Samstag, 16. April 2011

Bildung

Ja, die Bildung des Menschen. Wir verarschen uns täglich selbst, weil wir immer von Bildung reden. Die Aktivitäten für eine entsprechend gute Bildung bleibt dann aus. Woran könnte es liegen? Es liegt am Menschen selbst. Die Menschen, die Bil­dung haben, sagen:“Wir brauchen keine Bildung!“ Natürlich, die die Bildung haben, brauchen wirklich keine mehr. Aber hier ist der tote Hase begraben. Diese Men­schen denken nicht an die, die die Bildung wirklich benötigen, um beruflich etwas zu erreichen. Es sind meistens die Kinder. Denn was ich zur Zeit sehe, ist lieber shoppen gegen als ein Buch lesen. Gut, es gibt auch Ausnahmen unter Kindern, sowie auch unter den Erwachsenen.

Wie hat man es mit der Bildung vor gut sechzig Jahren gehalten? Ich war damals zehn Jahre alt. Ich stand damals am Scheideweg, Gymnasium oder Hauptschule, damals Volksschule neun Klassen. Es war die 4.Klasse in der Volksschule. In die­sem Jahr hatte ich besonders angestrengt, denn ich hatte die Hoffnung auf das Gymnasium zu kommen. Aber diese Hoffnung zerschlug sich dann sehr schnell. Meine Mutter wollte es nicht, denn sie sagte: „Wenn du aus der Schule kommst, dann gehst du für mich arbeiten, damit ich Geld habe und ein bequemes Leben führen kann.“ Eine wunderbare Aussage. Nur mit Hängen und Würgen konnte ich wenigstens die Realschule abschließen, was für mich von Bedeutung war. Danach habe ich den Sprung zur Bundeswehr geschafft. Ich habe meine liebe Frau ken­nengelernt. Nach zehnjähriger Ehe haben wir unsere Tochter bekommen, die jetzt 37 Jahre alt wird. Ich habe noch während meiner Dienstzeit die Fachhochschulrei­fe nachgeholt, und ich habe danach auf der Fachhochschule für Sozialwesen stu­diert, mit zwei Diplomabschlüssen.

Ihr werdet sagen, welch ein langer Weg der Bildung. Ja, er war unnötig lang gewe­sen, aber ich konnte es nicht anders machen. Es gibt manchmal Wege, die ver­schlungen sind, und die man auch gehen muss, um ein Ziel zu erreichen. Ich habe mein Ziel in jeder Beziehung erreicht.

Wie schwer ist es doch, alles was man erfährt, im Kopf zu behalten. Ich hatte in der Zeit, der ersten vier Jahre Volksschule keine Schulbücher, sondern musste ein Buch mit 10 anderen Schülerinnen und Schülern teilen. Danach wurde es etwas besser, aber eigentlich nicht viel.

Aber Bildung erfährt man theoretisch aber auch praktisch. Ich habe viele Praktiker kennengelernt, die des Schreibens nur bedingt mächtig waren, aber sie waren her­vorragende Praktiker. In der Praxis ergänzen sich Theoretiker und Praktiker zu ei­nem wertvollen Team, und deshalb sollte keiner finanziell oder auch anders vorge­zogen werden.

Bildung ist trotzdem notwendig, auch wenn man lernt, einen Nagel in die Wand zu schlagen, denn das ist auch Bildung.

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