Donnerstag, 23. Juni 2011

Die Elche stehen

Die Elche waren das Sinnbild für meine Heimat „Ostpreußen“. Dort waren sie, wie im gan­zen Baltikum zu Hause, und waren für die Menschen das Bild der Größe und der Stärke der Natur, und sie blieben es noch.

Als ich nach dem Krieg nach Schleswig-Holstein kam, da kam ich in ein fremdes Land, und es blieb auch immer für mich ein fremdes Land. Jetzt lebe ich seit 1960 in Baden-Württem­berg, aber dieses Land ist für mich auch fremd, denn es fehlen die Wälder und Seen meiner Heimat Ostpreußen, das wird auch so bleiben.

Es ist eigentlich komisch, dass das Land in dem ich geboren wurde, und noch fünf Jahre ge­lebt habe, für mich mein Heimatland ist und auch bleiben wird. In Baden-Württemberg habe ich meine eigene Familie, doch habe ich jetzt in der letzten Zeit immer mehr das Ge­fühl, in der Fremde zu sein.

Es scheint so zu sein, dass Menschen sich nur da heimisch fühlen, wo sie geboren wurden.

Es ist so schön, wenn Elche am Waldrand stehen und äsen. Dann heben sie hin und wieder den Kopf , und stehen da und lauschen. Sie lauschen in die Zeit der Ewigkeit. Sie hören dann die Blätter fallen, das Singen der Gräser und das Singen des Dünensandes der fernen Dünen der Kurischen Nehrung.

Der Elch ist ein Wesen aus einer anderen Zeit. Er strahlt eine Ruhe aus, die an die Ewigkeit des Lebens erinnert. Für mich hat der Elch eine große Bedeutung, denn er erinnert mich an meine Heimat, die ich 65 Jahre nicht mehr betreten habe.

Der Elch selbst ist das Sinnbild meiner Heimat Ostpreußen, er wird es auch bleiben, denn noch heute ziehen Elche durch meine Heimat. Er hat Legenden gefördert, denn einige Men­schen haben ihre Erlebnisse mit den Elchen gehabt. Aber wenn der Elch ganz ruhig und sei­nen Kopf hebt und lauscht, dann hört er das Singen der Wälder und das Singen der Gräser und des Sandes.

Ich denke jetzt in meinem Alter sehr oft an meine Heimat, und manchmal denke ich, wäre ich in meiner Heimat geblieben und hätte dort gelebt. Aber es hat halt nicht sein sollen, aber die Gedanken sind immer noch dort, auch wenn ich selbst dort nicht sein kann.

Für mich ist der lauschende Elch der Grund, meine Heimat zu achten und zu lieben. Auch wenn ich nicht mehr zurück kann, aber in meinem Herzen ist dieses kleine Stück Land tief verankert.

Oh, lauschender Elch bleib stehen und lausche, denn dann gibt du mir das Gefühl, in meiner Heimat zu sein, denn auch ich lausche auf die Geräusche meiner Heimat.

Die Heimat schweigt, aber ich höre trotzdem das leise Rufen, in die Heimat zurückzukeh­ren, auch wenn jetzt andere Menschen dort wohnen. Doch diese Menschen sind mir nicht fremd, es sind Russen, mit denen ich über meine Großmutter verwandt bin. Dies sind die Stimmen, die leise Rufen „kehre heim“. Ob ich jemals einkehren werden, das weiß ich nicht, denn auch ich werde älter. Aber nach meinem Tode kann ich in meine Heimat zurück­kehren.

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