Freitag, 23. Mai 2008

Angst u.Misstrauen

Wenn man Angst und Misstrauen miteinander verbindet, was kommt dabei heraus? Diese Frage war für mich sehr interessant, weil ich schon über die beiden Begriffe „Angst“ und „Misstrauen“ etwas geschrieben hatte.

Angst ist ein Schutzfaktor in der Psyche des Menschen verankert. Die Angst soll uns vor unüberlegten Handlungen schützen, was nicht immer klappt. Aber die Angst schon mit der Geburt des Menschen schon ein Teil von ihm. Man merkt schon am Kleinkind, wenn die Mutter sich entfernt, dann leidet das Kind unter der kurzen Tren­nung. Es ist die Trennungangst, die Angst vor dem Verlust der Bezugsperson.

Auch gibt es die Angst vor Fremden, aber hier beginnt schon das Misstrauen, das be­deutet, daß das Kind dem Fremden kein Vertrauen entgegenbringt, sich aber seiner Bezugsperson zuwendet, um Schutz zu suchen. Auch hier entsteht aus dem Misstrau­en gegenüber dem Fremden die Angst und damit der Schutz des Kindes, indem es sich in den Schutz seiner Bezugsperson begibt oder den Schutz verlangt.

Also kann ich nur sagen, das Phänomen „Angst“ wird uns mitgegeben, das hat die Evolution so eingerichtet. Das Misstrauen aber, scheint anders zu sein.

Denn man muß bedenken, der Mensch hat als Kind Vertrauen zu seiner Bezugsper­son. Es besteht eine Basis des Vertrauens, aber nur in einem engen Kreis, zur Be­zugsperson. Zu der näheren Umwelt hat das Kind schon kein emotionalen Vertrauen, weil diese Umwelt ihm irgendwie unbekannt ist. Also basiert das Vertrauen nur auf das, was das Kind kennt. Sobald etwas Unbekanntes in seine Umwelt eindringt, dann wandelt sich die Neigung, Vertrauen aufzubauen in ein Misstrauen. Das Fremde wird beobachtet, bevor man das Fremde als solches akzeptiert, aber noch kein Ver­trauen zu dem Fremden aufbaut.

Die Funktion der Angst kennen wir schon, weil sie immer in uns gegenwärtig ist, nicht in den Vordergrund tritt, sondern im Verborgenen bleibt, aber immer dann da ist, wenn sie meint, sie wird benötigt. Aber wie ist es jetzt mit dem Misstrauen?

Zuerst ist das Vertrauen, das sich aber nur auf die Bezugsperson bezieht. Dieses Ver­trauen wird dann abgeschwächt, wenn etwas Fremdes in das Leben des jungen Men­schen tritt. Der Mensch beobachtet das Neue und schätzt es ab, ob es ihm Vertrauen entgegenbringen kann. Die Phase kann je nach Charakter des Menschen, lang oder kurz sein. Aber hier spielt auch die Angst vor dem neuen eine Rolle, das sollte man nicht vergessen. Ist die Angst überproportional groß, dann wird der Betreffene nicht so schnell ein Vertrauensverhältnis zum Neuen aufbauen, vielleicht auch kein Ver­trauen.

Hier kommt es zu einer Spaltung des Vertrauens. Einerseits kann der Mensch das Vertrauen beibehalten und ausbauen, oder er entwickelt dem Neuen gegenüber ein Missvertrauen.

Also entwickelt sich das Misstrauen. Je nach der Anzahl von Enttäuschungen wird das Misstrauen stärker, und es kann sogar krankhaft werden. Dann fühlt sich der Mensch von allem so enttäuscht, daß er kein Vertrauen mehr aufbauen kann, und er bleibt im Misstrauen behaftet.

Jeder Mensch entwickelt in seinem Leben eine gewisse Portion von Misstrauen, das beruht auf unseren Erhaltungstrieb, aber man kann auch kritisch gegenüber seiner Umwelt sein. Denn wenn man kritisch ist, braucht man kein Misstrauen, weil die Kri­tik konstruktiv sein kann, aer das Misstrauen seltener.

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