Montag, 7. September 2015

Subjekte und Objekte.

Subjekte und Objekte: Eine neurowissenschaftliche Sichtweise.
Das dualistische Denken ist die dynamische Energie des Geistes.
Wenn wir mit mehr Information über Physik und Biologie ausgerüstet sind, dann können wir auch ein paar tiefer gehende Fragen über die absolute Wirklichkeit der Leerheit und die relative Wirklichkeit des Alltagserlebens stellen.
So zum Beispiel stelle ich mir die Frage: Das wir einen vor uns stehenden Tisch als stabil und dauerhaft erleben, wenn das, was wir wahrnehmen, nur das Bild eines Objektes und das Objekt selbst aus der Sicht der Physiker eine wirbelnde Masse von winzigen Teilchen ist? Wie kann man ein Glas Wasser auf den Tisch sehen und fühlen? Wenn wir das Wasser trinken, scheint es durchaus real und materiell spürbar zu sein. Und man fragt sich: Wie kann es sein? Aber wenn wir es nicht trinken, werden wir durstig? Warum?
Der Geist lässt sich in vielerlei Hinsicht auf einen Prozess ein, das ist im Tibetischen als „dzinpa“ bekannt, ein Wort welches „Greifen“ und „Festhalten“ bedeutet. Es ist die Neigung des Geistes, sich auf Objekte wirklich zu fixieren.
Der Buddhismus bietet eine andere Herangehensweise an unsere Erfahrung vom Leben an. Diese beinhaltet, das wir eine im wesentlichen auf Angst gegründete , auf das Überleben ausgerichtete Sichtweise aufgeben zugunsten einer Erfahrung vom Leben als einer Folge von seltsamen und wundervollen Ereignissen.
Man sitzt in einem Raum voller Leute, und man blickt nach vorn auf einen Tisch, der im Raum steht. Man ist geneigt dazu, auf diesen Tisch als eigenständiges Ding zu beziehen, als einheitlich, in sich abgeschlossenes Objekt, das unabhängig von einer subjektiven Beobachtung existiert.
Doch der Tisch hat eine Platte, Tischbeine, Seiten, eine Rückseite und eine Vorderseite. Lässt er sich, wenn man sich darauf besinnt, dass er sich aus diesen verschiedenen Teilen zusammensetzt, wirklich als ein singuläres, ganzheitliches Objekt definieren?
Wissenschaftler haben bei der Erforschung des „dirigentlosen“ Gehirns, dass sich die Gehirne fühlender Wesen spezifisch dahingehend entwickelt haben, dass sie Muster erkennen und auf sie reagieren können. Unter den Milliarden von Nervenzellen des menschlichen Gehirns befinden sich einige, die speziell auf das Aufspüren von Formen ausgerichtet sind, während sich andere dem Entdecken von Farben, Gerüchen, Lauten, Bewegungen und so weiter widmen.
Gleichzeitig sind unsere Gehirne mit Mechanismen ausgestattet, die uns zum Herausfiltern von „globalen“ Beziehungen oder „Mustern“ befähigen.
Aufgrund neuronaler Synchronie dieser Mechanismen der Mustererkennung mit der neuronalen Erkennung von Formen, Farben und so weiter fast simultan ablaufen. Man kann es vereinfacht als Prozess beschreiben, bei dem in weit voneinander entfernten Hirnareale kommunizieren.
Wenn eine explizite Formation wahrgenommen wird, dann senden entsprechende Neuronen einander auf eine spontane, doch präzise koordinierte Art Signale, die für das Erkennen eines spezifischen Musters steht. Aber wird kein Muster erkannt, dann senden die entsprechenden Neuronen einander willkürliche Signale.
Diese Tendenz zur Identifizierung von Mustern oder Objekten ist biologisch gesehen die deutlichste Veranschaulichung von dzinpa. Wahrscheinlich entwickelte sie sich als eine Art Überlebensfunktion, weil die Fähigkeit zur Unterscheidung zwischen schädigenden, wohltuenden und neutralen Objekten oder Ereignissen ausgesprochen nützlich ist
Die Mechanismen der neuronalen Synchronie dehnt sich bis zu einem Punkt aus, an dem man bewusst erkennt, dass der Geist und die vom Geist wahrgenommenen Erfahrungen oder Objekte ein und dasselbe sind.
Die über lange Zeit ausgeübte Meditation löst die künstlichen Unterscheidungen zwischen Subjekt und Objekt auf. Und das gibt der wahrnehmenden Person die Freiheit, über die Qualität der Erfahrung zu bestimmen, die Freiheit zu unterscheiden zwischen dem, was wirklich ist und was nur eine Erfahrung darstellt.Die Auflösung der Trennung zwischen Subjekt und Objekt bedeutet nicht, dass die Wahrnehmung zu einem verschwommenen Brei wird. Wir nehmen die Erfahrung weiterhin in den Begriffen von Subjekt und Objekt wahr., erkennen aber gleichzeitig, dass diese Trennung im Kern begrifflicher Natur ist. Aber man kann sagen, die Wahrnehmung eines Objekts ist nicht verschieden vom Geist, der es wahrnimmt.Weil diese Veränderung im Bewusstseinszustand schwer zu begreifen ist, muss man, um ein gewisses Verständnis entwickeln zu können, wieder einmal zur Traum-Analogie Zuflucht nehmen. Erkennt man im Traum, dass die Erfahrungen nur ein Traumgeschehen sind, dann erkennt man auch, dass sich sich diese Ereignisse im geist abspielen. Diese Erkenntnis befreit uns von den Begrenzungen der Traum-Probleme, des Traum-Leidens oder der Traum-Beschränkungen. Der Traum setzt sich fort, aber diese Erkenntnis befreit vom Schmerz und von Unannehmlichkeit, die ein Traumszenario bietet. Angst, Schmerz und Leiden werden vom Gefühl des Staunens abgelöst:“Schau, was mein Geist alles produziert.“Transzendieren wir im Wachzustand die Unterscheidung von Subjekt und Objekt, ist dies gleich bedeutend mit der Erkenntnis, dass alles was wir wahrnehmen und erfahren, nicht vom Geist getrennt ist, der es wahrnimmt und erfährt.Der Wachzustand wird damit nicht beendet, aber unsere Wahrnehmung von im verlagert sich von einer Erfahrung der Begrenztheit hin zu einer des Staunens und Wunderns.




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