Mittwoch, 23. April 2008

Gnade

Dieser Begriff „Gnade“ stammt auch aus dem religiösen Bereich. Mir fiel der Be­griff erst auf, als ich zum Konfirmandenunterricht ging. Dort sprach der damalige Pastor über die Gnade Gottes, über die Nächstenliebe und über vieles mehr, was mit der christlichen Religion zusammenhing.

Nun, ich nahm immer an, daß nur Gott Gnade erteilen konnte, also war er immer gnädig. Dann erschien für mich, was im Alten Testament stand, daß Gott auch Rache üben kann und ein strenger Gott sei, das ganze Christentum irgendwie schizophren. Einersiets der gnädige und liebende Gott, aber dann wieder der strenge und rächen­de Gott. Man sieht es auch an der Geschichte im Alten Testament, wo Gott die Sint­flut über die Erde ergoss, um alles zu tilgen, nur einige Tierarten und Noah wurden gerettet.

Diese schizophrene Verhalten in der Bibel zeigt genau das, was die Menschen in ih­rem Verhalten zeigen, so wollen die Menschen Gott sein. Heute sieht man es in der Forschung mit dem Klonen.

Aber wieder zurück zur Gnade. Kann Mensch einem anderen Menschen so etwas wie eine Gnade erweisen? Wir Menschen sind doch alle gleich. Wir werden geboren, le­ben und sterben eines Tages. Was ist an einem Menschen so besonders, daß er sich von anderen Menschen unterscheidet?

Wenn ich so darüber nachdenke, dann komme ich schon darauf, daß es gewisse Un­terschiede gibt, die erstens sozialer Herkunft sind, dann einen beruflichen Aspekt ha­ben und zuletzt die Arroganz des Gesetzesgeber. Für den Erweis der Gnade, sowie es im Gesetzestext steht, ist die Regierung zuständig, so kann der Bundespräsident oder der Ministerpräsident Gnade walten lassen, wenn ein Lebenslänglicher früher aus der JVA entlassen werden will.

Aber warum kann ein Mensch, auch der Bundespräsident oder die Ministerpräsiden­ten sind auch nur Menschen, einen Gnadenerweis geben? Man wird dann sagen, von Amtswegen kann dieser Gnadenerlass vollzogen werden.

Aber ich denke, daß ein Mensch keinen Gnadenerlass vollziehen kann, weil er nach religiösem Ermessen kein Gott ist, denn nach religiösem Verständnis kann nur Gott gnädig sein. So auch, wenn ein Staatsoberhaupt einen Gnadenerlass vollzieht, so ist er doch mit Gott gleichzusetzen oder nicht? Ich sehe hier eine eigenartige schizoide Haltung des Menschen, obwohl er einem Gott zusteht, daß nur dieser gnädig sein darf, macht er sich selbst zu einem Gott, weil er selbst gnädig sein will.

Wenn ich meine Mitmenschen so betrachte, ist kein Mensch dabei, der sich anmaßen könnte, Gnade über andere Menschen walten zu lassen. Kein Mensch kann anderen Menschen die Gnade erteilen, sondern der Mensch kann einem anderen Menschen nur vergeben, wenn dieser ihm etwas Schreckliches angetan hat.

Ich denke, man kann auch so vergeben, wenn sich dann der Andere umdreht und glaubt, ihm sei vergeben worden, dann kann der Andere, der vergeben hat, den Da­vongehenden einen auf den Schädel und sagen, es sei dir jetzt vergeben. Gedanklich geht so etwas vonstatten, aber in der Wirklichkeit nicht.

Ich werde niemals etwas mit der Gnade zu tun haben, weil ich lebe und vergeben werde ich auch nicht, weil es oft nichts zu vergeben gibt und wenn, dann kann man es sich noch immer überlegen, ob man lieber den Weg des Menschlichen geht und alles,was einem angetan wurde, schnell vergisst, was ich nicht mache, denn mein ist die Rache, sprach ich und schlug zu. Wie kann man sich nur an solchen Begriffen aufgeilen, obwohl man genau weiß, daß sie zweideutig mißbraucht werden.

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