Sonntag, 1. April 2012

Freundschaften

Es ist nur ein Wort, in dem sehr viel stecken kann, gerade für uns Menschen. Wir Menschen halten uns gerne an Worten oder Ausdrücken oder auch an Begriffen, denn diese können für uns sehr viel bedeuten, gerade für das Zusammenleben in einer menschlichen Gesellschaft.

Aber was bedeutet Freundschaft für uns Menschen? Wir Menschen können Wesen sein, die in ei­nem Rudel leben, aber wir können auch Einzelgänger sein, es liegt immer an der Lebenssituation der Menschen allgemein, aber auch an der Situation des Einzelnen speziell.

Ich wende mich erst einmal der Gemeinschaft zu, in der wir als Menschen allgemein leben. Wenn wir geboren werden, dann leben wir gleich in einer Gemeinschaft, d.h.wir haben generell Mutter und Vater, wenn es normal ist. Dann kommen noch Geschwister hinzu, außer wenn wir der Erstge­borene sind, dann haben wir keine Geschwister.

Gut, lassen wir einmal die Situation bestehen, wir hätten Vater, Mutter und Geschwister. Wir wach­sen in dieser Gemeinschaft auf, und wir lernen als Neugeborener gleich die Auseinandersetzung mit den anderen Geschwister, die uns lieben oder uns auch hassen, aber uns in erster Linie als Konkur­renz im familiären Leben betrachten. So ist die Situation, auch wenn wir klein sind, aber sie ist so, und das ist unabänderlich.

Wenn wir heranwachsen, dann werden wir körperlich größer, aber auch unsere Neugierde wächst, und wir bewegen uns auf den Pfad der Entdeckungen, die unser Leben prägen, was wir natürlich nicht so mitbekommen, weil es still und heimlich vorgeht. Jetzt lernen wir auch etwas anderes ken­nen, die Welt außerhalb der Familie, die uns mit offenen Armen empfängt, so empfinden wir es, aber diese Welt empfängt uns nur als Mitglied einer Gemeinschaft, die uns so einordnet, dass wir als Spender neuen Lebens betrachtet werden. Mehr kommt nicht dabei heraus.

Dieses Leben, das außerhalb der Familie liegt, es ist ein anderes Leben. Die Menschen sind uns fremd, aber auch das Verhalten der Menschen kann manchmal ähnlich sein, wie das Verhalten der eigenen Familienmitglieder, aber trotzdem ist alles fremd und manchmal auch eigenartig.

Wir Neuen nehmen dann Kontakt zu den anderen Menschen auf, weil wir die Kommunikation mit diesen Menschen brauchen, um für das kommende Leben zu lernen. So entstehen die ersten Be­kanntschaften, und daraus können dann Freundschaften entstehen. Aber was setzt eine Freundschaft voraus? Ich denke, das ist die Frage, die man sich stellen muss, um hier einen Weg zu finden, um diesen Begriff einführen zu können, und um mit diesem Begriff umzugehen.

Wenn ich jetzt über Freundschaften schreibe, so muss ich von mir ausgehen, denn eine Freund­schaft empfindet man nur persönlich, denn jeder Mensch hat seine Art Freundschaften und Bezie­hungen zu empfinden, aber auch zu gestalten. In dieser Beziehung gibt es keine generellen Anhalts­punkte.

Ich will jetzt aus meiner Situation die Freundschaft als solche definieren und auch darstellen. Ich weiß natürlich nicht, wie andere Menschen ihre Freundschaften empfunden haben.

Ich bin auf dem Lande geboren, und auch dort aufgewachsen. Die ersten drei Jahre bin ich in mei­nem Geburtsland - Ostpreußen – aufgewachsen. Danach bin ich nach Schleswig-Holstein gekom­men, weil es Krieg war, und wir flohen vor der „Roten Armee“ des kommunistischen Russlands (Sowjet-Union). Hier in Schleswig.Holstein bin ich in die größere Gemeinschaft von Kindern ge­kommen, was mir dann die Möglichkeit gab, die ersten Kontakte zu diesen Kindern zu schließen.

Diese Kontakte war allgemein und wurden deshalb von mir aufgebaut, um mehr vom Leben der Menschen zu erfahren, insbesondere das Leben der anderen Menschen, die es auch gab. Die erste Freundschaft, die ich aufbaute, war zu Dieter, der kein einheimischer Junge war, sondern er war wie ich aus einer Flüchtlingsfamilie. Wir verstanden uns ganz gut, aber ich schloss dann noch Freund­schaft zu zwei weiteren Jungen. Diese Freundschaften blieben bis zum Ende der Volksschule oder Hauptschule bestehen. Dieter und Andreas begannen eine Ausbildung, Martin war ein Jahr jünger als ich, und ich besuchte eine weiterführende Schule.

Durch diese Situation bekam die Freundschaft die ersten Risse, und sie fiel langsam auseinander. Die Freundschaft mit Martin blieb nach bestehen, aber dann ging ich als Fallschirmjäger zur Bun­deswehr, und die Freundschaft zerfiel dann ganz. Es war ein langsamer und stiller Vorgang.

Wir vier jungen Leute gingen von jetzt ab unsere eigenen Wege. Wir haben unsere späteren Frauen kennengelernt und dann geheiratet.

Ich habe keine Freundschaften mehr aufgebaut, denn dazu hatte ich aus dienstlichen Gründen keine Zeit mehr. Meine Erinnerungen zu Freundschaften blieb in der Jugendzeit behaftet. Mit der Ehe­schließung bekam ich eine neue Gemeinschaft, die durch die Geburt meiner Tochter verstärkt wur­de.

Wenn man heiratet, dann möchte man keinen Nebenbuhler haben, denn der stört nur das Familien­leben. Es ist ganz natürlich dass man die sogenannten Freunde von der eigenen Familie fernhält.

Also sind Freundschaften nur für die ersten Jahre des Lebens sehr wichtig, weil man dann eine gleichaltrige Lebensgemeinschaft gründet. Diese Freundschaften können auch ein ganzes Leben weiterhin bestehen, aber häufig kommt es bei der Veränderung einer Lebenssituation, dass diese Freundschaft sich auflöst.

Ich kann über Freundschaften nicht viel sagen, weil ich schon in meiner Jugend erfahren habe, wie leicht sich Freundschaften verändern oder sogar auflösen. Freundschaften sind vorübergehende Bindungen.

Ich glaube, es ist sehr wichtig für den Menschen, eine Zeitlang in einer Freundschaft zu leben, um seine Erfahrungen zu machen, wie das Leben in einer derartigen Bindung ist. Die eheliche Verbin­dung ist ähnlich der Verbindung einer Freundschaft nur geprägt von anderen Aspekten wie Sexuali­tät und Liebe.

Ich kann heute nur sagen, aber nur von mir aus, dass Freundschaften zeitlich begrenzt sind, und sie halten nicht für das ganze Leben, denn das Leben allgemein birgt viele Geschehnisse, die vorher nicht einzusehen sind.

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