Mittwoch, 3. August 2016

Warum meditieren?

Warum meditieren?
Vor einigen Jahren hörte ich folgende Geschichte von Buddha: Kurz nachdem Buddha seine Erleuchtung erlangte, ging er eine staubige Landstraße entlang und begegnete einen Wanderer. Dieser Wanderer sah in Buddha einen schönen Yogi von bemerkenswerter Ausstrahlung.
Du scheinst ganz außergewöhnlich zu sein,“ sagte der Wanderer zu Buddha. „Was bist du? Eine Art Engel oder Deva? Offensichtlich bist du kein Mensch.“
Nein,“ antwortete Buddha.
Bist du dann vielleicht eine Art von Gott?“ fragte der Wanderer.
Nein,“ sagte Buddha.
Ein Hexenmeister oder ein Zauberer?“ fragte der Wanderer.
Nein,“ sagte Buddha.
Dann bist du doch ein Mensch?“ sagte der Wanderer.
Nein,“ erwiderte Buddha.
Was bist du denn dann?“ fragte der Wanderer.
Ich bin erwacht,“ antwortete Buddha daraufhin.
Mit diesen drei Worten „Ich bin erwacht“ umschreibt man den Kern aller buddhistischen Lehren, und als „Buddha“ wird jemand bezeichnet, der erwacht ist, und Buddha zu sein bedeutet, jemand zu sein, der zur wahren Natur von Leben und Tod erwacht ist, und inmitten der Welt sein Mitgefühl erweckt und befreit hat.
Die Meditation verlangt nicht von von mir, dass ich Buddhist werde oder ein in Meditation versunkener spiritueller Mensch werde, nein die Meditation lädt mich nur dazu ein, die in mir erwachenden Fähigkeiten in Anspruch zu nehmen. Und ich lerne achtsamer zu sein, gegenwärtiger zu sein, mitfühlender und wacher zu sein, denn das ist etwas, was man erlernen kann, auch wenn ich auf ein Meditation-Kissen sitze, aber die Achtsamkeit hilft mir bei vielen anderen Gelegenheiten wie beim Programmieren eines Computers, beim Tennisspielen, beim Lieben oder beim Spazierengehen, wo ich dem Leben lauschen kann, das mich umgibt. Wach zu sein und und wirklich gegenwärtig zu sein, ist tatsächlich eine wesentliche Kunst.
Zu was soll ich erwachen? Ich erwache zum Dharma sowie es die Buddhisten nennen. Dharma ist ein Wort, das sich auf die universelle Wahrheit bezieht, also auf die Gesetze des Universums und die Lehren, die es beschreiben. So ist Dharma etwas, das sich augenblicklich enthüllen kann, denn es ist die Weisheit, , die immer gegenwärtig ist und darauf wartet, entdeckt zu werden.
Aber das ist etwas anderes , wenn man darauf wartet, dass Gott mit Glanz und Gloria vom Himmel herabsteigt, oder als große spirituelle Erleuchtung oder als übersinnliche Erfahrung erscheint. Wenn ich zum Dharam der Weisheit erwache, dann ist die Wahrheit genau dort, wo ich bin, wenn ich mich von meinen Fantasien und Erinnerungen löse, und die Wirklichkeit der Gegenwart zu mir einlasse. Wenn ich das tue und sehr aufmerksam bin, dann beginne ich die Merkmale des Dharma in eben dem Leben zu erkennen, das ich gerade lebe.
Zu dem ersten Merkmal des Dharma, das sich während der Meditation enthüllt, ist Unbeständigkeit und Unsicherheit, „denn so sollst du denken über die flüchtige Welt“. Ein Stern in der Dämmerung, eine Luftblase im Wasser, ein Lichtblitz am Himmel, ein Echo an der Felswand, ein Regenbogen am Himmel, ein Trugbild und ein Traum.“ Je ruhiger ich sitze, je genauer ich beobachte, desto deutlicher wird mir, das sich alles, was ich sehe, in einem Zustand der Veränderung befindet. Gewöhnlich befindet sich alles , oder es erscheint mir so, im Zustand was ich erlebe, es ist beständig, so auch meine Persönlichkeit, meine Umwelt, meine Gefühle und meine Gedanken in meinem Kopf.
Was geschieht in meinem Leben? Nichts im Leben bleibt für lange Zeit beständig oder unverändert. Ich erkenne, dass alles stets im Wandel begriffen ist. Konnte ich jemals einen bestimmten Geisteszustand über einen langen Zeitraum aufrechterhalten? Oder gibt es in meinem Leben, das immer gleich bleibt?
Diese Fragen bringen mich zum zweiten Gesetz des Dharma. Ich wollte oft, dass Dinge, die sich ständig verändern, unverändert bleiben, und ich wollte mich an ihnen festklammern, aber ich erlebte eine Enttäuschung und litt darunter. Auch wenn ich krampfhaft darauf bestehe, dass etwas so bleibt wie es ist, dann verändert es sich trotzdem. Und versuche ich daran festzuhalten „wie es war“, so bringt es mir Leid und Enttäuschung ein, weil das Leben ein Fluss ist, und sich ständig ändert.
Damit beginne ich, die Gesetze des Lebens anzuerkennen, dass die Dinge unbeständig sind und Anhaftung Leid verursacht, und so kann ich fühlen, dass es einen anderen Weg geben muss. Und es gibt diesen Weg, und ich bezeichne ihn als „Unsicherheitsweisheit“, denn das ist die Fähigkeit, zu erkennen, dass ich mit den Veränderungen fließen kann, und das sich alles in einem Wandlungsprozess befindet, und sich dann entspannt in die Ungewissheit zu fügen. Was lehrt uns die Meditation? Sie lehrt uns , wie man loslässt und inmitten des Wandels in der Mitte bleiben kann. Ich habe eingesehen, dass alles unbeständig ist, und dass ich es nicht festhalten kann, und dass ich eine Menge Leid auf mich ziehe, wenn ich daran hafte, und dass die Dinge gleich bleiben, so erkenne ich auch, dass die klügere Art zu leben darin besteht, sich zu entspannen und loszulassen. Ich habe erkannt, das Gewinn und Verlust, Lob und Tadel, Lust und Pein zum Tanz des Lebens dazugehören, denn sie wurden in den menschlichen Körper hineingeboren, das ist auch mir auferlegt worden. Dazu bedeutet aber, dass ich mich in kluger aber den Umständen angepasster Weise, um die Dinge kümmern muss. Ich schenke meinem Körper in der Meditation eine sorgsame und respektvolle Beachtung.
Fragen ich nach der Natur des Körpers, so stelle ich fest: erwächst, altert, wird gelegentlich krank und stirbt am Ende. Was ich unmittelbar am Zustand des Körpers empfinde, stelle ich bei der Meditation fest, die Spannungen in mir und das Maß an Ermüdung oder Energie.Ich fühle mich zeitweise in meinem Körper wohl, aber manchmal bereitet er mir viele Schmerzen,. Dann bin ich ruhig, aber dann kommt wieder die Zeit der Rastlosigkeit, und in der Meditation habe ich oft die Empfindung, dass ich meinen Körper wirklich nicht besitze, sondern ihn nur eine gewisse Zeit bewohne, und der Körper verändert sich von sich aus, ohne sich darum zu kümmern, was ich erleben möchte, und das Gleiche gilt für meinen Geist und mein Herz, mit den Hoffnungen und Befürchtungen, mit der Freude und dem leid. Denn je länger ich meditiere, desto mehr Weisheit erwächst mir im Umgang mit den schmerzhaften Erfahrungen oder angenehmen Erfahrungen, und man strebt nach der Hoffnung, die angenehmen Erfahrungen mögen andauern. Und ich erkenne, dass mein Herz die Fähigkeit besitzt, für das gegenwärtig zu sein und voller und freier damit zu leben, was gerade da ist. Ich habe erkannt, dass alles früher oder später verschwindet, die erfreulichen sowie die unerfreulichen Dinge, und ich werde mich danach mit Gelassenheit einrichten.
Ich meditiere, um zur Erkenntnis der Lebensgesetze zu erwachen, und ich erwache, indem ich die Aufmerksamkeit von der Vielzahl meiner Gedanken und Ideen abziehe, und sie auf meinen Körper und meine Empfindungen ablenke.Ich verstehe, wie mein Körper und mein Geist funktioniert, und nehme eine weisere Beziehung zu ihnen auf, denn der Kern dieses inneren Übungsweges ist aufmerksames Lauschen und Achten auf mein Umfeld, auf meinen Körper, auf meinen Geist, auf mein Herz und auf die Welt um mich herum. Und das ist, was ich als Achtsamkeit bezeichne, also eine sorgsame und respektvolle Achtsamkeit.
Man geht davon aus, dass Achtsamkeit, die man durch Meditation lernt, unter Umständen hilfreich sein kann. Ich lerne voller Achtsamkeit auf meine Gefühle zu achten, die mir angenehme, neutrale und unangenehme Aspekte der gemachten Erfahrungen bewusst machen. Die Dinge verändern sich, egal ob ich sie haben will oder nicht, denn Veränderungen lassen sich nicht aufhalten, sondern können zu weiterem Leid führen.
In der Meditation habe ich entdeckt, dass es eine natürliche, offenherzige und nicht zu bewertendes Bewusstsein für meinen Körper und meine Gefühle gibt. Aber nur schrittweise kann man dieses Bewusstsein dazu bringen, alles wahrzunehmen, was meinem Geist ausmacht. So lernte ich das Gesetz der Unbeständigkeit zu verstehen und zu vertrauen und ich sehe die Welt so, wie sie ist. Und im Verlauf dieses Prozesses habe ich begriffen, wie ich zu allem, was ist, mitfühlend, gütig und weise ein Beziehung herstellen kann.




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