Dienstag, 14. November 2017

Wie ich den Unterschied zwischen grobem und subtilem falschen Verständnis erkennen kann

Wie ich den Unterschied zwischen grobem und subtilem falschen Verständnis erkennen kann
Eine mögliche Ursache dafür, die Erkenntnis der Leerheit des „Ich“ nicht auf andere Phänomene übertragen zu können, könnte darin liegen, dass meine anfängliche Identifikation mit einem „Ich“, das unabhängig und aus sich selbst heraus besteht, im Kontext einer eklatanten Übertreibung von mir selbst stattgefunden hat. Und darauf habe ich dann mit Begierde, Hass oder einer starken Abwehrreaktion oder dergleichen reagiert. Eine solche grobe Identifikation konnte es so erscheinen lassen, als ob unter gewöhnlichen Umständen mein Gefühl von „Ich“ nicht mit der Erscheinung eines unabhängigen und aus sich selbst bestehenden „Ich“ vermischt ist. Aber tatsächlich ist es das, wenn auch auf einer subtileren Ebene. Das ist der Grund, warum die ursprüngliche Erkenntnis, obwohl auch hilfreich, keine so große Kraft hat. Auf diesen Punkt möchte ich etwas näher eingehen, habt daher Geduld mit mir.
Zuerst muss ich mich über folgende spannende Frage Gedanken machen: Wenn eine Person weder Körper noch Geist ist, und auch nicht eine Kombination dieser beiden, und auch nicht völlig verschieden davon, was sehe ich dann, wenn ich das „Ich“ betrachte? Und die buddhistischen Schriften sagen mir, dass das, was ich wahrnehme, ein „Ich“ oder eine Person ist, das oder die in Abhängigkeit von anderen Bedingungen entstanden ist. Ich richte meine Aufmerksamkeit auf das „Ich“, obwohl ich es nicht richtig verstehe, welches die Buddhisten das „bloße Ich“ nennen. Da diese Fehlkonstruktion von Geist und Körper als inhärent existent so schnell meinem falschen Verständnis des „Ich“ vorausgeht, kann es so erscheinen, als ob das, dem ich meine Aufmerksamkeit schenke, wenn ich das „Ich“ betrachte, Geist und Körper sind, in Wirklichkeit aber selbst das „Ich“ sind.
Dennoch ist es eine Tatsache, dass alles, was meinem Geist, ob meinem geistigen Bewusstsein oder meinen Sinneswahrnehmungen erscheint, mit einer Übersteigerung von dessen Beschaffenheit vermischt ist. Alle äußeren und inneren Objekte, die meinem Geist erscheinen, einschließlich des Ich, sind vermengt mit einem Gefühl, dass das wahrgenommene Objekt aus sich selbst heraus besteht. Daher sind alle meine Bewusstseinsarten in Bezug auf das, was ihnen erscheint und von ihnen wahrgenommen wird, fehlerhaft, selbst wenn ein bestimmte Wahrnehmung richtig ist: Wenn zum Beispiel ein blaues Objekt als blau wahrgenommen wird, oder wenn ich eine Tür als Tür erkenne. Ein solches Bewusstsein ist richtig in Bezug darauf, dass ich das Objekt aufgrund meiner eigenen Neigungen und Veranlagungen so wahrnehme, dass ich es mit einer Schicht von inhärenter Existenz überlagern.
Wenn ich dabei in der Meditation die Erscheinung von mir selbst, wie sie ist, akzeptiere, und ich dann damit fortfahre, ein hinzugefügtes Gefühl von inhärenter Existenz zu widerlegen, dann habe ich bereits ein Paradebeispiel für inhärente Existenz übersehen, die ich gerade widerlegen will. Ja, ich existiere, daran besteht kein Zweifel. Aber dieses mein“Ich“ existiert nicht auf die Art und Weise, wie es meinem Geist erscheint. Das ist der Grund, dass inhärente Existenz in Bezug auf das allererste „Ich“, das mir üblicherweise erscheint, widerlegt werden muss.
Dieses „Ich“ existiert nicht. Habe ich dies erkannt, dann setze ich in meiner Arbeit an der grundlegenden irrtümlichen Annahme an und wirken mir entgegen. Wenn ich dieses „Ich“ so belasse, als ob es existiert, und dann mit meinen Untersuchungen fortfahre, werde ich nicht an die Wurzeln des Problems heran kommen. Denn das „bloße Ich“, das nicht inhärent existente „Ich“, und inhärent existente „Ich“ sind momentan noch miteinander vermischt. Daher muss ich bedenken, dass das „Ich“, dem ich meine Aufmerksamkeit schenke, nicht so existiert, wie es erscheint. Wenn ich aber dieses „Ich“ als wirklich akzeptiere und dann zu beweisen suche, dass dieses „Ich“ letzten Endes nicht existiert, werde ich die Beschaffenheit seiner Leerheit falsch verstehen.

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