Mittwoch, 6. Juli 2011

Rosenkranz

Nach dem Aufenthalt in Niebüll, kam der neue Aufenthalt. Wir waren in Rosenkranz gelan­det, und zwar direkt an der dänischen Grenze. Wir zogen in ein altes Haus, dort bekamen wir vier Personen, zwei Erwachsene und zwei Kinder ein kleines Zimmer. Meine Mutter war schwanger, und die Geburt stand heran. Es war Ende April/Anfang Mai 1945.

Hinter dem Haus war ein kleiner Bach und dahinter ein Deich, und hinter dem Deich war ein großes Gewässer, auch als Grenzfluss von Deutschland/Dänemark bezeichnet. Wenn wir zum Grenzfluss bzw. auf den Deich wollten, dann mussten wir über eine schmale Brücke laufen.

Unsere Vermieterin war eine alte Frau, die alles mitgehen ließ, was nicht niet- und nagelfest war. Aber uns störte es nicht, denn wir hatten nicht viel. Für mich war es hier schön, auch wenn das Wetter manchmal nicht besonders war, aber ich ging gerne raus. Meine Tante musste für uns des Essen herbeischaffen, aber es gab nicht viel, d.h. eigentlich gar nichts. Man betrachtete uns als kriminelles Pakt, als Pollacken und Russenpakt. Es war schon hart so etwas zu hören, aber die Einheimischen hielten sehr eng zusammen, besonders wenn es gegen die Flüchtlinge ging. Bei den Kindern war es anders, von denen wurde ich akzeptiert, denn sie verstanden uns Flüchtlinge, und sie empfingen es als grausam, wenn man die Hei­mat verlassen musste.

Die nächsten Tage vergingen. Ich sah viele deutsche Soldaten, die aus Dänemark kamen und dann in Rosenkranz blieben, aber erst später weiterzogen. Dann trat plötzlich Ruhe ein. Der Schlagbaum war heruntergelassen. Dänische Soldaten und Zöllner standen am Grenz­baum, und schauten zu uns herüber. Ich hatte dann gehört, dass der Krieg zu Ende war. Deutschland hatte den Krieg verloren.

Jetzt hoffte ich, dass ich wieder in die Heimat zurückkehren konnte, und ich freute mich so.Dann kam der 11.Mai 1945, an dem wurde meine jüngste Schwester geboren. Jetzt waren wir drei Kinder, und ich merkte bald, dass auch ich neben meiner Tante Aufgaben innerhalb der Familie übernehmen musste.

Rosenkranz blieb unser Aufenthaltsort. Jetzt waren wir eine Person mehr im Zimmer, und das Zimmer wurde noch kleiner. Die alte Frau, unsere Vermieterin, war weiterhin gegen uns, sie ärgerte uns, wo sie konnte, aber ich machte es auch z,B. Sperrte ich sie auf die Toi­lette ein. Sie musste dort bleiben, bis es Abend wurde, das tat ihr gut, mir aber auch.

Meine Schwester, die nur ein Jahr jünger war als ich, fiel dann in den Grenzfluss, und ich konnte sie schnell herausziehen, und brachte sie gleich nach Hause.

Die meisten Grenzsoldaten gaben uns Kindern, immer etwas zu essen. Die dänischen Solda­ten waren sehr menschlich.

Das Schlimmste war die Vermieterin, denn die wollte uns aus ihrem Haus haben. Das Haus war auch wirklich zu klein, und so kamen wir noch im Jahre 1945 aus Rosenkranz heraus, es muss so im August gewesen sein.

Nach Ostpreußen ging es nicht zurück.

Heimat deine Sterne …...........










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