Donnerstag, 1. Oktober 2015

Konditionierende Faktoren

Konditionierende Faktoren.
Das Leiden folgt einem negativen Gedanken wie die Räder eines Karren dem Ochsen folgend der ihn zieht.
Die beiden Wissenschaften, Biologie und Neurologie, machen sichtbar, was in unserem Gehirn vor sich geht, wenn wir angenehme und unangenehme Emotionen erleben. Der Buddhismus hilft uns nicht nur, dass wir solche Erfahrungen uns selbst expliziter beschreiben können, sondern gibt uns auch Mittel in die Hand, mit denen wir uns an die Veränderung unserer Gedanken, Gefühle und Wahrnehmungen machen und so auf einer elementaren, zellularen Ebene glücklichere, friedfertigere und liebevollere Menschen werden können.
Ob wir uns das, was wir Geist oder Bewusstsein nennen, nun subjektiv mittels der von Buddha gelehrten achtsamen Beobachtung anschauen oder objektiv mittels der in den modernen Laboratorien verfügbaren Technologien, es tritt als sich ständig verändernder Zusammenprall von zwei fundamentalen Ereignissen in Erscheinung: der bloßen Erkenntnis, dem einfachen Gewahrsein, das etwas geschieht, und den konditionierenden Faktoren, den Prozessen, die nicht nur das beschreiben, was wir wahrnehmen, sondern auch unsere Reaktionen bestimmen. Mit anderen Worten, alle mentale Aktivität entwickelt sich aus der zusammenwirkenden Aktivität von bloßer Wahrnehmung und langfristigen neuronalen Assoziationen.
Wenn man glücklich sein will, muss man lernen, die konditionierenden Faktoren, die dazu tendieren, zwanghafte oder Wesenszug gebundene Reaktionen zu erzeugen, zu erkennen und mit ihnen zu arbeiten.Und die Essenz ist, dass jeder Faktor in dem Maße als zwanghaft verstanden werden kann, wie er unsere Fähigkeiten vernebelt oder verdunkelt, ohne Beurteilung und Bewertung die Dinge so zu sehen, wie sie sind.
Schreit uns jemand an, so nehmen wir uns kaum die Zeit, zwischen der bloßen Erkenntnis, „oh, eine Person erhebt die Stimme und sagt diese und jene Worte“, und der emotionalen Reaktion, „der Typ ist ein Blödmann“, zu unterscheiden. Stattdessen neigen wir dazu, die bloße Wahrnehmung und unsere emotionale Reaktion zu einem Paket zu vereinen: „dieser Mensch schreit uns an, weil er ein Blödmann ist.“
Aber wenn wir einen Schritt zurücktreten und uns die Situation objektiver anschauen könnten, würden wir vielleicht erkennen, dass Menschen, die uns anschreien, möglicherweise wegen irgendetwas aufgebracht oder gestört sind, das gar nichts mit uns zu tun hat. Vielleicht sind sie gerade von einem Vorgesetzten kritisiert worden und haben Angst, entlassen zu werden. Vielleicht ist ihnen gerade zu Ohren gekommen, dass eine nahe stehende Person schwer krank geworden ist. Oder sie hatten vielleicht eine Auseinandersetzung mit einer Freundin oder einem Freund oder einem Partner oder haben in der Nacht schlecht geschlafen.
Leider übt die Konditionierung einen sehr starken Einfluss auf uns aus, dass wir uns selten daran erinnern dass wir einen Schritt zurücktreten können. Weil unser Verständnis begrenzt ist, halten wir irrtümlicherweise den kleinen Ausschnitt, den wir sehen, für die ganze Wahrheit.
Wie kann man angemessen reagieren, wenn die Sicht so beschränkt ist und man alle Fakten kennt? Wenn wir hinsichtlich unserer Erfahrungen und Wahrnehmungen im Alltag den bei Gericht geltenden Standard, „die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu sagen“, anwenden wollen, müssen wir zur Erkenntnis kommen, dass die „ganze Wahrheit“ die ist, dass jedermann einfach glücklich sein möchte. Und das wirklich Traurige ist, dass die meisten Leute das Glück auf eine Art und Weise suchen, die ihr Bemühen in Wirklichkeit sabotiert. Wenn wir in irgendeiner gegebenen Situation die ganze Wahrheit sehen würden, wäre unsere einzige Reaktion eine des Mitgefühls.

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