Sonntag, 27. Januar 2008

Heute geschimpft, gestern bejubelt

In der letzten Zeit ist mir aufgefallen, dass man sich vermehrt mit dem Nationalsozia­lismus auseinandersetzt, aber ich habe bei dieser Auseinandersetzung das Gefühl, dass besonders bei denen, die den Nationalsozialismus vehement und mit sehr viel Emotionen ablehnen, dann noch die Generation beschimpfen, die die Nationasozia­listen damals – 1933 – an die Macht brachten, dass es bei ihnen an Sachlichkeit fehlt.

Es ist jedem Menschen überlassen, wie er über sein Leben und das der anderen nachdenkt, aber die Emotionen sollten dabei nicht die dominierende Rolle spielen, sondern mehr die Sachlichkeit, weil emotional geführte Diskussionen sehr schnell zu Beleidigungen von Mitmenschen führen, und die eigentliche Sache dabei verloren geht.

Heute, nach über siebzig Jahren, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, war die gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation eine andere als heute. Es gab wohl eine Republik, die aber unter konservativen Politikern, die noch monarchistisch dachten, litt. Es gab in rascher Folge immer wieder neue Regierungen und die Kom­munisten und Nationalsozialisten bedienten sich der Strasse als Aufmarschgebiete für eine politische Auseinandersetzung.

Viele Bürger wollten nach dem grauvollen 1.Weltkrieg endlich Frieden haben. Sie wollten leben, aber nicht nur unter den Entsagungen leiden, den Hunger stillen zu können, weil es keine Arbeit und keinen Verdienst gab.

Die wirtschaftliche und politische Situation nutzten die Nationasozialisten zusammen mit den erzkonservativen politischen Kräfte, um an die Macht zu kommen. Hitler und seine Garde gehörten im Grunde selbst zu den konservativ denkenden Menschen.

Die Kommunisten phantasierten vom Paradies der Arbeiter- und Bauernklasse, aber Genosse Stalin, der Schnurbart, zeigte, was dieses Paradies für den Menschen be­deutete, Sklaverei.

Die Konservativen setzten auf das Kapital, und setzten auf Hitler, ja eigentlich mehr auf seine Person als auf die NSDAP als Partei. Hitler hingegen passte sich den Wün­schen der Konservativen an, denn hinter den Konservativen stand die Macht des Ka­pitals, und er brauchte das Kapital, um seine politischen Ziele durchzusetzen, in ers­ter Linie die hohe Arbeitslosigkeit zu beseitigen. Das Kapital hingegen wollte die Ar­beitlosigkeit behalten, um die Lohnforderungen zu drücken, damit sich die Gewinne erhöhen, fast wie heute.

Also bejubelte die Arbeiterklasse, wenn auch nicht alle, die NSDAP und damit Hitler. Jetzt fassten die Nationalsozialisten Fuss in Deutschland. Alles jubelte und sah in Hitler einen Heilsbringer, der Deutschland vor dem Zerfall rettete, aber tat er das wirklich? Andere erkannten es, aber sie verschwanden in den Konzentratinslager der Nazis und keiner will etwas über die Lager gewusst haben.

Der 2.Weltkrieg brachte den Zerfall des dritten Reiches und die Spaltung Deutsch­land, und die Abtrennung von Landesteilen des ehemaligen Reiches. Auf dem Boden Deutschlands bildeten sich zwei Staaten mit unterschiedlichen Gesellschaftsformen, die einen wählten die demokratischen Gesellschaftsform und die anderen die sozia­listische.

Was mir immer aufgefallen ist, nach dem Krieg wurde über die Vergangenheit Deutschlands, das trifft besonders auf die Zeit von 1933 bis 1945 zu, nicht ge­schimpft, weil noch ehemalige Nationalissozialisten in den Parteien hohe Ämter ein­nahmen und auch in den Regierungen, man schwieg alles tot, aber auch in der dama­ligen DDR war es der Fall, wenn man durch Schweigen einen Vorteil hatte, wir sind nur Menschen.

Ich zähle ja auch zu einer Generation, die in einer Gesellschaft aufgewachsen ist, die aus freiheitlichen Bestrebungen und aus Festhalten an konservativen Werten be­stand. Beide gesellschaftlichen Formen schienen sich anfangs zu ergänzen, aber mit den studentischen Unruhen, damit auch mit dem Drang, die Gesellschaft zu verän­dern, stellte die neue Generation an die alte die Frage: Warum habt ihr es nicht ver­hindert, dass die Nationalsozialisten an die Macht gekommen sind?

Die Generationen, die diese Fragen stellen, können es nicht anders, weil sie die Zeit nicht kennen, denn man hat ihnen über diese Zeit nichts erzählt. Würden die, die heu­te über den Nationasozialismus mit Schimpf und Schande herziehen, damals gelebt haben, dann wären sie auch die Befürworter des Nationalsozialismus gewesen.

Ehrlich gesagt, ich selbst wüsste nicht, wie ich damals reagiert hatte, wenn ich der Zeit als Erwachsender oder Heranwachsender gelebt hätte.

Ich werfe keinem Menschen etwas vor, nur stimmen mich einige Verhaltensweisen und Aussagen von Menschen nachdenklich, aber ich bin diesen Menschen dankbar, dass sie mich zum Nachdenken bringen, sonst hätte ich möglicherweise nichts zu tun.

ich denke also bin ich und ich bin also denke ich“

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