Donnerstag, 24. Dezember 2015

Mit Gefühlen arbeiten.

Mit Gefühlen arbeiten.
Die beiden Begriffe „Gut“ und „Böse“, sowie wir Menschen sie gebrauchen, gibt es in der Natur nicht, denn in der Natur geht es nur um das Überleben aller Wesen. Diese begriffe „Gut“ und „Böse“ haben die Menschen erschaffen, um Unterschiede zwischen den Menschen, aber auch unter den anderen Lebewesen zu schaffen. Doch wenn wir „Gut“ und „Böse“ als Begriffe nehmen, die dem Menschen zeigen sollen, aus was er im Grunde doch besteht, dann schaffen wir eine Trennungslinie zwischen Gut und Böse, die aber das Herz durchschneidet.
Es kommen noch andere Begriffe hinzu wie Zorn, Furcht, Hass, Gier und Aggression, die auch im Menschen vorhanden sind, aber auch hier kann man nicht sagen, dass das die anderen in sich tragen, nein es sind alle Menschen, die das in sich tragen, denn es ist die menschliche Natur. Aber es ist wichtig, dass der Mensch in der Meditation lernt wie man mit der stärksten Energie unseres Wesens umgeht und wie man sie inmitten aller Emotionen zu Mitgefühl, Achtsamkeit und Offenheit findet.
Man bemerkt das Wechselspiel von Stimmungen, Geisteszuständen und Gefühlen, die sich laufend verändern und das Erleben sehr beeinflussen. Man sitzt da und langweilt sich oder ist ruhelos oder in Sorgen, mal ist man glücklich, mal verliebt oder deprimiert. Man erkennt wie diese Zustände hochsteigen und die Weltsicht einfärben. Wacht man auf und ist in einer scheußlichen Stimmung, man ist deprimiert oder ärgerlich, dann spielt es wirklich keine Rolle, welchen Menschen man begegnet, man wird immer etwas auszusetzen haben. Die Empfindsamkeit, die Gefühle und die Stimmung im Verstand und im Herzen haben einen starken Einfluss auf das Leben, mehr noch als die anderen Umstände.
Erlebt man die Gefühle unmittelbar, dann haben die Gefühle solange einen starken Einfluss auf einen, bis sie sich auflösen. Aber es kann sein, dass sich unter diesen Gefühlen wieder andere Gefühle verbergen, und man spürt denen eine Zeit lang nach, bis sie verschwinden oder sich verwandeln, und man kann zu seinem Atem zurückkehren.
Man glaubt dann meditieren zu können,wenn man alle Probleme los geworden ist, aber diese Probleme gehören eigentlich zur Meditation dazu, denn sie sind ein wichtiger Teil in der Reise. Denn wir haben so viele Ansichten über das, was gut ist oder nicht, aber wir wissen es nicht genau.Doch verlassen wir uns ganz auf die Gefühle, von denen man denkt, dass man sie vermeiden sollte, dann kann es sich herausstellen, dass man offen geworden ist für eine Lektion, die man lernen müsste.Wenn man z.B. den Ärger einmal gründlich untersucht und lernt, ihn ohne Bewertung zu akzeptieren, so kann es ein erster Schritt dazu sein,ihn in einer Weise zu verstehen, die eine tief greifende Wandlung hin zur Vergebung einleitet.
Ein Gefühl, das viele Menschen in einer Meditation erleben, ist das verlangen bzw. der wünschende Verstand. Man bezeichnet ihn auch als der „Wenn-doch-nur-Verstand.“ man sitzt da, folgt dem Atem und der Verstand sagt. „Wenn es doch wärmer oder kühler wäre.“ Die Schwierigkeit mit dem wünschenden Verstand besteht darin, dass er nicht locker lässt.
In der Meditation kann man mit seinen Wünschen in gleicher Weise umgehen wie mit dem Körperempfinden. Es wäre nicht sinnvoll ihn zu unterdrücken, weil er auf andere Weise wieder erscheint.
Was kann man tun, um mit Hilfe der Wünsche zu mehr Einsicht und Verständnis zu kommen, um aus den Wünschen zu lernen, wie man im Verhältnis zu ihnen zu einer gewissen Freiheit kommen kann. Wenn ein Wunsch aufkommt, dann soll man sitzen bleiben, und den Wunsch untersuchen,um herauszufinden, wie er sich anfühlt.Es kann sein, dass man in der Meditation erstmals nicht versucht, den Wunsch zu erfüllen, sondern man bleibt sitzen, spürt ihnen nach, um zu erkennen, worin ihr Wesen besteht. Man wird beobachten, wie sie entstehen, man wird sie erfühlen, wie sie sich im Körper äußern. Schließlich werden sie verschwinden und es werden neue entstehen. Man wird das unbeständige Wesen der Wünsche erfassen und erkennen, dass man sich nicht jeden Wunsch oder Gedanken erfüllen muss. Man kann lernen, dass man die Wahl zwischen vielen verschiedenen Möglichkeiten hat, wie man auf Wünsche reagieren kann, wenn sie auftauchen, und man kann eine neue Art von Freiheit entdecken.
Was tut man, wenn der wünschende Verstand nicht aufhört, ständig belästigend aufzutreten? Man kann sich klarmachen, dass es sich nur um den wünschenden Verstand handelt, denn man hat ihn erkannt und in der gleichen Weise akzeptiert wie das Körperempfinden akzeptiert wurde.
Man sitzt da und spürt den Atem, wie er ganz natürlich fließt, aber der Verstand sagt ganz plötzlich: „Ich mag das nicht,, ich will das nicht.Ich möchte, dass das verschwindet. Ich hasse das.“ Jetzt erlebt man, dass sich der Verstand widersetzt, und das Gegenteil vom wünschenden Verstand ist. Vor dieser großen macht in unserem Leben kann man sich nur verbeugen. Zuerst kam der wünschende Verstand und dann das Gegenstück: denn es besteht aus Abneigung, Ärger oder Furcht, die aber teile des Verstandes, die die Erfahrungen verurteilen oder beiseite schieben. Und dazu gehört auch die Abwertung, die ebenfalls eine Art von Abneigung ist.
Wie man bei den Wünschen erfahren hat,ist es schwierig, mit Abneigung, Furcht oder Abwertung umzugehen, wenn man sich darin verstrickt. Man hat normalerweise die Furcht, den Ärger oder die Abwertung unbewusst und ohne sie zu verstehen zum Ausdruck gebracht. Um mit ihnen in der Meditation zu arbeiten, schaut man ihnen in das Gesicht. Spürt man, dass sie hochkommen, dann kann man ihnen, anstatt zu folgen oder wegzustoßen, mit offenen Armen entgegengehen. Wenn man z.B. ärgerlich ist, dann soll man auch ärgerlich sein und bleibt einfach sitzen. Aber dann achtet man darauf, wie sich der Ärger im Körper äußert, wie er sich mit Energie anfühlt, und wie sich der Atem verändert, oder genauer untersuchen: Ob er angenehm oder schmerzhaft ist. Wenn man bemerken sollte, dass ein Gefühl wie Ärger aufkommt, so sollte man versuchen, herauszufinden, woher der Ärger kommt, und was hinter dem Ärger liegt. Wenn man das fühlt, so kann man feststellen, wie wenig Mitgefühl oder Freundlichkeit man einem selbst oder anderen entgegenbringt. Empfindet man Furcht oder Schmerz, dann reagiert man oft mit Ärger, aber heilsam ist es, den Ärger zu akzeptieren, feststellen, was ihn hervorgerufen hat, und dann darauf seine Aufmerksamkeit richten.
In ähnlicher Form kann man seiner Abwertung bewusst werden. Man sitzt da, der Verstand schweift ab und man sagt sich: „ Meine Gedanken sollen nicht abschweifen, aber man muss beim Atem bleiben, sonst mache ich es nicht richtig.“ Man soll es nicht abwerten, sonst hat man bald eine ganze Kette von Abwertungen, aber was soll man tun? Man soll einfach sitzen, sich davor verbeugen und sagen: „Es gibt auch einen abwertenden Verstand, den jeder Mensch hat.“
Furcht ist eine Emotion, die von vielen vermieden wir und von der man glaubt, man will sie nicht erfahren. Die Art und weise, wie die Furcht wirkt, ist, je weiter man davonrennt, umso schneller kommt die Furcht hinterher, um einen zu finden.
Wenn man meditiert und es kommt Furcht auf, dann kann man das anwenden, was man bereits gelernt hat, man bleibt einfach sitzen und stellt die Furcht fest. Denn wenn man mit der Furcht sitzen bleibt, dann kann man spüren, wie sich die Furcht im Körper äußert. Wie beeinflusst sie den Atem? Macht sie den Geist größer oder kleiner? Dann sitzt man eines Tages da, die Furcht steigt in einem auf, man wird sie zur Kenntnis nehmen und denken: „Oh, es ist die Furcht, ich kenne sie wieder. Willkommen daheim.“ Und man spürt, die Furcht ist zu einem Freund geworden.
Eine andere Energie,, die während der Meditation auftaucht, das ist die Müdigkeit. Es kommt manchmal vor, dass man sich hinsetzt, man wird müde und plötzlich fällt der Kopf nach vorne. Für die Müdigkeit gibt es viele Ursachen. Es kann zum Teil daran liegen, dass man zu sehr beschäftigt ist, und wenn man sich hinsetzt und zur Ruhe kommt, dann ist der Körper der Meinung: „Jetzt sei genügend Zeit zum Ausruhen.“ Geschieht so etwas, dann kann man die Müdigkeit anerkennen als Mahnung des Körpers, dass man ihm mehr Zeit zur Erholung geben muss. Ist die Müdigkeit wirklich sehr stark, dann öffnet man die Augen oder steht auf, und die Meditation wird dann im Gehen oder Stehen fortgesetzt.
Die Müdigkeit kann aber auch daran liegen, dass der Körper während der Meditation sehr ruhig wird, und noch gar nicht daran gewöhnt ist, zugleich ruhig und hellwach zu sein. In so einem Fall setzt man sich aufrechter hin, öffnet die Augen weiter, um mehr Helligkeit in die Meditation zu bringen.Man kann auch einige Atemzüge tiefer atmen, man kann die Müdigkeit annehmen, wie man die Abwertung oder dem Ärger oder dem wünschenden Verstand vorgebeugt hat, und man spürt, wie sie sich anfühlt, was sie mit einem macht, und wie lange es anhält. Doch tritt manchmal in den Sitzungen die Müdigkeit wie ein Nebel auf, bleibt eine Zeit lang und verschwindet wieder. Mal kann es zu einem Problem werden, es heißt aber nicht, dass man mit dem, was geschieht, kämpfen muss, denn man merkt, dass dies die natürliche Energie des Verstandes und des Herzens ist, was man in die Praxis einbeziehen muss.
Das Gegenteil der Müdigkeit sind Unruhe und Besorgnis, und man kann untersuchen, wie sich die Unruhe anfühlt. Wenn man unruhig, einsam und gelangweilt ist, was macht man gewohnheitsgemäß? Man sucht nach Zerstreuung, und so verbringen wir unser ganzes Leben, mit der Suche nach Zerstreuung, denn vor bestimmten grundlegenden Gefühlen wie Einsamkeit, Langeweile, Unruhe oder Furcht laufen wir davon. In der Meditation kann man die aufkommende Unruhe benennen und spüren, wie sie sich anfühlt.
Was tut man, wenn die Unruhe stark ist? Man bleibt sitzen und sagt sich: „Bring mich um, dann bis ich der erste Meditierende in der Geschichte, der an Unruhe stirbt.“ Wenn man bereit ist, sitzen zu bleiben, dann verändert sich die Unruhe. Doch was die Gefühle mächtig macht, ist der Widerstand, der ihnen entgegen gebracht wird. Aber es ist auch der Widerstand, der sie zum Problem macht. Eine Erfahrung, die häufig bei der Meditation auftritt, ist der Zweifel. Der Zweifel ist die falsche Art der Meditation. Was kann man tun, wenn man den Zweifel erlebt? Man kann den zweifelnden Verstand dabei beobachten, wie er kommt und geht.
Es gibt zwei Arten von Zweifel: den kleinen Zweifel und den Großen Zweifel sowie das Wesen des Herzens, des Verstandes und des Bewusstseins, und es ist die Art des Zweifels, die uns zur Erkenntnis bzw. zum Verstehen führt.
Bei der Meditation erlebt man nicht nur Schwierigkeiten, sondern auch Gefühle von Liebe, Glück, Wonne und Begeisterung, aber man kann diese Gefühle auch benennen.Es kommt darauf an, sich dem was da kommt zu öffnen und zwar bewusst, weise und freundlich.
Man hat sich im Leben von vielen Dingen abgeschnitten, doch durch die Meditation und aufmerksame Beobachtung begreift man es nach und nach.
Stimmungen und Gefühle tauchen auf und halten nicht lange an, aber gednaken kommen schnell, dauern nur einige Sekunden, aber Körperempfindungen sind langsamer und Stimmungen liegen in der Mitte.
Was geschieht, wenn die Gefühle wirklich stark sind? Man sitzt da, Trauer und Kummer steigen auf, die man lange Zeit mit sich herum geschleppt hat, doch das ist auch so in Ordnung. Mal ist die Meditation Müdigkeit, mal Tränen und Sorgen, dann wieder Freude. Man lässt die Gefühle kommen und gehen.
Zur dritten Meditation setzt man sich hin: aufrecht, stabil und bequem. Man lässt die Augen zufallen oder hält sie leicht geöffnet, aber nach unten gerichtet. Doch in der Mediation ist der Atem wichtig als Objekt der Aufmerksamkeit, so dass man die Empfindung des Atems spürt.



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