sie wie Täuschungen betrachten, die auf eine Weise erscheinen, aber in Wirklichkeit auf andere Weise existieren. Diese Sichtweise wird sowohl meine Erkenntnis der Leerheit als auch meine Liebe und mein Mitgefühl vertiefen, so dass ich mich in diesem Verständnis wirkungsvoll mitfühlenden Handlungen widmen kann.

Freitag, 1. Dezember 2017

Den Widerspruch zwischen Erscheinung und Wirklichkeit erkennen

Den Widerspruch zwischen Erscheinung und Wirklichkeit erkennen
Ich führe hier die Beispiele der Täuschung des Spiegelbildes und der Luftspiegelung an, um eine grobe Vorstellung von dem Widerspruch zu vermitteln zwischen dem, wie etwas erscheint und wie es in Wirklichkeit existiert. Wenn ich erkannt habe, dass ein Abbild eines Gesichtes im Spiegel nicht wirklich ein Gesicht ist, heißt das noch nicht, dass ich die Leerheit inhärenter Existenz des Spiegelbildes erkannt habe. Denn in dem Wissen, dass ein Spiegelbild eines Gesichtes im Spiegel nicht wirklich ein Gesicht ist, nehme ich noch immer fälschlicherweise an, dass das Spiegelbild eines Gesichtes leer davon ist, ein Gesicht zu sein, mit wirklicher Erkenntnis der Leerheit gleichzusetzen wäre, dann müsste ich, sobald ich mein Gesicht auf irgendein anderes Objekt lenke, wie auf meinen Arm oder meinem Körper oder meine Wohnung, auch sofort dessen Leerheit von inhärenter Existenz erkennen.Doch das ist nicht der Fall. Es ist nicht so, dass ich und andere Menschen Täuschungen sind, viel mehr erscheine ich und die anderen wie Täuschungen.
Um sich selbst und andere Phänomene wie Täuschungen wahrnehmen zu können, hat zwei Voraussetzungen: Erstens, die falsche Erscheinung von sich selbst oder anderen Objekten als inhärent existent, und zweitens ein Verständnis davon, dass ich selbst oder was immer ich betrachte, nicht auf diese Weise existiere. In der Meditation habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich nach dieser unabhängigen Eigenschaft von Phänomenen gesucht, diese aber nicht gefunden habe, auch wenn nach meinen Meditationen die Phänomene immer noch auf ebensolche Weise als inhärent existent erscheinen.
Mein vorangegangenes Verständnis öffnet nun das Tor zur Erkenntnis, dass diese Phänomene illusorisch sind in dem Sinne, dass sie als inhärent existent erscheinen, sie aber in Wirklichkeit nicht inhärent existieren. Alle Dinge haben die Eigenschaft von etwas Unrichtigem und Täuschendem.
Es gibt vielerlei Diskrepanzen zwischen der Art und Weise, wie sie in Wirklichkeit sind. Etwas, was vergänglich ist, kann als unvergänglich erscheinen. Manchmal erscheinen mir die Ursachen von Schmerzen wie zu viel essen ist zunächst die Ursache eines Vergnügens, aber letzten Endes doch nicht. Etwas, was zu Leiden führt, wird als das nicht gesehen, was es in Wirklichkeit ist, sondern wird als Weg betrachtet, der zum Glück führt.
Obwohl ich mir Glück wünsche, weiß ich aufgrund meiner Unwissenheit nicht, wie ich das Glück erreichen kann. Obwohl ich vom leiden frei sein möchte, arbeite ich genau daran, die Ursache für das leiden zustande zu bringen, weil ich ein falsches Verständnis davon habe, was Leiden hervorbringt. Die Augen derer, die sich eine Zaubervorstellung ansehen, werden durch die Täuschungen des Zauberkünstlers beeinflusst, und aufgrund dieser Täuschungen glauben die Zuschauer, Pferde, Elefanten und so weiter zu sehen. Indem ich den Erscheinungen von inhärenter Existenz zustimme, übertreibe ich auf ähnliche Weise den guten Status von guten und schlechten Phänomenen, und werde dadurch in Begierde und Hass hineingezogen und in Handlungen, die Karma verursachen. Was ein nicht inhärent existentes „Ich“ ist, erscheint mir als inhärent existentes „Ich“, und ich nehme die Erscheinung als gegeben an.