Samstag, 20. Dezember 2014

Uralte Kunst der Meditation

Hier möchte ich die wesentlichen Übungen und Lehren, sowie man sie in den besten buddhistischen Klöstern findet, darlegen, in einer dem Westen zugängli­chen Weise. Es wird nur ein Versuch sein, der klappen könnte oder auch nicht, denn eigentlich ist alles im Leben ein Versuch, was der Mensch macht.
Ich möchte, wenn es geht, euch mit den einfachsten und am weitesten verbrei­teten Meditationsübungen bekannt machen, aber insbesondere mit den Übun­gen der Achtsamkeit und der liebevollen Güte.
Diese geführten Meditationen wurden entworfen, damit man eine unmittelbare praktische Erfahrung mit diesen Meditationsübungen bekommt. Damit will ich keineswegs erreichen, dass der Leser Buddhist wird oder fernöstliche Zeremo­nien bzw. rituelle Verbeugungen erlernt.
Es geht vielmehr darum zu lernen, wie man meditiert und davon im täglichen Leben profitiert. Nimmt man sich Zeit und kommt zur Ruhe, dann spürt man, und jeder Mensch ist dazu in der Lage, dass man sein Leben mit fühlender und wachsamer leben könnte.
Zu meditieren bedeutet, dass man diese innere Fähigkeit fördert, damit man sie in seinem Leben zum Ausdruck bringen kann.
Es gibt viele brauchbare Formen von Meditationsübungen, eigentlich ist das jede, die uns hilft, für unseren Körper und unsere Sinne, für unseren Geist und unser Herz achtsamer und bewusster zu werden. Aber es ist nicht so sehr von Bedeutung, welche Art von Meditation man sich auswählt. Doch wichtiger ist es, dass man, wenn man sich für eine Art entschieden hat, auch bei dieser Art bleibt und sie regelmäßig praktiziert.
Meditation verlangt Disziplin, das ist nicht anders als Klavier spielen zu erler­nen. Da genügt es auch nicht, gelegentlich ein paar Minuten am Tag zu üben.
Wenn man wirklich daran interessiert ist, eine Fertigkeit ernsthaft zu lernen, um Fortschritte zu machen, sei es im Klavierspielen oder im Meditieren, dann braucht man Ausdauer, Geduld und regelmäßiges Üben. Deshalb sollte man sich eine Art von Meditation heraussuchen, die einem zusagt, und dann kann man sie praktizieren.
Arbeite täglich daran, wenn möglich mit einem Lehrer oder im Rahmen einer Meditationsgruppe.
Beim regelmäßigen Üben wird man allmählich die Fähigkeit entwickeln, um für sich ganz den gegenwärtigen Augenblick Augenblick zu öffnen. Man wird durch das Meditieren, Geduld und Mitgefühl entwickeln, und offen werden für alles, was es gibt.
Aber es sollen nur die Grundübungen der Achtsamkeits-Meditation vorgestellt werden, denn es ist das Herzstück buddhistischer Meditation, auch Vipassana genannt.
Vipassana ist ein Ausdruck aus der Pali-Sprache und bedeutet: „Die Dinge so zu sehen, wie sie sind.“ Es ist die am weitesten verbreiteten Meditationsweise in Südostasien und von zentraler Bedeutung in allen buddhistischen Traditio­nen.
Sie betont die Achtsamkeit und wie man unmittelbares Gewahrsam unserer Er­fahrungen in allen Bereichen des Handelns entwickelt.
Die Meditationen sollen dem Anwender helfen, das Licht der Achtsamkeit auf jeden Aspekt seiner täglichen Erfahrungen werfen, und soll einem zeigen, wie man die heilende Kraft liebevoller Güte auf sich selbst und andere Menschen ausdehnen kann.
Die Achtsamkeis-Übung wird auch Einsichts-Meditation genannt. Es geht dabei nicht darum, die Aufmerksamkeit auf ein Bild von Buddha, eine Gottheit, ein Licht, eine Kerze oder auf heilige Bücher zu lenken, sondern man entdeckt durch Achtsamkeit eine Möglichkeit, inmitten von Bewegungen unbewegt zu bleiben.
So kann man selbst ganz weltliche, oft wiederholte Tätigkeiten wie Essen, Spa­ziergehen oder Telefonieren in die meditative Bewusstheit einbeziehen und zum Teil der Achtsamkeits-Übung werden lassen.
Unsere Meditation ist dadurch keine Übung, die man von Zeit zu Zeit durch­führen kann, sondern eher eine Seinsweise, die jeden Augenblick des Tages bei uns ist.
Achtsamkeit hilft uns, geistesgegenwärtiger und lebendiger auf alles zu reagie­ren, was uns begegnet, um das zu entwickeln, was als Lebenskunst bezeichnet wird: „Lebenskunst ist weder ein sorgloses Dahintreiben noch ein angstvolles Festklammern an der Vergangenheit. Sie besteht darin, in jedem Augenblick ganz einfühlsam zu sein, ihn als völlig neu und einzigartig anzusehen und das Bewusstsein offen und ganz und gar empfänglich zu halten.“
Man hat so viele Vorstellungen und Überzeugungen in Bezug auf sich selbst. Man erzählt Geschichten über das, was man gerne sein möchte oder wer man ist, ob es klug oder sanft ist. Oft sind das nicht hinterfragte oder begrenzte Vor­stellungen über oder von anderen Menschen, die man verinnerlicht hat, und dann in unserem Leben zum Ausdruck bringen.
Meditieren heißt, neue Möglichkeiten entdecken und eine Fähigkeit entwickeln, die jeder von uns besitzt: nämlich ein weiseres, liebevolleres, mitfühlender-es und erfüllter-es Leben zu führen.

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