Sonntag, 19. August 2007

Dolchstosslegende

Nach dem ersten Weltkrieg, der für Deutschland verloren ging, tauchte zum ersten Mal der Begriff „Dolchstosslegende“ auf. In welchem Jahr es war, weiß ich nicht, aber es mußte so in den Jahren aufgetaucht sein, als sich die NSDAP als Partei bildete.

Die neue Regierung bestehend aus Sozialdemokraten und anderen sozialen Splittergruppen, nahm das Kriegsende widerspruchlos hin. Zudem waren erste Revolten bei den Marineeinheiten in Kiel und Wilhelmshaven entstanden, die damals durch ein Kriegsgericht geahndet wurden und zwar mit dem Todesurteil.

Dann bildeten sich bei den zurückkehrenden Armeen Soldatenräte, die in den Einheiten langsam an Macht gewannen.

Dann kamen die Friedenverhandlungen, die für die deutschen Unterhändler ungünstig ausgingen und langsam bildete sich Unmut bei denen, die die Niederlage als solche nicht einsehen wollten. Sie sprachen von Verrat des Heeres, denn das Heer sei im Felde nicht besiegt worden.

Ich glaube, da entstand so langsam die Dolchstosslegende, aber in Richtung der Sozialdemokraten. Die Monarchisten und Konservativen sahen in den Sozialdemokraten die Verräter, die Deutschland an die Alliierten verraten und verkauft hätten.

Anfang der 20-ziger Jahre bildete sich eine neue Partei, die NSDAP, die gegen die Sozialdeokraten, die Kommunisten und bürgerlichen Parteien waren. Sie betrachteten diese Parteien als größtes Übel Deutschlands, und waren auf dem Wege, die junge Demokratie, die sich in Deutschland noch nicht stark genug gefestigt hatte, zu demontieren.

Den Nationalsozialisten war jedes Mittel recht, wenn die Weimarer Republik untergehen würde. Aber um Stimmen aus dem Lager der Bürgerlichen, Konservativen und Monarchisten zu gewinnen, mußte man etwas in die Welt setzen, was den Sozialdemokraten einen negativen Ruf bringen könn­te, also erfand man die Dolchstosslegende, denn damit konnten die Konservativen und Monarchis­ten etwas anfangen.

Also war nicht der Kaiser am verlorenen Krieg Schuld, sondern die Sozis, wie man sie nannte und mit dem Schimpfwort belegte.

Es kam zu Streiks und Straßenkämpfen zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Jetzt muß­te sehr oft die Reichswehr eingesetzt werden, weil die Polizeikräfte nicht mehr ausreichten, diese Straßenschlachten zu beenden.

Auch mit der Machtübernahme der Regierungsgewalt in Deutschland durch die Nationalsozialisten bild der Begriff „Dlchstosslegende“ in aller Munde, und sie wurde als Tatsache hingenommen, weil nie hinterfragt wurde, was dieser Begriff eigentlich bedeutete und wie er entstanden ist.

Schon in den Schriften zu den Nibelungen, die Schriften sollen so um 1000 nach der Zeitrechnung entstanden sein, gibt es die Passage, dass Hagen den Drachentöter Siegfried von hinten mit einem Speer tötet. Nun gut, ob es stimmt, das weiß keiner, aber auch hier entstand so etwas Ähnliches wie eine frühe Dolchstosslegende, was den tapferen Siegfried umbringt. Das deutsche Heer wurde 1918 zur Aufgabe gewungen, weil die damalige Regierung um Frieden bat. Eine Frau wollte Siegfried aus Rche töten, weil er sie besiegt hatte, damit sein Freund Gunther dieses Weichei die schöne und starke Frau bekommt, weil diese Frau nur starke Männer bevorzugte.

Gegen Ende des ersten Weltkrieges wollten die Menschen in der Heimat nicht mehr hungern, und verlangten nach dem Ende dieses Krieges, aber auch Soldaten wollten nicht mehr kämpfen, also war es für die Monarchisten ein Verrat an den Kaiser und seinen Getreuen, und die Nazi entwickel­ten daraus die Dolchstosslegende.

Immer behauptet der Besiegte, dass seine Niederlage auf Verrat beruht, denn er sei hinterrücks um seinen Sieg betrogen worden. Er will nicht sehen, dass sein Gegener besser war, also auch hier die Dolchstosslegende. Diese hat den Hauch einer Ausrede für den Verlust eines Sieges, aber man sucht den Grund nicht bei sich sondern bei Anderen.

„ich denke also bin ich“ und „der Mensch sucht den Grund seiner Niederlage nicht bei sich“

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