Montag, 14. September 2015

Vergänglichkeit

Vergänglichkeit.
Nichts ist je von Dauer.
Die meisten Menschen wurden durch die Gesellschaft, in der sie leben, dazu konditioniert, den ständig wechselnden Strom mentaler und materieller Phänomene mit Begriffsetiketten zu versehen.
Wenn wir uns einen Tisch genauer ansehen, so werden wir instinktiv weiterhin als Tisch bezeichnen, obwohl man erkennt, dass er kein eigenständiges Einzelding ist, sondern sich aus verschiedenen Teilen zusammensetzt: aus Tischplatte, Beinen, Rückseite und Vorderseite. Aber keiner dieser teile könnte für sich genommen als „Tisch“ bezeichnet werden.
Der „Tisch“ ist nur eine Benennung, die wir auf rasch entstehende und wieder auflösende Phänomene anwenden, die nur eine Illusion von etwas definitiv oder absolut Wirklichem erzeugen.
Auf gleiche Weise sind die meisten von auf darauf trainiert, einem Strom von Erfahrungen die Benennung „ich“ oder „mein“ anzuhaften, die unser ganz persönliches Gefühl von einem „Ich“ oder „Selbst“ oder von dem, was man gemeinhin „Ego“ nennt, bestätigt. Doch es besteht das Gefühl, dass wir ein Einzelwesen sind, das über die Zeit hinweg unverändert bleibt. Doch wir haben das Empfinden, heute die gleiche Person zu sein, die wir gestern waren. Doch das „Ich“ hat sich mit der Zeit verändert. Wenn wir uns betrachten, stellen wir fest, dass wir uns wirklich verändern. Denn auf der elementaren Molekular ebene verändern sich unsere Körperzellen dauernd, alte Zellen sterben ab und neue werden geboren.
Man kann dieses Gefühl von einem „Ich“ genauso untersuchen, wie man den Tisch betrachtet, und man erkennt, das sich das Ding namens „Ich“ in Wirklichkeit aus einer Anzahl verschiedener Dinge zusammensetzt. Dieses „Ich“ hat Beine, Arme, einen Kopf, Hände, Füße und innere Organe. Kann man irgendeines dieser Einzelteile definitiv als unser „Ich“ bezeichnen? Doch wir finden nichts, das wir definitiv als unser „Ich“ bezeichnen können. Also finden wir nichts, was wir definitiv als unser „Ich“ bezeichnen können, auch wenn wir alles an uns betrachten. Doch wir werden bei der Analyse von uns an einen Punkt kommen, an dem wir erkennen, wo unsere Analyse zusammenbricht. Es kommt der Augenblick, in dem wir unsere Suche nach etwas Absoluten aufgeben, erhalten wir eine erste Kostprobe der Leere, von der grenzenlosen, undefinierbaren Essenz der Wirklichkeit, so wie sie ist.
Wenn wir uns die enorme Vielfalt von Faktoren vor Augen führen, die zusammenkommen müssen, um ein spezifisches „Ich-Gefühl“ zu erzeugen, lockert sich allmählich unsere Anhaftung, an dieses „Ich“, für das wir uns halten. Wir sind eher bereit, das Verlangen aufzugeben, unsere Gedanken, Emotionen, Empfindungen und so weiter zu kontrollieren oder abzublocken. Wir fangen an, sie ohne Schmerzen oder Schuldgefühle wahrzunehmen und zu erleben und nehmen ihr Aufkommen und Vergehen einfach als Manifestation eines Universums unendlicher Möglichkeiten in uns auf. Diese Vorgehensweise lässt uns die unschuldige Sichtweise wiedergewinnen, die wir zumeist als Kinder hatten.
Unser Herz öffnet sich für andere Menschen wie für sich entfaltende Blüten. Wir werden zu besseren Zuhörern, sind aller Dinge, die um uns herum vorgehen, umfassender gewahr, und können spontaner und angemessener auf Situationen reagieren, die uns vordem in Schwierigkeiten oder in Verwirrung gestürzt haben.
Nach und nach werden wir feststellen, dass wir, vielleicht auf subtiler Ebene, dass wir es zunächst nicht einmal bemerken, zu einem freien, klaren, liebevollen Geisteszustand erwachen, der unsere heißesten Träume übersteigt.
Aber solche Möglichkeiten klar sehen zu lernen erfordert große Geduld. Genau genommen ist es das klare Sehen selbst, das große Geduld erfordert.

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