Mittwoch, 14. Mai 2008

Vertrauen

Was ist eigentlich mit dem Begriff „Vertrauen“ gemeint? Ich habe es in meinem Stu­dium so gelernt, daß es ein Urvertrauen gibt. Als ein Vertrauen, das dem Menschen bei seiner Geburt mitgegeben wurde. Wenn ich mich selbst betrachte und an meine Kindheit denke, besonders als Kleinstkind, dann hatte ich nur zu zwei Personen ein großes Vertrauen, welches man auch Urvertrauen nennen könnte, nämlich zu meiner Tante und zu meiner Großmutter, die mich mit allem versorgte, was es damals gab.

Prinzipiell hat das Kleinstkind nur zu der Person Vertrauen, die man generell auch Bezugsperson nennt, also war es meine Großmutter. Aber gibt es dieses Urvertrauen überhaupt? Hier kommt wieder meine hässliche Frage, und auch mein hinterfragen der Begriffe, die mir oft zu abstrakt sind. Aber was ist heute nicht abstrakt, wenn man sich hin und wieder mit Begriffen befasst und diese hinterfragt.

Ich gehe jetzt einmal davon aus, daß es wirklich so etwas wie ein „Urvertrauen“ gibt, daß uns die Evolution mitgegeben hat, aber was soll dieses Urvertrauen für uns darstellen? Zu wem haben wir Menschen eigentlich ein solches Vertrauen, daß wir dieses Vertrauen als Urvertrauen bezeichnen können?

Die religiösen Menschen sagen: „ich habe Vertrauen nur zu Gott, er genießt mein Urvertrauen“. Andere wiederum sagen, meine Mutter hat mein Urvertrauen, sie hat mich geboren, versorgt und groß werden lassen.

Wenn ich mich so umhöre, hat jeder Mensch insgeheim eine fiktive Gestalt oder eine Person, zu der er ein Urvertrauen hat, aber zu wem oder was habe ich Vertrauen oder ein Urvertrauen? Irgendwie stehe ich bei dieser Frage im tiefen Wald, wo ich mich wohlfühle, also habe ich zur Natur Vertrauen, weil sie mir alles gibt, was ich zum Überleben benötige.

Oh, jetzt komme ich wieder mit der Überlebensstrategie der Evolution. Die Evolution hat den Muttertieren mitgegeben, daß sie ihren Nachwuchs solange schützen, bis er alt oder groß genug ist, seinen eigenen Weg zu gehen. Hier, in dieser Phase setzt das Vertrauen des Nachwuchses gegenüber dem Muttertier ein, weil der Nachwuchs be­schützt wird. Die Menschen gehen vom Begriff des Urvertrauens aus, daß angeblich der Mensch sein ganzes Leben hat oder haben sollte. Doch ich sehe es völlig anders, besonders durch meine eigenen Beobachtungen und mein eigenes Erleben, was bis­her immer für mein Überleben wichtig war.

Warum gehe ich jetzt bei dem Begriff „Urvertrauen“ von einer Abstraktion aus? Der Begriff „Urvertrauen“ ist wirklich abstrakt, denn in der Natur gibt es kein Vertrau­ensverhältnis zwischen dem Jungtier und seinem Muttertier. Das Muttertier folgt nur dem, was ihm die Evolution mitgegeben hat, um das Überleben der Art zu sichern oder zu ermöglichen. Ich selbst sehe es auch so, daß es nur ein Überleben gibt, das der Art und das eigene. Vertrauen ist etwas, wenn man die Verhaltensweisen aufzei­gen will, das man nicht hat und auch nicht haben sollte. Denn das Vertrauen bedeu­tet soviel, daß man sich anderen Menschen öffnen muß, und ihm seine Gefühle zeigt, die man sich selbst nicht einmal zeigt.

Wenn ein Priester spricht: „Habe Vertrauen mein Sohn, und erzähle mir alles.“ Dann kann man es vergessen, weil dieses entgegengebrachte Vertrauen auch zu an­deren Dingen ausgenutzt werden kann, die für einem selbst verhängnisvoll wird.

Ehrlich gesagt, ich vertraue meine Ehegattingemahlin und meine Tochter. Das sind die beiden Personen, die mein Vertrauen wirklich geniesen. Obwohl ich manchmal sage, ich vertraue mir nicht einmal selbst, wie soll ich anderen vertrauen.

Für mich gibt es kein Vertrauen und kein Urvertrauen. Beides sind Begriffe, die ab­strakt dargestellt werden, aber keinen Inhalt haben, weil die Evolution diese Begriffe nicht kennt und deren Inhalt nicht kennt.

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