Sonntag, 4. Juni 2017

Die uralte Kunst der Meditation

Die uralte Kunst der Meditation
Die wesentlich Übungen und Lehren, wie man sie in den besten buddhistischen Klöstern findet, werden dem Westen in einer zugänglichen Weise angeboten. Darin wird man mit einigen der einfachsten und am weitesten verbreiteten Meditationsübungen bekannt gemacht, aber insbesondere mit den Übungen der Achtsamkeit und der liebevollen Güte. Ein zentraler Bestandteil sind sechs Meditationsübungen, die als Anleitung dienen und als geführte Meditationen entworfen wurden, denn sie vermitteln die unmittelbare praktische Erfahrung.
Doch der Zweck des Unterfangens ist es keineswegs, dass ich Buddhist werde oder fernöstliche Zeremonien bzw. rituelle Verbeugungen erlerne. Mir geht es darum, zu erlernen, wie ich meditiere und dann davon im täglichen Leben profitiere. Wenn ich mir jetzt die Zeit nehme, und ich zur Ruhe komme,dann spüre ich, und dazu ist jeder Mensch in der Lage, dass ich mein Leben viel mitfühlender und wachsamer leben könnte, denn meditieren bedeutet, dass ich meine inneren Fähigkeiten fördere, um sie in meinem Leben zum Ausdruck bringen zu können.
Doch es gibt viele brauchbare Formen von Meditationsübungen, und im Grunde ist es jede, die mir hilft, achtsamer und bewusster für einen Körper und meine Sinne, für meinen Geist und für mein Herz werden. Und es ist nicht so sehr von Bedeutung , welche Art von Meditation ich mir ausgewählt habe, denn wichtiger ist es, dass ich, nachdem ich mich für eine Art entschieden habe, auch dabei bleibe, und sie täglich praktiziere. Aber die Meditation verlangt Disziplin, und das ist nicht anders , als wenn ich lerne Klavier zu spielen, denn das genügt es auch nicht, wenn ich nur gelegentlich ein paar Minuten am Tage übe. Denn wenn ich wirklich daran interessiert bin, eine Fertigkeit ernsthaft zu erlernen und auch Fortschritte zu machen, sei es nun mit dem Klavier spielen oder mit der Meditation, dann brauche ich Ausdauer, Geduld und regelmäßiges Üben.
So suche ich mir eine Art von Meditation heraus, die mir zusagt, und dann praktiziere ich sie, aber ich arbeite täglich daran, und wenn es möglich sein sollte, dann mit einem Lehrer oder im Rahmen einer Meditationsgruppe. Beim regelmäßigen Üben werde ich allmählich die Fähigkeiten entwickeln, die mir den gegenwärtigen Augenblick öffnen, und ich werde durch die Meditation Geduld und Mitgefühl entwickeln, und ich werde offen sein für alles, was es gibt.
Die Grundübungen der Achtsamkeits-Meditation sind das Herzstück der buddhistischen Meditation, und wird auch Vipassana genannt. Der Ausdruck „Vipassana“ bedeutet: „Die Dinge so zu sehen, wie sie sind“,, und sie ist die am weitesten verbreitete Meditationsweise in Südostasien und von zentraler Bedeutung in allen buddhistischen Traditionen, denn sie betont die Achtsamkeit und wie ich das unmittelbare Gewahrsein meiner Erfahrungen in allen Bereichen des Handeln entwickle.
Die Meditationen helfen mir, das Licht der Achtsamkeit auf jeden Aspekt meiner täglichen Erfahrungen zu werfen, und sie zeigen mir, wie ich die heilende Kraft liebevoller Güte auf mich selbst und andere Menschen ausdehnen kann. Die Achtsamkeit-Meditation wird auch Einsicht-Meditation genannt. Es geht dabei nicht darum, die Aufmerksamkeit auf ein Bild von Buddha, eine Gottheit, ein Licht, eine Kerze oder auf heilige Worte zu lenken, vielmehr entdecke ich durch die Achtsamkeit eine Möglichkeit, inmitten einer Bewegung unbewegt zu bleiben. So können ganz weltliche, oft wiederholte Tätigkeiten wie Essen, Spazierengehen oder Telefonieren in die meditative Bewusstheit einbezogen und Teil der Achtsamkeit-Übung werden. Aber meine Meditation ist dadurch keine Übung, die ich von Zeit zu Zeit durchführe, sie ist eher eine Seinsweise, die jeden Augenblick des Tages bei mir ist.
Achtsamkeit hilft mir, geistesgegenwärtiger und lebendiger auf alles zu reagieren, was mir begegnet, und das zu entwickeln, was ich als Lebenskunst bezeichne. Lebenskunst ist kein sorgloses Dahintreiben noch ein angstvolles Festklammern an der Vergangenheit, sondern sie besteht darin, in jedem Augenblick ganz einfühlsam zu sein, ihn als völlig neu und einzigartig anzusehen und das Bewusstsein offen und ganz und gar empfänglich zu halten.
Wenn ich mit dem Meditieren beginne, dann bedeutet das,dass ich mein Leben mit Anteilnahme und Liebenswürdigkeit betrachte und herausfinde, wie ich Wachsam und frei sein kann. Ich habe viele Vorstellungen und Überzeugungen auf mich selbst, und ich erzähle Geschichten über das, was ich will und wer ich bin, sei es nun klug oder nicht.Aber oft sind es nicht hinterfragte und begrenzte Vorstellungen anderer Menschen, die ich verinnerlicht habe, und dann in meinem Leben zum Ausdruck bringe. Aber Meditieren heißt auch, neue Möglichkeiten entdecken und Fähigkeiten entwickeln, die eigentlich jeder von uns besitzt: nämlich ein weiseres, liebevolleres, mitfühlenderes und erfüllteres Leben zu führen.

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