Mittwoch, 29. Juni 2011

Grab des unbekannten Soldaten

Als ich in meiner Kindheit noch in Süderlügum lebte, ging ich manchmal mit meinen Freund Andreas auf den Friedhof. Dort war sein Vater beerdigt, der drei Jahre nach dem 2.Weltkrieg an einer Verwundung starb, die er sich im Kriege zugezogen hatte.

Neben dem Grab gab es ein Grab, mit einem einfachen Kreuz, auf dem stand „Unbekannter Soldat“. In diesem Grab war ein unbekannter Soldat begraben.

Ich machte mir manchmal Gedanken, wer der unbekannte Soldat sein könnte. Ob er mein Vater hätte sein können, den ich selbst nicht kenne, und über den in der ganzen Familie ge­schwiegen wurde.

Wo seine Familienangehörigen leben? Ob er verheiratet war, und ob er Kinder hatte? Ob die Eltern und die Ehefrau oder seine Verlobte um ihn trauerten?

Aber gleichzeitig kam auch der Gedanke auf: wie ist der Soldat umgekommen? War es e

in Unfall? Wurde er bei einem Fliegerangriff getötet oder durch einen Schuss eines feindli­chen Soldaten oder wurde er standrechtlich hingerichtet? Es gab viele Fragen für mich, die sich anlässlich dieses toten Soldaten stellten. Ich habe auch darüber nachgedacht: warum steht auf dem Kreuz „unbekannter Soldat“? Hatte der Soldat kein Soldbuch?

Immer wenn wir das Grab vom Vater unseres Freundes besuchten, dann betrachtete ich das Grab des unbekannten Soldaten. Oft dachte ich: wo mag mein Vater sein? Ist er tot oder lebt er noch? Wenn er noch lebt, wo hält er sich dann auf? Wenn er tot ist, wo hat man ihn be­graben? Hat er seinen Namen auch auf dem Kreuz oder steht da auch „Unbekannter Soldat“ drauf, wie auf diesem Kreuz.

Jetzt, wo ich diesen kleinen Bericht schreibe, sind mir auch diese Gedanken durch den Kopf gegangen. Ich sehe deutlich das Kreuz des unbekannten Soldaten, und daneben den Grab­stein vom Vater meines Freundes. Auch denke ich heute daran, gibt es die Familie der unbe­kannten Soldaten noch, oder sind alle Familienangehörigen während des Krieges umgekom­men?

Wenn das Kreuz noch dastehen sollte, ich weiß es nicht, denn zwischenzeitlich sind über 60 Jahre vergangen, denn so um 1955 habe ich dieses Kreuz das letzte Mal gesehen, dann denke ich an die Vergänglich des Lebens, aber auch gleichzeitig an das Leben, das voller Leben ist, und als unvergänglich dasteht.

Anlässlich dieses toten Soldaten kann man nur sagen: ich hatte einen Kameraden, einen bes­seren findest du nicht........







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