Freitag, 19. Januar 2018

Über Vergänglichkeit nachdenken

Über Vergänglichkeit nachdenken
Ich nehme mir folgendes zu Herzen:
Es ist sicher, dass ich sterben werde. Es gibt keine Möglichkeit für mich, dem Tod auszuweichen, denn meine Lebenszeit läuft ab und kann nicht verlängert werden.
Der Zeitpunkt, wann ich sterben werde, ist ungewiss, denn alle Menschen haben unterschiedliche Lebenslängen. Es gibt unzählige Todesursachen, aber die Ursachen am Leben zu sein, sind dagegen vergleichsweise gering, denn der menschliche Körper ist sehr zerbrechlich.
Wenn ich sterbe, wird mir nichts helfen können außer meiner transformierten geistigen Einstellung. Meine Freunde werden mir nicht helfen können.
Mein Besitz und mein Wohlstand werden mir nicht mehr helfen können und nicht einmal mein eigener Körper, den ich als Leiche zurücklassen muss.
Ich befinde mich wie alle Menschen in derselben bedrohlichen Lage, und von daher hat es keinen Sinn, sich zu streiten und zu bekämpfen oder alle meine körperlichen und geistigen Energien mit der Anhäufung von Geld und anderen materiellen Gütern zu vergeuden.
Ich sollte mich jetzt spirituell üben, um meine Anhaftung an vorübergehende Launen zu verringern.
Aus der Tiefe meines Herzens sollte ich mich darum bemühen, jenseits dieses Kreislaufes des Leidens zu gelangen, der dadurch in Gang gesetzt wird dass ich das vergängliche fälschlicherweise als unvergänglich betrachte.
Ich betrachte:
Mein Geist, mein Körper, mein Besitz und mein Leben sind vergänglich, weil sie alle von Ursachen und Bedingungen hervorgerufen werden.
Dieselben Ursachen die meinen Geist, Körper, Besitz und mein Leben entstehen lassen, führen dazu, dass all dies sich auch wieder auflösen wird, von Augenblick zu Augenblick.
Die Tatsache, dass Vergänglichkeit die wahre Natur der Dinge ist, zeigt, dass all diese Dinge nicht aus eigener Kraft heraus existieren, und dass sie unter äußeren Einfluss stehen und funktionieren.
Indem ich dass, was sich von Augenblick zu Augenblick wieder auflöst, irrtümlicherweise als konstant und unvergänglich betrachte, füge ich mir selbst und anderen Schmerzen und Leiden zu.
Aus der Tiefe meines Herzens sollte ich mich darum bemühen, jenseits dieses Kreislaufes des Leidens zu gelangen, der dadurch verursacht wird, dass ich Vergängliches irrtümlicherweise für unvergänglich halte.
Ich vergegenwärtige mir meine geliebte Ehefrau, und ich betrachte folgendes voller Gefühle:
Der Geist, der Körper, der Besitz und das Leben meiner geliebten Ehefrau sind vergänglich, weil sie alle von Ursachen und Bedingungen hervorgerufen werden. Dieselben Ursachen, die den Geist, den Körper, den Besitz und das Leben dieses Menschen, meine Ehefrau, entstehen lassen, führen dazu, dass all dies sich auch wieder auflösen kann, von Augenblick zu Augenblick.
Die Tatsache, das Vergänglichkeit die wahre Natur der Dinge ist, zeigt, dass all die Dinge nicht aus eigener Kraft heraus existieren, und dass sie unter äußerem Einfluss stehen und funktionieren.
Indem diese meine geliebte Ehefrau das, was sich von Augenblick zu Augenblick wieder auflöst, irrtümlicherweise als konstant und unvergänglich betrachtet wird, fügt sie sich selbst und anderen Schmerzen und Leiden zu.



Donnerstag, 18. Januar 2018

Liebe und Mitgefühl mit Hilfe von Selbsterkenntnis und Weisheit vertiefen

Liebe und Mitgefühl mit Hilfe von Selbsterkenntnis und Weisheit vertiefen
Empathie entwickeln:
Ich wende die folgenden sechs Vergleichsmöglichkeiten auf mich selber an, um die Beschaffenheit des Leidens zu verstehen, und um den starken Wunsch zu entwickeln, diesen Prozess zu überwinden.
Genauso wie ein Wassereimer in einem Brunnen an einem Seil festgebunden ist, so bin ich an leid bringenden Emotionen und an den aus ihnen motivierten Handlungen festgebunden.
Genauso wie die Bewegungen des Wassereimers im Brunnen nach oben und nach unten von jemandem ausgeführt werden, der dies bewirkt, so wie der Prozess meiner unzähligen Leben innerhalb des Daseinskreislaufes von meinem ungezähmten Geist am Laufen gehalten, genauer gesagt von der fälschlichen Annahme, dass das, was mein „Ich“ inhärent existiert und dass das, was „mein“ ist, auch inhärent existiert.
Genauso wie ein Wassereimer immer und immer wieder im Brunnen auf- und abwandert, so wandere ich ständig im großen Brunnen des Daseinskreislaufes auf und ab, von den höchsten Ebenen vorübergehenden Glücks bis zu den tiefsten Ebenen vorübergehenden Schmerzes.
Genauso wie es große Anstrengungen braucht, um den Wassereimer hochzuziehen, er sich aber mühelos nach unten bewegt, so muss ich große Anstrengungen unternehmen, um mich in ein glücklicheres Leben hochzuziehen, aber wandere mit Leichtigkeit und mühelos in schmerzvoll Situationen hinunter.
Genauso wie ein Wassereimer nicht selbst über seine Bewegungen bestimmt, so sind die Faktoren, die mein Leben formen, das Ergebnis von vergangener Unwissenheit, Anhaftung und Ergreifen bzw. Handlung. In der Gegenwart schaffen dieselben Faktoren ständig neue Probleme für mein zukünftiges Leben, wie Wellen im Ozean.
Genauso wie der Wassereimer bei seinen Auf- und Abwärtsbewegungen gegen die Wand des Brunnens schlägt und dadurch zerbeult wird, so werde auch ich tagein tagaus in Mitleidenschaft gezogen durch das Leiden des Schmerzes , das Leiden der Veränderung und durch Abläufe, auf die ich keinen Einfluss habe.
Daher sollte ich aus der Tiefe meines Herzens den Wunsch entwickeln, mich aus diesem Kreislauf des Leidens zu befreien.
Ich vergegenwärtige mir meine geliebte Ehefrau und denke dann mit Nachdruck:
Genauso wie ein Wassereimer in einem Brunnen an einem Seil festgebunden ist, ist dieser Mensch an Leid bringenden Emotionen und an den aus meinen motivierenden Handlungen festgebunden.
Genauso wie die Bewegungen des Wassereimers im Brunnen nach oben und nach unten von jemanden ausgeführt werden, der dies bewirkt, so wird der Prozess der unzähligen Leben meiner Ehefrau innerhalb des Daseinskreislaufes von seinem ungezähmten Geist am Laufen gehalten, genauer gesagt, von der fälschlichen Annahme, dass mein „Ich“ inhärent existiert und dass das, was „meins“ ist, auch inhärent existiert.
Genauso wie der Wassereimer immer und immer wieder im Brunnen auf- und abwandert, so wandert meine Ehefrau ständig im großen Brunnen des Daseinskreislaufes auf und ab, von den höchsten Ebenen vorübergehendes Glücks bis zu den tiefsten Ebenen vorübergehenden Schmerzes.
Genauso wie es große Anstrengungen braucht, um den Wassereimer hochzuziehen, er sich aber mühelos nach unten bewegt, so muss meine Ehefrau auch große Anstrengungen unternehmen, um sich in ein glücklicheres Leben hochzuziehen, wandert aber mit Leichtigkeit und mühelos in schmerzvolle Situationen hinunter.
Genauso wie ein Wassereimer nicht selbst über seine Bewegungen bestimmt, so sind die Faktoren, die das Leben meiner Ehefrau formen, das Ergebnis von vergangener Unwissenheit, Anhaftung und Ergreifen bzw. Handlung. In der Gegenwart schaffen dieselben Faktoren ständig neue Probleme für ihr zukünftiges Leben, wie Wellen im Ozean.
Genauso wie der Wassereimer bei seinen Auf- und Abwärtsbewegungen gegen die Wand des Brunnens schlägt und dadurch zerbeult wird, so wird auch meine Ehefrau tagein tagaus in Mitleidenschaft gezogen durch das Leiden des Schmerzes, das Leiden der Veränderung und durch Abläufe, über die sie keinen Einfluss hat.
Ich entwickle drei Ebenen der Liebe:
Dieser Mensch möchte Glück, ist dessen jedoch beraubt, leidet Not und steht alleine da. Es wäre schön, wenn sie oder er vom Glück und allen Ursachen des Glücks erfüllt wäre.
Dieser Mensch möchte Glück, ist dessen jedoch beraubt, leidet Not und steht alleine da. Möge sie oder er vom Glück und allen Ursachen des Glücks erfüllt sein.
Der Mensch möchte Glück, ist dessen jedoch beraubt, leidet Not und steht alleine da. Ich werde alles Mögliche tun, um zu bewirken, dass er oder sie von Glück und allen Ursachen des Glücks erfüllt wird.
Ich entwickle die drei Ebenen des Mitgefühls:
Dieser Mensch möchte Glück erlangen und Leiden vermeiden, wird aber von furchtbaren Schmerzen heimgesucht. Wenn doch dieser Mensch nur frei sein könnte vom Leiden und von den Ursachen des Leidens.
Dieser Mensch möchte Glück erlangen und Leiden vermeiden, wird aber von furchtbaren Schmerzen heimgesucht. Möge dieser Mensch frei sein vom Leiden und von den Ursachen des Leidens.
Dieser Mensch möchte Glück erlangen und Leiden vermeiden, wird aber von furchtbaren Schmerzen heimgesucht. Ich werde diesem Menschen helfen, sich vom Leiden und von allen Ursachen des Leidens zu befreien.
Ich entwickle die bedingungslose Hingabe:
Der Daseinskreislauf ist ein Prozess, der durch die Unwissenheit am Laufen gehalten wird.
Es ist sinnvoll und realistisch, wenn sich daran arbeite, um die Erleuchtung zu erlangen, um anderen zu helfen, dasselbe zu tun.
Selbst wenn ich es alleine tun müsste, werde ich alle fühlenden Wesen vom leiden und von den Ursachen des Leidens befreien, und ich werde alle fühlenden Wesen zum Glück und zu den Ursachen des Glücks führen.
Vergegenwärtige ich mir nacheinander einzelne Menschen, zuerst meine Ehefrau und meine Tochter, dann Freunde, dann neutrale Menschen und dann meine Feinde. Bei den Feinden beginne ich mit denen, die mich am wenigsten bedrohen, und ich wiederhole diese Kontemplation bei jedem einzelnen dieser Menschen.

Sonntag, 14. Januar 2018

Wie Menschen und Dinge in Wirklicheit existieren

Wie Menschen und Dinge in Wirklichkeit existieren
Sich selbst wie eine Täuschung wahrnehmen:
Ich erinnere mich an eine Situation, in der ich das Abbild eines Menschen in einem Spiegel für einen tatsächlichen Menschen gehalten habe, denn das Spiegelbild dieses Menschen erschien als tatsächliche Person, war es in Wirklichkeit nicht.
Auf gleiche Weise erscheinen alle Personen und Dinge so, als ob sie aus sich selbst heraus existierten, ohne von Ursachen und Bedingungen, von ihren Einzelbestandteilen und von Gedanken abzuhängen, was aber nicht der Fall ist.
Auf diese Weise sind Personen und Dinge wie Täuschungen.
Ich kreise, wie ich es schon immer tue, das Ziel meiner Untersuchung ein, nämlich die Erscheinung des „Ich“ als ob es in und aus sich selbst heraus errichtet ist, und ich erinnere mich an eine Situation, in der ich felsenfest an die Existenz eines solchen „Ich“ glaube.
Ich nehme deutlich die Unwissenheit wahr, welche die Wirklichkeit mit einer Sicht von inhärenter Existenz überzieht, und ich identifiziere diese Unwissenheit.
Ich lege besonderes Gewicht auf die Betrachtung folgender Tatsache:
Wenn ein solches inhärent existentes „Ich“, dann müsste das „Ich“ und das Geist-Körper-Gefüge entweder ein und dasselbe oder aber voneinander verschieden sein.
Betrachte ich dann mit Nachdruck die Widersinnigkeit der Behauptung, dass das Selbst und das Geist-Körper-Gefüge entweder ein und dasselbe oder voneinander verschieden wären. Ich spüre die Unmöglichkeit der folgenden Behauptungen:
Die Behauptung des Eins-Seins untersuchen:
Das „Ich“ und der Geist/Körper müssten vollständig und in jeder Hinsicht ein und dasselbe sein.
In diesem Falle wäre es sinnlos, von einem „Ich“ zu sprechen.
Es wäre unmöglich, von „meinem Körper“ oder „meinem Kopf“ oder „meinem Geist“ zu sprechen.
Wenn Geist und Körper nicht mehr existieren, dann würde das Selbst auch nicht mehr existieren.
Da Geist und Körper mehr als eins sind, müssten die „Ichs“ einer Person auch mehrfach vorhanden sein.
Da mein „Ich“ nur eines ist, müsste mein Geist und Körper auch nur eines sein.
Genauso wie der Geist und der Körper entstehen und wieder vergehen, würde das „Ich“ inhärent entstehen und inhärent vergehen. In diesem Fall würden weder die angenehmen Auswirkungen von heilsamen Handlungen noch die schmerzhaften Auswirkungen von nicht heilsamen Handlungen in mir zur Reife gelangen, oder aber ich würde die Wirkungen von Handlungen erfahren, die ich selber nicht begangen habe.
Die Behauptung des Verschieden Seins untersuchen:
Das „Ich“ und der Geist/Körper müssten vollständig voneinander verschieden sein.
In diesem Fall müsste das „Ich“ auffindbar sein, nachdem Geist und Körper beiseite geräumt wurden.
Das „Ich“ würde nicht die Eigenschaften des Entstehens, des Bestehens und des Zerfalls aufweisen, was absurd wäre.
Das „Ich“ würde unsinniger-weise keine geistigen oder physischen Eigenschaften aufweisen.
Wenn ich ein solches „Ich“ nicht finden kann, dann treffe ich eine klare und feste Entscheidung: „Weder ich, noch irgendein anderer Mensch ist inhärent existent.“
Verweile ich einen Augenblick in dieser Wahrnehmung, und nehme ich, die Bedeutung der Leerheit in mich auf, indem ich mich auf die Abwesenheit von inhärenter Existenz konzentriere.
Ich lasse dann wieder die Erscheinung von Menschen in meinem Geist auftauchen.
Reflektiere ich über die Tatsache, das Menschen und Lebewesen innerhalb des Kontextes des Entstehens in wechselseitiger Abhängigkeit Handlungen ausführen und somit Karma ansammeln und die Wirkungen meiner Handlungen erfahren.
Stelle ich die Tatsache fest, dass das Erscheinen von Menschen und Lebewesen innerhalb der Abwesenheit von inhärenter Existenz möglich ist und Wirkungen herbeiführen kann. Wenn Wirksamkeit und Leerheit einander zu widersprechen scheinen, ziehe ich als Beispiel ein Spiegelbild zur Hilfe.
Das Spiegelbild eines Gesichtes kommt in Abhängigkeit von einem Spiegel und einem Gesicht unbestreitbar zustande, auch wenn es leer ist von den Augen, Ohren, der Nase usw., die es haben scheint. Das Spiegelbild eines Gesichtes verschwindet unbestreitbar, wenn Gesicht oder Spiegel fehlen.
Auf ähnliche Weise stellt es keinen Widerspruch dar, dass ein Mensch Handlungen ausführt Karma ansammelt , die Auswirkungen von Handlungen erlebt. Und in Abhängigkeit von Karma und destruktiven Emotionen wiedergeboren wird, obwohl dieser Mensch nicht einmal ein Staubkörnchen an inhärenter Existenz aufweist.
Ich versuche, dieses Fehlen eines Widerspruches zwischen Wirksamkeit und Leerheit in Bezug auf alle fühlenden Wesen und in Bezug auf alle Dinge wahrzunehmen.
Wahrnehmen, wie alles auf Gedanken beruht:
Ich gehe zurück in eine Situation, in der ich von Hass oder Begierde erfüllt war.
Erscheint mir der verhasste bzw. begehrte Mensch oder das verhasste bzw. begehrte Objekt nicht als sehr substanziell, gegenständlich und wirklich?
Da dies der Fall ist, kann ich unmöglich behaupten, dass ich die Phänomene bereits als von Denken abhängig betrachte.
Ich betrachte die Phänomene viel mehr so, als ob sie aus eigener Kraft heraus existieren.
Ich erinnere mich daran, dass ich immer wieder auf die Leerheit meditieren muss, um dieser irrtümlichen Erscheinungsweise von Phänomenen entgegen zu wirken.
Das „Ich“ besteht in Abhängigkeit von Geist und Körper.
Geist und Körper sind jedoch nicht das „Ich“, noch ist das „Ich“ Geist und Körper.
Das „Ich“ hängt daher von begrifflichem Denken ab und wird durch den Geist hervorgebracht.
Die Tatsache, dass das „Ich“ von begrifflichem Denken abhängt, zeigt, dass das „Ich“ nicht in und aus sich selbst heraus existiert.
Nehme ich wahr, dass ich nun ein feineres Gespür dafür habe, was es bedeutet, wenn etwas in und aus sich selbst heraus existiert. Die Erkenntnis der Leerheit zielt darauf ab, genau diese inhärente Existenz zu widerlegen.



Donnerstag, 11. Januar 2018

Zu einer Schlussfolgerung gelangen

Zu einer Schlussfolgerung gelangen
Ich führe wiederholt die vier Schritte zur Selbsterkenntnis durch:
Ich kreise das Ziel meiner Untersuchung ein. Die Erscheinung des „Ich“ als ob es in und aus sich selbst heraus begründet wäre. Ich lege fest, dass das „Ich“, wenn es so existierte, wie es erscheint, entweder eines mit dem Geist und Körper oder aber davon verschieden sein müsste.
Betrachte ich eingehend die Probleme, die auftauchen würden, wenn das „Ich“ und das Geist-Körper-Gefüge ein und dasselbe wären:
Das „Ich“ und der Geist/Körper müssten vollständig und in jeder Hinsicht eins sein.
In diesem Falle wäre es sinnlos, von einem „Ich“ zu sprechen.
Es wäre unmöglich, von „meinem Körper“ oder „meinem Kopf“ oder „meinem Geist“ zu sprechen.
Wenn Geist und Körper nicht mehr existieren, würde das Selbst auch nicht mehr existieren.
Da Geist und Körper mehr als eins sind, müssten die „Ichs“ einer Person auch mehrfach vorhanden sein.
Genauso wie der Geist und der Körper entstehen und wieder vergehen, würde das „Ich“ inhärent entstehen und inhärent vergehen. In diesem Falle würden weder die angenehmer Auswirkungen von heilsamen Handlungen in mir zur Reife gelangen, oder aber ich würde die Wirkungen von Handlungen erfahren, die sich selber gar nicht begangen habe.
Betrachte ich eingehend die Probleme, die auftauchen würden, wenn das „Ich“ und das Geist-Körper-Gefüge inhärent voneinander verschieden wäre:
Das „Ich“ und der Geist/Körper müssten vollständig voneinander verschieden sein.
In diesem Fall müsste das „Ich“ auffindbar sein, nachdem Geist und Körper beiseite geräumt wurden.
Das „Ich“ würde nicht die Eigenschaften des Entstehens, des Bestehens und des Vergehens aufweisen, was absurd wäre.
Das „Ich“ würde nur eine reine Einbildung sein oder aber unvergänglich, was beides widersinnig ist.
Das „Ich“ würde widersinnigerweise keinerlei geistig oder physische Eigenschaften aufweisen.
Meine Erkenntnis überprüfen:
Gehe ich nochmals die vier Schritte der logischen Unterbrechung durch, wie sie beschrieben sind.
Wenn das Gefühl, dass das „Ich“ aus sich selbst heraus besteht, auseinanderfällt und sich ins Leere auflöst, dann wechsle ich in meiner Betrachtung zu einem Körperteil wie zu meinem Arm.
Beachte ich, ob sich mein Gefühl, dass mein Arm inhärent existiert, aufgrund meiner vorangegangenen Untersuchung sofort auflöst oder nicht. Wenn ich die vorangegangenen Untersuchung nicht sofort auf meinen Arm anwende kann, dann ist mein Verständnis noch immer auf der gröberen Ebene.
Diese Einsicht ausweiten auf das, was ich besitze:
Innere Phänomene wie mein Geist oder mein Körper gehören mir und sind daher „meines“.
Äußere Phänomene wie meine Kleidung oder mein Auto sind ebenfalls „meines“.
Wenn mein „Ich“ nicht inhärent existiert, dann kann das, was „meines“ ist,ebenso wenig inhärent existieren.
Das ruhige Verweilen und die besondere Einsicht in Balance bringen:
Wechsle ich vorübergehend zwischen ein wenig stabilisierender Meditation hin und her, damit ich einen Geschmack an diesem Prozess entwickle, und damit ich meine gegenwärtige Meditation stärken kann:
Ich richte zuerst meinen Geist auf ein einzelnes Objekt wie auf ein Bildnis von Buddha oder auf meinen Atem. Ich wende die analytische Meditation an, wie sie in den vier Schritten der Meditation über die Natur des „Ich“ beschrieben wurde.
Wenn ich so ein wenig Erkenntnis gewonnen habe, dann verweile ich mit dieser Erkenntnis in der stabilisierenden Meditation, und ich nehme ihre Auswirkung wahr.
Wenn dieses Gefühl ein wenig schwächer wird, dann kehre ich zu der analytischen Meditation zurück, bis sich das Gefühl wieder einstellt, und ich entwickle tiefere Erkenntnis.



Mittwoch, 10. Januar 2018

Wie ich Selbsttäuschung beenden kann

Wie ich Selbsttäuschung beenden kann
Die einzelne Person ist der Mittelpunkt aller Schwierigkeiten. Daher ist es am besten, wenn ich zuerst daran arbeite, meine eigene wahre Natur zu verstehen. Danach kann ich diese Erkenntnis auf meinen Geist und meinen Körper, mein Auto, mein Haus, mein Geld und alle anderen Phänomene anwenden.
Erkennen, dass ich nicht in und aus mir selbst heraus existiere: Ich stelle mir vor, dass jemand mit dem Finger auf mich zeigt, und dann für etwas kritisiert werde, das ich nicht getan habe, und ich werde weiterhin beschuldigt, den Schaden angerichtet zu haben.
Ich beobachte meine Reaktion, wie sie mir, dem „Ich“ und meinem Geist erscheint? Wie nehme ich mein „Ich“ wahr?
Ich beobachte, wie das „Ich“ so erscheint, als würde es von alleine bestehen, aus sich selbst heraus und durch sein eigenes Wesen bedingt.
Ich erinnere mich an eine Situation, in der ich meines Geistes überdrüssig war, als er etwas Wichtiges vergessen hatte.
Ich blickte auf meine damaligen Gefühle zurück, und wie erschien mein „Ich“ damals meinem Geist, und wie nahm ich mein „Ich“ wahr?
Beobachte ich, wie dieses „Ich“ so erscheint, als würde es von alleine bestehen, aus sich selbst heraus und durch sein eigenes Wesen bedingt.
Ich erinnere mich an eine Zeit, als ich meinen Körper ablehnte, oder als ich einen bestimmten Teil des Körpers nicht gut fand.
Schaue ich mir meine Gefühle genau an, und wie erschien mir mein „Ich“ damals meinen Geist, und wie nahm ich mein „Ich“ wahr?
Beobachte ich, wie dieses „Ich“ so erschien, als würde es von alleine bestehen, aus sich selbst heraus und durch mein eigenes Wesen bedingt.
Ich erinnere mich an eine Zeit, als ich etwas Schlimmes getan habe, und ich dachte: „Da habe ich wirklich etwas Furchtbares angerichtet.“
Betrachte ich meine Gefühle, und wie erschien mein „Ich“ damals meinem Geist, und wie nahm ich mein „Ich“ wahr?
Beobachte ich, wie dieses „Ich“ so erschien, als würde es von alleine bestehen, aus sich selbst heraus und durch sein eigenes Wesen bedingt.
Erinnere ich mich an eine Zeit, als ich etwas Gutes oder Schönes getan habe, und ich sehr stolz darauf war.
Untersuche ich meine Gefühle, und wie erschien mein „Ich“ damals meinem Geist, und wie nahm ich mein „Ich“ wahr.
Ich beobachte, wie dieses „Ich“ so erschien, als würde es von alle bestehen, aus sich selbst heraus und durch sein eigenes Wesen bedingt.
Ich erinnere mich an eine Zeit, als ich etwas Gutes oder Schönes getan habe, und ich war sehr stolz darauf.
Ich untersuche meine Gefühle, wie erschien mein „Ich“ danach meinem Geist. Wie nahe war ich meinem „Ich“?
Ich beobachte, wie dieses „Ich so erschien als würde es von alleine bestehen, aus sich selbst heraus und durch sein eigenes Wesen bedingt.
Ich erinnere mich an eine zeit, als mir etwas Gutes oder Schönes widerfahren ist, und ich das sehr genossen habe.
Beobachte ich meine Gefühle, und wie erschien mein „Ich“ damals meinem Geist? Und wie nahm ich mein „Ich“ wahr?
Ich beobachte, wie dieses „Ich“ so erschien, als würde es von alleine bestehen, aus sich selbst heraus und durch sein eigenes Wesen bedingt.
Die Alternativen bestimmen:
Untersuche ich, ob es für das „Ich“, das innerhalb des Geist-Körper-Gefüges aus sich selbst heraus und inhärent besteht, eine andere Möglichkeit der Existenz gäbe als diese beiden, entweder Teil vom Geist und Körper zu sein oder aber verschieden davon.
Ziehe ich andere Beispiele zur Betrachtung heran: eine Tasse, einen Tisch, ein Haus und einen Berg. Erkenne ich, dass es außer diesen beiden Möglichkeiten der Existenz, entweder Teil von etwas oder aber verschieden davon zu sein, und es keine dritte Möglichkeit gibt. Ich muss entweder dasselbe oder aber verschieden sein. Ich komme zu dem Schluss, dass das „Ich“, wenn es, so wie es mir erscheint, inhärent existierte, entweder eins mit dem Geist und Körper und davon unteilbar oder aber verschieden vom Geist und Körper sein muss.
Das Eins seins untersuchen:
Betrachte ich die logischen Folgen, die es hätte, wenn das „Ich“ in und aus sich selbst heraus bestünde, so wie es meinem Geist erscheint, und wenn es mit dem Geist und Körper eins wäre, also dasselbe wie mein Geist/Körper wäre. Das „Ich“ und der Geist/Körper müssten vollständig in jeder Hinsicht „eins“ sein.
In diesem Falle wäre es sinnlos von einem „Ich“ zu sprechen.
Es wäre unmöglich, von „meinem Körper“, „meinem Kopf“ oder „meinem Geist“ zu sprechen.
Wenn Geist und Körper nicht mehr existieren, würde das Selbst auch nicht mehr existieren.
Da Geist und Körper mehr als eins sind, müssten die „Ichs“ einer Person auch mehr als eins bzw. vielfach sein.
Da mein „Ich“ nur eines ich ist, müsste mein Geist und Körper auch eines sein.
Genauso wie Geist und Körper entstehen und zerfallen, müsste man behaupten, dass das „ich“ inhärent entstehen und inhärent zerfällt. In diesem Fall würden weder die angenehmen Auswirkungen von nicht heilsamen Handlungen in mir zur Reife gelangen, oder aber ich würde die Wirkungen von Handlungen erfahren, die ich selber gar nicht begangen haben
Das Verschieden sein untersuchen:
Betrachte ich die Folgen, die es hätte, wenn das „Ich“ in und aus sich selbst heraus bestünde, so wie es meinem Geist erscheint, und wenn es vom Geist und Körper inhärent verschieden wäre:
Das „Ich“ und der Geist/Körper müssten vollständig voneinander verschieden sein.
In diesem Falle müsste das „Ich“ auffindbar sein, nachdem Geist und Körper beiseite geräumt wurden.
Das „Ich“ würde nicht die Eigenschaften des Entstehens, des Bestehens und der Zerfalls aufweisen, was absurd wäre.
Das „Ich“ würde nur reine Einbildung sein, oder aber unvergänglich, was beides widersinnig ist.
Das „Ich“ würde widersinnigerweise keinerlei geistige oder physische Eigenschaften aufweisen.






Montag, 8. Januar 2018

Kraft der Meditation und Selbsterkenntnis nutzbar machen

Kraft der Meditation und Selbsterkenntnis nutzbar machen
Den Geist fokussieren:
Betrachte ich das Bild eines Buddha oder einer anderen religiösen Gestalt oder eines anderen religiösen Symbols, so nehme ich dessen Form, Farbe und Einzelheiten wahr. Arbeite ich daran, dieses Bildnis innerlich in meinem Bewusstsein erscheinen zu lassen, so stelle ich dabei das Bildnis etwa einen bis zwei Meter vor mir, auf Höhe meiner Augenbrauen vor, und zwar in einer Größe von drei bis zehn Zentimeter, wobei kleiner besser ist. Das Objekt scheint hell.
Betrachte ich die Gestalt als tatsächlich vorhanden, ausgestaltet mit hervorragenden Eigenschaften von Körper, Rede und Geist.
Den Geist auf die Meditation einstimmen:
Ich wähle einen Meditation-Gegenstand aus, und ich richte meinen Geist darauf.
Ich wende Wachsamkeit an, ich überprüfe von Zeit zu Zeit, ob mein Geist beim Gegenstand verbleibt.
Wenn ich bemerke, dass mein Geist abgeschweift ist, dann erinnere ich mich an den Meditation-Gegenstand, und ich richte meinen Geist wieder darauf, und ich wiederhole diesen Vorgang so oft wie nötig.
Als Gegenmittel gegen Schlaffheit und Dumpfheit, eine zu lockere Art, den Meditation-Gegenstand wahrzunehmen:
Ich straffe ein wenig die Art und Weise, in der ich meinen Geist auf dem Gegenstand der Meditation halte.Funktioniert das nicht, dann lasse ich den Meditation-Gegenstand heller erscheinen, oder ich platziere ihn etwas höher vor mir, oder ich schenke seinen Details mehr Aufmerksamkeit.
Falls das nicht funktioniert, dann verlasse ich meinen Meditation-Gegenstand, und ich danke für kurze Zeit an ein freudiges Thema wie die wunderbaren Eigenschaften von Liebe und Mitgefühl oder die hervorragenden Möglichkeiten, die ein menschliches Leben für die spirituelle Übung bietet.
Sollte das nicht funktionieren, so unterbreche ich die Meditation, und ich gehe an einen höher gelegenen Ort oder an eine Stelle, von der ich einen weiten Ausblick habe.
Als Gegenmittel gegen Aufgeregtheit oder Agitation, eine zu angespannte Art, den Meditation-Gegenstand wahrzunehmen:
Ich versuche zuerst, ein wenig die Art und Weise zu lockern, in der ich mir dem Meditation-Gegenstand vorstelle.
Wenn das nicht funktioniert, dann senken sie den Meditation-Gegenstand ein wenig ab, und ich stelle mir vor, dass der Gegenstand schwerer ist.
Wenn das nicht funktioniert, dann verlasse ich meinen Meditation-Gegenstand, und ich denke für eine kurze Zeit an ein Thema, das mich nüchterner macht wie die Unwissenheit, die das Leiden im Daseinskreislauf verursacht, oder dass der Tod nahe bevorsteht, oder die Nachteile des Betrachtungsgegenstandes, zudem ich abgeschweift bin, oder die Nachteile der Ablenkung an sich.





Samstag, 6. Januar 2018

Wie ich der Unwissenheit den Boden entziehe

Wie ich der Unwissenheit den Boden entziehe
Die Wucht davon spüren, dass Alles mit Allem in Beziehung steht: Vergegenwärtige ich nur ein vergängliches Phänomen wie ein Haus. Betrachte ich, dass dieses Phänomen in Abhängigkeit von bestimmten Ursachen entsteht wie Holz, Schreinern, Ziegeln, Dachdeckern und so weiter. So überprüfe ich, ob diese Abhängigkeit im Konflikt damit steht, dass das Phänomen als in und aus sich selbst heraus existent erscheint.
Vergegenwärtige ich mir ein vergängliches Phänomen wie ein Buch, und ich betrachte es, wie dieses Phänomen in Abhängigkeit von seinen Bestandteilen zustande kommt sowie den Buchstaben, den Seiten und den Einband, und ich überprüfe, ob diese Abhängigkeit von den Einzelbestandteilen mit dem kollidiert, wie mir dieses Buch erscheint, nämlich so, als ob es aus sich selbst heraus bestünde.
Betrachte ich mein Bewusstsein, wie es eine blaue Vase wahrnimmt., überlege ich, wie dieses Bewusstsein in Abhängigkeit von seinen Einzelbestandteilen entsteht, nämlich den verschiedenen Augenblicken, die ein zeitliches Kontinuum bilden.
Ich überprüfe, ob seine Abhängigkeit von den Einzelbestandteilen mit dem kollidiert, wie es meinem Bewusstsein erscheint, so als ob es in und aus sich selbst heraus bestünde.
Ich betrachte den Raum im Allgemeinen, und ich überlege, wie dieser Raum in Abhängigkeit von seinen Einzelbestandteilen wie Norden, Süden, Osten und Westen entsteht.
Ich überprüfe, ob die Abhängigkeit des Raumes von seinen Einzelbestandteilen mit dem kollidiert wie mir dieser Raum erscheint, nämlich so, als ob er aus eigener Kraft in und aus sich selbst heraus bestünde.
Betrachte ich den Raum einer Tasse, und ich überlege, wie dieser Raum in Abhängigkeit von seinen Bestandteilen, dem oberen Teil der Tasse und dem unteren Teil, entsteht, und ich überprüfe, ob die Abhängigkeit dieses Raumes von seinen Einzelbestandteilen mit dem kollidiert, wie mir dieser Raum erscheint, nämlich so, als ob er aus eigener Kraft als in und aus sich selbst heraus entstünde.
Die Argumentation des Entstehens in Abhängigkeit wertschätzen: Abhängig und unabhängig bilden ein Gegensatzpaar. Alles was existiert, muss entweder der einen oder der anderen Kategorie angehören.
Wenn etwas abhängig ist, dann ist es leer davon, aus eigener Kraft heraus zu existieren.
Nirgendwo im Körper und im Geist, die die Grundlage für das „Ich“ bilden, kann ich dieses „Ich“ finden. Daher ist das „Ich“ nicht aus eigener Kraft erschaffen, sondern durch die Kraft anderer Bedingungen, nämlich seinen Ursachen, seinen Bestandteilen und dem begrifflichen Denken.
Die wechselseitige Abhängigkeit aller Phänomene wahrnehmen: Inhärente Existenz hat es nie gegeben, gibt es nicht und wird es niemals geben.
Ich nehme fälschlicherweise an, dass es sie gibt und werde dadurch in leid bringende Gefühle hineingezogen.
Die Annahme, dass Phänomene wirklich existieren, ist ein Extrem der Übertreibung, eine Furcht einflößender Abgrund.
Die Annahme, dass vergängliche Phänomene keine Funktion erfüllen oder nicht als Ursache und Wirkung funktionieren können, ist eine extreme Form des Leugnens, ein anderer Furcht einflößender Abgrund.
Die Erkenntnis, dass alle Phänomene leer von inhärenter Existenz sind, das sie etwas in Abhängigkeit Entstandenes sind, vermeidet beide Extreme. Die Erkenntnis, dass Phänomene etwas in Abhängigkeit Entstandenes sind, vermeidet das Extrem des gefährlichen Leugnens. Die Erkenntnis, das Phänomene leer von inhärenter Existenz sind, vermeidet das Extrem der gefährlichen Übertreibung.
Entstehen in wechselseitiger Abhängigkeit und Leerheit: Weil alle Personen und Dinge etwas in Abhängigkeit Entstehendes sind, sind sie leer von inhärenter Existenz, weil sie von anderen Faktoren abhängig sind, bedingen sie sich nicht selbst.
Da alle Personen und Dinge leer von inhärenter Existenz sind, müssen sie etwas in Abhängigkeit Entstandenes sein. Wenn Phänomene aus eigener Kraft heraus bestünden, könnten sie nicht von anderen Faktoren abhängen: Von Ursachen, von ihren eigenen Bestandteilen und vom Denken. Da Phänomene sich nicht selbst verursachen und begründen, so können sie sich verändern.
Diese beiden Erkenntnisse sollen Hand in Hand arbeiten und sich gegenseitig unterstützen und fördern.