Donnerstag, 23. April 2009

Thingplatz

Nach dem 2.Weltkrieg, so etwa gegen Ende April 1945, kam ich mit meiner Mutter, meiner Tante und meiner Schwester nach dem Norden Deutschland, so in der Nähe der deutsch-dänischen Grenze. Also kamen wir aus unseren kalten Heimat in Osten Deutschlands in die neue nass-kalte Heimat Deutschlands. Hier oben in Schleswig Holstein war alles etwas anders als bei mir in der kalten Heimat, was ich erst später festgestellt hatte, aber Spass beiseite, Ernst ist soeben eingetroffen, und ich habe ihn hereingelassen.
Oben an der Grenze, im letzten Dorf hatten wir unsere Bleibe, es war Süderlügum, und ich hatte eines Tages eine Begegnung mit einem alten Mann, der dort oben aufgewachsen war und ein sogenannter Einheimischer war. Ich war damals so 10 Jahre alt und mit meinem gleichaltrigen Freund unterwegs, als wir ein kleines Waldstück betraten. Dort trafen wir auch den alten Mann.
Es war ein anderes Gebilde von einem Wald, denn es war mehr eine Lichtung, d.h.die Bäume und Sträucher umstanden einen riesigen Findling, der auf einer Lichtung stand. Wir staunten über dieses Exemplar, und der alte Mann erzählte uns etwas über die Eiszeit, und die Gletscher aus der letzten Eiszeit hätten die Findling nach Süderlügum gebracht. Natürlich gab es dieses Dorf damals noch nicht.
Aber dann kam der alte Mann, er hieß Hans-Peter Petersen, auf den Punkt. Er erzählte uns, dassdiese Lichtung in früheren Zeiten ein alter Thing-Platz der Germanen war, die hier lebten. Als das Christentum nach dem Norden kam, wurde dieser Thing-Platz zu einem Hinrichtungsplatz. Hier wurden einige Männer aber auch Frauen mit dem Schwert hingerichtet. Der riesige Findling war dann der Hinrichtungsblock. Er zeigte uns die dunklen Flecke auf diesem Findling und meinte, es sei das Blut der Hingerichteten, und darum sei dieser Ort auch verflucht.
Ich habe häufig diesen Ort aufgesucht, nicht um andere Menschen hinzurichten, sondern weil es immer so schön ruhig hier war, und mein Freund und ich konnten darüber nachdenken, wie es bei diesen Hinrichtungen so zugegangen sein musste.
Es war einmal und kommt nie wieder.





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