Mittwoch, 20. Februar 2008

Warten bis das Leben erlischt

Ich hatte vor einigen Tagen einen Bericht mit dem Titel „Warten bis das Leben er­lischt“ gelesen. Ein Mann von 50 Jahren, der schon seine Frau durch Krankheit ver­loren hatte, dann selbst in die Krise kam, und selbst zum Obdachlosen wurde, der dann auch noch seine Tochter verlor, die sich von ihm abwandte, sah einen Weg in den Tod von anderer Art, nicht die klassische Selbsttötung.

Er fuhr, soweit die Polizei es rekonstruieren konnte, erst mit seinem Fahrrad in die ausgedehnten des Weserberglandes, Dann ging sein Fahrrad kaputt und er setzte den Weg zu Fuss fort, bis einen Hochsitz fand, der selten aufgesucht wurde, und der ge­schlossen war.

Hier auf dem Hochsitz richtete er sich sein Schlaflager ein und verblieb nur noch auf dem Hochsitz, er verließ ihn nie. Aber er führte ein Tagebuch über sein Sterben.

Jeden Tag schrieb er alles nieder, wie es ihm ging, so dass er in den letzten Tagen, kurz vor seinem Tode, nicht mehr schreiben konnte.

Die meisten Menschen ziehen oft eine Selbsttötung vor, weil sie rasch ihrem Leben ein Ende setzen wollen, aber dieser Mann beschrieb das langsame Sterben, das Aus­setzen der einzelnen Organe und dann noch die letzten Tage und Stunden vor dem Tod, bevor Gevatter Tod die Gnade der Ohnmacht über den Sterbenden ausbreitete.

Der Inhalt des Tagebuches wurde natürlich nicht veröffentlich, was richtig ist, aber es ist wirklich eigenartig, so sich selbst zu töten.

Ich verachte nicht den Menschen vom Hochsitz, sowie ich auch keinen anderen Men­schen verachte, der sich selbst tötet, denn es gibt bestimmt Situationen, in denen es keinen anderen Ausweg gibt, den Weg der Selbsttötung zu gehen.

Welchen Weg würde ich vorziehen, keinen, wenn es ein schwere und unheilbare Krankehit wäre, würde ich diese Krankheit bis zum Ende meines Lebens aussitzen, und auch ein Tagebuch führen.

Der Mann vonm Hochsitz ist ein Symbol in dieser Gesellschaft, für die Ruhelosigkeit der Menschen und ihrem nie versinkenen Egoismus. Die Menschen kennen sich nur noch selbst, aber nicht mehr den Mitmenschen.

Einerseits hatte mich diese Nachricht etwas betroffen gemacht, aber dann, nach dem Durchlesen des Berichtes, habe ich vieles verstanden. Wenn man niemandem zur Last fallen will, dann sollte man Abschied nehmen. Ich nehme noch nicht Abschied, denn es wäre zu früh, ich muss noch die Menschheit ärgern.

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