Dienstag, 4. Oktober 2011

Warum lebt man eigentlich?

Diese Frage stelle ich mich nicht häufig, eigentlich gar nicht, denn ich lebe, weil ich gezeugt wurde. Hinter dieser Zeugung standen nur zwei Menschen, meine Mutter so­wie mein Vater. Beide hatten eine scharfe Nacht, der Vater mit einem stehenden Rohr, das Penis genannt wird. Weiter möchte ich nichts dazu sagen, aber zur zeugung ist doch vieles gesagt worden, wenn man geboren wird, und man das Licht der soge­nannten Welt erblickt hat.

Aber zu dem Zeitpunkt weiß man noch nicht, wie es in dieser Welt zugeht, man kann sagen sehr ruppig. Die Menschen suchen ihren eigenen Weg, was ich auch getan habe, aber es gibt auch Menschen, die passen sich anderen Menschen an, um nicht aufzufallen, aber vielleicht um aufzufallen.

Ich habe die Welt erblickt und bin dann geblieben, denn wohin sollte ich. Erst später habe ich gemerkt, dass man mich nicht wollte. Meine Großmutter hatte mich gleich in ihr gütiges Herz geschlossen, aber meine Mutter wollte mich nicht, und sie liebte mich auch nicht.

Die ersten knapp vier Jahren war ich der Juwel meiner Großmutter, aber danach wur­de ich zum Ballast für meine Mutter, die sich mit ihren Kindern selbständig machte, denn sie wollte ihren Weg alleine gehen, was sie auch schaffte.

Sie blieb ein Anhängsel für den Staat, d.h. sie bekam Sozialhilfe, denn arbeiten woll­te sie nicht, d.h. sie hätte in der Landwirtschaft arbeiten müssen, und das war ihr zu viel und umziehen wollte sie auch nicht. Ihr innerer Blick war auf mich ausgerichtet, d.h. ich musste für sie arbeiten gehen und das Geld heranschaffen. So einfach war es, und damit traf ich in das Schwarze.

Ich besuchte nebenher die Realschule und ging gleich in der Landwirtschaft arbeiten, denn meine Mutter brauchte Geld. Mit dem Ende des Schulbesuchs begann meine Ausbildung bei der Fallschirmtruppe der Bundeswehr, dort bekam ich als Fallschirm­jäger Springer-Zulage, von der ich lebte, mein Gehalt habe ich dann meiner Mutter überwiesen. Ich bin wirklich so gutmütig, sowie ich es auch heute noch bin.

Ich habe dann geheiratet, als ich meine liebe Frau kennenlernte, und diese Heirat habe ich nie bereut. Wir haben eine Tochter bekommen, die sehr lieb ist und hoch in­telligent, aber mit der Arbeit der dem Arbeitsplatz klappt es nicht. Nun gut, jetzt muss ich für meine Tochter den Unterhalt bezahlen, warum, das weiß ich nicht.

Ich habe immer mehr das Gefühl, ich bin irgendetwas hinterhergelaufen, das ich selbst nicht kenne, aber das da ist, und das ist das Leben.

Das Leben sieht als solches doch komisch aus, und es ist auch komisch. Man wird gezeugt und man zeugt selbst, aber was dabei herauskommt, das ist ungewiss. Man denke ich, wärst du niemals arbeiten gegangen, sondern wärst ein fauler arbeitsloser Strick geblieben, und hättest irgendwann den Strick genommen, und dein sogenann­tes Leben beendet. Um mein Ende hätten vielleicht zwei Menschen, wie bei mir, um mich geweint, aber das wäre dann doch egal.

Nur mein Verantwortungsbewusstsein für meine zwei Frauen kann mich nicht dazu bewegen, Selbstmord zu begehen.

So lebe ich einfach weiter, und ich warte auf den natürlichen Tod, der irgendwann kommen wird.

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