Freitag, 5. Mai 2017

Den Mechanismus des Gedächtnisses nutzen

Den Mechanismus des Gedächtnisses nutzen
Die geistige Vermischungen stützen sich auf den neuronalen Mechanismus des Gedächtnisses. Wird eine Erinnerung explizit oder implizit gebildet, so werden nur deren Hauptmerkmale gespeichert, nicht jedes einzelne Detail. Ansonsten würde mein Gehirn so voll werden, dass es keinen Platz mehr hätte, um etwas Neues zu lernen. So erinnere ich mich an ein Erlebnis, selbst eins, das noch nicht lange zurückliegt, und ich stelle fest, wie schematisch meine Erinnerung ist: die wesentlichen Merkmale sind enthalten, viele Details aber ausgelassen.
Ruft mein Gehirn eine Erinnerung ab, so tut es dies nicht wie ein Computer, der einen vollständigen auf seiner Festplatte gespeicherten Datensatz aufruft. Mein Gehirn baut implizite und explizite Erinnerungen auf der Basis meiner Hauptmerkmale wieder auf und stützt sich auf seine Simulationsfähigkeit, um fehlende Details zu ergänzen. Es bedeutet mehr Arbeit, es ist aber eine effiziente Nutzung des neuronalen Territoriums, denn auf diese Weise müssen keine vollständigen Datensätze gespeichert werden. Aber mein Gehirn ist so schnell, dass ich die Wiederherstellung einer jeden Erinnerung nicht bemerke.
Der Prozess des Neuaufbaus gibt mir die Möglichkeit, direkt im Mikroschaltkreis meines Gehirns nach und nach die emotionalen Schattierungen meiner inneren Landschaft aktiviert, formt eine umfangreiche Anordnung von Neuronen und Synapsen ein entstehendes Muster. Befinden sich zur selben Zeit auch andere Dinge in meinem Geist, wenn sie auch angenehm oder unangenehm sind, so bringen meine Amygdala und mein Hippocampus automatisch mit dem neuronalen Muster in Verbindung. Verlassen die Erinnerungen das Gewahrsein, so werden sie im Speicher gemeinsam mit den anderen Assoziationen rekonsolidiert.
Das nächste Mal, wenn die Erinnerung aktiviert wird, wird sie dazu tendieren, die Assoziation mit sich zu bringen. Rufe ich wiederholt negative Gefühle und Gedanken in mein Gedächtnis, und während eine Erinnerung aktiv wird, dann wird sich diese Erinnerung zunehmend in eine negative Richtung bewegen. Ich rufe mir einen alten Misserfolg in Erinnerung, und während ich mich selbst kritisiere, so wird mir dieser Misserfolg schrecklich erscheinen. Rufe ich mir dagegen positive Emotionen und Betrachtungsweisen in mein Gedächtnis, und während implizite oder explizite Erinnerungen aktiv sind, so werden diese gesunden Einflüsse langsam in den Stoff dieser Erinnerungen eingewoben.
Jedes Mal, wenn ich dies tue und jedes Mal, wenn ich positive Gefühle und Ansichten in schmerzhafte, einschränkende Geisteszustände streue, baue ich ein kleines bisschen neuronale Struktur auf. Doch mit der Zeit wird die akkumulierende Wirkung dieses positiven Materials mein Gehirn buchstäblich, Synapse für Synapse, verändern.














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