Donnerstag, 20. August 2015

Nicht sehen trennt den Menschen von den Dingen.

Nicht sehen trennt den Menschen von den Dingen.

Ich habe diese Worte oder diesen kleinen Satz zufällig in einem Geschäft für Optik gelesen, und habe mir natürlich sofort Gedanken darüber gemacht, was will Immanuel Kant uns mit diesen Worten sagen, oder was meint er mit diesem kleinen Satz?
Es sind nur acht Worte, die vor mir niedergeschrieben sind, und die ich betrachte, und über die ich nachdenke, weil ich darüber nachdenken muss, nicht nur weil mein Landsmann Kant diese Worte geschrieben hat.
Nicht sehen“, was bedeuten diese beiden Worte? Sie bedeuten, dass ich die Augen auf habe und trotzdem nicht sehe, also bin ich nicht sehen kann, obwohl ich zwei Augen habe, aber für mich persönlich gibt es keine Möglichkeit etwas zu sehen, und das bedeutet: ich bin blind.
Was heißt es, blind zu sein? Das heißt soviel, ich sehe nichts, ich kann visuell nichts erfassen. Ich lebe in einer anderen Welt, in der man nichts sieht, aber man fühlt und hört, und man richtet sich nach dem Gefühl und dem Gehör.
Es ist wirklich eine andere Welt, in der ich dann lebe. Ich kann Gegenstände fühlen und betasten, und mir den vorstellen, was es sein könnte, aber ich kann den Gegenstand nicht sehen, er ist nicht real für mich, sondern existiert nur in meiner Fantasie. So ist es mit jedem Gegenstand.
Auch wenn mir einer einen Gegenstand beschreibt, so sehe ich vor meinem inneren Auge den Gegenstand so, wie er mir beschrieben wurde, aber ist es wirklich der reale Gegenstand, der mir beschrieben wird? Oder bilde ich mir den Gegenstand selber mit meinen Gedanken, die ich über den Gegenstand habe, und ihn mir so vorstelle, wie er sein könnte?
Also Gefühl und Beschreibung bringen mir den Gegenstand nahe, aber ich bilde mir den Gegenstand selber, nach meinen Vorstellungen stelle ich ihn so hin, wie er für mich ist, wie ihn meine Fantasie ihn mir darstellt.
Das Gefühl und die Beschreibung bringen mir den Gegenstand nahe, aber sie trennen mich auch vom Gegenstand, so wie das „Nicht-Sehen“ des Gegenstandes. Denn wenn ich den Gegenstand nicht sehe, dann bin ich von ihm getrennt, denn nur die Gefühle und Beschreibungen des Gegenstandes geben mir die Möglichkeit einer Überbrückung des „Nicht-Sehens“, und trotzdem bin ich durch das Blinde oder das „Nicht-Sehen“ vom Gegenstand getrennt.
Wenn ich nicht sehen kann, dann habe ich einen erheblichen Fehler in meinem Verhalten gegenüber Menschen, die sehen können. Denn diese Menschen sehen den Gegenstand, so wie er wirklich ist, und das ist der Vorteil für den sehenden Menschen. Wenn ich nicht sehen kann, dann werde ich immer einen Menschen brauchen, der mir den Gegenstand beschreibt, oder er führt mich zum Gegenstand den ich dann befühle und mir meine eigenen Gedanken über diesen Gegenstand mache, wie er aussieht oder wie er aussehen könnte.
Wenn einer nicht sehen kann, dann wird er immer von einem Sehenden abhängig sein, besonders dann, wenn er etwas über einen Gegenstand erfahren will. Nur der Sehende kann dem Nicht-Sehenden den Gegenstand so schildern wie er ist. Der Nicht-Sehende kann allein nur den Gegenstand ertasten und fühlend und dann seine Gedanken durch durch diese den Gegenstand in seiner Fantasie so darstellen, dass der Gegenstand so ist oder sein soll, wie er ihn vor seinem inneren Auge sieht.
Nur wenn der Nicht-Sehende mit einem Sehenden gemeinsam einen Gegenstand beschreibt, was durch den Sehenden geschieht, dann wird der Nicht-Sehende vom Sehenden getrennt, denn sie haben noch die Gedanken und können diese durch die Sprache vermitteln. Ist der Nicht-Sehende alleine, dann lebt oder ist er vom Gegenstand getrennt.
Also gehen wir Sehenden auf den Nicht-Sehenden zu, wir sprechen mit ihm und wir Sehenden schildern dem Nicht-Sehenden die Umwelt, so wie sie ist, und das verbindet uns so, dass wir beide als Sehende anerkannt werden können, denn unsere Gedanken werden eins.
Auch der Sehende ist in manchen Momenten ein Nicht-Sehender, wenn er selbst die Augen schließt, dann sieht auch er nicht den Gegenstand, aber nur mit der Fantasie kann er einen Gegenstand erschaffen.
Ob uns das Sehen oder das Nicht-Sehen glücklich macht, das bestimmen wir selbst, denn in manchen Situationen wären wir froh, wenn wir manches nicht sehen würden.

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