Freitag, 2. Oktober 2015

Geistige Hemmnisse

Geistige Hemmnisse
Die Folterinstrumente in den Höllen der Wesen, wer hat sie zu welchem Zweck geschaffen?
Im Buddhismus bezeichnet man die konditionierenden Faktoren auch als „geistige Hemmnisse“ oder als „Geistes plagen“ oder oft auch als „Geistesgifte“. Obwohl in den Texten der buddhistischen Psychologie ein breites Band an konditionierenden Faktoren untersucht wird, stimmen sie alle darin überein, dass es drei geistige Grundhemmnisse gibt. Diese bilden die Grundlage für alle anderen Faktoren, die uns in unseren Fähigkeiten behindern, die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind. Diese drei sind: Unwissenheit, Anhaftung und Ablehnung.
Unwissenheit:
Unwissenheit ist die grundsätzliche Unfähigkeit das grenzenlose Potenzial, die Klarheit und die Kraft unseres eigenen Geistes zu erkennen. Man kann es so betrachten, als würde man die Welt durch gefärbte Brillengläser sehen. Was immer wir sehen, wird durch die Farbe der Brillengläser verschleiert oder verzerrt. Aber auf der grundlegendsten Ebene verzerrt die Unwissenheit die an sich offene Erfahrung von Gewahrsein zu dualistischen Unterscheidungen zwischen den Kategorien von einem eigenständig existierenden „Ich“ und einem eigenständig existierenden „anderen“.
Die Unwissenheit stellt damit ein zweifaches Problem dar. Haben wir uns einmal die neuronale Gewohnheit zu eigen gemacht, uns selbst als eigenständiges, unabhängig existierendes „Ich“ wahrzunehmen, so fangen wir unvermeidlich an,was nicht „Ich“ ist, als „anderes“ zu betrachten. Das „andere“ kann alles sein auch ein „Ich“ das denkt und fühlt. Was wir wahrnehmen und erfahren wird im gewissen Sinn zum Fremden. Während wir uns gewöhnen, zwischen „Ich“ und dem “anderen“ zu unterscheiden, sperren wir uns in eine dualistische Wahrnehmungsweise ein. Und so halten wir uns für klein, beschränkt und verletzlich. Dann meinen wir, das andere Menschen, materielle Gegenstände und so weiter die Quelle unseres Glücks oder Unglücks sind, und so wird das Leben zum Kampf darum,um zu erlangen, was wir zum Glücklichsein brauchen, bevor es andere holen.
Dieser Kampf ist ein Kreislauf des Elends, denn man rennt immer der Unzufriedenheit und der Gewohnheit nach, in der Hoffnung, ein anderes Resultat zu erreichen. Es sind immer die gleichen Erfahrungen.
Es entsteht der Zustand absoluter Glückseligkeit, der durch das Auslöschen des Egos oder der Vorstellung von einem „Ich“ oder „Selbst“ entsteht. Die Interpretation ist bis zu einem bestimmten Grad korrekt, außer das sie der Tatsache keine Rechnung trägt, dass die meisten von uns verkörperte Wesen sind, die ihr Dasein in der relativ realen Welt moralischer, ethischer, rechtlicher und physischer Unterscheidungen leben.
Anhaftung:
Die Wahrnehmung ist eines von anderen getrennt existierendes „Ich“, im wesentlichen ein biologischer Mechanismus.Es ist ein Muster neuronalen Geschwätzes, das anderen teilen des Nervensystems beständig signalisiert, jeder ist ein eigenständiges, unabhängig existierendes Geschöpf, das aber zur Aufrechterhaltung seiner Existenz bestimmte Dinge braucht, weil es in einem physischen Körper lebt. Diese Dinge sind zum Beispiel: Sauerstoff, Nahrung und Wasser, weil diese Dinge für den Körper unentbehrlich sind. Wichtig ist auch die körperliche Zuwendung und das Gespräch mit dem Menschen für das Überleben des Menschen. Übertragen wir biologisch unverzichtbare Dinge in eine Verallgemeinerung auf Bereiche, die nichts mit dem elementaren Überleben etwas zu tun haben, dann beginnen die Probleme. Die Anhaftung ist so etwas wie die Sucht bzw. sie kann man mit der Sucht vergleichen. Wenn mich eine Sucht glücklich macht, dann muss ich diesen Zustand ändern, indem ich das Suchtverhalten ändere. Dieser Wandel ist die einzige Konstante der realen Wirklichkeit. Ist unser Geist von der Anhaftung konditioniert, wird er nie Zufriedenheit erleben, und wir verlieren die Fähigkeit, zwischen der bloßen Erfahrung von Glück und den Objekten, die uns vorübergehend glücklich machen.
Ablehnung:
Jede Anhaftung erzeugt bei uns Angst, dass wir entweder nicht das bekommen, was wir haben wollen oder das wir das verlieren, was wir gewonnen haben. Und diese Angst wird im Buddhismus als „Ablehnung“ bezeichnet. Es ist ein Widerstand gegenüber den unausweichlichen Veränderungen, die sich als Folge der Vergänglichkeit alles relativ Wirklichen ereignet.
Die Vorstellung von einem dauerhaften, unabhängig existierenden Ich drängt uns dazu, uns mit enormer Anstrengung der Unvermeidlichkeit der Veränderung und des Wandels zu widersetzen und sicherzustellen, dass dieses „Ich“ in Sicherheit und ungefährdet bleibt. Je stärker und tiefer diese Anhaftung an das ist, , was uns dieses Gefühl von Ganzheit vermittelt, desto größer ist unsere Angst, es zu verlieren, und desto brutaler ist unserer Schmerz, wenn wir es verlieren.Die Ablehnung ist eine selbst erfüllende Prophezeiung, sie zwingt zu einem Handeln, die unsere Bemühungen nach dauerhaften Frieden, Stabilität und Zufriedenheit verschaffen soll, aber zum Scheitern verurteilt ist.
Die Ablehnung verstärkt ein neuronales Muster, was mental die Vorstellung übermittelt, beschränkt, schwach und unvollständig zu sein. Alles was diese Unabhängigkeit dieses mentalen „Ich-Konstrukts“ untergraben könnte als Bedrohung empfunden wird, und man reagiert darauf mit Stress und den folgenden Problemen wie Depressionen, Schlafstörungen, Verdauungsproblemen, Ausschläge, Funktionsstörungen der Schilddrüse und Nieren, hoher Blutdruck und hoher Cholesterinspiegel.
Auf rein emotionaler Ebene manifestiert sich die Ablehnung als Wust, Zorn und auch Hass. Statt zu erkennen, dass alles, was man an Elend und Unzufriedenheit empfindet, auf einer mental gebauten Vorstellung beruht, findet man bei anderen Menschen, äußeren Objekten oder Situationen die Schuld am eigenen Schmerz.
Wenn das Verhalten anderer uns scheinbar hindert, das zu bekommen, was wir haben möchten, dann halten wir sie für unzuverlässig oder gemein, und versuchen ihnen aus den Weg zu gehen.
Wer sich im Klammergriff der Wut und des Zorns befindet, betrachtet alles und jeden als seinen Feind. Als Folge werden die inneren und äußeren Welten kleiner und kleiner. Man verliert den Glauben an sich selbst und verstärkt spezifische neuronale Muster, die das Gefühl von Angst und Verletzlichkeit erzeugen.

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