Dienstag, 24. Juni 2008

Hymne der Nationen

Jetzt ist die Zeit der Fußball-Europameisterschaften, und mir fällt auf, daß die Leute sich von den Sitzen erheben, wenn das Lied der Nationen erklingt. Man nennt so et­was die „Hymne“, ich weiß nicht warum, aber es ist so, also halte ich mich daran.

Aber warum hat jedes Land ein Lied, daß es „National-Hymne“ nennt? Soll diese Hymne die Nation als Einheit zusammenschweißen, oder soll an dieser Hymne die Nation erkannt werden?

Ich denke, daß eine Nationalhymne die Nation zusammenhalten soll, sie ist so etwas wie das Band, das alle Bürger einer Nation unsichtbar umschlingt. Die Hymne gibt den Bürger einer Nation das Gefühl, zusammen zu gehören, also ein Gemeinschafts­gefühl, als Nation anerkannt zu werden. In den Reihen dieser Bürger einer Nation hat er das Gefühl, geschützt und beschützt zu werden. Er ist nicht mehr allein, eine große Gemeinschaft hat den Bürger aufgenommen, um ihm eine Heimat zu geben.

Ich denke oft, wenn ich eine Hymne höre, wie unterschiedlich diese Hymnen klingen und wie unterschiedlich ihre Texte sind, wenn die Hymne gesungen wird. Aber nicht nur das, sondern woher kommt diese Hymne und wie ist sie entstanden.

Die Nationalhymnen trennen die Nationen voneinander. Die Nationen finden nie zu­einander, auch wenn die Bürger der einzelnen Nationen es wollen, denn die Hymne steht dazwischen, weil sie in ihren Auslegungen sehr unterschiedlich sind.

Gibt es eigentlich eine Hymne, die für die Menschheit allgemein gilt, und die nicht den Hauch von Nationalismus trägt? Ja, die könnte es schon geben, wenn man sich bei einer derartigen Hymne auf die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen also des In­dividuums bezieht und auch auf die Freiheit der Menschen, aber das wird schwierig sein, weil es Menschen gibt, die nur Macht haben wollen, die eigene Freiheit dazu und dann die Unterdrückung der Mitmenschen, ihm die Freiheit zu nehmen.

Ich empfinde nichts mehr bei dem Abspielen der Nationalhymne. Die Hymnen gehen an mir vorbei, wenn man im Verlauf des Lebens Entdeckungen macht, zu welchen Zwecken eine Hymne mißbraucht wird, sogar zum Zwecke der Gewaltherrschaft ei­ner Gruppe von Menschen über ein Volk.

Bei der Nationalhymne wird ein Zustand erreicht, der irgendwie einer Verherrli­chung gleichkommt, fast wie die Verehrung einer Gottheit, die Hymne genannt wird.

Es ist wirklich so, daß man schon beim Abspielen von Hymnen darauf achtet, wel­chen Inhaltes der Text dieser Hymne ist. Der Text ist oft die Glorifizierung einer Na­tion mit der indirekten Ächtung anderer Nationen oder Menschen.

Aber dieser Zustand wird die Menschheit weiter in Nationalitäten verharren lassen. Ob die Menschheit jemals wirklich frei wird von diesen nationalen Zwängen, ist frag­lich, weil das Wesen der Hymne den Menschen dazu verurteilt, in den Kategorien der Nationen zu denken und zu handeln.

Eigentlich sollte man jede Hymne kritisch analysieren, weil man herausbekommen muß, wie der Inhalt dieser Hymnen auf den Bürger der jeweiligen Nation wirkt.

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