Sonntag, 13. April 2008

Gehorsam

Das ist ein Begriff aus der Erziehung. Aber eigentlich heißt „Erziehung“. Für das Leben zu lernen, der junge Mensch soll lernen, wie er überleben kann. In der Natur ist es genau so, wenn man die Tierkinder, so will ich sie einmal benennen, sieht, dann erfährt man sehr schnell, wie diese kleinen Wesen, in erster Linie von der Mutter, an die Techniken des Überlebens herangeführt werden.

Ich bin immer sehr erstaunt darüber, wie Menschen die Augen vor dieser, in Anfüh­rungsstrichen, Erziehung die Augen verschließen, und abfällig dazu bemerken, es seien ja doch nur Tiere. Wenn der Mensch gegenüber diesen Lebewesen sensibler wäre, dann könnte er sehr viel von diesen Lebewesen lernen.

Ich habe bestimmt, und das eigentlich gewiß, sehr viele Fehler in der Erziehung mei­ner eigenen Tochter gemacht. Was die eigene Tochter betrifft, ich habe sie nur be­kommen, um sie in das Leben zum Überleben zu führen, mehr nicht. Biologisch ist sie meine Tochter, aber sie ist nicht mein Eigentum, weil Kinder nie das Eigentum der Eltern sind, denn Kinder sind eigenständige Lebewesen, die zuerst behütet werden müssen, sowie es in der Natur geschieht, danach, wenn sie etwas zum Überleben ge­lernt haben, dann werden sie in das Leben entlassen.

Aber wie erzieht man Kinder, oder wie lehrt man Kindern das Überleben und Leben? Indem man sie nicht zu einem Gehorsam gegenüber ihren Eltern oder anderen Er­wachsenen zwingt. Jeder Zwng führt dazu, daß Menschen, die als Kinder zu unbe­dingten Gehorsam gezwungen wurden, später im Leben Schwierigkeiten haben, auch „Nein“ zu sagen, wenn es angebracht ist. Es ist immer die Schwierigkeit genau abzu­wägen, wann man „Nein“ oder den Gehorsam bejaht.

Eigentlich gibt es keinen gehorsam, weil dieser künstlich erzeugt wurde, insbesonde­re die Kirche dringt immer auf diesen Gehorsam, um Menschen dazu zu zwingen, Gehorsam gegenüber den Regierenden zu sein. Bloß müßten dann die Regierenden selbst gehorsam sein, und das Volk nicht betrügen, aber diese Regierenden sind selbst nicht gehorsam, weil sie selbstsüchtig sind und wie auch andere Menschen kei­nerlei Veranlassung sehen, gehorsam zu sein.

Ich selbst hatte einmal gelernt, es war ein Ausspruch vom ehemaligen Generalfeld­marschall von Hindenburg: „Wer befehlen will, muß zuerst einmal gehorchen ler­nen.“ Dieser Ausspruch mag für das Militär gelten, weil das Militär eine Besonder­heit in der Erziehung von Menschen darstellt.

Ich denke, es ist besser für den heranwachsenden Menschen, wenn er zur Einsicht und Vernunft herangeführt wird, und dieses mit Worten und Gesprächen also mit ei­ner ausführlichen Kommunikation. Wenn ich etwas höre und erfahre, dann muß ich diese Information erst einmal aufnehmen, überdenken und danach mich äußern, aber in der Form von Vernunft.

Selbst Kant geht von einer kritischen Vernunft im Menschenbild aus, denn nur wenn ich alles kritisch überdenke, dann kann ich auch aus der Einsicht und der Vernunft heraus handeln.

Ein erzwungender Gehorsam ist eine Fehlleistung der Menschen in der Suche nach dem Menschenbild, weil kein Mensch das Recht hat, einen anderen Menschen als Ei­gentum zu betrachten.

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