Freitag, 4. Januar 2008

Säuglingstod

Eigentlich ein eigenartiger Titel für einen Blog. Aber mir ließ dieses Thema keine Ruhe, und beson­ders deshalb nicht, weil in den letzten beiden Tagen wieder zwei tote Säuglinge aufgefunden wurde. Den einen Säugling fand man auf einen Treppenabsatz unmittelbar vor einer Säuglingsklappe und den anderen Säugling, etwa 24 Stunden später in einer Säuglingsklappe.

Gerade geboren, gleich danach gestorben. Ich verstehe es nicht. Wir sind ein reiches Land, wenn man das Einkommen aller Bewohner misst, aber wir sind nicht in der Lage, unseren Nachwuchs eine Kindheit zu sichern, die kindgerecht ist. Wir haben doch alle Möglichkeiten in unserer Gesell­schaft, Kindergärten zu schaffen oder andere Menschen, die im Alter eine sinnvolle Arbeit suchen, so auch die Betreuung von Kleinkindern. Es werden Steuern bezahlt, so dass aus den Steuergeldern eine sinnvolle Betreuung von Säuglingen und Kindern möglich ist.

Aber trotz dieser ganzen Vorteile, die wir Industriestaaten haben, warum klappt es nicht mit Betreu­en und Aufziehen unseres Nachwuchses?

Ich kann mich indiesem falle nur auf die Bundesrepublik Deutschland beziehen. Ich habe ein länge­res Leben in dieser Gesellschaft verbracht und vieles gesehen. Was mir in Deutschland besonders auffällt, ist die Kinderfeindlichkeit dieser Gesellschaft. Sobald ein Ehepaar ein Kind hat, wird es als asozial eingestuft. Hier, bei der Nennung des Begriffes „asozial“, muss ich manchmal kotzen, denn immer wieder stosse ich auf die Unwissenheit von Menschen, die diesen Begriff für Menschen oder auch Menschengruppen gebrauchen, die am Rande der Gesellschaft leben oder von Hygiene nichts halten. Aber das ist nicht der Fall. Was bedeutet „asozial“ eigentlich? Dass ist sehr einfach und kommt aus dem Altgriechischen: „a“ bedeutet „un“ und „sozial“ in einer Gesellschaft von Men­schen leben und sich freiwillig unterordnen. Auch ein Topmanager kann asozial sein, wenn er nur seinen eigenen Profit sieht und den Mitarbeitern nichts gönnt. Wenn er sich nicht in die Gesellschaft einfügen kann, um mit ihr zu leben.

Die Anzahl der Kinder spielt für diesen Begriff keine Rolle, denn Kinder sind der Bestand der Menschheit, wenn wir keine Kinder mehr zeugen, dann ist der Bestand der Menschheit gefährdet.

Allein das Töten von Kindern in einer reichen Gesellschaft hat etwas Perfides an sich, weil nur in der Not, sowie es bei Nomadenstämmen - vor 2000 bis 3000 Jahren – der Fall war, Säuglinge aus­gesetzt wurden, um das Überleben des Stammes zu sichern, aber es waren nicht nur Säuglinge, son­dern auch alte Stammesangehörige.

Wir leben in einer reichen Gesellschaft, und wenn ich dann höre, dass Säuglinge sterben, dann tut mir die Seele weh. Man kann manchmal rational verstehen, wenn Kinder krank werden, wenn sie an unheilbaren Krankenheiten leiden, und wenn dann der Tod eintritt, verfolgt man diesen Tod rational als Erlösung von den Leiden.

Wenn ein gesunder Säugling oder schon ein älteres Kind durch Misshandlungen stirbt, dann kann man diesen Vorgang nicht rational verstehen, weil man sprachlos ist und nur noch die Emotionen sprechen lässt.

Ich bin bei allen Kindern, die sterben, nicht gelassen, für mich ist es immer ein Schock, weil ich nicht verstehen kann, dass derartige Dinge geschehen, die nicht geschehen müssen, weil wir in einer aufgeklärten Gesellschaft und zudem in einer reichen leben.

Ich denke, wenn wir nicht bald die Kurve bekommen, unsere Kinder besser zu schützen, dann wird die Menschheit einen moralischen Rückschritt erleben, aus dem wir nicht mehr herauskommen.

„ich denke also bin ich und ich bin also denke ich“

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