Sonntag, 2. März 2008

Männer kämpfen länger

Was meine ich mit diesen Worten? Ich beziehe mich auf die Sterbebegleitung eines sterbenden Menschen. Ich beginne mit einem Mann, denn Männer meinen, sie eien auch noch im Sterben sehr stark und unüberwindbar, aber sind sie es wirklich?

Ich beziehe mich jetzt einmal auf eine Krebserkrankung im letzten Stadium. Die Ärzte haben den Patienten heimgeschickt mit den Worten, wir können nichts für sie tun. Aber das fasst der Mann als eine Herausforderung zu einem Überlebenskampf gegen den den Krebs. Also kämpft dr Mann tapfer und ignoriert die Schmerzen und erzählt seiner Umwelt stolz, wie er den Krebs besiegen wird. Er lässt sich wieder auf seine alten Verhaltensweisen ein, die er schon vor der Erkrankung an Krebs hatte, aber heimlich besorgt er sich bei Arzt schmerzstillende Medikamente, aber gegenüber sei­ner näheren Umwelt kündigt er an, dass er keine schmerzstillende Mittel nehme.

Gut, er sagt gegenüber seinen Mitmenschen nicht die Wahrheit, aber gleichzeitig be­trügt er sich selbst, weil er wirklich annimmt, er würde den Krebs besiegen. Es geht ihm teilweise sehr gut, und er spürt keine Schmerzen, er ist fröhlich und ausgelassen, ich gönne es ihm und auch andere werden es ihm gönnen. Er spricht schon davon, den Krebs besiegt zu haben.

Der nächste Schritt geht wieder in Richtung Krankenhaus. Dort lässt er sich untersu­chen. Er sagt den Ärzten, dass er schon seit einigen Wochen keine Schmerzmittel mehr nehme, und er ahbe auch keine Schmerzen mehr. Die Ärzte untersuchen ihn und richtig, sie finden keine Metastasen in seinem Körper und beglückwünschen den Patienten zu seiner vorgehenden Genesung. Ich habe nur die vorübergehende Gene­sung geschrieben, weil man bei Krebs sehr vorsichtig sein muss. Er kann vollständig verschwinden, aber bald wieder überraschend auftauchen.

Die Ärzte sind zufrieden, aber mit Vorbehalt. Der Patient kehrt zur Familie und den Bekannten zurück und erzählt allen, dass er keine Krebserkrankung mehr habe. Alles jubelt natürlich und sie freuen sich und ein grosses Fest wird gefeiert.

Der ganze Trubel ist vorbei. Der ehemalige Patient hatte gefeiert, als wenn es sein letzter Tag und seine letzte Nacht werden würde. Und so legt er sich ins Bett und hofft auf eine ruhige Nacht.

Es wird aber eine kurze Nacht. Der geheilte Patient wacht durch starke Schmerzen in seinem Körper auf, und er erkennt sofort, der Krebs ist zurückgekehrt. Aber ich wer­de ihn trotzdem bekämpfen und ihn besiegen, aber die Schmerzen werden so stark, dass er schreit.

Seine Frau und seine erwachsenen Kinder erwachen vom Schrei und eilen zum Ort, aus dem der Schrei kam.Sie sehen alle, wie der Mann schreit und um sich schlägt, dann ruft jemand den Notarzt, der auch bald kommt, dem Patienten eine schmerzstil­lende Spritze gibt, und den Patienten mit einem Rettungswagen in die Klinik bringt. Selbst die anwesenden Ärzte sind etwas überrascht, dass der ehemalige Patient wie­der zurückkehrt, obwohl er krebsfrei war und entlassen wurde.

Der Patient kommt in ein Einzelzimmer, nachdem er von den Ärzten eingehend unter­sucht wurde. Das Zimmer ist abgedunkelt. Der Patient liegt still im Bett. Aber in sei­nen Gehirn setzt sich der Kampf gegen das Unvermeidliche fort.

Es ist ihm, als wenn jemand im Zimmer ist. Er dreht seinen Kopf und sieht die dunkle Gestalt. „Wer bis du?“ fragt er. Die Gestalt antwortet:“Ich bin der Gevatter Tod und werde dich auf deinen letzten Weg begleiten, den jeder gehen muss.“ „Aber du siehst gar nicht aus wie der Tod. Auf alten Bildern trägt der Tod immer eine Sense und hat ein Totenschädel“, sagt der Sterbende. „Ja, die alten Bilder. Damals wollte man die Menschen erschrecken, weil der Tod etwas Böses darstellen sollte, aber so ist es nicht. Wir sind nur die Sterbebegleiter der Sterbenden“, sagte der Tod sanft und leise. Es tritt eine kleine Pause ein. „Denke an das Schöne in deinem Leben zu­rück, und kämpfe nicht mehr gegen das Unvermeidliche. Du wirst merken, wenn du dich ganz meine Begleitung hingibt, dann werden auch nicht die Schmerzen sein, und die kannst diesen letzten Weg in meiner Begleitung als etwas Schönes empfinden. Dein Leben war schön, wenn auch manchmal turbulent, aber jetzt ist es ander Zeit, dass du den Kampf aufgibt, und dass du auch erkennst, verloren zu haben. Diese Er­kenntnis wird dein grösster Sieg sein, mein Freund. Begib dich in meine Arme und ich werden dich tragen, mein Freund“, sagte leise Gevatter Tod.

Die Seele des Sterbenden verließ den Körper, der Tod nahm die Seele sanft in seine Arme und trug sie fort. Wohin er sie trug, das weiß keiner.

Als die Schwester das Zimmer leise betrat und zu dem Patienten hinging, stellte sie fest, dass dieser tot war. Sie rief den diensthabenden Arzt, der den Tod feststellte. Der sagte dann: „Er wurde von der schweren Krankheit erlöst.“ Aber die Seele des Toten war schon auf die lange Reise gegangen.

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