Mittwoch, 28. Dezember 2016

Die Gedanken beobachten

Die Gedanken beobachten
Wenn sich bei mir die Meditation vertieft, dann stelle ich fest, dass ich mich während des Großteils der Zeit in meine Gedanken verstricke. Doch ich habe gelernt, die Gefühle von Verlangen, Unruhe, Zweifel, Furcht oder Abneigung, wenn sie auftauchen, dann auch wieder verschwinden, aber ich verbeuge mich vor ihnen und akzeptiere sie als Bestandteil der Meditation. Jedoch in gleicher Weise wird es Bewegungen in meinem Verstand geben, der mir Geschichten erzählt oder auch Pläne, Erinnerungen und Phantasien ausbreitet. Doch die Aufgabe der Meditation besteht darin, dass zu akzeptieren, was der Verstand im Augenblick an Plänen oder Erinnerungen produziert, aber dass verschwindet wieder, wenn ich es akzeptiere, und dann zu meinem nächsten Atemzug zurückkehre.
Doch gelegentlich ertappe ich mich dabei, wenn ich das, was mir in der Vergangenheit zugestoßen ist, noch einmal durchlebe. So auch diese kleine Geschichte.
Eines Tages ging ich zur Bank, weil ich einen Scheck einlösen wollte. Am Schalter wurde ich gebeten, mich zu identifizieren, so griff ich in meine Jackentasche und holte ein Spiegel hervor und schaute in ihn hinein und sagte:“Ja, das bin ich.“ Und so ähnlich macht es mein verstand während der Meditation, er rekapituliert die Vergangenheit, dann erzählt er mir Geschichten, die ich in der Vergangenheit durchlebt habe, und er macht sich Vorstellungen darüber, was mich in der Zukunft begegnen wird. Aber ich werde diese Geschichten nicht bewerten, weil sie nicht wirklich sind und nicht im Augenblick geschehen, und so erkenne ich sie nur an ein Erinnern, und ich kehre zum Atem zurück.
Es spielt keine Rolle wie oft ich in Gedanken abschweife, denn wichtig ist der Moment, wenn ich aus den Gedanken erwache und sage:“Oh, ich war in Gedanken.“ Es ist ein entscheidender Moment, denn ich habe die Wahl mich in meinen Gedanken zu verlieren oder in das Jetzt und Hier zurückzukehren. Tue ich das Letztere, dann übe ich mich darin, zu erwachen und in achtsamer Art und Weise im gegenwärtigen Augenblick zu leben.
Kommen die Gedanken immer wieder, dann kann es ein Zeichen sein, dass der Gedanke gefühlt oder angenommen werden will. Es kann möglich sein, dass ein Verlust anerkannt oder eine Liebe angenommen oder ein kreativer Impuls gesehen und respektiert werden möchte.
Wenn ich zur Ruhe komme, dann öffnet sich die tiefere Ebene der Besinnung und des Verstehens, oder es kommen verborgene Dinge an die Oberfläche, die zum Ausdruck gebracht oder verstanden werden wollen. Ich denke, dass mich den Einsichten der Zeit widmen kann, aber nicht zu lange, denn dann kann der Geist verstopft werden, weil es besser ist, wenn der Geist leer bleibt. Die Gedanken sind meine Verbindung zu allen Dingen.
Versuche ich während der Meditation , meine Gedanken zu erkennen, dann kommen sie mir nicht sofort zum Bewusstsein, weil ich in der Lage sein muss, den inneren Strom der Gedanken wirklich wahrzunehmen. Doch mit der Zeit lerne ich meine persönliche Denkweise kennen.Und ich werde entdecken, dass es möglich ist, nicht nur den Atem oder die Körperempfindungen oder Geräusche bewusst zu machen, sondern auch den inneren Strom der Vorstellungen.
Ich verbringe viel Zeit mit meinen Gedanken, aber ich muss sie auch ernst nehmen und ihnen Glauben schenken. Oft ist es nicht der Verstand, der zuhört, sondern auch das Herz hört mit Offenheit, Weisheit und Verstand zu.
Den Atem mache ich zum Mittelpunkt der Meditation, ich spüre seinen Anfang, seine Mitte und sein Ende. In die Meditation ziehe ich auch den Bereich der Gedanken ein, aber beobachte die Gedanken mit freundlicher und sorgfältiger Aufmerksamkeit.
Ich öffne die Meditation für die Melodie des Lebens und für den Tanz der Energien.

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