Sonntag, 14. Januar 2018

Wie Menschen und Dinge in Wirklicheit existieren

Wie Menschen und Dinge in Wirklichkeit existieren
Sich selbst wie eine Täuschung wahrnehmen:
Ich erinnere mich an eine Situation, in der ich das Abbild eines Menschen in einem Spiegel für einen tatsächlichen Menschen gehalten habe, denn das Spiegelbild dieses Menschen erschien als tatsächliche Person, war es in Wirklichkeit nicht.
Auf gleiche Weise erscheinen alle Personen und Dinge so, als ob sie aus sich selbst heraus existierten, ohne von Ursachen und Bedingungen, von ihren Einzelbestandteilen und von Gedanken abzuhängen, was aber nicht der Fall ist.
Auf diese Weise sind Personen und Dinge wie Täuschungen.
Ich kreise, wie ich es schon immer tue, das Ziel meiner Untersuchung ein, nämlich die Erscheinung des „Ich“ als ob es in und aus sich selbst heraus errichtet ist, und ich erinnere mich an eine Situation, in der ich felsenfest an die Existenz eines solchen „Ich“ glaube.
Ich nehme deutlich die Unwissenheit wahr, welche die Wirklichkeit mit einer Sicht von inhärenter Existenz überzieht, und ich identifiziere diese Unwissenheit.
Ich lege besonderes Gewicht auf die Betrachtung folgender Tatsache:
Wenn ein solches inhärent existentes „Ich“, dann müsste das „Ich“ und das Geist-Körper-Gefüge entweder ein und dasselbe oder aber voneinander verschieden sein.
Betrachte ich dann mit Nachdruck die Widersinnigkeit der Behauptung, dass das Selbst und das Geist-Körper-Gefüge entweder ein und dasselbe oder voneinander verschieden wären. Ich spüre die Unmöglichkeit der folgenden Behauptungen:
Die Behauptung des Eins-Seins untersuchen:
Das „Ich“ und der Geist/Körper müssten vollständig und in jeder Hinsicht ein und dasselbe sein.
In diesem Falle wäre es sinnlos, von einem „Ich“ zu sprechen.
Es wäre unmöglich, von „meinem Körper“ oder „meinem Kopf“ oder „meinem Geist“ zu sprechen.
Wenn Geist und Körper nicht mehr existieren, dann würde das Selbst auch nicht mehr existieren.
Da Geist und Körper mehr als eins sind, müssten die „Ichs“ einer Person auch mehrfach vorhanden sein.
Da mein „Ich“ nur eines ist, müsste mein Geist und Körper auch nur eines sein.
Genauso wie der Geist und der Körper entstehen und wieder vergehen, würde das „Ich“ inhärent entstehen und inhärent vergehen. In diesem Fall würden weder die angenehmen Auswirkungen von heilsamen Handlungen noch die schmerzhaften Auswirkungen von nicht heilsamen Handlungen in mir zur Reife gelangen, oder aber ich würde die Wirkungen von Handlungen erfahren, die ich selber nicht begangen habe.
Die Behauptung des Verschieden Seins untersuchen:
Das „Ich“ und der Geist/Körper müssten vollständig voneinander verschieden sein.
In diesem Fall müsste das „Ich“ auffindbar sein, nachdem Geist und Körper beiseite geräumt wurden.
Das „Ich“ würde nicht die Eigenschaften des Entstehens, des Bestehens und des Zerfalls aufweisen, was absurd wäre.
Das „Ich“ würde unsinniger-weise keine geistigen oder physischen Eigenschaften aufweisen.
Wenn ich ein solches „Ich“ nicht finden kann, dann treffe ich eine klare und feste Entscheidung: „Weder ich, noch irgendein anderer Mensch ist inhärent existent.“
Verweile ich einen Augenblick in dieser Wahrnehmung, und nehme ich, die Bedeutung der Leerheit in mich auf, indem ich mich auf die Abwesenheit von inhärenter Existenz konzentriere.
Ich lasse dann wieder die Erscheinung von Menschen in meinem Geist auftauchen.
Reflektiere ich über die Tatsache, das Menschen und Lebewesen innerhalb des Kontextes des Entstehens in wechselseitiger Abhängigkeit Handlungen ausführen und somit Karma ansammeln und die Wirkungen meiner Handlungen erfahren.
Stelle ich die Tatsache fest, dass das Erscheinen von Menschen und Lebewesen innerhalb der Abwesenheit von inhärenter Existenz möglich ist und Wirkungen herbeiführen kann. Wenn Wirksamkeit und Leerheit einander zu widersprechen scheinen, ziehe ich als Beispiel ein Spiegelbild zur Hilfe.
Das Spiegelbild eines Gesichtes kommt in Abhängigkeit von einem Spiegel und einem Gesicht unbestreitbar zustande, auch wenn es leer ist von den Augen, Ohren, der Nase usw., die es haben scheint. Das Spiegelbild eines Gesichtes verschwindet unbestreitbar, wenn Gesicht oder Spiegel fehlen.
Auf ähnliche Weise stellt es keinen Widerspruch dar, dass ein Mensch Handlungen ausführt Karma ansammelt , die Auswirkungen von Handlungen erlebt. Und in Abhängigkeit von Karma und destruktiven Emotionen wiedergeboren wird, obwohl dieser Mensch nicht einmal ein Staubkörnchen an inhärenter Existenz aufweist.
Ich versuche, dieses Fehlen eines Widerspruches zwischen Wirksamkeit und Leerheit in Bezug auf alle fühlenden Wesen und in Bezug auf alle Dinge wahrzunehmen.
Wahrnehmen, wie alles auf Gedanken beruht:
Ich gehe zurück in eine Situation, in der ich von Hass oder Begierde erfüllt war.
Erscheint mir der verhasste bzw. begehrte Mensch oder das verhasste bzw. begehrte Objekt nicht als sehr substanziell, gegenständlich und wirklich?
Da dies der Fall ist, kann ich unmöglich behaupten, dass ich die Phänomene bereits als von Denken abhängig betrachte.
Ich betrachte die Phänomene viel mehr so, als ob sie aus eigener Kraft heraus existieren.
Ich erinnere mich daran, dass ich immer wieder auf die Leerheit meditieren muss, um dieser irrtümlichen Erscheinungsweise von Phänomenen entgegen zu wirken.
Das „Ich“ besteht in Abhängigkeit von Geist und Körper.
Geist und Körper sind jedoch nicht das „Ich“, noch ist das „Ich“ Geist und Körper.
Das „Ich“ hängt daher von begrifflichem Denken ab und wird durch den Geist hervorgebracht.
Die Tatsache, dass das „Ich“ von begrifflichem Denken abhängt, zeigt, dass das „Ich“ nicht in und aus sich selbst heraus existiert.
Nehme ich wahr, dass ich nun ein feineres Gespür dafür habe, was es bedeutet, wenn etwas in und aus sich selbst heraus existiert. Die Erkenntnis der Leerheit zielt darauf ab, genau diese inhärente Existenz zu widerlegen.



Keine Kommentare: