Freitag, 9. Mai 2008

Missverständnis

Man versteht etwas, aber später soll es dann so sein, als ob man es nicht richtig ver­standen hat. Besonders bei den Herrn Politiker kommt es sehr deutlich zum Aus­druck, daß sie eine Rede halten, die zu einem gewissen Unmut bei den Zuhörern führt, aber der Redner spricht später von einem Missverständnis von seiten der Zu­hörer. Natürlich sind die Anderen so blöd, seine Rede nicht verstanden zu haben, ob­wohl der Redner seinen Text selbst nicht verstanden hatte.

Auch bei mir kann es zu Missverständnissen kommen, wenn ich etwas von Kant lese, aber den Text irgendwie anders verstehe und dann den Text nach meinem Verständ­nis auslege, so ist die Auslegung von mir ein Missverständnis zu Kant, aber kann auch zu Missverständnissen bei anderen Lesern führen, die meine Auslegung lesen.

Ich denke, unser Leben lebt von Missverständnissen, so wird uns manchmal etwas zugerufen, wir verstehen den Zuruf, aber ein Wort verstehen wir nicht genau, und ge­ben anschließend das, was uns zugerufen wurde, weiter. Es entsteht ein Missver­ständnis, das aus dem Wort, was wir nicht verstanden haben, anders weitergeben, und dadurch entsteht etwas Neues, was der Zurufende eigentlich nicht gemeint hat.

Ich sitze im Zug und fahre in die nächste Stadt. Der Fahrkartenkontrolleur betritt das Abteil und ruft:“Die Fahrkarten bitte“. Ich lese etwas und der Kontrolleur tritt an mich heran. Ich habe wohl etwas gehört, aber nicht genau verstanden, weil ich gele­sen habe und schaue ihn an. Wir beiden schauen uns an, er erwartungsvoll, daß ich den Fahrschein zeige, und ich denke, was will er von mir. Hier tritt auch ein Miss­verständnis ein und zwar aus der Unkenntnis heraus, weil ich nicht weiß was der Mann will, weil ich ihn nicht verstanden habe.

Hier habe ich noch ein Beispiel aus meiner Kindheit und zwar: Früher hatten die Pastoren noch ein Landwirtschaft neben ihrem Pastorenamt, denn als evangelische Priester durften sie heiraten und mußten ihre Familie selbst versorgen. So nahm man Personal auf wie Knechte und Mägde. Eines Tages meldete sich die neue Magd bei unserem Pastor, und die Frau des Pastor zeigte ihr alles im Haus und das Zimmer für die Magd. Die Magd schaute sich im Zimmer um, sah die heiligen Sprüche an der Wand und meinte plötzlich: „Frau Pastor, hier bleibe ich nicht.“ Die Frau des Pas­tor schaute die Magd an und fragte diese: „ Warum nicht Tine?“ Darauf sagte Tine: „Der Spuch dort an der Wand, das geht nicht.“ Die Pastorenfrau las den Spruch: „Bereite dich vor, der Herr kommt stündlich.“

Hier gab es auch ein Missverständnis, weil die neue Magd den Spruch anders ver­stand als er tatsächlich gemeint war. Nicht der Pastor wollte stündlich kommen, son­dern das Lebensende kann stündlich kommen, und darauf sollte man immer verberei­tet sein.

So schnell kann es zu Missverständnissen kommen, wenn man irgendetwas Gesagtes oder Gelesenes falsch auslegt, dann steht man plötzlich im falschen Wald und ißt die falschen Pilze, wie den Schwiegermutterpilz ( Fliegenpilz).

Wenn man Missverständnisse vermeiden will, ist ein genaues Lesen oder Hinhören sehr wichtig, aber wer macht das schon, die meisten lesen oder hören nur das her­aus, was ihnen genehm ist.

Es gibt jeden Tag genügend Missverständnisse, die wir hinnehmen, aber aus unserer Sicht so zurechtrücken, daß wir damit leben können. Wenn es so bezeichnen könnte, dann wäre auch das Leben ein Missverständnis, von wem, das weiß ich leider nicht, aber ihr dürft darüber einmal nachdenken, vielleicht werdet ihr es herausfinden, wer aus einem Missverständnis heraus das Leben schuf. Viel Glück wünsche ich euch.


Keine Kommentare: