Donnerstag, 11. September 2008

Die Schlafseite

Wenn man älter wird, so über das 60-zigste Lebensjahr hinaus, dann muss man viele kleine Unannehmlichkeiten hinnehmen, die der eigene Körper aufzeigt. Meistens sind es nur Kleinigkeiten, das Zwicken in der Beinwade, oder ein stechender Schmerz in einem der der beiden Sprunggelenke, aber man macht sich nichts daraus und schiebt alles auf den Alterungsprozess, was natürlich nicht ernst gemeint ist, weil man doch, besonders als Mann, immer fit ist, so auch bei mir.

Über viele Jahre habe ich diese kleinen Schmerzen immer übersehen, so nach dem Motto: „Was uns nicht umbringt, das macht uns hart“. Welch ein Blödsinn, das kann ich heute in meinem etwas fortgeschrittenen Alter schon sagen, aber zurück zu einer albernen Kleinigkeit, die sich jeden Abend beim Zubettgehen wiederholt. Das hat nichts mit Sex zu tun, aus dem Alter bin ich schon raus, was auch gut ist, weil ich mich auf andere Sachen konzentriere, die möglicherweise schöner sind als der all­tägliche Sex, der zur Fortpflanzung reicht, zu mehr auch nicht. Besonders die Män­ner stellen sich dabei doof an, und ich weiss wovon ich rede, denn ich bin auch ein Mann, ich habe schon zwischen meine Beine geschaut, und dann habe ich den Biolo­gie-Atlas aufgeschlagen und die Seite mit den männlichen Genitalien gesucht und ge­funden. Auf dieser Seite bekam ich die Bestätigung, ein Mann zu sein. Ja, so einfach ist das, wenn ich schon früher in den Atlas geschaut hätte.

Ich gehe jetzt zu Bett. Ich sitze auf der Bettkante. Es ist ein hohe Bett, deshalb ist es für einen älteren Menschen auch bequem, wenn er sich anziehen, aber auch auszie­hen möchte, man braucht sich nicht so verrenken, als bekommt man dann auch kein Ziehen in der Hüfte.

Dann lege ich mich auf die Matraze. Gut, ich liege noch auf dem Rücken, aber vor Jahren hatte ich schon damit angefangen, weil ich in der Rückenlage immer Schnar­che, wie ein Hölzfäller in den kanadischen Wäldern, auf einer seite zu schlafen, we­nigstens einzuschlafen. Bisher hatte es auch ganz gut geklappt.

Die Jahre der „Jugend“ vergehen, und die Zeit des Alters beginnen. Es gibt eine Zwischenzeit, die sich noch nicht so krass mit Wehwehchen auszeichnet. Es ist eine Zeit des Übergangs.

Weiter mit dem Vorgang des Schlafengehens. Ich liege jetzt im Bett. Dann meint die linke Seite plötzlich:“Du kannst nicht auf dem Rücken schlafen, weil du dann wieder schnarchst. Es ist unangenehm für mich, weil ich dann nicht ruhen kann. Also suche etwas, was für dich uns uns alle passt.“ Jetzt kommen meine Überlegungen, was soll ich machen. Also stelle ich jetzt die Fragen.

„Linke Seite, kann ich mich auf deine Seite drehen?“ fragte ich. Es ist still, ich be­komme keine Antwort. Daraufhin befrage ich die rechte Seite: „Liebe rechte Seite, darf mich auf deine Seite legen?“ Es ist noch still, keine Antwort ist zu hören.

„Gut, alter Knacker, ich will nicht unmenschlich sein, du darfst dich auf meine Seite legen, aber nicht lange.“

Ich bin zufrieden. Ich strecke meine Arme und Beine sowie meinen restlchen Körper aus, und jetzt erwarte ich den himmlischen Frieden, der Ruhe und Zufriedenheit. Aber ich habe nicht mit den alten Knochen gerechnet. Ich höre nur ein leises Schimp­fen, sonst höre ich nichts, denn mich überkommt der schöne Schlaf. Ich höre nur noch wie jemand sagt:“Schlafe schön.“ Aber ich weiss nicht, wer es war. Aber dann meldet sich das Gehirn, wirklich so etwas habe ich auch, da staunt ihr, und sagt: „Der Weg ist das Ziel, damit du es nicht vergisst.“

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