Freitag, 26. Dezember 2014

Vom Nutzen des Meditation-Weges

Eines der schönsten Symbolbilder für die Meditation, das je gesehen wurde, ist ein Poster des lächelnden Swami Satchidinanda, der ein großer Yogalehrer der Hindus war. Auf dem Poster trägt er ein kleines orangefarbenes Lendentuch und einen langen wallenden Bart und balanciert auf einem Bein in einer klassi­schen Yogahaltung, aber dabei steht er auf einem Surfbrett, das eine riesige Welle hinuntergleitet.Unter ihm ist zu lesen: „Du kannst die Welle nicht anhal­ten, aber du kannst lernen, auf ihr zu surfen.“ Dieses Poster hat den Kerngehalt des Meditationsweges erfasst: Es zeigt, wie wir Achtsamkeit in die reale Welt bringen können, die voller Sinnesreize ist, voller Gefühle und Veränderungen.
Die Achtsamkeit-Meditation zielt nicht auf einen speziellen Geisteszustand ab, denn letzten Endes ist es unmöglich, irgendeinen Geisteszustand auf Dauer bei zu behalten.
Durch die Meditation üben wir uns darin, in jedem Moment ganz gegenwärtig zu sein mit unserem Bewusstsein, mit mehr Offenheit im Herzen und mit einem klaren Verständnis. Sie kann uns dabei helfen zu lernen, wie wir offener blei­ben und wie wir von ganzem Herzen lieben, und wie wir diese Liebe ohne Scheu zum Ausdruck bringen. Auch wenn wir in Schwierigkeiten sind, kann die Meditation uns Möglichkeiten zeigen, wie wir uns etwas weniger von den un­vermeidbaren Höhen und Tiefen des Lebens gefangen nehmen lassen und weni­ger Angst vor den Veränderungen sowohl der Freuden wie auch der leiden ha­ben. Meditation hilft uns auch, richtig lieben zu lernen, indem wir entdecken, dass wir uns allen Aspekten unseres Geistes öffnen können, den schwierigen ebenso wie den einfachen.
Meditatives Bewusstsein mindert Spannungen und heilt den Körper. Meditation beruhigt den Geist und öffnet auf behutsame Weise das Herz. Sie festigt die Spiritualität. Sie hilft uns zu lernen, wie wir erfüllter in der gegenwärtigen Rea­lität leben und unsere Mitmenschen und die Welt besser verstehen.
Wenn wir Achtsamkeit üben, werden wir gegenwärtiger, so dass wir beim Spa­zierengehen nicht an die Rechnungen denken, die wir bezahlen müssen, oder an Probleme in der Arbeit oder an etwas, was wir am Tag zur vor erlebt haben. Wir können lernen, ganz da zu sein, wo wir sind. Denn mit der Aufmerksamk­eit ganz im gegenwärtigen Augenblick zu sein,ist im Grunde genommen das Einzige, was Sinn macht, und wenn wir diesen Augenblick verstreichen lassen, wird es für immer vergangen sein.
Auf diese Weise kann die Meditation uns helfen, unsere tiefsten Wünsche zu erfüllen, unsere innere Freiheit und unser Glück zu entdecken und ein Gefühl für die Einheit des Lebens zu bekommen. Durch sie sind wir in der Lage, bes­ser zu verstehen, wer wir eigentlich sind, und dieses seltsame Leben, in das wir hineingeboren wurden, mit mehr Weisheit zu leben. Die Meditation hilft uns herauszufinden, woran es in diesem ganzen Ablauf von leben und Sterben ei­gentlich geht. Und alles, was wir dazu benötigen, ist das systematische Üben von Achtsamkeit und Bewusstheit, um damit unser Gefühl für innere Ruhe vor­anzubringen und schließlich alles, was in uns und um uns herum ist, verstehen und daraus lernen zu können.
Obwohl einfach, ist die Meditation doch nicht immer etwas, das leicht voll­bracht werden kann. Sie erfordert großen Mut, denn ein Schamane der Ya­qui-Indianer lehrt uns, dass nur ein spiritueller Krieger im Stande ist, den Pfad der Erkenntnis zu gehen. Nur ein spiritueller Krieger beklagt sich sich niemals und bedauert nichts. „Das Leben eines spirituellen Kriegers ist eine ständige Her­ausforderung, und Herausforderungen können unmöglich gut oder schlecht sein. Der grundlegende Unterschied zwischen einem ungewöhnlichen Men­schen und einem Krieger besteht darin, dass der Krieger alles als eine Heraus­forderung ansieht, während der gewöhnliche Mensch alles entweder als einen Segen oder als einen Fluch betrachtet.“
Die geistige Einstellung, die du für die Meditation mitbringen musst, ist Offen­heit, Entdeckerfreude und Verständnis. Zu sitzen, zu gehen und dich darin zu üben, deine Aufmerksamkeit immer wieder auf den gegenwärtigen Augenblick zu lenken. Zu lernen, dich achtsam und auf ausgeglichene Weise zu konzentrie­ren – und deinen Atem, deinen Körper, deine Gefühle und deinen Verstand zu beobachten.Die Muster in Körper und Geist erkennen zu lernen, die Leid verur­sachen, und zu entdecken, wie man dieses Leid auflösen kann. Wir können auch lernen, zu unserem eigenen und dem Leben anderer Menschen eine Bezie­hung aufzubauen, die von liebevoller Güte, von tieferem Verständnis und von Mitgefühl geprägt ist. Als er im Sterben lag, wurde Huxley von jemandem ge­fragt, ob er sagen könne, was er aus der Beschäftigung mit den vielen spirituel­len Lehrern und Gurus auf seinem spirituellen Weg gelernt habe. Huxley Ant­wort lautete: „Es mag Sie vielleicht enttäuschen, aber es scheint hauptsächlich darauf anzukommen, dass wir lernen, gütig zu sein.“




















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