Dienstag, 4. April 2017

Selbstmitgefühl

Selbstmitgefühl
Die Wurzel des Mitgefühls ist das Mitgefühl für sich selbst.
Jeder Mensch leidet gelegentlich, und viele Menschen leiden sehr viele. Das Mitgefühl ist eine natürliche Reaktion auf leiden, einschließlich mein eigenes. Doch Selbstmitgefühl ist nicht Selbstmitleid, sondern Wärme, Anteilnahme und gute Wünsche, genau so wie das Mitgefühl für eine andere Person. Weil Selbstmitgefühl emotionaler ist als Selbstachtung, ist es mächtiger, was die Verringerung der Auswirkung schwieriger Situationen, die Bewahrung des Selbstwertgefühls und den Aufbau von Widerstandskraft angeht. Auch öffnet es ein Herz, denn wenn ich mich meinem Leiden verschließe, so ist es schwierig, für das Leiden anderer empfänglich zu sein.
Zusätzlich zu dem alltäglichen Leiden des Lebens, umfasst auch der Pfad des Erwachens selber schwierige Erfahrungen, die ebenfalls Mitgefühl erfordern. Um glücklicher , weiser und liebender zu werden, muss ich manchmal gegen alte Ströme in einem Nervensystem an schwimmen. Die drei Säulen der Praxis in mancherlei Hinsicht unnatürlich : Die Tugend bewirkt das Zurückhalten von emotionalen Reaktionen, die in der Serengeti gut funktioniert haben, Achtsamkeit mindert nach außen gerichtete Wachsamkeit, und Weisheit durchschneidet Überzeugungen, die mir einst geholfen haben, zu überleben. Das läuft der evolutionären Schablone zuwider, die Ursachen des Leidens aufzuheben, mit allem einst zu fühlen, mit dem sich verändernden Augenblick mit zufließen und von Angenehmen und Unangenehmen unberührt zu bleiben. Aber Selbstverständlich heißt das nicht, dass ich es nicht tun soll, denn es heißt nur, dass ich es verstehen soll, womit ich konfrontiert werde, und Mitgefühl mit mir selber haben soll.
Es gibt folgende Wege, um Selbstmitgefühl zu nähren und seine neuronalen Schaltkreise zu stärken:
Ich entsinne mich des Zusammensein mit jemanden, der mich wirklich geliebt hat, und habe das Gefühl der Fürsorglichkeit empfangen, und das hat den starken Schaltkreis des Bindungssystems in meinem Gehirn aktiviert und machte es breit, Mitgefühl zu schenken.
Denke ich an jemanden, für den ich Mitgefühl empfinde, an ein Kind oder einen anderen Menschen, den ich liebe, so erregt dieser einfache Strom des Mitgefühls seine neuronale Basis (einschließlich des Neuropeptids Oxytocin, der Insula, die den inneren Zustand meines Körpers wahrnimmt, und des PfC) und wärmt sie auf für das Selbstmitgefühl.
Beziehe ich mich selbst in dieses Mitgefühl mit ein, so bin ich meiner eigenen Leiden bewusst und so weite ich Anteilnahme und gute Wünsche auf mich selbst aus, und ich spüre, wie das Mitgefühl in wunde Stellen in meinem Inneren hinunter rieselt, wie es wie sanfter Regen fällt, der alles berührt. Die Handlungen, die mit einem Gefühl verbunden sind, stärken dieses, lege ich meine Handfläche mit der Zärtlichkeit und Wärme an meine Wange und an mein Herz, wie ich es mit einem verletzten Kind machen würde. Und ich sage im Geiste Sätze wie: Möge ich wieder glücklich sein. Möge der Schmerz dieses Augenblicks vorübergehen.
Öffne ich mich insgesamt dem Gefühl, so dass ich Mitgefühl empfange, denn tief im Inneren meines Gehirns spielt die tatsächliche Quelle guter Gefühle keine große Rolle, ob das Mitgefühl nun von mir stammt oder einer anderen Person, dann lasse ich das Gefühl, getröstet und umsorgt zu werden, in mich einsinken.

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