Mittwoch, 8. Februar 2012

08.Februar 2012

Jetzt haben wir schon den Monat Februar, d.h. in einem Monat kommt der Frühling in das Land, aber es herrscht dieses Jahr eine unangenehme Kälte. Wir haben hier bei uns in der Nacht etwas -8° bis -10° C, aber woanders ist es noch kälter. Es sind in Europa schon über 300 Menschen in dieser Kälte gestorben. Es ist eigentlich ein grausames Spiel, was uns die Natur auferlegt, aber so ist es in der Natur, entweder überlebe oder ich überlebe nicht, denn es gibt nur diese beiden Dinge.
Ich bedaure diese Obdachlosen, die ihr Leben gelassen, denn auch die hingen an ihrem Leben, das für sie ein Leben in Freiheit war. Aber dieser Winter hat uns gezeigt, dass es noch immer eine Solidargemeinschaft zwischen den Menschen gibt, und dass wir Menschen in manchen Situationen zusammenhalten und uns gegenseitig helfen sowie in dieser klirrenden Kälte. Diese Solidarität sollten wir weiter fortführen, denn so sind wir glaubwürdiger.
Vor zwei Tagen ging ich durch die alte Dragoner-Kaserne. Es war ein Gang durch die Vergangenheit, denn in dieser Kaserne landete ich 1960 als das neue Luftlande-Pionier Bataillon 9 aufgestellt wurde. Natürlich schickte man mich damals als Ausbilder bzw. als Unterführer hin. Damit wurde diese Versetzung zu meinem persönlichen Schicksal, weil ich dann in Bruchsal blieb. Ich habe hier meine liebe Frau kennengelernt, wir sind jetzt fast 48 Jahre verheiratet, und haben eine liebe Tochter, die bei uns in der Nähe wohnt.
Die Dragoner-Kaserne rief sofort viele Erinnerungen hervor, ja es waren schöne Erinnerungen, denn sie zogen in meinen Gedanken vorüber, als wäre es ein Film. Und man kann sagen, es war ein schöner Film, auch wenn das Exerzieren in diesem Film auch vorkam, aber das ist schon lange vorüber. Es tauchten viele Kameraden auf. Ich stellte mir dann die Frage: wer lebt von diesen Kameraden eigentlich noch? Darüber werde ich wahrscheinlich keine Auskunft erhalten, denn ich lebe auch für meine Familie und mich.
Durch die Dragoner-Kaserne werde ich noch häufiger gehen, denn sie sagt mir viel über meine Vergangenheit hier in Bruchsal sowie vieles, was ich während meiner Spaziergänge sehe. Ich habe mich in Bruchsal jetzt ganz verliebt, und ich fühle, dass ich schon zu einem Bruchsaler geworden, ich bin nicht mehr, der ohne Heimat, die ich vor mehr als 65 Jahren verloren habe.
Auf Wiedersehen und einen schönen Tag.

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