Mittwoch, 1. August 2007

Die Vergangenheit holt sie ein

Es muß schon einige Wochen her sein, als ich im Spiegel las, dass einige bekannte Autoren eine braune Vergangenheit hatten, die sie bisher verschwiegen, aber warum eigentlich, oder ist es eine Eigenschaft des Menschen, unangenehme Situationen im eigenen Leben zu verschweigen.

Weil ich die Menschen eigentlich so ganz gut kenne, mich besonders ganz gut, habe ich eigentlich sehr viel Verständnis dafür, wenn man die Mitgliedschaft zu einer Organisation verschweigt, die in unseren Gesellschaft verboten ist, aber in einigen Kreisen noch hoch im Kurs steht.

Ich komme jetzt auf die NSDAP, die die alleinige Partei im dritten Reich von 1933 bis 1945 war. Hier hatten sich viele versammelt, die nach dem Kriege, nach 1945, zu wieder zu Ansehen kamen, weil sie durch einen Persilschein ihre Unschuld bekunden ließen, d.h.sie waren im dritten Reich nur Mitläufer, sonst nichts.

Um diese Angabe, sie seien nur Mitläufer gewesen, zu überprüfen, hätte man in dieser Zeit selbst leben müssen, d.h. mit den Betroffenen zusammen, aber das war wahrscheinlich nicht der Fall. Die sogenannte Mitgliedschaft ist durch den Fund von Dokumenten dokumentiert worden.

Jeder versucht jetzt in Häme über die Betroffenen herzuziehen, aber sie sollen nicht so sehr ziehen, denn es könnte möglich sein, dass irgendwann auch über die etwas auftaucht, was ihre Mitglied­schaft in der NSDAP dokumentieren sollte.

Heute frage ich mich, warum lässt man diese unnötigen Belästigungen nicht sein, denn jetzt nach über sechzig Jahren bringen die Vorwürfe nichts mehr. Wir Deutschen haben ein schlechtes Ver­hältnis zu unseren Mitmenschen, weil wir immer darauf achten, was könnten wir unserem Nachbarn antun, um uns als Gerechte aufzuspielen.

Natürlich holt uns die Vergangenheit ein, wenn andere es wollen, um diese Betroffenen bloßzustel­len, weil sie Prominent geworden sind und man nicht selbst. Hier spielt natürlich der Neidfaktor bei denen eine große Rolle, die in der Öffentlichkeit nicht so bekannt geworden sind.

Die meisten großen Verbrechen des dritten Reiches, sowiet sie bekannt gworden sind, wurden in der Vergangenheit abgeurteilt, in welcher Form oder auch ausreichend, sei jetzt einmal dahinge­stellt, aber man sollte sich jetzt hüten, über die herzuziehen, die nur deshalb eine Mitgliedschaft an­gestrebten, weil sie jung waren und über die Maßen von den damaligen Machthabern und ihren Hel­fern beeinflusst worden sind.

Nehmen wir jetzt ein Beispiel: die DDR hatte die BRD übernommen, was meint ihr, wäre dann ge­schehen? Genau das, die Mitglieder der westlichen Parteien wären dann alle zu Widerstandskämp­fern gegen den Kapitalismus geworden, und hätten sich dahingehend geäußert, man habe sie er­presst in die CDU, CSU, SPD oder FDP einzutreten.

Jahre später wären sie dann von ihrer Vergangenheit eingeholt worden, mit dem Vermerk, sie seien freiwillige Parteimitglieder gewesen.

Es ist immer gut, wenn man keine Vergangenheit hat. Alles muß man vernichten, um nicht in der Gegenwart oder Zukunft aufzufallen. Oder man beginnt mit einer Verschleierungstaktik, nach dem Motto, es gibt keine Dokumente, oder ich bin nicht der, den ihr vermutet.

Die Personen, denen man jetzt eine frühere Mitgliedschaft in einer Organisation des dritten Reiches nachsagt, haben für unser demokratisches System einiges getan. Man sollte sie in Ruhe lassen, weil alles vergänglich ist und nicht mehr wiederkommt.

„ich denke also bin ich“ und „ich bin nicht nachtragend, weil ich selbst Leichen im Keller habe“

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