Mittwoch, 18. September 2013

Todesstrafe

Todesstrafe
Einen verurteilten Täter zum Tode zu verurteilen, ist in einigen Ländern noch immer Praxis. Die Todesstrafe als Strafmittel ist schon sehr alt, denn sie galt als höchste Strafe, d.h. sie wurde verhängt, wenn der Täter eine schwere Tat begangen hatte bzw., wenn er einen anderen Menschen getötet hatte. Auch bei uns gab es bis 1948 die Todesstrafe, die mit den neuen Politik also mit der Demokra­tisierung der Bundesrepublik ihr Ende fand. Die Todesstrafe als Urteil ist aus unserem Strafgesetz verschwunden, auch wenn es heu­te noch Menschen gibt, die diese Strafe noch immer als höchste Strafe in unserem Gesetzbuch verankert sehen wollen.
Der Mensch drängt immer noch darauf, auch heute noch, Gleichem mit Gleichem zu vergelten, d.h. wer einen anderen tötet, der hat den Tod verdient, besonders dann, wenn Angehörige durch einen anderen Menschen zu Tode gekommen sind, so muss auch dieser Mensch sterben. Es hat vermutlich nichts mit den Genen zu tun, sondern mit unserem Zusammen, denn durch die Ausbildung von größeren Menschengruppen, die zusammenleben mussten, suchte man nach Möglichkeiten, alle Verfehlungen unter Strafe zu stellen. Die Strafen waren in früheren Jahren also vor Jahrtausenden wesentlich härter als heute, denn wer sich einen Diebstahl leistete war nicht resozialisierbar, der musste bestraft werden, möglicherweise aus der Gruppe oder Gemeinschaft ausgeschlossen werden.
Erst mit den Jahrtausenden hatte sich das Strafmaß für die kleineren Delikte erheblich entschärft, nur die massivste Strafe, die To­desstrafe blieb so wie sie war. Die Todesstrafe war endgültig, und sie war unwiderruflich. Wer als Täter unschuldig war, und die Tat, die ihm vorgeworfen wurde, nicht begangen hatte, und dann hingerichtet wurde, der war danach tot, eigentlich unwiderruflich, den konnte man nicht mehr in das Leben zurückholen.
Schon aus diesem Grunde, dass auch ein Unschuldiger zum Tode verurteilt werden kann und danach hingerichtet wird, spricht dafür, die Todesstrafe als Strafmaß abzuschaffen, weil man einen Unschuldigen hinrichtet. Wenn sich später, nach einigen Jahren Gefäng­nisaufenthalt herausstellen sollte, dass er unschuldig ist, dann kann er aus dem Gefängnis entlassen werden, er ist ein freier Mann und kann weiterleben.
Alles was endgültig ist, kann als Strafmaß nicht genommen werden, denn es kommen immer die zu Schaden, die oft unschuldig sind, und der Mensch ist nicht in der Lage, die Schuld eines anderen Menschen genau festzulegen und zu sagen: du bist schuldig, du hast es getan.
Die Todesstrafe hat deshalb in unseren Gesetzen nichts zu suchen. Ich als Richter wollte niemanden zum Todes verurteilen, nur weil andere Menschen als Zeugen vor Gericht aussagen, und dabei sogar eventuell lügen also bewusst oder auch unbewusst eine Falschaussage machen. Ich hätte große Zweifel und würde lieber eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängen, so dass dem verurteil­ten die Möglichkeit offen bleibt, wenn er unschuldig ist, aus dem Vollzug entlassen wird und weiterleben kann.
Jetzt kommt noch etwas: wer vollstreckt die Todesurteile? Es muss doch Menschen geben, die Menschen, die zum Tode verurteilt wurden, auch töten, also das Urteil sozusagen vollstrecken. Wie muss es diesen Menschen gehen, wenn sie bewusst einen Menschen hängen oder den Kopf abschlagen, und das im Sinne der sogenannten Gerechtigkeit.
Ich habe noch nie einen Menschen getroffen, der bewusst aufgrund eines Gesetzes einen Menschen getötet hat. Von Henkern habe ich schon gehört, und auch gehört, was sie zu dem Thema Todesstrafe gesagt haben, aber gesprochen habe ich mit denen noch nie.
Früher haben die Henker für jede Hinrichtung ein Entgelt vom Staat bekommen, aber für Geld einen Menschen töten?
Nein, das kann nicht sein, denn es wäre genauso, als wenn ich einen Menschen auf der Straße überfalle, nur weil ich Geld brauche, und dann diesen Menschen töte. Aber der Henker tötet den Menschen legal, wo ist der Unterschied zwischen Illegalität und Legali­tät, gerade beim Töten eines Menschen?
Ich meine, töten ist töten ob illegal oder legal, es macht für mich wirklich keinen Unterschied. Wenn jemand einen meiner Angehöri­gen töten würde, dann kann ich nicht hingehen, und diesen sogenannten Täter töten, nur weil er mich durch das Töten des Angehöri­gen verletzt hat. Nein, ich muss es dem Gericht überlassen, die Wahrheit herauszufinden, das Urteil zu sprechen und den Täter in den Strafvollzug zu bringen.
Das Töten von Menschen ist für mich eine Art von Perversion auf die ich persönlich nicht stehe, ob jetzt das Töten legal oder illegal betrachtet wird.
Es darf auf dieser Welt keine Todesstrafe mehr geben, weil wir Menschen uns von den Überresten der eigenen Vergangenheit lösen müssen, und ein gefährlicher Überrest ist die sogenannte „Todesstrafe“.

Keine Kommentare: