Mittwoch, 7. Mai 2008

Koma-Saufen

Ich habe mir schon viele Gnaden gemacht, was Jugendliche dazu bewegt, am sinnlo­sen Alkoholtrinken – auch „Saufen“ genannt – teilzunehmen. Damit will ich aber nicht sagen, früher habe es so etwas nicht gegeben. Gut, es war zu meiner zeit, als ich noch Jugendlicher war, kein Problem für die Gesellschaft, denn Alkohol gab es wenig, wenn auch meistens Selbstgebrannten – durch Schwarzbrennen – und es fehl­ten die Männer, von denen die meistens nicht mehr aus dem Krieg zurückkehrten. So gesehen, hatten wir Jugendlichen keine Schwierigkeiten mit Drogen. Es gab schon Exesse wie: ein richtiger Mann besäuft sich hin und wieder, und wenn du ein Mann werden willst, dann mußt du auch richtig saufen können, aber so etwas war selten. Die meisten Männer, die kamen erst später mit dem Alkohol in Berührung, mit dem Rauchen war es meistens schon früher.

So sah es damals aus, als ich noch Jugendlicher war, aber ich kann nur von mir und meiner näheren sozialen Umwelt ausgehen.

Dieses Koma-Saufen gab es es zu meiner Zeit nicht. Es fehlte des Interesse der Ju­gendlichen am Alkohol, und außerdem passten die Wirte dahingehend auf, daß einem Jugendlichen kein Alkohol ausgeschenkt wurde. Mancher Jugendliche, der in einer Gaststätte Alkohol bestellte, flog im hohen Bogen aus der Gaststätte hinaus. Wenn er sich illegal Alkohol beschaffte, dann wurde derjenige ermittelt, der dem Jugendli­chen den Alkohol verkauft hatte. Soviel ich weiß, wurde einmal ein Kaufmann zu ei­ner Freiheitsstrafe verurteilt, weil er einem Jugendlichen Alkohol verkaufte.

Die Jugendlichen sollten von ihren Eltern, oder was besser wäre, von ihren Lehrern über die Gefahren des Alkoholgenusses aufgeklärt werden. Gerade dieses Koma-Saufen birgt die Gefahr in sich, daß die aufgenommene Promillezahl sehr schnell überschritten werden kann, so daß der Betrunkene nicht mehr aufwacht, und an­schließend an einer Alkoholvergiftung stirbt.

Die Art von Alkoholgenuss birgt auch die Gefahr in sich, daß der betroffene Jugend­liche schon früh zum Alkoholiker wird, und sehr lange Zeit in diesem Krankheitszu­stand bleiben wird. Auch wenn er es schaffen sollte, vom Alkohol wegzukommen, so bleibt er trotz ein trockener Alkoholiker, der nie mehr einen Tropfen Alkohol trinken darf. Richtig gelesen: nicht mehr Alkohol trinken darf, weil er dann, wenn er Alkohol trinkt, wieder Alkoholiker wird.

Ich verstehe auch die Wirte nicht, die den Jugendlichen die Möglichkeit geben, der­artige Gelage durchzuführen. Die Wirte müßten gegen derartige Auswüchse ein­schreiten, und den Jugendlichen den Konsum von Alkohol verweigern, aber alle. So auch die Verkäufer in den Geschäften, die Alkohol verkaufen, müßten den Jugendli­chen kein Alkohol abgeben, auch wenn der Jugendliche dahingehend äußert, er wolle den Alkohol für seine Eltern, sollen die Eltern den Alkohol selbst holen.

Natürlich läßt sich eine Kontrolle nur schwer durchführen, aber wenn nur ein großer Teil der Jugendlichen durch eine derartige Maßnahme vom Koma-Saufen abgehalten wird, wäre schon ein großer Erfolg.

Wenn man über dieses Koma-Saufen liest, dann ist es irgendwie resignierend, man ich frage mich dann, weshalb geht so etwas weiter, warum machen die Jugendlichen so etwas? Gut, es sind nur wenige Jugendliche, aber sie schädigen den Ruf der großen Masse der Jugendlichen, weil die heutige Jugend genauso kreativ und auf­rührerisch ist wie die Jugendlichen meiner Zeit, und das ist auch gut so, denn eine Gesellschaft muß sich weiterentwickeln. Aber das Koma-Saufen sollte wegfallen.

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