Dienstag, 27. Dezember 2011

27.Dezember 2011

Weihnachten 2011 ist jetzt vorüber. Viele sind noch im Weihnachtsurlaub, und sie haben sich die wärmeren Gefilden des Planeten Erde ausgesucht, um sich entspannen zu können, so glauben sie es, aber man kann sich auch zu Hause sehr gut entspannen.

Ich war gestern mit einem schönen Spaziergang unterwegs. Es war ein Spaziergang durch Bruchsal. Heute gehe ich etwas langsamer als früher, aber dafür sehe ich heute mehr als früher, und die Erinnerungen sind stärker geworden. Ich sehe auch viele Dinge heute anders, aber das hängt doch mit dem Alter zusammen, weil man in zu­sammenhängender Form denkt und sieht, und gleichzeitig einen gewissen Anstand zu vielen Dingen hat.

Ich habe gestern aus einem anderen Blickwinkel meine erstes Zuhause hier in Bruch­sal gesehen. Es war die alte Dragoner-Kaserne der gelben Dragoner des badischen Fürsten oder Landesherren. Dort habe ich mich 1960 aufgehalten, als ich nach Bruch­sal zu den Luftlande-Pionieren versetzt wurde, weil es an Unterführern und Ausbil­dern fehlte. Es waren nur zwei Gebäude, die bewohnbar waren. Wir hatten unsere Stube ganz oben unter dem Dach, und so konnten wir auf Bruchsal hinunter schauen.

Für mich war der Aufenthalt in Bruchsal sehr schön, so dass ich gleich über 50 Jahre hiergeblieben bin.

Hier in diesem lieben Städtchen habe ich meine liebe Frau kennengelernt und hier wurde meine liebliche Tochter geboren. Meine Frau und meine Tochter sind echte Bruchsalerinnen, doch ich bin eigentlich immer noch ein Heimatloser, denn meine Heimat liegt im Osten, dort wo die Winter sehr kalt sind und wo es sehr viel Schnee gibt. Diese Heimat habe ich vor 67 Jahren verloren.

Aber das sei jetzt abgehakt, denn ich lebe in einer schönen Kleinstadt am Rhein, wenn auch einige Kilometer entfernt.

Was mir bei meinem Spaziergang auffiel, dass war, das viele Gaststätten jetzt ge­schlossen haben, weil die Besitzer alt geworden sind, und weil sie keinen Nachfolger gefunden haben. Aber dann kamen auch gleich die Erinnerungen an die Vergangen­heit. Es ist komisch, jetzt im Alter tauchen diese Erinnerungen sehr häufig auf, aber sie sind sehr schön.

Ich bin dann zum Bahnhof vor gelaufen, der für mich früher die Station der Fernrei­sen war, aber dann in der Zwischenzeit hatte ich diesen vergessen. Aber als ich mit meiner Frau nach Karlsruhe-Rüppurr, das ging in mir etwas vor, ich wurde süchtig nach dem Eisenbahnfahren. Als sie im Krankenhaus lag, habe ich meine Frau jeden Tag besucht, natürlich bin ich mit der Bahn gefahren. Immer wenn ich spazieren gehe, dann muss ich durch den Bahnhof gehen. Zuerst durch das Gebäude, und da­nach über die Bahnsteige. Dann gehe ich auch sehr langsam, um auch alles mitzube­kommen, wie die Menschen sich verhalten und was sie sprechen.

Es ist immer ein erhabenes Gefühl, und ich bin danach auch glücklich.

Wie geht es euch, meine Lieben, wenn ihr einen Bahnhof betretet? Habt ihr auch das Gefühl von Glück und der Sehnsucht zu reisen, auch ohne ein Ziel zu haben? Einfach irgendwo hin und dann wieder zurück. Dieses glückliche Gefühl habe ich dann im­mer wieder.

Hier möchte ich mich für heute verabschieden, denn der Tag steht noch vor mir. Was ich heute noch alles mache, das weiß ich nicht, aber der Tag wird vorübergehen.

Viel Glück, meine Lieben, und morgen bin ich wieder da.

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