Sonntag, 13. September 2015

Die Tyrannei der Zeit.

Die Tyrannei der Zeit.
Die Vergangenheit ist nicht wahrnehmbar, die Zukunft ist nicht wahrnehmbar und die Gegenwart ist nicht wahrnehmbar.
Wenn ich meine Erfahrungen unter dem Gesichtspunkt der Zeit ansehe, so kann ich sagen, alles existiert zeitlich, aber nur aus relativer Sicht.
Wir Menschen neigen dazu, die Zeit in Form von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu betrachten. Denken wir an die Vergangenheit, so rufen wir uns eine Erfahrung in das Gedächtnis, das sich schon ereignet hat.
Die Vergangenheit ist wie ein Samenkorn, das im Feuer verbrannt wurde. Ist es zu Asche verbrannt, so gibt es kein Samenkorn mehr. Da ist nur noch eine Erinnerung, ein Gedanke, der durch den Kopf geht, denn die Vergangenheit ist nichts anderes als eine Vorstellung.
So ist es auch, wenn die Menschen die Zeit Zukunft nennen, dann ist es ein Aspekt der Zeit, der sich noch nicht ereignet hat. So würde man auch nicht über einen Baum sprechen, der noch nicht gepflanzt worden ist, weil der Kontext fehlt, auch wird man nicht über Kinder reden, die noch nicht gezeugt worden sind, so wie über Menschen reden, mit denen wir hier oder jetzt Umgang pflegen.
Somit ist auch die Zukunft nur eine Vorstellung, ein Gedanke, der durch den Kopf geht. Was bleibt wohl an tatsächliche Erfahrung? Die Gegenwart. Aber wie ist es möglich , die Gegenwart zu definieren?
Man kann die Gegenwart in immer kleinere Einheiten aufspalten, aber in dem gegenwärtigen Moment der Erfahrung, im jetzt, ist dieser gegenwärtige Moment schon vergangen.
Es ist nicht mehr jetzt, es ist schon vorhin. Es gibt eine Begrenztheit der normalen Vorstellung von Zeit. Aus relativer Sicht betrachtet ist die Unterscheidung der Zeit in einzelne Zeitabschnitte wie Stunde, Tag, Woche und so weiter bis zu einem gewissen Grad relevant, aber aus absoluter Sicht ist es kein wirklicher Unterschied zwischen einem Augenblick und einem ganzen Weltalter.
Es kann innerhalb eines Weltalters einen Augenblick und innerhalb eines Augenblicks kann es ein Weltalter geben. Aber die Beziehungen zwischen beiden Zeitspannen würde den Augenblick um nichts verlängern und das Weltalter um Nichts verkürzen.
Alle Phänomene gehen aus dem Geist hervor, der Leerheit ist. Sie existieren nicht wirklich außer im Geist, aber sie sind auch nicht nichts, aber sie sind eine tiefgründige Belehrung.
Die Essenz der Zeit, wie auch die Essenz des Raumes und der Objekte, die sich im Raum bewegen, ist Leerheit. Es gibt einen bestimmten Punkt, da bricht jeder Versuch, Zeit oder Raum in immer noch kleineren Abschnitten untersuchen zu wollen, in sich zusammen.
Man kann in der Meditation mit der Wahrnehmung von Zeit experimentieren und versuchen, sie in immer noch winzigeren Abschnitten zu betrachten. Man kann so, die Zeit untersuchen, nur bis zu einem Punkt, wo man nichts mehr nennen oder definieren kann. Gelangt man an diesen Punkt, so taucht man mit der Erfahrung jenseits der Worte, jenseits der Vorstellungen, jenseits der Konzepte ein.jenseits der Vorstellungen und Konzepte bedeutet nicht, dass der Geist leer ist, sondern es passiert genau das Gegenteil. Der Geist wird weiter und offener. Man kann Subjekte und Objekte wahrnehmen, aber man erkennt sie als Konzepte. Woraus bestehen Raum und Zeit? Existieren sie absolut oder gehen sie aus etwas Grundlegendem hervor? Wie sehen Raum und Zeit auf winziger Maßstabsebene aus? Gibt es eine kleinstmögliche Zeiteinheit?
Allgemein behandelt man Raum und Zeit so, als wären sie etwas Unendliches, Gleichförmiges und vollkommen Ebenmäßiges, ein statischer Hintergrund, durch den sich Objekte bewegen und in dem sich Ereignisse ereignen. Es ist eine brauchbare Annahme, um das Wesen und die Eigenschaften großer materieller Körper als auch subatomarer Teilchen zu untersuchen. Aber um Raum und Zeit zu untersuchen, ergibt sich eine andere Situation.
Auf der Ebene normaler menschlicher Wahrnehmung nimmt sich die Welt klar, scharf umrissen und kompakt aus. Wenn wir weiter vergrößern, so entdecken wir, dass Raum und Zeit selbst anfangen zu flimmern, zu zittern, zu fluktuieren, denn der Raum erzeugt winzige Wölbungen und Dellen, die schnell erscheinen und schnell wieder verschwinden.
Wir übernehmen die Rolle der Opfers, und weisen unsere Erfahrungen einer anderen Person oder Macht zu und damit auch alle Schuld. Wenn wir die Verantwortung für unsere Erfahrung übernehmen würden, dann würde es uns unzählige Möglichkeiten zum Lernen und Erfinden bieten.
Das Gefühl von persönlicher Begrenztheit und Verletzlichkeit würde vom Gefühl der Offenheit und Freiheit abgelöst werden. Wir würden unsere Mitmenschen in einem völlig neuen Licht sehen, nicht als Bedrohung für die persönliche Sicherheit oder das persönliche Glück, sondern als Leute, die einfach von den unbegrenzten Möglichkeiten ihrer eigenen Natur nichts wissen. Da unsere Natur von willkürlichen Untersuchungen, so oder so zu sein oder nur über bestimmte Fähigkeiten zu verfügen und anderer zu ermangeln, unbeeinträchtigt bliebe, würden wir den Anforderungen jeglicher Situation begegnen können, in der wir uns befinden mögen.

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