Mittwoch, 4. April 2012

Der Fall in Emden

Während der Ermittlungen im Mordfall von Emden kam heraus, dass sich der Täter schon vor ei­nem Jahr selbst angezeigt hatte, weil er Kinderpornos besaß. Jetzt gehen alle Spekulationen dahin: wenn man ihn ernst genommen hätte, und man hätte den jungen Mann festgenommen und einge­sperrt, hätte man dann den Mord an dem elfjährigen Mädchen vermeiden können? Das ist wirklich eine Frage. Aber diese Frage wird meistens nach einer Tat gestellt, doch man muss einfach begrei­fen, dass die Tat geschehen ist und man kann sie nicht ungeschehen machen.

Dieser Fall aus Emden zeigt einmal deutlich, wie verlässlich der Mensch ist, wenn er etwas macht, denn der Mensch ist ein Objekt voller Fehler und voller Fehlurteilen, darum ist das Leben auch bunt an skurrilen Verhaltensweisen der Menschen. Der Mensch macht hier einmal wieder sehr deutlich, dass er ein Mängelwesen ist, daran ändert auch seine Intelligenz nichts. Einerseits lieben wir diese Mängel an uns, aber dann wieder stehen wir voller Abscheu vor diesen Mängel und be­dauern, Mensch zu sein.

Doch wir können nicht sagen, für den Bereich brauchen wir kein mangelhaftes Verhalten, aber für den anderen Bereich können Mängel vorliegen. Das geht so einfach nicht, weil man den Menschen sowie die Umwelt im Gesamten betrachtet und auch so einschätzt.

Es gibt kein Lebewesen, das ohne Mängel ist, denn dann wäre es kein Lebewesen. Auch einen Menschen, der den Fehler gemacht hat, einen Menschen zu töten, kann man so einschätzen, dass er vorher ohne Mängel gewesen ist, den Anschein kann es gehabt haben, aber er hat dann doch einen anderen Menschen getötet. Doch hier stellt sich dann wieder die Frage: warum hat er einen anderen Menschen getötet?

Der Täter von Emden hat das Mädchen getötet, weil er Sex mit dem Mädchen hatte, und dass er vermeiden wollte, angezeigt zu werden. Das Mädchen wurde durch den eigenen Tod ausgeschaltet.

Ob der Täter beim Töten des Mädchens eine sexuelle Befriedigung bekommen hatte, kann sein, aber kann auch nicht sein. Aber das sollen Psychiater herausbekommen.

Dieser ganze Fall zeigt wieder einmal deutlich, unter welchem Druck Polizeibeamte heute stehen. Sie müssen sich immer wieder mit neuen Verbrechen beschäftigen, dass es dabei auch zu sogenann­ten Fehlern kommt, das ist wohl klar.

Für die Polizei in Emden habe ich sehr viel Verständnis in dieser Sache. Sie waren einmal etwas nachlässig, und es ist dann zu einem Tötungsdelikt an einem elfjährigen Mädchen gekommen, das sein ganzes Leben noch vor sich hatte. Das macht mich auch betroffen, und ich bin auch traurig, denn wenn ich bedenke, meiner Tochter wäre das vor 27 Jahren passiert, dann wäre auch ich in tie­fe Trauer gefallen. Was ich dann noch gemacht hätte, ich weiß es nicht.

Ich will mit diesen wenigen Zeilen nur sagen: wir Menschen können nichts dafür, dass wir Mängel­wesen sind, denn das hat uns die Natur mitgegeben. Wir müssen mit diesem Makel leben und um­gehen können, auch wenn wir oft der Meinung sind, wir sind ohne Fehler und ohne Makel, aber das sind wir nicht.

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