Freitag, 16. Januar 2009

Zeitungszeugen

Seit einiger Zeit bieten die Zeitungsverlage eine Zeitung an, die sich die „Zeitungs­zeugen“nennt. Ich habe mir das erste Exemplar gekauft und darin gelesen. Die Zei­tung ist auf die Zeit vor 1945 getrimmt worden, und die Themen beginnen mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten ab 30.Januar 1933.

In der ersten Zeit der machtübernahme durch die Nationalsozialisten gab es noch ge­nügend Zeitungen, die nicht über der Überwachung der Nationalsozialisten standen. Die gegenseitige Hetze war sehr heftig, aber der Inhalt der Zeitungen bezog sich darauf, den politischen Gegner bloßzustellen.

Wenn ich mir den Inhalt der heutigen Zeitungen ansehe, dann stelle ich fest, dass die verschiedenen politischen Lager sich gegenseitig beschimpfen und sich sehr stark abgrenzen, sogar dann, wenn sich darum gehen sollte, wirtschaftliche Krisen ge­meinsam abzuwenden, aber das geht nicht, weil jeder irgendetwas zu sagen hat, was ein anderer schon vorher äußerte.

Ich denke, dass es politische Äußerungen weiterhin geben wird, die sich von der Ver­gangenheit der politischen Äußerungen nicht abgrenzen können. Es bleibt also alles beim alten.

In diesen neuen Altauflagen gibt es an und für sich viele Artikel, die sehr interessant sind, so auch Hinweise auf das Leben der Menschen zu dieser Zeit. Besonders auf den Seiten der Inserate oder des Sportteils in dieser Zeitung.

Diese Erstauflage zeigt nur das Leben der Menschen, wie sie die neue politische Si­tuation aufnehmen, denn einerseits sind die Menschen sehr bemüht, ihr Leben zu ge­stalten, arm und reich, aber andererseits begrüßen sie wahrscheinlich den neuen Machtwechsel an der Regierungsspitze, und sie hoffen auf ein besseres Leben, wenn auch nicht alle darauf hoffen.

In den Zeitungen zum 30.Januar 1933 kann man schon deutlich den Antisemitismus der neuen Zeit herauslesen, denn es wird schon gegen die Mitbürger jüdischen Glau­bens gehetzt.

Viele Menschen, die nach dem Krieg aufwuchsen, werden in diesen Zeitungen ge­schichtlichen Unterricht finden, der ihnen nach dem Krieg vorenthalten wurde. Ich habe in dieser Zeit die Erwachsenen befragt, und ich habe auch Antworten bekom­men, worüber ich mich immer gefreut habe.

An dieseen Zeitungszeugen ist der Inhalt der Zeitungen von Bedeutung, aber man muß zwischen den Zeilen lesen können, um sich ein Bild von dieser Zeit machen zu können.

Die Freiheit des Geistes ist das schönste Geschenk, wenn man noch frei denken und frei im Geiste handeln kann.

Leben und leben lassen, denken und denken lassen.

Keine Kommentare: