Donnerstag, 25. Oktober 2012

Fotograf W.Brasse

Der Fotograf W.Brasse ist verstorben. Er wurde 95 Jahre alt. Aber was bedeutet dieser Name, und warum schreibe ich etwas über diesen Mann, der einst Fotograf war?
Dieser Mann war ein Mensch der jüdischen Glaubens war. Und ihr wisst ja, dass diese Menschen während des 3.Reiches in ein Konzentrationslager kamen, weil sie aus der Sicht der Nationalsozialisten zu den Untermenschen zählen, die man vernichten wollte. So erwischte es auch Brasse bevor er Deutschland verlassen konnte, um im Ausland eine neue Heimat zu finden. Aber warum ist er Fotograf gewesen?
Als man ihn erwischte, fragte man ihn, ob er Fotograf sei, denn die Nazis brauchten einen Fotografen, um die Ta­ten in den Konzentrationslager zu dokumentieren. Also meldet sich Brasse als Fotograf, das heißt, er bejahte, dass er Fotograf sei, und er bekam den Job.
Und da begann auch für ihn die Zeit des Schreckens. Über seine Tätigkeit, die Taten der SS-Leute gegen die Gefangenen zu dokumentieren, bekam Brasse einen schrecklichen Einblick in das Verhalten der Wachmannschaften, die vor keine Tat zurückschreckten. Besonders die Gesichter der Gefangenen blieben ihm ein späteres Leben lang im Gedächtnis, denn er träumte auch später ständig von diesen Gesichtern, die er alle fotografiert hatte.
Die Anstellung als Fotograf im Konzentrationslager hat Brasse das Leben gerettet, aber er hat Schreckliches gesehen, und er musste das Gesehene verarbeiten, was ihm nur zum Teil gelungen ist.
Ich selbst kenne nur das Konzentrationslager Bergen-Belsen in der Lüneburger Heide, das ich mit Fallschirmkameraden 1959 im Frühjahr nach einem Manöver besucht hatte. Dieser Besuch war beeindruckend für mich, denn das Lager war zu der Zeit noch im alten Zustand von 1945. An diesem Tag und in dieser Stunde habe ich mir gesagt: so etwas darf in Deutschland nie mehr passieren.
Auch später in meiner Tätigkeit bei der Justiz Baden-Württemberg habe ich noch die alten Nationalsozialisten kennengelernt, besonders ihre alte Einstellung zum Menschen. Ich habe mich mit ihnen auseinandergesetzt, obwohl ich wusste, ich würde dadurch Nachteile haben, aber es ging mir immer um die Menschen in Deutschland.
Ich habe noch heute etwas gegen Nationalsozialisten, denn ich weiß bis heute nicht, wie mein leiblicher Vater umgekommen ist, ob er nach dem 20.Juli 1944 standrechtlich erschossen wurde.
Trotzdem danke ich W.Brasse für die vielen Fotos, die er geschossen hat, und dass er damit das wirkliche Leben der Menschen in den Konzentrationslagern aufgezeigt hat. Vielen Dank mein Freund.

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