Mittwoch, 20. Februar 2008

Verrat unter Brüdern

Ich bin durch Zufall auf dieses Thema in einem Artikel gestossen. Er hat meine Emo­tionen angesprochen, denn wen von einem Verrat unter Brüdern spricht, so meint man zwei junge Menschen in einer Familie, die sich gegenseitig verraten. Aber hier ist es etwas anders gelagert.

Ein Pastor wurde von seinen evangelischen Brüdern verraten, weil er aus einer jüdi­schen Familie stammte. Dieser Pastor war schon sehr früh zum Christentum konver­tiert. Er bekam eine Stelle als Seelsorger in einem Kölner Krankenhaus, und er was dort sehr beliebt.

Als 1933 die Nazis an die Macht kamen, begann die Entlassung von Beamten, die jü­discher Herkunft war, aus dem Dienst. So musste auch der Seelsorger das Kranken­haus verlassen. Die evangelische Kirche tat nichts, um den Pastor zu schützen, nein, sie stellten sich bei den neuen Machthaber in deren Dienste, auch Spitzeldienste.

Selbst die Kirchenoberen versuchten, Pastoren, die aus einem jüdischen Elternhaus stammten, so los zu werden.

Ich finde das mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar, darum habe ich mich schon sehr früh von dieser Kirche gelöst. Denn bis heute haben es die Kirchenoberen nicht ehrlich bereut, dass sie einem Regime gedient haben, dem sie auch ihre eigenen Brüder ausgeliefert haben.

Wenn ich die Kirchengeschichte der evangelischen Kirche so durchlese, dann stelle ich auch fest, dass es Pastoren gab, die sich gegen die Nationalsozialisten heftig ge­wehrt haben, und dafür mit dem Leben bezahlt haben. Es gab auch die einfachen Christen, die Verfolgten aufgenommen, versorgt und beschützt haben. Aber die Kir­che selbst ist mit den Machthabern einen Pakt, einen wohl unseligen eingegangen.

Für mich selbst ist es unverständlich, Menschen an ein kriminelles Regime auszulie­fern, nur weil sie einen anderen Glauben haben oder anders aussehen.

Selbst die sogenannten Brüder verraten sch gegenseitig. Man könnte sagen, ein der Kirchenbruder ist auch nur ein Menschen, aber ein Mensch mit einer besonderen Verantwortung gegenüber seinen Mitmenschen.

Der Kirchenbruder der den Seelsorger verriet, erhielt bestimmt ein dickes Lob von der Kirche, aber auch von den Machthabern. Nach dem Kriege wird man ihn wahr­scheinlich zur Verantwortung gezogen haben, aber wie ich die evangelische Kirche kenne, wird nichts passiert sein. Eigentlich wie immer. Alles das unter den Teppich kehren, was der Kirche sehr unangenehm ist, besonders dann, wenn sie durch ihr Verhalten, ob aktiv oder passiv, Menschen haben zu Tode kommen lassen.

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