Sonntag, 22. April 2018

Rechts Handeln

Rechtes Handeln
Rechtes Handeln bedeutet heilsames Handeln im Bereich körperlichen Tuns. Es geht darum, Liebe und Gewaltlosigkeit zu entwickeln und niemanden Schaden zuzufügen. Rechtes Handeln baut auf achtsames Handeln auf.
Im Bewusstsein des Leides, das durch die Zerstörung von Leben entsteht, bin ich entschlossen, Mitgefühl zu entwickeln und Wege zu beschreiten, die dazu beitragen, das Leben von Menschen, Tieren, Pflanzen und Mineralien zu schützen. Ich bin entschlossen, nicht zu töten und es nicht zuzulassen, das andere töten. Ich werde keine Form des Tötens entschuldigen, weder in der Welt noch in meinen Gedanken oder in meinem Lebensstil.
Ich bin mir vielleicht nicht bewusst, dass ich täglich töte, durch die Art, wie und was ich esse und trinke und wie wie ich mit der Erde, der Luft und dem Wasser umgehe. Achtsamkeit im Handeln lässt mich wachsam werden, so dass ich aufhöre, Leben zu töten, und anfange, es zu erhalten und zu retten.
In der zweiten der Fünf Achtsamkeitsübungen geht es um Freigebigkeit und Großzügigkeit.
Im Bewusstsein des Leides, das durch Ausbeutung, soziale Gerechtigkeit, Diebstahl und Unterdrückung entsteht, bin ich entschlossen, liebende Güte zu entwickeln und Wege zu beschreiten, die zum Wohlergehen von Menschen, Tieren, Pflanzen und Mineralien beitragen.
Ich will Freigebigkeit praktizieren, in dem ich meine Zeit, Energie und materiellen Mittel mit denen teile, die in Not sind. Ich bin entschlossen, nicht zu stehlen und nichts zu besitzen, was anderen zusteht. Ich will das Eigentum anderer achten und andere davon abhalten, sich an menschlichem Leiden oder am Leiden anderer Lebensformen auf der Erde zu bereichern.
Mit dieser Übung verspreche ich nicht nur, davon Abstand zu nehmen, mir etwas anzueignen, was mir nicht gehört, oder andere auszubeuten, ich gelobe auch, so zu leben, dass meine Gesellschaft eine gerechte wird und alle Wesen Wohlsein erfahren. Ich muss lernen, einfach und bescheiden zu leben, damit ich nicht mehr nehme, als mir zusteht. Wenn das, was soziale Gerechtigkeit fördert, praktiziere ich Rechtes handeln.
Die dritte der Fünf Achtsamkeitsübungen spricht von verantwortlichen Verhalten im Bereich des Sexuellen: Im Bewusstsein des Leidens, das durch sexuelles Fehlverhalten entsteht, gelobe ich, Verantwortungsgefühl zu entwickeln und Wege zu beschreiten, die dazu beitragen, die Sicherheit und Integrität von Einzelpersonen, Paaren, Familien und der Gesellschaft zu schützen. Ich bin entschlossen, eine sexuelle Beziehung nur dann einzugehen, wenn sie von Liebe und der Bereitschaft zu einer langfristigen und verpflichtenden Bindung getragen sind. Um mein und anderer Glück zu bewahren, bin ich entschlossen, meine Bindungen und die anderer zu respektieren.
Ich will alles tun, was in meiner Macht steht, um Kinder vor sexuellen Missbrauch zu schützen, und um zu verhindern, dass Paare und Familien durch sexuelles Fehlverhalten auseinanderbrechen.
Einsamkeit lässt sich nicht dadurch hindern, dass zwei Körper sich vereinigen, es sei denn, zwischen den Partnern besteht ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl und sie begegnen einander mit Verständnis und liebevoller Güte.
Durch sexuelles Fehlverhalten entsteht unendlich viele Leiden. Rechte Achtsamkeit bewahrt mich und andere, auch meine Kinder, vor weiterem Leiden. Um die Integrität von Familien und Einzelpersonen zu schützen, muss ich mich verantwortungsbewusst verhalten und andere ermutigen, das gleiche zu tun. Wenn ich diese Übung erst nehme, schütze ich nicht nur mich selbst und meine Lieben, sondern ich schütze auch die gesamte Menschheit, einschließlich der Kinder. Lasse ich in meinem Alltagsleben Rechte Achtsamkeit walten, so werde ich in der Lage sein, die Übung einzuhalten.
Sexuelles Fehlverhalten lässt Familien auseinanderbrechen. Viel Leid wird ausgelöst, weil Menschen sich in sexueller Hinsicht nicht verantwortungsbewusst verhalten. Ein Kind, das sexuell missbraucht wurde, wird sein Leben lang leiden. Es kann auf Grund seines Leidens aber auch große Kräfte entwickeln und um Bodhisattva werden und vielen anderen helfen.
Der Geist der Liebe, der in mir lebendig ist, verwandelt meinen eigenen Kummer und Schmerz und lässt mich meine Einsicht mit anderen teilen. Das ist unter Rechten Handel zu verstehen, das bringt mir und meinen Mitmenschen Befreiung
Die fünfte der Fünf Achtsamkeitsübungen ermutigt mich, achtsam zu essen, zu trinken und zu konsumieren. Sie steht in engem Zusammenhang mit den Vier Edlen Wahrheiten und allen Gliedern des Edlen Achtfachen Pfades, besonders aber mit rechtem Handeln.
Im Bewusstsein des Leides, das durch unachtsamen Umgang mit Konsumgütern entsteht, gelobe ich, auf körperliche und geistige Gesundheit zu achten sowohl meine eigene als auch die meiner Familie und meiner Gesellschaft, indem ich achtsam esse, trinke und konsumiere. Ich will nur das zu mir nehmen, was den Frieden und das Wohl meines Körpers und meines Geistes fördert und was der kollektiven und geistigen Gesundheit meiner Familie und der Gesellschaft dient. Ich bin entschlossen, auf Alkohol zu verzichten und keine Nahrungsmittel oder andere Dinge zu konsumieren, die mir schaden könnten, wie z.B. gewisse Fernsehprogramme, Zeitschriften, Bücher, Filme und Gespräche. Ich bin mir bewusst, dass ich meinen Vorfahren, Eltern, der Gesellschaft und künftigen Generationen unrecht tue, wenn ich meinen Körper oder meinen Geist derart schädigenden Einflüssen aussetze. Ich will daran arbeiten, Gewalt, Angst, Ärger und Verwirrung in mir selbst und in der Gesellschaft zu transformieren, indem ich maßvoll lebe. Mir ist bewusst, dass eine maßvolle Lebensweise entscheidend ist für meine eigene Transformation und für die Transformation der Gesellschaft.
Rechtes Handeln bedeutet, dass ich meinen Körper und Geist nur solche Nahrung zuführe, die ungefährlich und gesund ist. Um mein selbst, meiner Familie und meiner Gesellschaft willen übe ich mich darin, achtsam zu essen und zu trinken und weder Alkohol noch Drogen, noch sonst etwas zu mir zu nehmen, was meinen Körper oder Geist vergiften könnte. Damit alle Wesen eine Lebenschance haben, übe ich auch beim konsumieren Achtsamkeit. So schütze ich meinen Körper und meinen Geist davor, Giftstoffe aufzunehmen. Gewisse Fernsehprogramme, Bücher, Zeitschriften und Gespräche können mein Bewusstsein negativ beeinflussen, so dass Gewalt, Angst und Verzweiflung in ihm an Boden gewinnt. Um meinen eigenen Körper und mein eigenes Bewusstsein zu schützen und den kollektiven Körper und das kollektive Bewusstsein meiner Familie und Gesellschaft nicht zu gefährden, ist es unerklärlich, dass ich achtsames Konsumieren übe. Wenn ich mich bemühe, keinen Alkohol mehr zu trinken, kommt das mir selbst, meiner Familie und meiner Gesellschaft zugute.
Eine Dame in London sagte einmal:“ Zwanzig Jahre lang habe ich jede Woche zwei Glas Wein getrunken, und es hat mir nicht geschadet. Warum sollte ich damit aufhören?“ Ich gab zur Antwort:“ Gewiss zwei Glas Wein werden Ihnen nicht schaden, aber sind sie sicher, dass sie Ihren Kindern nicht schaden? Sie sind möglicherweise gegen Alkoholismus gefeit, aber wie sieht es bei Ihren Kindern aus? Vielleicht findet sich in ihnen der Same des Alkoholismus. Wenn Sie aufhören, Wein zu trinken, tun Sie das nicht nur für sich selbst, sondern auch zum Schutz Ihrer Kinder und Ihrer Gesellschaft.“
Sie verstand, was ich meinte, und am nächsten Morgen legte sie das formelle Gelübde ab, den Fünf Übungswegen der Achtsamkeit zu folgen. Das ist echtes Bodhisattva-Verhalten. Ein/e Bodhisattva handelt nicht zu seinem/ihrem eigenen Vorteil, er/sie nimmt Rücksicht auf alle.
Das Gesundheitsministerium rät den Menschen, nicht zu viel Alkohol zu trinken. Das Fernsehen bringt eine entsprechende Werbung. „Ein Glas okay. Drei Glas – o weh!“ Man propagiert also maßvolles Trinken. Gäbe es aber kein erstes Glas, wie könnte es dann ein drittes geben? Am besten ist es, gar kein erstes Glas Wein zu trinken. Verzichte ich auf das erste Glas, so schütze ich nicht nur mich selbst, sondern zugleich auch meine Mitmenschen. Achtsam konsumieren schützt meinen Körper, mein Bewusstsein und den Körper und das Bewusstsein meiner Familie und Gesellschaft. Wie ließ sich die schwierige Situation meiner Gesellschaft ohne die fünfte Achtsamkeitsübung transformieren? Je mehr ich konsumiere, dasto mehr leide ich, und desto mehr Leiden füge ich meiner Gesellschaft zu.
Der einzige Ausweg aus der gegenwärtigen Situation scheint achtsames Konsumieren zu sein. Nur so kann ich der Zerstörung meines Körpers und Bewusstseins und der Zerstörung des kollektiven Körpers und Bewusstseins meiner Gesellschaft Einhalt gebieten. Wenn ich tief schaue, erkenne ich, dass die Fünf Achtsamkeitsübungen und der Achtfache Pfad eng miteinander verbunden und verwoben sind (Intersein). Rechte Achtsamkeit hilft mir zu erkennen, ob mein Essen, Trinken und Konsumieren Rechtes Handeln ist. Rechte Anschauung, Rechtes Denken und Rechte Rede steht im engem Zusammenhang mit Rechten Lebenserwerb. Diejenigen, die ihren Lebensunterhalt dadurch verdienen, dass sie Waffen produzieren, andere ihrer Lebensmöglichkeit berauben, die Umwelt zerstören, Natur und Menschen ausbeuten oder Dinge herstellen, die mich und andere vergiften, mögen viel Geld verdienen, aber es ist „ungerechter“, d.h. unheilsamer Lebenserwerb.
Ich muss darauf achten, dass ich mich vor ihrem unrechten Handel schütze. Mangelt es mir an Rechter Anschauung und Rechtem Denken und übe ich mich nicht in Rechter Rede und rechtem Lebenserwerb, so kann ich trotz meines Bemühens, mich in Richtung Frieden und Erwachen entwickeln, also wird falsches Handeln die Folge sein.
Doch ein guter Lehrer oder eine gute Lehrerin braucht nur zu beobachten, wie jemand geht oder die Glocke zum Erklingen bringt, um zu erkennen, wie lange dieser Mensch schon praktiziert. Denn die Art seines Auftretens offenbart, wie weit er oder sie auf dem Übungsweg vorangekommen ist. In welchem Maß ein Mensch den ganzen Achtpfad verwirklicht hat, lässt sich an jedem einzelnen Glied des Pfades ablesen.
Es gibt viele Dinge, die ich tun kann, um Rechten Handeln zu praktizieren. Ich kann Leben schützen, Freigebigkeit üben, mich verantwortungsbewusst verhalten und achtsam kommunizieren. Die Grundlage für Rechtes Handeln ist Rechte Achtsamkeit.

Donnerstag, 19. April 2018

Der Tod als Teil des Lebens

Der Tod als Teil des Lebens
Wie kann ich den Sinn in meinem Leben finden, wie kann ich lernen, den Tod anzunehmen, und wie kann ich Sterbende oder bereits Verstorbene helfen.
Der Tod ist ein natürlicher Teil des Lebens, und ich muss mich ihm früher oder später stellen. Solange ich noch lebe, sehe ich nur zwei Möglichkeiten, wie ich mit dem Tod umgehen kann.
Ich kann den Tod ignorieren, oder ich kann mich der Aussicht auf meinen eigenen Tod stellen und beginnen, indem ich mich eingehend mit ihm befasse, das Leiden, das er mir bringen kann, zu vermindern. Ich kann ihn in keinem Fall umgehen.
Als Buddhist sehe ich im Tod einen normalen Prozess. Ich akzeptiere ihn als Realität, der ich solange ausgesetzt bin, wie ich mich in weltlicher Existenz befinde.Ich weiß, dass ich mich dem Tod nicht entziehen kann, sehe ich keinen Sinn darin, mich vor ihm zu fürchten.. Den Tod sehe ich eher so, als wenn ich meine Kleider wechseln wollte, die alt und abgetragen sind, aber nicht als letztes Ende. Doch der Tod ist nicht vorhersehen: Denn ich weiß nicht, wann er mich ereilt. Es ist darum klug, sich auf den Tod vorzubereiten, bevor es soweit ist.
Ich und die anderen Menschen wünschen sich einen friedlichen Tod, das ist auch klar, dass ich nicht auf einen friedlichen Tod hoffe kann, liegt daran, dass mein Leben voller Gewalt war oder ist oder mein Geist war die meiste Zeit von Emotionen wie Zorn, Anhaften oder Furcht besessen. Will ich also gut sterben und wünsche es mir, dann muss ich lernen, ein besseres Leben zu führen. Wenn ich also auf einen friedvollen Tod hoffen will, dann muss ich in meinem Geist und meiner Lebensführung den Frieden kultivieren.Aus buddhistischer Sicht ist die Erfahrung des Todesmoments von großer Bedeutung. Obwohl das Wie und Wo meiner Wiedergeburt von karmischen Kräften bestimmt wird, kann der Zustand meines Geistes zum Zeitpunkt des Todes doch die Qualität meiner nächsten Wiedergeburt beeinflussen. Wenn ich mich bemühe, einen heilsamen Geisteszustand zu erzeugen, so kann ich im Moment des Todes, trotz der großen Vielfalt von unterschiedlichen Karma, das ich angesammelt habe, ein heilsames Karma aktivieren und stärken und auf diese Wiese zu einer glücklichen Wiedergeburt gelangen.
Der Todesmoment bringt gleichzeitig auch die tiefsten und heilsamsten inneren Erfahrungen zum Vorschein. Durch wiederholtes vertraut werden mit dem Todesprozess in der Meditation kann ein erfahrener Praktizierender den eigenen Tod nutzen, um großes spirituelle Verwirklichung zu erreichen. Aus diesem Grund konzentrieren sich erfahrene Praktizierende auf ihre spirituelle Praxis, wenn sie sterben. Ein Anzeichen für die Verwirklichung ist die Tatsache, dass mein Körper oft lange Zeit nach dem klinischen Tod nicht in den Zustand der Verwesung übergeht.
Nicht weniger wichtig als die Vorbereitung auf meinen eigenen Tod ist es, anderen zu helfen, gut zu sterben. Als Neugeborener war ich hilflos, und ohne die Güte und Fürsorge anderer Menschen hätte ich nicht überleben können. Auch Sterbende sind sehr oft hilflos, und es liegt an mir und den anderen Menschen, sie von Angst und Schmerz zu befreien, und es ihnen, so gut wie es geht, zu
In diesem Zusammenhang ist es wichtig, alles zu verhindern, was den Geist des Sterbenden noch mehr verstören könnte, als er ohnehin schon sein mag. Mein Hauptziel in der Unterstützung von Sterbenden muss es sein, ihnen Gelassenheit zu vermitteln, und hierzu gibt es viele Möglichkeiten. Einem sterbenden Menschen, der mit spiritueller Praxis vertraut ist, ermutigen und inspirieren, wenn man ihn an seine Praxis erinnert, aber auch mein sanfter Trost kann schon eine friedliche, entspannte Haltung im Geist des Sterbenden bewirken.
Tod und Sterben sind ein Begegnungsfeld für den tibetischen Buddhismus und die moderne Wissenschaft. Denn beide Traditionen können sich einander viel geben. Sowohl was ihrem jeweiligen Verständnis angeht als auch in praktischen Fragen.
Meine Lieben, es fiel mir schwer, jetzt nach zwei Wochen, nachdem meine geliebte Frau gestorben ist, so etwas zu schreiben, aber ich schreibe, um über meine tiefe Trauer hinwegzukommen, die mich noch immer erfasst, wenn ich an meine geliebte Frau denke, und ich kann sie nicht in meine Arme nehmen, um ihr für alles zu danken, was sie für meine Tochter und für mich getan hat.
Ich liebe dich immer noch so sehr, meine geliebte Doris.

Mittwoch, 18. April 2018

Die Worte einer Sterbenden

Die Worte einer Sterbenden
Die folgenden Worte, die jetzt niederschreibe, sind die Worte einer Sterbenden. Ich habe diese Worte gefunden, als meine Frau schon verstorben war, und ich habe die Worte so aufgenommen, wie eine Liebesbotschaft durch meine geliebte Frau.
Sie schrieb scheinbar die Worte, als sie zur Krebsoperation an der Lunge ins Krankenhaus musste, das war im November 2016, etwa 14 Tage später wurde die operiert.


Hallo mein Schatz!
Wir haben bis jetzt 52 Jahre schöne Ehejahre gehabt, ich hoffe es werden noch mehr.
Lothar, du warst der beste Partner, den man sich wünschen kann.
Ich habe dich immer geliebt. Du bist ein wunderbarer Mensch, den man gerne haben muss.
Haltet ihr zwei (hier meine Tochter) immer zusammen.

Hallo Anja (meine Tochter)!
Ich möchte Dir ein Paar Zeilen schreiben. Ich hoffe, dass die Operation gut geht.
Ich bin froh, dass es sich gibt,
wir lieben dich beide sehr.
Wenn etwas passieren sollte,
dann haltet ihr zwei bitte zusammen. Helft euch gegenseitig.
Wir hatten schöne Zeiten zusammen.
Einer von uns Zweien muss leider als erster gehen.
Helfe Lothar eine kleine Wohnung zu finden und richtet sie zusammen ein.
Was du brauchen kannst, nehme mit.
Lothar braucht Hilfe:
beim betten beziehen,
Hemden bügeln,
erinnere ihn, den Boiler im Bad auszumachen.
Er muss was essen,
lass ihn nicht allein Zug fahren,
Räumt die Wohnung zusammen auf, bevor Lothar auszieht.
Das waren die Worte einer Sterbenden, die auch in den letzten Stunden an ihre Lieben gedacht hat, und so haben auch wir an unsere liebe Mutter und liebe Ehefrau gedacht.
Es ist wunderschön, wenn man solche Zeilen findet, und man erkennt, dass diese Partnerschaft eine schöne Partnerschaft war, und ich werde die liebe Frau und Mutter nie vergessen, denn sie wird an meinem Herzen und in meinem Geist ruhen.

Donnerstag, 12. April 2018

Rechte Rede

Rechte Rede
Im Bewusstsein des Leides, das durch unachtsame Rede und aus der Unfähigkeit, anderen zuzuhören, entsteht, bin ich entschlossen, liebevolles Sprechen und tief mitfühlendes Zuhören zu entwickeln., um meinen Mitmenschen Freude und Glück zu bereiten und Ihr Leiden lindern zu helfen. Da Worte sowohl Glück als auch Leiden hervorrufen können, bin ich entschlossen, nichts Unwahres zu sagen und Worte zu gebrauchen, die Selbstvertrauen, Freude und Hoffnung wecken. Ich werde keine Nachrichten verbreiten, für deren Wahrheitsgehalt ich mich nicht verbürgen kann, und werde nichts kritisieren oder verurteilen, worüber ich selber nichts Genaueres weiß. Ich will Äußerungen unterlassen, die zu Zwietracht oder Uneinigkeit führen oder zum Zerbrechen von Familie oder Gemeinschaften beitragen können. Ich will mich stets um Versöhnung und Lösung aller Konflikte bemühen, seinen sie auch noch so klein.
Dies ist die vierte Achtsamkeitsübung. Sie stellt eine gute Beschreibung von Rechter Rede dar.
In meiner Zeit sind die Kommunikationstechniken außerordentlich raffiniert geworden. Es dauert nur Bruchteile von Sekunden, um Nachrichten auf die andere Seite des Erdballs zu schicken. Schwierig geworden ist hingegen die Kommunikation zwischen den Menschen. Väter können nicht mehr mit ihren Söhnen und Töchtern sprechen, Ehemänner nicht mehr mit ihren Frauen, in partnerschaftlichen Beziehungen stockt das Gespräch. Die Kommunikation ist blockiert. Nicht nur zwischen den einzelnen Ländern, sondern auch zwischen den Menschen haben sich die Verhältnisse kompliziert. Um dem entgegenzuwirken, sollten ich die vierte Achtsamkeitsübung beherzigen.
Was ist unter Rechter Rede zu verstehen? Ich muss der Wahrheit entsprechend reden. Wenn etwas grün ist, sage ich, es ist grün, und nicht purpurrot. Ich darf nicht mit gespaltener Zunge reden. Ich sage nicht das eine zu dem einen Menschen und etwas anderes zu einem anderen Menschen.Selbstverständlich kann Wahrheit auf verschiedene Weise vermittelt werden, um dem jeweiligen Zuhörer das Verständnis zu erleichtern, aber ich darf dabei die Wahrheit nicht verletzen. Ich darf nicht in verletzender Weise sprechen. Wie nicht schreien, nicht beleidigen, nicht fluchen, keinen Hass schüren und nichts sagen, was anderen leid zufügen könnte. Selbst gutherzige Menschen, denen es fern liegt, andere zu verletzen, kann es zuweilen passieren, dass grobe Worte über ihre Lippen kommen. In meinem Geist gibt es den Buddhasamen, aber auch viele Fesseln oder Knoten. Sagen ich etwas Unfreundliches und verletzendes, so sind meist untere Gewohnheitsenergien schuld daran. Meine Worte können eine gewaltige Kraft haben. Sie können bei anderen einen Komplex auslösen, ihnen ihren Lebensmut rauben und sie sogar dazu bringen, sich das Leben zu nehmen. Das darf ich nicht vergessen. Ich darf nicht übertreiben oder verschönern. Ich dramatisiere nicht unnötig, stelle die Dinge nicht besser, schlechter oder extremer dar, als sie in Wirklichkeit sind. Ist jemand ein wenig irritiert, so sage ich nicht, er sei zornig. Rechte Rede praktizieren heißt, meine Gewohnheiten zu ändern, so dass meine Rede aus dem Buddhasamen in meinem Innern wächst und nicht aus den unaufgelösten, unheilsamen Samen in mir.
Rechte Rede gründet auf Rechten Denken. Im Reden drückt sich mein Denken auf hörbare Weise aus. Rede ich, so sind meine Gedanken nicht länger mein privater Besitz. Ich reiche meinen Mitmenschen Kopfhörer und erlaube ihnen, das Band , das in meinen Geist abläuft, mitzuhören. Natürlich gibt es auch Dinge, die ich denke, aber nicht wage auszusprechen, ein Teil meines Bewusstseins spielt dann Redakteur. Wenn ich etwas denke, von dem ich meine, dass es Kritik auslösen würde, zensiert der Redakteur es. Nur manchmal, wenn beispielsweise in der Therapie oder von einem Freund oder einer Freundin eine unerwartete Frage gestellt wird, rücke ich mit der Wahrheit heraus, die ich eigentlich verheimlichen wollte.
Manchmal, wenn mein leiden sehr stark ist, kann es geschehen, dass es sich in meiner Rede oder meinem Handeln offenbart, ohne das Medium Denken passiert zu haben. Dann sucht es sich ein Ventil und kommt zum Ausbruch, besonders wenn ich es unterlassen habe, Rechte Achtsamkeit zu praktizieren, Gestatte ich es meinem Leiden, sich derart zu äußern,so kann das mit und anderen schaden. Nur wenn ich Rechte Achtsamkeit praktiziere, bemerke ich rechtzeitig, was sich da in mir zusammenbraut. Tu ich ds nicht, so sagen oder schreiben ich Dinge, die ich eigentlich nicht sagen oder schreiben wollte, und ich weiß nicht, wie es dazu kommen konnte,. Ich hatte gewiss nicht die Absicht, etwas Verletzendes zu sagen, und dennoch habe ich es getan. Ich mag entschlossen sein, nur versöhnlich und verständnisvoll zu sprechen, aber trotzdem passiert es, dass ich etwas Unfreundliches sage. Um dem Samen des Friedens in mir Nahrung zu geben, muss ich unermüdlich Achtsamkeit praktizieren, wenn ich gehe, wenn ich sitze, wenn ich stehe usw. rechte Achtsamkeit hilft mir, meine Gedanken und Gefühle klar zu erkennen und zu unterscheiden, ob das, was ich denke und sage, heilsam ist oder Probleme schafft.
Rechte rede gründet auf tiefem Zuhören. Wenn ich nicht achtsam zuhören kann, kann ich auch keine Rechte Rede üben. Ganz gleich, was ich sage, es wird nicht achtsam sein, wenn ich nur meine eigenen Ideen von mir gebe und dem anderen Menschen nicht wirklich antworte. Das Lotus-Sutra gibt mir den Rat, mit den Augen und Ohren des Mitgefühls zu schauen bzw. zuzuhören. Mitfühlendes Zuhören bewirkt Heilung. Hört mir ein Mensch achtsam und mitfühlend zu, wenn ich ihm meine Probleme anvertraue, so fühle ich mich sogleich ein wenig erleichtert. Ein guter Therapeut übt immer tiefes, mitfühlendes Zuhören. Das gleiche muss auch ich lernen, um die Menschen, die ich liebe, zu heilen und um die Kommunikation mit ihnen wieder aufzunehmen.
Wo es keine Kommunikation mehr gibt, leiden alle. Hört mir niemand mehr zu und versucht niemand mehr, mich zu verstehen, so bin ich wie eine Bombe , die jeden Augenblick explodieren kann. Es ist außerordentlich wichtig, verlorengegangene Kommunikation wiederherzustellen. Manchmal reichen bereits zehn Minuten tiefen Zuhörens aus, um Licht in das Dunkel zu bringen und wieder ein Lächeln auf meine Lippen zu zaubern. Die Bodhisattha Kwan Yin hört die Schreie in der Welt und hat die Fähigkeit, tief zuzuhören, ohne zu urteilen und zu reagieren. Hören ich mit offenem Herzen zu, so kann ich eine Menge Bomben entschärfen. Vermittel ich bei meinen Gesprächspartnern den Eindruck, dass ich das, was sie sagen, nicht vorbehaltlos zur Kenntnis nehmen, so wird ihr Leiden keinesfalls gelindert werden. Wenn Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen Rechtes Zuhören praktizieren , werden ihre Patienten den Mut fassen, über Dinge zu reden, über die sie vorher noch niemals mit jemanden haben sprechen können. Tiefes Zuhören gibt sowohl dem Sprecher als auch dem Zuhörer Kraft.
Vielen von mir ist die Fähigkeit abhanden gekommen, zuzuhören und eine liebevolle Rede zu praktizieren. Deshalb fühle ich mich oft selbst in meiner eigenen Familie sehr einsam. Ich suche dann vielleicht eine Psychotherapeutin auf und hoffe, dass sie es fertigbringt, mir zuzuhören. Aber viele, die in diesem Beruf tätig sind, leiden selbst sehr stark und schaffen es nicht immer, so tief zuzuhören, wie es eigentlich nötig wäre. Wenn ich also jemanden wirklich liebe, übe ich mich darin, ein mitfühlender Zuhörer zu sein. Dann werde ich für den Menschen, der das Gespräch mit mir sucht, der beste Therapeut oder beste Therapeutin sein. Ich muss mich auch in liebevoller Rede üben. Ich habe die Fähigkeit verloren, Dinge in Ruhe zu sagen und freundlich und liebevoll zu sprechen. Ich werde zu leicht gereizt. Ich mache den Mund auf, und meine Rede klingt barsch und aggressiv. Mir ist klar, dass das so nicht geht. Die vierte Achtsamkeitsübung ruft mich dazu auf, sanfte Rede zu praktizieren. Sie ist etwas sehr Entscheidendes, wenn es darum geht, friedliche und liebevolle Beziehungen herzustellen.. Übe ich sie nicht, so wird es mir nicht gelingen, um mich herum Harmonie, Liebe und Glück zu schaffen. Darum ist das Praktizieren der vierten Achtsamkeitsübung für alle ein ein großes Geschenk.
Viele Familien und Partnerschaften brechen auseinander, weil viele es verlernt haben, einander ruhig und mitfühlend zuzuhören., weil man nicht mehr gelassen und miteinander liebevoll sprechen kann. Die vierte Achtsamkeisübung weist mir den Weg, die gestörte Kommunikation zwischen allen wieder herzustellen. Wenn ein Familienmitglied beispielsweise traurig ist und leidet, nimmt sich niemand die Zeit, sich zu ihm zu setzen und ihm zuzuhören, so wird seine traurige Stimmung andauern. Öffnet aber jemand sein herz und sein Ohr und zeigt Verständnis für die Situation des leidenden,so kann eine Stunde des Zusammenseins genügen, um ihm Erleichterung zu verschaffen.
Der/die Bodhisattva Avalokiteshvara (oder Kwan Yin) ist ein Wesen, das die Fähigkeit mitfühlenden Zuhörens und vollkommener Präsenz hat.“Kwan Yin“ bedeutet, jemand, der zuhören und die Stimmen der Welt, die Schreie des Leidens verstehen kann, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten bemühen sich, das gleiche zu tun. Sie setzen sich voll Mitgefühl und Ruhe neben mich und hören mir zu. Einem solchen Zuhörer liegt alles Urteilen oder Verurteilen , Kritisieren, tadeln und Bewerten fern, es hat ein einziges Ziel, mein Leiden zu lindern. Wenn jemand in der Lage ist, mir eine Stunde lang auf diese Weise zuzuhören, werde ich mich sogleich wohler fühlen. Auch Therapeuten und Therapeutinnen müssen stetig üben, damit ihnen ihr Gefühl und die Fähigkeit zu Konzentration und tiefen Zuhören erhalten bleiben. Tun sie das nicht, so lässt die Qualität ihres Zuhörens nach, und wer sich ihnen anvertraut, wird auch nach einer Stunde des Zusammenseins keine Erleichterung verspüren.
Damit das Mitgefühl in mir gewahrt bleibt, muss ich, während ich zuhöre, achtsam ein- und ausatmen. „Ich höre dem Menschen nicht nur deshalb zu, weil ich wissen möchte, was in ihm vorgeht, oder um ihn einen Rat zu geben. Ich höre ihm zu, weil es mir ein Anliegen ist, sein leiden zu lindern. Das verstehe ich unter mitfühlendem Zuhören. Die ganze Zeit, während ich zuhöre, muss mein Mitgefühl erhalten bleiben. Das ist nicht leicht. Sollte irgendwann Gereiztheit oder Ärger in mir aufkommen, so kann ich nicht mehr richtig zuhören. Ich muss mitfühlendes Zuhören in einer Weise praktizieren, die es mir erlaubt, achtsam ein- und ausatmen, sobald die Energie der Gereiztheit oder des Ärgers in mir aufsteigt. Dann wird das Mitgefühl in mir nicht versiegen. Nur mit dem Mitgefühl kann ich dem anderen wirklich zuhören. Ich darf nicht irritiert sein über das, was er sagt. Selbst wenn er bei der Beurteilung des Situation von falschen Informationen ausgeht und ungerecht urteilt, selbst wenn er mich kritisiert und mir Vorwürfe macht, muss ich still sitzen bleiben und ruhig ein- und ausatmen. Nur so übe ich mitfühlendes Zuhören. Gelingt es mir, eine Stunde lang in dieser Weise zuzuhören, wird sich der andere besser fühlen.
Habe ich den Eindruck, dass die Qualität meines Zuhörens nachlässt, so frage ich meinen freund:“Mein Lieber, kann ich ein paar tage weitermachen? Ich muss neue Kräfte sammeln, damit ich dir so gut wie möglich zuhören kann.“ Bin ich nicht in guter Verfassung, so wird auch mein Zuhören von schlechter Qualität sein. Um meine Fähigkeit zu mitfühlendem Zuhören wiederherzustellen, muss ich mehr Gehmeditation, mehr achtsames Atmen und mehr Sitzmeditation praktizieren. Das legt mir die vierte Achtsamkeitsübung nahe.
Manchmal drück ich mich ungeschickt aus und verursache damit in meinem Gesprächspartner Leiden. Ich rechtfertige mich: „Ich hab doch nur die Wahrheit gesagt.“ Das mag richtig sein. Wenn aber das, was ich sage, Leiden hervorruft, ist es keine Rechte Rede. Die Wahrheit muss so vermittelt werden, dass der andere sie akzeptieren kann. Worte, die verletzen oder zerstören, sind weit entfernt von Rechter Rede. Ich versetze mich in die Situation des Menschen, zu dem ich spreche, und versuche, ihn oder sie zu verstehen, bevor ich etwas sage. Ich wäge jedes Wort sorgfältig ab, damit meine rede sowohl in der Form als auch im Inhalt recht ist. Die vierte Achtsamkeitsübung hat auch etwas mit liebevollem Sprechen zu tun. Ich habe das recht, einander alles zu sagen, was mir auf der Seele liegt, vorausgesetzt, ich sage es in liebevoller Weise. Fühle ich mich nicht in der Lage, ruhig zu sprechen, dann sage: „Tut mir leid, mein Lieber(meine Liebe). Lass uns unser Gespräch auf morgen oder übermorgen verschieben, denn heute bin ich nicht in bester Verfassung, und ich könnte unfreundlich reagieren und hässliche Sachen sagen.“ Ich spreche nur dann, wenn ich wirklich sicher bin, dass ich gelassen und liebevoll sprechen werde. Ich muss mich darin üben, damit es mir gelingt.
Im Lotus-Sutra gibt es einen Bodisattva nit dem Namen „Wunderbarer Klang“, der zu jedem Menschen i der Sprache reden konnte, die dieser am besten verstand. Für Menschen, denen die Sprache der Musik wichtig war, wählte er Musik. Für diejenigen, die die Sprache der Drogen verstanden, sprach er mittels Drogen. Jedes Wort, das die Bodhisattva äußerte, ließ Kommunikation entstehen und macht Transformation möglich. Auch ich kann so sprechen lernen, es bedarf aber der Entschlossen und Geschicklichkeit.
Wenn ich weiß, dass zwei Menschen miteinander nicht auskommen, kann ich zu dem einen gehen und freundlich über den anderen sprechen. Dann gehe ich zu dem anderen und spreche positiv über den ersten. Wenn Person A erfährt, dass Person B leidet, fällt es A viel leichter, B zu verstehen und richtig einzuschätzen. Die Kunst, „recht“ zu reden, gründet auf Rechter Anschauung und Rechtem Denken und bedarf der rechten Übung.
Auch beim Briefe schreiben ist eine Art von Rede. Manchmal ist es weniger riskant, einen Brief zu schreiben als zu sprechen, weil ich Zeit habe, das Geschriebene noch einmal zu überprüfen, bevor ich es abschicke. Während des Durchlesens kann ich mir vorstellen, wie der andere meinen Brief aufnehmen wird, und entscheiden, ob das, was ich geschrieben habe, geschickt und angemessen ist. Wenn mein Brief der Rechten Rede entsprechen soll, muss er im anderen den Samen der Transformation stärken und sein Herz anrühren. Formuliere den Text neu, wenn irgend etwas missverstanden werden oder den anderen beunruhigen könnte. Rechte Achtsamkeit wird mir deutlich machen ob ich die Wahrheit einfühlsam und geschickt ausgedrückt habe. Denke daran: Wenn der Brief erst einmal im Postkasten ist, bekomme ich ihn nicht mehr zurück. Lies ihn deshalb mehrmals sorgfältig durch, bevor du ihn abschickst.
Natürlich habe ich gelitten, aber der andere hat auch gelitten. Darum ist Schreiben eine gute Übung. Wenn ich schreibe, kann ich tief schauen. Ich schicke den Brief nur dann ab, wenn ich mir sicher bin, dass ich tief geschaut habe. Dann werde ich niemanden mehr die Schuld geben. Dann werde ich zeigen, dass tiefes Verstehen in mir ist. Allein die Tatsache, dass der Empfänger oder die Empfängerin des Briefes leidet, verdient mein Mitgefühl. Sobald mir bewusst wird, dass da Leiden ist, wird Mitgefühl in mir aufsteigen, und die Sprache, mit der ich spreche, wird die kraft des Heilens haben. Mitgefühl ist die einzige Energie, die mir helfen kann, mit einem anderen Menschen wirklich in Verbindung zu treten. Ein Mensch, der kein Mitgefühl kennt, kann niemals wirklich glücklich sein. Übe es, den/die Empfänger/in deines Briefes vor dir zu sehen, während ich schreibe. Dann wird Mitgefühl in dem Augenblick in mir aufkommen, da ich erkenne, dass auch dieser Mensch leidet. Wenn das geschieht, wird dir sogleich leichter zumute sein, schon bevor ich den Brief beendet habe. Noch besser werde ich mich fühlen, wenn der Brief abgeschickt ist, weil ich weiß, dass der andere sich nach dem Lesen meines Briefes gleichfalls besser fühlen wird. Jeder Mensch möchte verstanden und akzeptiert werden. Mit diesem Brief biete ich das verstehen an. Durch solche Briefe wird die verlorengegangene Kommunikation wiederhergestellt.
Bücher oder Aufsätze sollte in gleicher Weise geschrieben werden. Schreiben ist eine tiefgreifende Tätigkeit. Schon lange bevor ich wirklich anfange zu schreiben, entsteht ein Text in meinem Bewusstsein. Ganz gleich, was ich tu, ob ich im Garten arbeite oder den Fußboden aufwische, in der Tiefe meines Bewusstseins wird das Buch oder der Aufsatz bereits geschrieben. Wenn ich ein Buch schreibe, muss ich von dieser Arbeit völlig ausgefüllt sein, nicht nur während der zeit, die ich am Schreibtisch sitze. Es muss mir bewusst sein, dass meine Worte auf viele Menschen eine Wirkung ausüben werdenIch habe nicht das Recht, mein eigenes Leiden in den Mittelpunkt zu stellen, wenn ich weiß, dass das bei anderen Leiden verursachen wird. Viele Bücher, Gedichte und Lieder nehmen mir das Vertrauen zum leben. Heutzutage finden viel junge Leute Gefallen daran, sich von unheilsamer Musik berieseln zu lassen., von Liedern, die die Samen von Trauer, Aufgeregtheit und Aggression in ihnen nähren. Wenn ich es mit Rechter Anschauung und Rechtem Denken ernst meine, verstaue ich alle Bänder und CDs, die diesen Samen Nahrung geben, in einer Kiste und höre sie nie wieder an. Es ist wichtig, dass Menschen, die im Bereich der Film- und Musikproduktion sowie der Schriftstellerei tätig sind, Rechte Rede praktizieren, damit unsere Gesellschaft wieder voller Zuversicht in eine friedliche und freudvolle Zukunft blicken kann.
Eine weitere Übung, die mir helfen kann, Rechte Rede zu kultivieren, ist die Telefonmeditation.
Worte können Tausende von Kilometern reisen,
Mögen meine Worte gegenseitiges Verständnis und Liebe bewirken.
Mögen sie so schön sein wie Juwelen,
so wundervoll wie Blumen.
Ich könnte diese Gatha auf ein Stück Papier schreiben und neben mein Telefon legen. Ich nehme den Hörer nicht sofort ab, sondern spreche erst diese Verse, bevor ich wähle. Sie bringen den Entschluss zum Ausdruck, Rechte Rede zu üben. Schon während ich die Worte spreche, beruhigt sich mein Geist, und mein Verstehen wird klarer. Meine Gesprächspartnerin wird die Frische in meiner Stimme wahrnehmen, und meine Worte werden sie glücklich machen und kein leid in ihr auslösen.
Je tiefer ich in meine Meditationspraxis eindringe, desto weniger lasse ich mich durch Worte gefangennehmen. Bin ich in der Lage, Schweigen zu praktizieren, so bin ich so frei wie ein Vogel und berühre die wahr Natur der Dinge. Um in der Rede Achtsamkeit zu praktizieren, muss ich mich in Schweigen üben. Dann kann ich tief schauen und erkennen, welchen Anschauungen ich anhangen und wie mein Denken durch psychische Probleme beeinflusst wird. Schweigen ermöglicht tiefes Schauen. Es gitb Zeiten, das Schweigen die Wahrheit offenbart, so spricht man vom „donnernden Schweigen“. „Die Himmel sprechen nicht“. Damit ist auch gemeint, dass die Himmel mir unendlich viel sagen, ich aber nicht imstande bin, ihnen zuzuhören. Wenn ich aus der Stille meines Geistes lausche, wird jedes Vogelgezwitscher, jedes Rauschen der Kiefern im Wald zu mir sprechen. Das Rauschen des Windes in den buntgefärbten Bäumen kommt einem Wunder gleich. Lausche ich diesem Klang voll Achtsamkeit, so höre ich den Buddha, wie er die Vier Edlen Wahrheiten und Edlen Achtfachen Pfad lehrt. Rechte Achtsamkeit hilft mir, zur Ruhe zu kommen und auf jedes Wort der Vögel, der Bäume, meines Geistes und meiner Sprache zu lauschen. Mir wird bewusst, was ich sage, sei es etwas Freundliches oder etwas Unbedachtes.
Wörter und Gedanken können töten. Weder im Denken noch im Sprechen darf ich das Töten von Lebendigem rechtfertigen. Gehe ich einer Beschäftigung nach, in der es unmöglich ist, immer bei der Wahrheit zu bleiben, so sollte ich den Arbeitsplatz wechseln. Aber ich bin dankbar, wenn ich eine Arbeit habe, die es mir erlaubt, stets die Wahrheit zu sagen. Rechte Rede ist unerlässlich, wenn es darum geht, soziale Gerechtigkeit zu üben und Ausbeutung zu vermeiden.

Dienstag, 10. April 2018

Rechte Achtsamkeit

Rechte Achtsamkeit
Rechte Achtsamkeit steht im Mittelpunkt der buddhistischen Lehren, denn sie ist ihr Herzstück. Aber gewöhnlich ist Rechte Achtsamkeit das siebte Glied des Achtfachen Pfades. Aber ich stelle sie hier an die dritte Stelle, denn ich möchte ihre große Bedeutung hervorheben. Wo Rechte Achtsamkeit zu finden ist, sind auch die Vier Edlen Wahrheiten und die übrigen sieben Elemente des Achtfachen Pfades vorhanden. Bin ich achtsam, so kann mein Denken nur Rechtes Denken sein, und meine Rede nichts anderes als Rechte Rede usw. Rechte Achtsamkeit ist die Energie, die mich in den gegenwärtigen Augenblick zurückführt. Achtsamkeit in mir entwickeln, heißt, den Buddha in mir lebendig werden zu lassen, dem heiligen Geist in mir Kraft zu schenken.
Doch buddhistischer Psychologie zufolge ist, wie im Abhidharma dargestellt, geistiges Aufmerken „universal“. Und das bedeutet, dass ich meine Achtsamkeit fortwährend auf irgend etwas richte. Es mag angemessen sein, was der Fall ist, wenn ich vollkommen im gegenwärtigen Augenblick verweile, oder „unangemessen“, was der Fall ist, wenn ich meine Achtsamkeit auf etwas richte, was mich davon abhält, ganz im Hier und Jetzt zu sein. Ein guter Gärtner weiß den Kompost in Blumen zu verwandeln. Rechte Achtsamkeit akzeptiert alles, ohne zu urteilen oder zu reagieren. Sie ist umfassend und liebevoll. Ich muss üben und lernen, während des ganzen Tages angemessene Achtsamkeit aufrechtzuerhalten.
Im Sankrit heißt das Wort für Achtsamkeit „smriti“, das bedeutet soviel wie „erinnern“. Achtsamkeit erinnert daran, in den gegenwärtigen Augenblick zurückzukehren. Das chinesische Schriftzeichen für Achtsamkeit besteht aus zwei Teilen. Der obere Teil bedeutet „jetzt“ und der untere „Geist“ oder „Herz“.
Das erste Wunder der Achtsamkeit ist, dass sie mich zu wirklicher Präsenz verhilft und in die Lage versetzt, den blauen Himmel , die blühenden Blumen, das Lächeln meines Kindes zu berühren.
Das zweite Wunder der Achtsamkeit ist, dass sie das andere , den Himmel, die blühende Blume, mein Kind, gleichfalls präsent machen kann,. Die Geschichte in einem vietnamesischen Gedicht, als Kieu die Wohnung ihres Geliebten Kim Trong betritt, und sie findet ihren Geliebten in einem tiefen Schlaf. Sein Kopf ruht auf einem Stapel Bücher . Doch Kim Trong nimmt die Schritte von Kieu wahr und fragt im Halbschlaf:“Bist du wirklich da oder träume ich?“ Kieu erwidert: „Nur jetzt haben wir die Möglichkeit, einander wirklich zu sehen. Ein Traum wird es sein, wenn wir diesen Augenblick nicht tief erleben.“
Ich und der Mensch, den ich liebe, sind nun hier und zusammen. Nur in diesem Augenblick habt ihr die Möglichkeit, einander ganz nahe zu sein, einander wirklich zu erfahren . Seid ihr unachtsam und abgelenkt, also nicht vollkommen präsent, so ist das Zusammensein nichts anderes als ein Traum.
Und das dritte Wunder der Achtsamkeit ist.dass sie dem Objekt meiner Achtsamkeit Lebenskraft schenkt. Wann habe ich dem Menschen, den ich liebe , das letzte Mal in die Augen geschaut und gefragt:“ Wer bist du, mein Liebling.“ Aber mit einer oberflächlichen Antwort werde ich mich nicht zufrieden geben, und so frage ich noch einmal:“Wer bist du, der mein Leiden als sein Leiden auf sich genommen hat, der mein Glück zu dem deinem gemacht hat, und mein Leben und mein Tod zu dem deinem? Und warum bist du kein Tautropfen, kein Schmetterling, kein Vogel? Ich stelle diese Fragen aus meinem tiefsten Innern meines Herzens heraus. Wenn ich dem Menschen, den ich liebe, nicht Rechte Achtsamkeit zukommen lasse, so töte ich ihn gleichsam. Sitze ich mit anderen in einem Auto nebeneinander, und ich wäre im Glaube, ich wüsste alle über die hier vorhandenen Menschen, so verliere ich mich in meinen eigenen Gedanken und lasse die anderen langsam verkümmern. Doch meine Achtsamkeit hingegen hilft, der verwelkenden Blume neue Kraft zu schenken. „Ich weiß, dass du neben mir bist, und das macht mich glücklich.“ Bin ich achtsam, so so werde ich viel Neues und Wunderbares an dem geliebten Menschen entdecken, das, was ihm Freude bereitet, seine verborgenen Talente, seine sehnlichsten Wünsche. Wie kann ich, ohne Achtsamkeit zu üben, behaupten, ich liebe ihn.
Das vierte Wunder der Achtsamkeit, dass mit meiner Hilfe das Leiden im anderen Menschen gelindert werden kann. „Ich weiß, dass ich leide, darum bin ich für andere Menschen da.“ Ich kann es in Worten sagen, oder allein durch die Art und Weise, wie ich ihn anschaue. Bin ich wirklich nicht mit mit voller Achtsamkeit präsent, sondern denke an andere Dinge, so kann sich das Wunder, Leiden zu lindern, nicht verwirklichen. Ich weiß, wie glücklich ich mich schätzen kann, wenn ich in schwierigen Augenblicken meines Lebens ein Freund oder eine Freundin ganz für sich da ist und mir seine oder ihre volle Aufmerksamkeit schenkt. Einen Menschen zu lieben bedeutet, ihm mit Hilfe Rechter Aufmerksamkeit Kraft zu schenken. Praktiziere ich Rechte Aufmerksamkeit, so erlangen beide, er und ich gleichzeitig Präsenz. „Liebling, ich weiß, du bist bist das. Deine Gegenwart ist mir kostbar.“ Das soll ich sagen solange wir zusammen sind. Sonst werde ich, wenn der Tod oder ein Unglücksfall uns trennt, nur weinen, weil ich das Glück des Zusammenseins nicht wirklich erkannt habe, und nicht zu schätzen wusste.
Sitze ich ruhig und achtsam neben einem Sterbenden, so kann allein das ihm helfen, sein Leben in Frieden loszulassen. Denn meine Gegenwart ist wie ein Mantra, ein heiliges Wort, das Transformation bewirkt. Wenn mein Körper, meine Sprache und mein Geist eine vollkommene Einheit bilden, wird das Mantra wirken, auch ohne dass du etwas sagst.
Diese vier Wunder der Achtsamkeit gehören zum ersten Aspekt der Meditation. Aufhören, Zurruhekommen, Ruhen und Heilen. Wenn mein Geist sich erst einmal beruhigt hat und nicht länger zerstreut ist, wird er Einspitzigkeit erlangen, und es wird dir gelingen, tief zu schauen.
Das fünfte Wunder der Achtsamkeit ist tiefes Schauen. Tiefes Schauen stellt auch den zweiten Aspekt der Meditation dar. Weil mein Geist zur Ruhe gekommen und konzentriert ist, wird mir tiefes Schauen möglich. Ich richte das licht der Achtsamkeit sowohl auf das Objekt meiner Achtsamkeit als auch gleichzeitig auf mich selbst. Ich betrachte das Objekt meiner Achtsamkeit und erkenne zugleich die Fülle kostbarer Juwelen in mir selbst.
Das sechste Wunder der Achtsamkeit ist Verstehen. Wenn ich etwas verstehe, sage ich oft:“Das ist klar.“ Etwas wird klar, was ich vorher nur undeutlich wahrgenommen habe. Verstehen kommt tief aus meinem Innern. Wenn ich achtsam bin und den gegenwärtigen Augenblick tief berühre, kann ich tief schauen und zuhören, und die Dinge werden klar. In mir wachsen Verstehen und Liebe, die Bereitschaft anzunehmen, ganz gleich, was kommt, und der Wunsch, Leiden zu lindern und Freude zu schenken. Denn Verstehen ist das wirkliche Fundament der Liebe. Wenn ich jemanden verstehe, kann ich nicht anders, als ihn oder sie zu lieben.
Das siebte Wunder der Achtsamkeit ist die Transformation, Verwandlung. Wenn ich Rechte Achtsamkeit praktiziere, berühre ich die heilenden und erfrischenden Kräfte des Lebens und beginne, mein eigenes Leiden und das der Welt zu transformieren. Vielleicht will ich mir von einer Abhängigkeit befreien wie vom Rauchen, um Körper und Geist gesund zu erhalten. Zu Beginn meines Praktizierens wird meine Gewohnheitsenergie stärker sein als meine Achtsamkeit . Ich weiß das und rechne nicht damit, über Nacht mit dem Rauchen aufzuhören, aber alles, was ich tun muss, muss mir bewusst sein, dass ich rauche, wenn ich rauche. Und ich fahre fort, tiefes Schauen zu üben, und zu erkenne die schädlichen Folgen des Rauchens, die Rauchen für meinen Körper und meinen Geist, meine Familie und und die Gesellschaft hat.
So festigt sich in mir der Entschluss, dass ich mit dem Rauchen aufhöre.Es ist nicht leicht, aber meine Achtsamkeit lässt mir meine Begierde und Wirkungen des Rauchens klar erkennen, und schließlich werde ich einen Weg finden, um endgültig mit dem Rauchen aufzuhören. Es kann Jahre dauern, bis sich die Gewohnheitsenergie auflöst, und wenn das geschieht, dann bringe ich das Rad des Samsara zum Stehen, also den Teufelskreis von leiden und Verwirrung, in dem ich seit vielen Jahren verfangen war.
Wenn ich die sieben Wunder der Achtsamkeit übe, so hilft mir das, ein gesundes und glückliches Leben zu führen, in dem Leiden sich in Frieden, Freude und Freiheit verwandeln.
Im Sutra über die vier Grundlagen der Achtsamkeit bietet der Buddha uns die vier Objekte zum Praktizieren von Achtsamkeit an: meinen Körper, meine Empfindungen wie Gefühle, meine Geist und die Objekte meines Geistes. In vielen buddhistischen Ländern lernen Mönche und Nonnen dieses Sutra auswendig, und wenn sie im Sterben liegen, ist es dieser Text, der ihnen vorgelesen wird Es ist hilfreich , das Sutra über die Vier Grundlagen der Achtsamkeit wenigstens einmal in der Woche zu lesen, wie auch das Sutra des bewussten Atems und das Sutra der Kenntnis des besseren Weges, allein zu leben. Ich könnte diese drei Bücher auf den Nachtisch legen oder sie auf eine Reise mitnehmen.
Die vier Grundlagen der Achtsamkeit sind das Fundament meines Zuhauses. Ohne sie verkommt mein Heim, niemand macht sauber, wischt Staub oder räumt auf. Ich vernachlässige meinen Körper, meine Gefühle werden leiderfüllt, und mein Geist verwahrlost zu einem Haufen von Beschwernissen. Pflegen ich mein Zuhause jedoch voll Achtsamkeit, so wird es für mich und andere zu einem Zufluchtsort.
Die erste Grundlage ist die Achtsamkeit auf den Körper im Körper. Es gibt Menschen, die ihren Körper hassen. Sie empfinden ihn als eine Last und behandeln ihn schlecht. Wenn ich Yoga lehre, so sage ich zu Beginn immer: Lasst uns die Achtsamkeit auf den Körper lenken. Denn ich atme ein und weiß, dass bin ich in meinem Körper, und ich atme aus und schenke meinem Körper ein Lächeln.
Wenn ich so übe, erneuere ich die Bekanntschaft mit meinem Körper und schließe mit ihm Frieden. Aber Buddha zeigt mir noch eine Methode, die mir erkennen helfen, was in meinem Körper vor sich geht. Mein beobachten muss non-dualistisch sein, d.h. ich muss eine sein mit meinem Körper, auch wenn ich ihn beobachte. Ich beginne damit, meine körperliche Haltung und jede Veränderung dieser Haltung, jede Bewegung also, im Geist zu registrieren. Wenn ich sitze, weiß ich, dass ich sitze. Wenn ich stehe, gehe oder liege, weiß ich, dass ich stehe, gehe oder liege. Übe ich auf diese Wiese, so entwickelt sich die Achtsamkeit. Diese Übung wird „Reines Beobachten“ genannt.
De zweite Methode, die der Buddha mir lehrte, um Achtsamkeit auf den Körper im Körper zu üben,ist, jeden einzelnen Körperteil bewusst wahrzunehmen, vom Scheitel bis zur Sohle. Sind meine Haare blond, so bin ich mir dessen bewusst und schenke ihnen ein Lächeln. Sind meine Haare grau, so tu ich das gleiche. Ich stelle fest, ob meine Stirn entspannt ist, oder ob ich sie runzele. Achtsam komme ich in Kontakt mir meiner Nase, meinem Mund und meinen Armen, meinen Herzen, meiner Lunge, meinem Blut und so weiter. Der Buddha verglich die Übung , zweiunddreißig Körperteile bewusst wahrzunehmen, mit einem Bauern, der auf seinen Speicher steigt und von dort oben einen Sack mit Bohnen, Getreide und anderen Samen herunterholt. Er stellt ihn auf die Erde, öffnet ihn und schüttet ihn aus. Während sein Inhalt sich über den Boden ergießt, erkennt er Reis als Reis, Bohnen als Bohnen, Sesam als Sesam und so fort. Genauso nehme ich bei dieser Achtsamkeitsübung meine Augen als Augen wahr und meine Lunge als Lunge. Ich kann dies während der Sitzmeditation oder im Liegen üben. Es mag eine halbe Stunde dauern, bis ich meinen Körper mit meiner Achtsamkeit durchleuchtet habe. Jedem Körperteil, dessen ich mir bewusst werde, schenke ich ein Lächeln. Diese liebevolle und fürsorgliche Meditation bewirkt die Heilung.
Die dritte Methode, die der Buddha mir lehrte, um Achtsamkeit auf den Körper im Körper zu üben, ist, die Elemente zu erkennen, aus denen er besteht: Erde, Wasser, Feuer und Luft. Einatmend erkenne ich das Erdelement in mir. Ausatmend schenke ich dem Erdelement in mir ein Lächeln. Mit „Erdelement“ ist alles gemeint, was Festigkeit und Dichte hat. Erkenne ich das Erdelement in mir und außerhalb von mir, so wird mir klar, dass es in Wirklichkeit keine Grenze zwischen mir und dem Rest des Universums gibt. Als nächstes erkenne ich das Wasserelement in mir und außerhalb von mir. Einatmend bin ich mir des Wasserelement in meinem Körper bewusst. Ich meditiere über die Tatsache, dass mehr als siebzig Prozent meines Körpers aus Wasser bestehen. Danach erkenne ich das Feuerelement, das heißt, die Hitze und Wärme in und außerhalb von mir . Damit Leben möglich ist, muss es Wärme geben. Wenn ich auf diese Art und Weise übe, wird mir immer deutlicher bewusst, dass die Elemente innerhalb und außerhalb meines Körpers alle zur selben Wirklichkeit gehören, und dass ich mehr als nur auf meinen Körper beschränkt. Ich bin überall. Das vierte Element meines Körpers ist das Luftelement.
Die besten Erfahrungen mit diesen Elementen kann ich durch achtsames Atmen machen. Ich atme ein und weiß, dass ich auch wieder ausatme. Nachdem ich diese Sätze einige Male gesagt habe, kann ich sie abkürzen, indem ich beim Einatmen „Ein“ sage, und beim Ausatmen „Aus“. Ich will nicht versuchen, meinen Atem zu steuern. Es spielt keine Rolle, ob ich lang oder kurz, tief oder flach ein- und ausatme, ich lasse meinen Atem so fließen, wie er es will und betrachte ihn im Licht meiner Achtsamkeit. Tue ich das, so stelle ich fest, dass mein Atem allmählich ganz von selbst langsamer und tiefer wird. Ich atme ein und weiß: Mein Ausatmen ich langsam geworden. Danach brauche ich nur noch zu registrieren: Tief-langsam, und keine Anstrengung ist nötig. Der Atem wird von selbst tief und langsam, und ich bin mir dessen bewusst.
Später werde ich feststelle, dass ich ruhiger und friedlicher geworden bin. Ich atme ein und fühle mich ruhig. Ich atme aus und fühle mich friedlich. Und dann: Ich atme ein und lächle. Ich atme aus und und lasse alle meine Sorgen und Ängste los. Lächeln – loslassen. Es gelingt mir mir selbst ein Lächeln zu schenken und alle Kümmernisse loszulassen. In meinem Gesicht gibt es mehr als dreihundert Muskeln. Wenn ich richtig einatme und lächle, können sich die Muskeln entspannen, und das nennt man Mund-Yoga. Ich lächle und bin in der Lage, alle Gefühle und Empfindungen loszulassen. Als letztes sage ich: Ich atme ein und weiß, dies ist ein wunderbarer Augenblick. Gegenwärtiger Augenblick = wunderbarer Augenblick. Nichts ist kostbarer, als im gegenwärtigen Augenblick zu verweilen, vollkommen lebendig und vollkommen wach.
Ein, aus – Tief, langsam – ruhig, friedlich – lächeln, loslassen - gegenwärtiger Augenblick, wunderbarer Augenblick.
Wenn ich diese Verse während der Sitz- oder Gehmeditation zu mir sage, wird es mir Kraft geben und sehr heilsam sein. Ich kann jede Zeile üben, solange ich möchte.
Auch das Zählen kann mir helfen, mir meines Atems bewusst zu werden. Ich zähle „eins“ beim Einatmen wie auch beim Ausatmen. „Eins/eins“, dann: „zwei/zwei“, „drei/drei“, bis ich bei zehn angekommen bin. Jetzt geht es von dort wieder zurück. „Zehn/zehn“, „neun/neun“, und so weiter, bis ich wieder bei eins bin. Gelingt mir das ohne Schwierigkeiten, so kann ich mich gut konzentrieren. Mache ich beim Zählen Fehler, so fange ich wieder bei eins an. Ich muss dabei ganz entspannt sein.Das Ganze ist nur ein Spiel. Wenn mir das Zählen keine Mühe macht , kann ich die Zahlen weglassen und nur „ein“ und „aus“ sagen. Bewusstes Atmen ist eine Freude. Als mir das Sutra des bewussten Atems zum erstenmal begegnete, fühlte ich mich wie der glücklichste Mensch auf Erden. Diese Übungen sind mir von der Gemeinschaft überliefert worden, die sie seit 2600 Jahren praktiziert.
Die zweite Grundlage ist die Achtsamkeit auf die Gefühle in den Gefühlen. Die Verfasser der Abhdharma zählen einundfünfzig Arten von Geistesformation auf. Gefühl ist eine davon. Durch mich hindurch ergießt sich ununterbrochen ein Strom von Gefühlen. Jeder Tropfen in diesem Strom ist eine andere Empfindung. Will ich meine Gefühle beobachten, so brauche ich mich nur ans Fußufer zu setzen und jedes einzelne Gefühl zu identifizieren, ich brauche nur zu registrieren, wie es vorzieht und wieder verschwindet. Gefühle sind entweder angenehm, unangenehm oder neutral.
Habe ich ein angenehmes Gefühl, so will ich es meist festhalten, habe ich ein unangenehmes , so versuche ich, es loszuwerden. In beiden Fällen aber ist es viel wirkungsvoller, zu meinem Atem zurückzukehren und das Gefühl einfach zu beobachten und zu identifizieren: „Ich atme ein und weiß, ein angenehmes (unangenehmes) Gefühl ist in mir.“Nenne ich die Gefühle bei Namen und ich identifiziere sie als Freude, Glück, Wut, Sorge oder Angst, so hilft es mir, tief zu schauen. Im Bruchteil von Sekunden können viele Gefühle aufsteigen.
Ist mein Atem friedlich und ruhig geworden – die natürliche Folge bewussten Atems - ,so werden sich auch Körper und Geist sich allmählich beruhigen und friedlich und rein werden, und mit ihnen meine Gefühle.Meine Gefühle sind nichts von mir Getrenntes und durch nichts verursacht, was außerhalb meiner selbst liegt. Mein Gefühl bin ich, und in dem Augenblick, da es aufsteigt, bin ich das Gefühl. Es mag mich berauschen oder in Schrecken versetzen, aber ich brauche es gewaltsam nicht zurückweisen. Zu üben, an Gefühlen nicht zu haften, sie aber auch nicht abzulehnen, ist ein wichtiger Bestandteil der Meditation. Schaue ich meinen Gefühlen liebevoll und friedlich ins Auge, kann ich sie in eine heilsame und kräftigende Art von Energie verwandeln. Steigt ein bestimmtes Gefühl auf, so identifiziert die Rechte Achtsamkeit es und registriert einfach, dass es da ist und ob es angenehm, unangenehm oder neutral ist. Rechte Achtsamkeit ist wie eine Mutter. Sie liebt ihr Kind immer, ob es fröhlich ist oder weint. Ganz gleich, was in meinem Körper und Geist geschieht, ich muss mich um alles gleichermaßen kümmern. Ich brauche nicht dagegen anzukämpfen. Ein aufsteigendes Gefühl, auch wen es unangenehm ist, begrüße ich freundlich, um es besser kennenzulernen. Wenn dann dieses Gefühl das nächste Mal wieder hochkommt, kann ich ihm gefasst und ruhig begegnen.
Ich kann alle meine Gefühle, auch die problematischen wie Wut, mit Achtsamkeit umarmen. Wut brennt wie Feuer in mir und erfüllt mich mit Rauch. Ich muss mich beruhigen: „Ich atme ein und beruhige meine Wut. Ich atme aus und kümmere mich um meine Wut.“ Denn sobald eine Mutter ihr weinendes Kind in die Arme nimmt, fühlt es sich getröstet. Wenn ich meine Wut mit Rechter Achtsamkeit umarme, leide ich sogleich weniger.
Keinem Menschen sind Gefühle wie Wut oder Angst fremd, gestatten ich es ihnen , mich zu beherrschen, so werden sie mich erschöpfen. Wenn ich nicht weiß, wie ich mit ihnen umzugehen habe, gewinne ich die Oberhand über meine Achtsamkeit und ich leide. Übe ich mich aber Tag für Tag im achtsamen Atmen, so wird Achtsamkeit mir zur Gewohnheit werden. Ich darf nicht erst dann anfangen zu praktizieren, wenn ein Gefühl mich überwältigt hat, dann kann es zu spät sein.
Die dritte Grundlage ist die Achtsamkeit auf den Geist im Geist. Sich des Geistes bewusst zu sein, heißt, sich der Geistesformation bewusst zu sein. Unter Formation wird in der buddhistischen Terminologie all das verstanden, was aus verschiedenen Bestandteile zusammengesetzt, geformt ist. Eine Blume ist eine Formation. Meine Wut ist eine Formation, eine Geistesformation. Einige Geistesformationen sind permanent vorhanden, sie werden „universal“ genannt wie Kontakt, Aufmerksamkeit, Gefühl, Wahrnehmung und Wille. Einige entstehen nur unter bestimmten Umständen wie Absicht Entschluss- und Tatkraft, Achtsamkeit, Sammlung und Einsicht. Einige sind ermutigend und helfen uns, mein leiden zu transformieren wie heilsame oder zuträgliche Geistesformation, während andere wiederum mich belasten und mich in meinem Leiden gefangen sein lassen wie unheilsame oder unzuträgliche Geistesformationen.
Es gibt Geistesformationen, die manchmal heilsam und manchmal unheilsam sind, nämlich Müdigkeit, Bedauern, Gedankenfassen und Überlegen. Braucht mein Körper und mein Geist Schlaf, so ist Müdigkeit gesund. Schlafe ich aber zu lange, so kann das ungesund sein. Haben ich jemanden gekränkt und bedauere das, so ist dieses Bedauern heilsam. Unheilsam ist es hingegen, wenn es zu einem Schuldkomplex führt, der in Zukunft auf alles, was ich tu, seinen Schatten wirft. Verhilft mein Denken mich dazu, Klarheit zu erlangen, so ist es heilsam. Zerstreut mein Geist sich jedoch in alle Richtungen, so ist Denken heilsam.
In meinem Bewusstsein gibt es zahlreiche positive Aspekte, wie Vertrauen, Bescheidenheit Selbstachtung, Abwesenheit von Gier, Aversion und Verblendung sowie Tatkraft, Geistesruhe, Gestilltheit des Geistes, Wachheit, Gleichmut und Gewaltlosigkeit. Unheilsame Geistesformationen dagegen sind wie vollkommen einander verhedderte Schnüre. Versuche ich, sie zu entwirren, so verfangen ich mich nur selbst darin, bis ich mich nicht mehr bewegen kann. Diese negativen Geistesformationen können auch Plagen oder quälende Geisteszustände genannt werden, weil sie mir und anderen Schmerzen bereiten. Gelegentlich bezeichnet man sie auch als „Befleckungen“ oder „Verdunkelungen“, den sie trüben und Verwirren meinen Geist und führen mich vom Pfad weg. Auch „Löcher“ oder „Ausflüsse der Verblendung“ nennt man sie, weil sie einer Vase mit Rissen und Sprüngen gleichen. Die grundlegenden unheilsamen Geistesformationen oder psychischen Formkräfte sind: Anhalten, Ablehnen, Unwissenheit, Stolz, Zweifelsucht und Ansichten. Die sekundären unheilsamen Geistesformationen, die aus den Primären erwachsen, sind: Ärger, Gehässigkeit, Heuchelei, Böswilligkeit, Neid, Selbstsucht, Betrug, Heimtücke, Aufgeregtheit,der Wunsch zu verletzen, Unbescheidenheit, Hochmut, geistige Trägheit, Nachlässigkeit, geistige Unruhe, Mangel an Vertrauen, Trägheit, Nachlässigkeit, Achtlosigkeit, Zerstreutheit und Oberflächlichkeit. Es gibt einundfünfzig Arten von Geistesformationen einschließlich der Gefühle.Da Gefühl allein die zweite Grundlage der Achtsamkeit bildet, fallen die restlichen fünfzig dieser Geistesformationen in die Kategorie der dritten Grundlage der Achtsamkeit.
Sobald eine Geistesformation in Erscheinung tritt,kann ich reines Beobachten praktizieren. Bin ich aufgeregt, so sage ich: „Ich bin aufgeregt“, und schon ist Achtsamkeit da. Solange ich Aufgeregtheit nicht als Aufgeregtheit wahrnehme, wird die mich umher jagen, und ich merke gar nicht, was mit mir geschieht und warum es geschieht. Die Achtsamkeit auf den Geist zu lenken bedeutet, meine Aufgeregtheit bewusst wahrzunehmen. Achtsamkeit ist so etwas wie eine gute Freundin meiner Aufgeregtheit.
Schon lange bevor sich Aufgeregtheit sich in meinem Geistesbewusstsein manifestiert, ist sie als Samenkorn in meinem Speicherbewusstsein vorhanden. Alle Geistesformationen schlummern in Form von Samen in meinem Speicherbewusstsein. Das, was ich tu, kann den Samen der Aufgeregtheit nähren, so dass er sich schließlich in meinem Geistesbewusstsein manifestiert.Es ist wichtig, jede Geistesformation, die in Erscheinung tritt, bewusst wahrzunehmen. Ist sie heilsam, so wird Achtsamkeit sie verstärken. Ist sie unheilsam, so wird Achtsamkeit sie dazu bringen, sich wieder ins Speicherbewusstsein zurückzuziehen und dort zu ruhen.
Die Ursache für meine Aufgeregtheit liegt nicht allein in mir. Wenn ich genau hinschaue, erkenne ich, dass sie das Erbe ist, das mir meine Gesellschaft, Generationen von Vorfahren hinterlassen hat. Denn individuelles Bewusstsein erwächst aus kollektiven Bewusstsein, und kollektives Bewusstsein bildet sich aus einer Vielheit von individuellem Bewusstsein. Beides kann nicht voneinander getrennt werden.. Schaue ich tief in mein Individualbewusstsein, so berühre ich das kollektive Bewusstsein. Das, was ich für „schön“ oder „gut“ halte, und das, was für mich Glück bedeutet, entspricht im allgemeinen dem Ideal, das meine Gesellschaft davon hat. Jeden Winter präsentieren mir Modeschöpfer ihre Kreationen für den kommenden Frühling, und ich betrachte ihre Werke durch die Brille meines kollektiven Bewusstseins. Kaufe ich mir ein modische Kleid, so tue ich das, weil ich mit den Augen des kollektiven Bewusstseins schaue. Keine Frau aus dem Inneren des Amazonasgebietes würde auf die Idee kommen so viel Geld für ein derartiges Kleid auszugeben. Sie würden es nicht einmal schön finden. Schreibe ich Literatur, so hat mein kollektives wie auch mein individuelles Bewusstsein daran Anteil.
Gewöhnlich sehe ich Geistesbewusstsein und Speicherbewusstsein als zwei verschiedene Dinge an. In Wirklichkeit aber ist das Speicherbewusstsein das gleiche wie das Geistbewusstsein, nur auf einer tieferen Ebene. Betrachte ich meine Geistesformationen voll Achtsamkeit, so entdecke ich ihre Wurzeln in meinem Speicherbewusstsein. Achtsamkeit hilft mir, in die Tiefen meines Bewusstseins zu schauen. Sobald eine der einundfünfzig Geistesinformationen aufsteigt, registriere ich ihr Vorhandensein, schaue tief in sie hinein und erkenne ihre Unbeständigkeit und ihr „Intersein“. Wen ich in dieser Weise übe, befreie ich mich von Angst und Sorge und den anderen in mir brennenden Feuern. Umarme ich meine Freude, meine Trauer und alle anderen Geistesformationen mit Achtsamkeit, so werde ich früher oder später ihre bis ins Speicherbewusstsein reichenden Wurzeln erkennen. Mit jedem achtsamen Schritt und jedem achtsamen Atemzug erkenne ich sie. Achtsamkeit erhellt sie mit ihrem Licht und hilft, sie zu transformieren.
Die vierte Grundlage ist die Achtsamkeit auf die Geistesobjekte in den Geistesobjekten. Jede meiner Geistesformationen muss ein Objekt haben. Bin ich wütend, so bin ich auf jemanden oder über etwas wütend, und dieser Mensch oder diese Sache ist das Objekt meines Geistes. Ich erinnere mich an jemanden oder an etwas, so ist eben dieser Mensch oder diese Sache das Objekt meines Geistes. Lausche ich auf singende Vögel, so ist dieser Gesang das Objekt meines Geistes. Schaue ich den blauen Himmel an, so ist er das Objekt meines Geistes.
Betrachte ich eine Kerze, so bildet sich in meinem Geist eine Vorstellung oder ein Bild von ihr. Dieses geistige Bild vom Objekt meiner Wahrnehmung kann ich als Zeichen nennen. Im Chinesischen setzt sich das Ideogramm für Wahrnehmung zusammen aus den Schriftzeichen für „Zeichen“ und „Geist“. Eine Wahrnehmung ist ein Zeichen, ein geistiges Bild.
Die Ergründung des Dharmas ist einer der sieben Faktoren des Erwachens. Beim Betrachten von Dharmas können mich fünf Arten des Meditierens helfen, meinen Geist zu beruhigen: die Atemzüge zählen, das Entstehen der Erscheinungen in ihrer wechselseitigen Abhängigkeit beobachten, das Unreine betrachten, beim Beobachten Liebe und Mitgefühl walten lassen und die verschiedenen Bereiche oder Reiche wahrnehmen
Was ist unter den verschiedenen Bereichen oder Reichen zu verstehen?. Da gibt es zunächst die Achtzehn dhatus, d.h. die Elemente, die alle geistigen Vorgänge bedingen, wozu die Sinnesorgane, die Sinnesobjekte sowie das durch beide bedingte Sinnesbewusstsein gehören, nämlich: Sehorgan(Augen), Sehobjekt(Formen) und Sehbewusstsein,Hörorgan(Ohren), Hörobjekt(Klang), und Hörbewusstsein, Riechorgane(Nase), Riechobjekt(Geruch) und Riechbewusstsein, Schmeckorgan(Zunge), Schmeckobjekt(Geschmack) und Schmeckbewusstsein, Tastorgan(Körper), Tastobjekt und Tastbewusstsein, Geist, Geistobjekt und Geistbewusstsein. Diese Achtzehn Elemente ermöglichen die Existenz des Universums. Wenn ich tief in sie hineinschaue und ihre Natur und Ihren Ursprung erkenne, wird es mir möglich sein, meine Ängste und meine Unwissenheit zu überwinden.
In der Lehrrede über die Vielen Bereiche, erklärt Buddha, dass alle meine Angst und Schwierigkeiten auf meiner Unfähigkeit beruhen, das wahre Gesicht, das wahre Zeichen oder Merkmal der Erscheinungen zu erfassen. Das Heißt: Obwohl ich ihr Erscheinungsbild wahrnehme, bin ich mir ihrer unbeständigen Natur nicht bewusst und erkenne nicht ihr wechselseitiges Verwoben- und Abhängigsein (Intersein). Fühle ich mich ängstlich oder unsicher, so hat meine Angst oder Unsicherheit ihre Ursache darin, dass ich die wahre Natur der Manifestationen der Wirklichkeit nicht erkannt habe. Wenn ich die Achtzehn Elemente untersuche und tief in sie schaue, kann ich meine Unwissenheit transformieren und Angst und Unsicherheit überwinden.
Dem Ehrwürdigen Ananda wurde eines Tages während der Sitzmeditation offenbar, dass alle Sorgen, Ängste und Missgeschicke darauf beruhen, dass ich die wahre Natur der Dharma . d.h der psychischen und physischen Erscheinungen nicht durchschauen. Später fragte er den Buddha, ob das stimme, und der Buddha bejahte das, nachdem er zunächst auf die Notwendigkeit , die Achtzehn Elemente zu erkennen, hingewiesen hat.
Ananda fragte sodann: „Ist es möglich , die Dharmas auch auf andere Art und Weise zu ergründen?“ Der Buddha antwortete: „Ja, ich kann von weiteren sechs Elementen sprechen.“ Dazu gehören die Vier Hauptelement Erde, Wasser, Feuer und Luft sowie Raum und Bewusstsein. Alle physischen Erscheinungen bestehen aus diesen sechs Elementen. Nehme ich sie in und um mich herum bewusst wahr, so erkenne ich, dass ich eins bin mit dem Universum. Diese Einsicht befreit mich von der Vorstellung von Geburt und Tod.
Sodann wies der Buddha Ananda auf weitere sechs Bereiche hin: Glück, Leiden, Freude, Kummer, und Leid, Pali, Gleichmut und Unwissenheit. Glück kann wahres Glück sein oder auf Täuschung beruhen. Ich muss als seine Natur ergründen und mein Anhaften überwinden. Wahres Glück wird mir und anderen zum Beispiel eine Zigarette oder ein Glas Wein, bringt mir nur vorübergehendes Vergnügen und Überdeckt mein leiden nur oberflächlich. Es kann tatsächlich schädlich sein. Wenn ich tief schaue und die Ursache meines Leidens ergründe, hilft es vielleicht gerade diese Erkenntnis, mein Glück wiederherzustellen. Tatsächlich ist leiden eine wesentliche Voraussetzung für Glück. Ich habe erfahren müssen, wie es ist, unter Kälte zu leiden und zu frieren, um uns an der Wärme erfreuen zu können und sie zu schätzen. Schaue ich tief in meine Freude hinein, so kann ich erkennen, ob sie authentisch ist oder ob sie mein leiden und meine Angst nur eben überdeckt, Angst, die Krankheit unserer Zeit, hat ihr Ursache hauptsächlich in meiner Unfähigkeit, im gegenwärtigen Augenblick zu verweilen.
Ich darf nicht aufhören, mich in Gleichmut zu üben. Diese Praxis kann mich sehr glücklich machen. Eine Vietnamesin, die mit einem Boot aus ihrer Heimat flüchtete, wurde auf hoher See von Piraten überfallen und all ihres Goldes beraubt. Sie war darauf verzweifelt und dachte an Selbstmord. Aber als sie sich an Land retten konnte, begegnete sie einen Mann, dem man seine ganze Bekleidung gestohlen hatte, aber die Frau sah diesen Mann nur lächeln, und das sie diesen Mann lächeln sah, half ihr sehr, denn der Mann hatte wirklich losgelassen und Gleichmut bewahrt, denn Gleichmut schenkt mir Freiheit, und Freiheit ist die einzige Bedingung für Glück. Wenn ich im tiefsten herzen noch an etwas festhalte wie Ärger, Angst oder Besitz, dann kann ich nicht frei sein.
Es gibt noch weitere sechs Bereiche, die der Buddha aufzeigt: Begehrlichkeit und Sinnlichkeit , Freisein von Begehrlichkeit und Sinnlichkeit, Übelwollen und Hartherzigkeit, Freisein von Überwollen und Hartherzigkeit, Gewalttätigkeit und Gewaltlosigkeit. Gehe ich mit hilfe tiefen Schauens meiner Begehrlichkeit auf den Grund, so erkenne ich, dass ich in Wirklichkeit schon alles habe, wonach ich begehre, denn alles ist ja Teil von allem anderen. Diese Erkenntnis kann mich aus dem Bereich des Begehrens in den Bereich der Freiheit führen. Das Feuer des Ärgers oder Zorns brennt Tag und Nacht in mir und lässt mich leiden, mehr als denjenigen, auf den ich zornig bin. Ist kein Zorn in mir, so fühle ich mich leicht und frei. Frei zu sein von Übelwollen und Hartherzigkeit bedeutet zu lieben. Meine Welt ist voll von Hass und Gewalttätigkeit, weil ich mich nicht die Zeit nehme, Liebe und Mitgefühl in meinem Herzen zu nähren. Es ist außerordentlich wichtig, Gewaltlosigkeit im Denken und Handeln zu üben.
Der Buddha führt noch drei weitere Bereiche an: Die Sinnenwelt, d.h. den Bereich der Begierde, die fein-körperliche Welt, d.h. den Bereich der begierdelosen Körperlichkeit oder reinen Form und die unkörperliche Welt, d.h. den Bereich der Formlosigkeit und Unkörperlichkeit. Der Bereich der reinen Form und der Bereich der Formlosigkeit betreffen bestimmte Stadien meditativer Sammlung. Im Bereich der reinen Form haben sich die materiellen Dinge zwar schon sehr verfeinert, werden aber noch sinnlich erfasst, im Bereich der Formlosigkeit ist die Weltwahrnehmung der oder des Meditierenden fast völlig zum Erlöschen gekommen. Im Bereich der Begierde existiert die materielle Welt in ihrer gröbsten Form. Menschen, die von ihr beherrscht werden, meditieren nicht. Es ist unser Geist, der diese drei Bereiche schafft. Ist unser Geist voller Begierde, Zorn und Übelwollen, so sind wir mit einem Haus zu vergleichen, das in Flammen steht. Ist mein Geist frei davon, so schaffe ich gleichsam einen kühlen, klaren Lotussee. Sooft ich Rechte Achtsamkeit übe, ist es so, als spränge ich in diesen kühlen See. Stehe ich, so braucht mir nur bewusst zu sein, dass ich sitze. Nichts braucht hinzugefügt zu oder weggenommen zu werden, ich brauche nur achtsam zu sein.
Schließlich lehrte Buddha noch die Meditation über den Bereich des Bedingten und das reich des Nicht- Bedingten. Im Reich des Bedingten gibt es Geburt und Tod, ein Vorher und ein nachher, innen und außen, klein und groß. Im Reich des Nicht-Bedingten unterliege ich nicht länger Geburt und Tod. Es gibt kein Kommen und Gehen mehr, kein Vorher und kein nachher. Das bedingte Reich gehört zur historischen Dimension. Es mit einer Welle zu vergleichen. Das nicht-bedingte Reich gehört der letzten Wirklichkeit an, dem Wasser. Diese beiden Reiche sind nichts voneinander Getrenntes, sie sind eins.
Um dich von engstirnigen Ansichten zu befreien und Furchtlosigkeit und Mitgefühl zu entwickeln, solltest du über die wechselseitige Abhängigkeit und Bedingtheit aller Erscheinungen, d.h. ihr Intersein , ihre Unbeständigkeit und über Mitgefühl kontemplieren. Richte während der Sitzmeditation deine Achtsamkeit auf bestimmte Objekte und versuche zu erkennen, in welcher Weise sie einander bedingen. Denke daran, dass das Subjekt des Erkennens nicht unabhängig vom Objekt des Erkennens bestehen kann. Erkennen heißt: etwas erkennen. Hören heißt: etwas hören. Ärgerlich sein heißt: über etwas ärgerlich sein. Hoffnung ist Hoffnung auf etwas. Denken heißt: an etwas denken oder über etwas nachdenken. Wo es kein Objekt des Erkennens gibt, gibt es auch kein Subjekt und umgekehrt. Meditiere und erkenne das wechselseitige Bedingt- und Verwobensein (Intersein) von Subjekt und Objekt. Wenn du achtsames Atem praktizierst, dann ist der Atem Geist. Wenn du achtsame Körperbetrachtung praktizierst, dann ist dein Körper Geist. Wenn du Achtsamkeit auf Objekte außerhalb deiner selbst praktizierst, dann sind diese Objekte Geist. Jedes Objekt des Geistes ist selbst Geist. Im Buddhismus nenne ich die Geistobjekte Dharmas.
Eine Kontemplation über das wechselseitige Abhängig sein bedeutet, tief in alle Dharmas zu schauen, um zu ihrer wahren Natur vorzustoßen, und sie als teil des Wirklichkeitsganzen zu verstehen, und zu erkennen, dass dieses Wirklichkeitsganze unteilbar ist. Es kann nicht in Einzelteile mit jeweils eigener separater Existenz zerlegt werden.
Das Objekt meines Geistes kann ein Berg sein, eine Rose, der Vollmond oder der Mensch, der vor mir steht. Ich glaube gewöhnlich, diese Dinge würden außerhalb meiner selbst als eigenständige Gebilde existieren, in Wirklichkeit aber sind diese Wahrnehmungsobjekte wir. Das git auch für meine Gefühle. Wenn ich jemanden hasse, hasse ich auch mich selbst. Tatsächlich ist der gesamte Kosmos das Objekt meiner Achtsamkeit. Achtsamkeit ist Achtsamkeit auf den Körper, auf die Gefühle. Wahrnehmungen, auf alle Geistesformationen und alle Samen in meinen Bewusstsein. Die vier Grundlagen der Achtsamkeit enthalten den ganzen Kosmos. Alles im Kosmos ist das Objekt meiner Wahrnehmung, und als solches existiert es nicht nur außerhalb von mir selbst, sondern auch in mir.
Schaue ich tief in die Knospe an einem Baum, so erkenne ich ihre wahre Natur. Sie mag unscheinbar sein, aber sie gleicht der Erde, denn ihr Blatt wird eines Tages wieder zu Erde werden. Erlangen ich Einsicht in die wahre Natur der ganzen Kosmos. Achtsamkeit und tiefes Schauen offenbaren mir die wahre Natur des Kosmos. Vorstellungen und Ansichten, die ich mir über sie mache, führen mich in die Irre.
Es ist eine wunderbare Übung, während der Sitzmeditation den Atemfluss zu betrachten.Aber das ist nicht genug. Um Transformation zu erlangen, muss ich den ganzen Tag über Achtsamkeit üben, nicht nur auf meinem Sitzkissen. Achtsamkeit und der Buddha sind eins. So wie Pflanzen auf Sonnenlicht empfindlich reagieren, so reagieren Geistesformationen empfindlich auf Achtsamkeit. Achtsamkeit ist die Energie, die alle Geistesformationen umarmen und transformieren kann. Achtsamkeit hilft mir, auf den Kopf gestellte, d.h. falsche Wahrnehmungen aufzugeben und öffnet mir die Augen für das, was wirklich geschieht. Dadurch, dass Thich Quang Duc sich zu einer menschlichen Fackel machte und sich öffentlich verbrannte, verhalf er Menschen in der ganzen Welt zur Erkenntnis, dass Vietnam ein brennendes Land war, und dass sie etwas dagegen tun mussten. Wenn ich Achtsamkeit praktiziere, habe ich Kontakt zum Leben, und ich kann allen Wesen mit Liebe und Mitgefühl begegnen, um ihr Leiden zu lindern und ihnen zu Freude und Glück zu verhelfen.Verliert euch nicht in der Vergangenheit. Verliert euch nicht in der Zukunft. Lasst euch von Ärger, Sorgen oder Ängsten überwältigen. Kommt zurück in den gegenwärtigen Augenblick und berührt das leben in seiner ganzen Tiefe. Das ist Achtsamkeit. Ich kann meine Achtsamkeit nicht auf alle Erscheinungen gleichzeitig richten, also muss ich mich entscheiden, welchem Objekt ich den Vorzug geben will. Der blaue Himmel ist etwas Wunderbares, aber das Gesicht eines Kindes ist ebenfalls wunderbar. Wesentlich ist lebendig und präsent zu sein und offen für alle Wunder, die das Leben für mich bereithält.
In verschiedenen Gesprächen wies Buddha auf die dreifache Schulung hin: Schulung in sittlichem Verhalten, Schulung des Geistes durch Sammlung und Schulung in weisem Erkennen (Verstehen). Sich in sittlichem Verhalten schulen bedeutet soviel, wie Rechte Achtsamkeit zu praktizieren. Ich kenne einige Zen-Schüler, die der Meinung sind, sie könnten meditieren, auch ohne sittliches Verhalten zu üben. Das ist aber nicht richtig. Der Kern aller buddhistischen Meditation ist es, Achtsamkeit zu praktizieren, und Achtsamkeit praktizieren heißt, den Shilas, d.h. den Übungswegen der Achtsamkeit, zu folgen. Ich kann nicht meditieren, ohne um eine Verwirklichung der Shilas bemüht zu sein.
Wenn ich Achtsamkeit praktiziere, wird die Energie des Buddha in mir und um mich herum freigesetzt., und das ist die Energie, die die Welt retten kann. Der Buddha ist in der Lage, den ganzen Tag über achtsam zu sein. Ich bin nur ein Teilzeit Buddha. Atme ich aber achtsam ein und aus, so schaue ich gleichsam mit Buddha-Augen und erkenne, welche Kraft die Energie der Achtsamkeit hat. Höre ich andere mit Buddha-Ohren zu, so wird die gestörte Kommunikation wiederhergestellt und eine Menge Leiden gelindert. Leite ich die Energie der Achtsamkeit in meine Hände, so werden meine Buddha-Hände die Sicherheit und Integrität von denen bewahren, die ich liebe.
Schau tief in deine Hand und versuche das Budha-Auge darin zu erkennen. In tibetischen, chinesischen, koreanischen, vietnamesischen und japanischen Tempels gibt es Bilder und Skulpturen von einem Bodhisattva mit eintausend Armen, so viele Arme sind nötig, um all den vielen leidenden zu helfen, und in der Innenfläche einer jeden Hand befindet sich ein Auge. Die Hand steht für Handeln, das Auge für Einsicht und Erkenntnis. Ist kein Verstehen in mir, so kann mein Handeln bei anderen Wesen Leid auslösen. Ich verspüre den Wunsch, andere glücklich zu machen, wenn es aber mir an Verstehen mangelt, kann mein Tun das Gegenteil bewirken und Unheil stiften. Ist meine Liebe ohne Verstehen, so ist es keine wahre Liebe. Achtsamkeit ist die Energie, die in meiner Hand die Augen des Buddha erscheinen lässt. Mit Achtsamkeit kann ich die Welt verändern und viele Menschen glücklich machen. Das ist keine Theorie. Ich habe in jedem Augenblick meines täglichen Lebens die Möglichkeit, die Energie der Achtsamkeit zu entwickeln.