Donnerstag, 7. Juli 2011

Süderlügum

Jetzt gingen wir nach Süderlügum, da es uns in Rosenkranz nicht mehr gefiel. Süderlügum war ein größeres Dorf und es befand sich auf der Geest. Rosenkranz befand sich im Gottes­koog also in der Marsch. Es ist schon wichtig beides zu beachten, denn die Menschen sind etwas anders, in der Marsch anders und auf der Geest anders.

Hier in Süderlügum zogen wir bei einem Maurer ein. Es war ein größeres Haus bestehend aus Backsteinen, mit einem kleinen Garten nach hinten und nach vorne. Jetzt war die Jah­reszeit Herbst, aber ein früher Winter kündete sich schon an.

Die Bewohner schlossen uns nicht in ihr Herz, sondern beschimpften uns auf das Übelste. Aber wir nahmen es hin, denn Veränderungen konnte es keine geben. Ich antwortete dann auch mit kleinen Schweinereien, aber geschlagen hat er mich nie, davor hatte er scheinbar Angst.

Kinder gab es auch nicht, so auch nicht in der direkten Nachbarschaft. Für mich sah diese ganze Aktion etwas trübe aus. Dazu kam noch meine kleine Stiefschwester, die der Nach­wuchs eines französischen Gefangenen war. Wir drei Kinder hatten auch drei verschiedene Väter, war auch nicht schlecht, aber mir war es egal, denn meinen eigenen Vater kannte ich sowieso nicht.

Es war eine schöne Zeit, die kurze Nachkriegszeit. Die Nazis hielten ihr großes Maulwerk, denn die hatten sowieso nichts mehr zu melden. Aber was mir auffiel, war das Fehlen von vielen Männern. Aber das Leben ging weiter, auch für mich. Ich strengte mich damals schon an, etwas Essbares zu ergattern, leider gab es nichts, außer Steckrüben, aus denen man Scheiben machte, und diese dann mit Marmelade beschmierte. War auch ein gutes Essen, besonders dann, wenn es sonst nichts gab.

Ob meine Mutter und meine Tante glücklich waren, ich weiß es nicht, aber ich glaube, de­nen fehlte auch das Vertraute, die Heimat, die weit weg war. Mir fehlte sie auf jeden Fall, denn jeden Abend dachte ich an sie, wenn auch die Erinnerungen immer blasser wurden.

Für mich gab es viel zu tun, denn ich erkundete die ganze Umgebung, denn ich wollte unbe­dingt wissen, wo ich war. Denn das Wissen darum, machte mir das Leben schon leichter, besonders dann, wenn es um das Klauen ging. In dieser Zeit ging es nicht ohne das Klauen. Alles wurde mitgenommen.

Meine Mutter hingegen war nicht besonders aktiv, sie kümmerte sich um die kleine Schwes­ter, aber an und für sich machten wir es alle. Meine Mutter teilte uns für die Arbeiten so ein, so dass für sie nichts mehr zu tun gab. Sie machte es wirklich sehr erfolgreich, und dabei blieb sie auch.

Natürlich versuchte ich mich immer zu drücken, manchmal klappte es, aber manchmal auch nicht. So war das Leben damals. Man war auf die Gegenseitigkeit der Menschen angewie­sen, aber die Menschen handelten auch in dieser Zeit egoistisch, besonders die Erwachse­nen.

Unser Vermieter wollte uns auch loswerden, also machte er alles Mögliche, um uns los zu werden. Manchmal war es zum Lachen, aber manchmal auch nicht.

Damals stellte ich schon fest, wie schwer es ist, wenn man seine Heimat verliert, und wenn sich die Familie so langsam auflöst, ohne dass es die Menschen selbst merken.

Heimat deine Sterne............





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