Samstag, 29. März 2008

Die sittliche Reife

Jetzt komme ich wieder mit etwas, was mich in soweit beschäftigt, weil ich über die geistige Reife geschrieben oder meine Gedanken gemacht habe, muß ich doch auch etwas über die sittliche Reife schreiben.

Ich bin in einer Zeit groß geworden, in der man auch über die sittliche Reife sprach und sich darüber ausließ. Es wurden Verordnungen erlassen, die sich darüber aus­ließen, was gesittet war oder nicht. Man ging davon aus, daß Frauen Schlüpfer tru­gen und nicht unter dem Kleid nackt waren, obwohl einige wirklich keinen Schlüpfer anhatten, aber das lange Kleid oder der Rock verdeckten diese Nackheit. Männer müssen immer mit geschlossenen Hosenladen herumlaufen, denn heraushängende Geschlechtsteile waren nicht erlaubt. Auch durften in Gegenwart von Frauen keine fiesen Witze erzählt werden. Aber wenn die frauen unter sich waren, dann erzählten sie sich die schlimmsten Witze.

Auch über Sex durfte man sich nicht unterhalten, vielfach wurde krampfhaft versucht, einen Code für Geschichten zu erfinden, die etwas über Sex aussagten.

Die sittliche Reife war dann gegeben, wenn der Mensch sich dem anpaßte, was die Gesellschaft von ihm forderte, immer schön anständig bleiben. Aber wie kann man das, wenn man in der Öffentlichkeit an die Regeln der Gesellschaft hält, aber im klei­nen Kämmerlein seiner Unsittlichkeit gegenüber anderen Menschen frönt, eine rich­tige Sau ist.

Was hat eigentlich das Leben mit sittlicher Reife zu tun? Ich fühle mich irgendwie überfragt, denn das Leben kennt nur Arterhaltung und dafür zu überleben. Wir Men­schen haben die Sittlichkeit auf den Sockel der Göttlichkeit erhoben, aber wir wi­desprechen uns auch selbst, weil uns prinzipiell die Sittlichkeit fremd ist, denn unsere Triebhaftigkeit legt uns den Grundstein für das Leben, weil es ohne die Triebe kein Leben geben würde.

Die Regeln über die sittliche Reife, über die jemand verfügen soll, ist von den Men­schen selbst erstellt worden. Die Christen sagen, daß sei von Gott gekommen, daß der Mensch Scham habe und damit auch über Sitte verfüge, aber wenn ich mir die vergangenen Jahrhunderte ansehe, insbesondere das sogenannte sittliche Verhalten des Klerus und des Adels, dann denke ich, was heißt eigentlich sittliches Verhalten und wie sieht es aus.

Im Prinzip werden von einigen Menschen Regeln aufgestellt, nach denen der Mensch sich verhalten soll, er richtet sich danach, damit die Umwelt von einer sittlichen Rei­fe des Betreffenden spricht.

Nicht Gott, sowie es die Christen glauben, hat die sittlichen Regeln aufgestellt, wie der Mensch zu leben hat, damit sein Verhalten nicht anstößig wirkt, sondern der Mensch selbst hat sie aufgestellt, nach denen sich dann jeder richten muß, ob er will oder nicht.

Aber gibt es von Natur aus, daß sich ein Mensch gesittet benehmen kann? Ich denke nicht, er muß es lernen. Ich habe es gelernt, daß ich den Erwachsenen nachgeahmt habe, aber nur das Verhalten, das auf andere Menschen nicht anstößig wirkte.

Doch es gibt in unserer Gesellschaft verschiedene Gruppen, die gesittetes Verhalten häufig anders sieht, also sind sie unterschiedlicher Meinung was sittlichen Verhal­tens betrifft. So wie beim alten Adel, wo ich einmal zu Gast war. Wenn ein Kamerad mir keine Hinweise gegeben hätte, wie ich mich richtig verhalten sollte, dann wäre ich bestimmt auf die Nase gefallen, aber so bekam ich wegen meines Verhaltens ein indirektes Lob, was mir natürlich gefiel, auf jeden Fall zu der Zeit.

Allgemein kann man sagen, jeder Mensch kann sich gesittet verhalten, wenn man sich auch an Manches gewöhnen muß. Aber eine sittliche Reife gibt es nicht, weil es keine feststehenden Regel gibt, nach denen man ein sittliches Verhalten bewerten kann.

Keine Kommentare: