Montag, 15. Oktober 2007

Kinder als verdeckte Ermittler

In den letzten Tagen tauchte in den Medien das Gerücht auf, dass die derzeitige Familienministerin Kinder als verdeckte Ermittler einsetzen wollte, die durch Testkäufe in Läden feststellen sollten, ob die Verkäufer das Verbot einhalten, keine alkoholische Getränke an Kinder abzugeben.

Zwischenzeitlich hat die Ministerin ihr Gesetzesvorhaben wieder zurückgezogen, nachdem viele Gesellschaftsgruppen ihren Unmut über ein derartiges Vorhaben äußerten.

Aus derartigen Vorhaben sollte man lieber die Kinder herauslassen, denn Kinder darf man nicht als Agenten missbrauchen, so wie es im dritten Reich der Fall war, dass Kinder ihre Eltern ausspionie­ren sollten oder auch Lehrer, um der Inlandsspionage der Gestapo zu melden, d.h. die Meldung ging meist von den Führern der Hitlerjugend aus, wenn auch nicht von allen.

Aber es war ein Versuch der damaligen Machthaber, Kinder als Agenten innerhalb der eigenen Fa­milien einzusetzen. Soviel ich weiß, war in der ehemaligen DDR etwas gleich. Derartige Spionage­praktiken gibt es in allen totlitären Staaten, weil die Machthaber die Kinder auf ihre Seite ziehen, denn die Kinder sind Zukunft und Bestand des bestehenden Regimes.

Zurück zu der Familienministerin. Ich denke, sie kennt sich in der Praxis nicht aus, wie Jugendliche an Alkohol, Tabakwaren und Gewaltvideos kommen, aber das ist doch einfach, wenn die Ministerin sich in ihrer Jugend mehr mit den Praktiken ihrer Altergenossen beschäftigt hätte als mit ihrem Aussehen.

In der Praxis sieht es doch so aus, dass ein Achtzehnjähriger für einen Jüngeren die verbotenen ge­waltvideospiele, den Alkohol und die Tabakwaren besorgt, weil er aufgrund seines Alters dazu be­rechtigt ist, was heute schon allgemein gang und gebe ist.

Um derartige Praktiken zu unterbinden, hätte man in der Vergangenheit darauf achten sollen, dass das Verbot durch mehr Kontrolle eingehalten worden wäre, aber man hat es nicht getan, sondern war nur darauf bedacht, dass die Industrie ihren Reibach macht, also mehr und mehr Kapital an­häuft.

Auch jetzt ist das ganze Herumgezerre eine traurige Posse, weil es doch wirklich keine reale Mög­lichkeit gibt, dass das Verbot überhaupt greift, denn wenn auch die Verkäufer bewußt Kinder vom Kauf von Alkohol, Tabakwaren und Gewaltvideospiele abhalten, in dem sie ihnen das Verbotene wieder abnehmen, dann wird der Firmenchef oder der Konzernvorstand das Vorgehen des Verkäu­fers indirekt bemängeln, auch mit einer Entlassung, aber nicht deshalb, weil er nicht an Kindern verkauft, sondern aus irgendeinem anderen Grund, obwohl der eigentliche Grund, der ist, dass er nicht an Kindern Verbotenes verkauft.

Man sollte sich wirklich etwas Anderes aussuchen, um das Verbot, an Kindern Alkohol, Tabakwa­ren oder Gewaltvideospiele zu verkaufen, besser zu überprüfen, es muss von den Verkäufern und ihren Chefs selbst ausgehen, aber auch von den Erwachsenen, sich auf derartige Wünsche der Kin­der einzulassen.

Ein generelles Verbot von Alkohol, Tabakwaren oder Gewaltvideospielen auch für Erwachsene ist nicht möglich, es wäre auch ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht eines Erwachsenen. Um auf diese Dinge zu verzichten, auch als Erwachsener, müsste die Einsicht eine Rolle spielen.

Bei den Gewaltvideospielen sieht es fast so aus, als wenn die Politiker diese Spiele generell verbie­ten wollen, aber dann müssten sie auch viele Hollywoodfilme verbieten, hier wird es schwierig.

Da der Gesetzesentwurf wieder vom Tisch ist, braucht man sich nicht mehr darüber unterhalten, ob Kinder als Agenten gegen das eigene Volk eingesetzt werden, bezw.als Wächter über ihre eigene Eltern.

„ich denke also bin ich“ und „ich denke, den Politikern fällt nichts Gescheites mehr ein“

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