Montag, 18. Juni 2007

Die rechte Gewalt

Hallo,

jetzt mein kleiner Beitrag zur rechten Gewalt:

Im April 1945 begann die Auflösung des dritten Reiches. Im Osten standen die sowjetischen Armeen im Halbbogen bei Berlin. Im Westen standen die Verbände der Amerikaner,Franzosen und Engländer. Die meisten Nazi-Größen versuchten nach Süden in die sogenannte Alpenfestung zu entkommen, was ihnen auch gelang. Einige verdrückten sich nach Norden in Richtung Schleswig-Holstein. Von Norwegen und Dänemark, diese beiden Länder wurden im April 1940 von deutschen Truppen besetzt, kehrten die deutschen Verbände zurück und in ihrem Gefolge befanden sich auch Angehörige der Gestapo (Geheime Staatspolizei), der Schutzpolizei, der SS und des SD (Sicherheitsdienst, eine Abteilung der Gestapo).

Nach Hitlers Freitod wurde der Großadmiral Dönitz neuer Regierungschef, und der verlegte die neue Regierung nach Flensburg-Mürwick, in die Offiziersschule der Reichskriegsmarine, nach der Aufstellung wurde es die Offiziersschule der Bundesmarine.

Am 8.Mai 1945 kapitulierte Deutschland, und damit begann die Jagd auf die Kriegsverbrecher, die bald festgenommen wurden oder sich durch Selbsttötung der Gefangennahme entzogen. Es ist bekannt, daß in Nürnberg die Aburteilung dieser NS-Persönlichkeiten stattfand. Danach wurden im weiteren Verlauf noch andere Verbrechen abgeurteilt.

Ich glaube so um 1948 übernahm die deutsche Justiz die Aburteilung von Kriegsverbrechern, die Strafen fielen gnädig aus, denn Todesurteile wurden ausgesprochen, aber nicht vollstreckt, und später in lebenslänglich umgewandelt bezw.im Gnadenverfahren erlassen.

Was lief so nach dem 8.Mai 1945 ab. Viele Parteigenossen verloren ihre Erinnerungen, denn sie konnten sich auf einmal nicht mehr erinnern, ob sie in einer Partei waren, oder sie anderen glaubhaft machten, sie seien im dritten Reich Widerstandskämper gewesen.

Ich kann nur aus der Region berichten, in der ich aufgewachsen bin, das war an der deutsch-dänischen Grenze.

Die Engländer als Besatzungsmacht bemühten sich sehr schnell um eine kommunale Selbstverwaltung, und versuchte Verwaltungsfachleute anzuwerben. Diese neuen Fachleute mußten politisch sauber sein, d.h. sie durften nicht Mitglied in einer Organisation des dritten Reiches gewesen sein, aber wer war das schon, man drückte beide Augen zu, und es wurden dann die ersten sogenannten Persilscheine ausgegeben.

Kleiner Hinweis: wenn einer zur Wehrmacht eingezogen wurde, dann reiste er mit einem Persilkarton an, weil Koffer rar waren. In diesem Karton wurden die Zivilsachen verpackt und nach Hause geschickt. Damit wurde der Wehrplichtige eine andere Person, nämlich vom Zivillisten zum Soldaten.

Der Persilschein übernahm jetzt eine ähnliche Funktion, der Verwaltungsfachman wurde vom Parteigänger eines totalitären Staates zum Parteigänger eines demokratischen Staates.

Die westlichen Besatzungsmächte bemühten sich um ein Funktionieren der Verwaltung, dann um Polizeikräfte, die die Besatzungsmächte im Kampf gegen das Verbrechen unterstützen sollte, es wurden auch Angehörige aus der Gestapo und ehemaligen Schutzpolizei übernommen.

Es begann der Aufbau der Justiz, die dann die Verbrechen aburteilen sollte, und auch die Ärzte bekamen ihre Zulassungen, eine Praxis zu eröffen.

Jetzt waren Bescheinigungen nötig, um zu vermeiden, daß Nationalsozialisten wieder in führende Positionen kommen. Also mußte jeder einen Fragebogen ausfüllen, der bescheinigen sollte, daß er politisch harmlos war und als Mitläufer galt, natürlich mit Angabe eines Zeugen. Auf den Zeugen hätte man verzichten können, weil einer dem anderen ein Zeugnis ausstellte, daß er im dritten Reich nie aktiv gewesen sei.

Viele Nazi-Größen verschwanden aus Europa über den Weg Österreich-Norditalien-Venedig-Neapel nach Südamerika. An dieser Aktion war sogar der Vatikan beteiligt. Bald entstand die Legende von der Organisation Odessa.


Es ging auf das Jahr 1949 zu und die Bundesrepublik Deutschland wurde aus der Taufe gehoben. Jahre davor hatten sich schon Parteien gebildet und viele Parteigänger des dritten Reiches tauchten in diesen Parteien unter und nahmen am politischen Leben der neuen Republik teil, die nach dem Willen der Alliierten demokratisch sein sollte.

Aber nicht nur die Parteien öffneten sich den ehemaligen Nationalsozialisten, sondern auch die Medien, die Justiz, die Polizei, Ärzteschaft und Behörden. Die braunen Kameraden hatten erfolgreich eine braune Seilschaft gebildet, um überall erfolgreich zu sein, um der neuen Republik ihren Stempel aufzudrücken, wenn auch unter dem Deckmantel der Demokratie. Es bildeten sich drei größere Parteien, die eine nannte sich konservativ oder auch erzkonservativ, die nächste war die liberale Partei, die dritte war die sozialdemokratische und die vierte Partei war noch die Kommunistische Partei Deutschlands, aber alle Parteien hatten mehr oder weniger viele ehemalige Funktionsträger der dritten Reiches in ihren Reihen, außer der KPD, aber den meisten Deutschen interessierte es nicht, denn man strebte jetzt nach einem besseren Leben

Es muß so 1952 gewesen sein, als in den Zeitungen gemeldet wurde, daß die damalige Bundesregierung unter Adenauer beim Bundesverfassungsgericht das Verbot der KPD beantragte, und das Bundesverfassungsgericht gab dem Antrag statt.

Die polizeilichen Aktionen zusammen mit den Staatsanwälten gegen die Parteimitglieder der KPD liefen wie geschmiert, z.B. Festnahmen, Hausdurchsuchungen und Durchsuchungen von Redaktions- und Büroräumen, wie 1933 durch die SA.

1955 wurde die Bundeswehr offiziell aufgestellt. Davor soll es ein Gespräch zwischen Adenauer und führenden Persönlichkeiten der Waffen-SS gegeben haben zwecks Aufnahme von Angehörigen der Waffen-SS in die Bundeswehr. Es gab danach auch Angehörige der Waffen-SS in der Bundeswehr, die fielen nie unangenehm auf, jedenfalls nicht während meiner längeren Dienstzeit, (von 1958 bis 1970).

Dann kam das Jahr 1968,. Ich hatte in diesem Jahr mein Studim aufgenommen, war jedoch an dieser Revolte nicht schuld. Schon davor brodelte es in der Studentenschaft, und in diesem Jahr kam es zu Studentenkrawallen. Es wurde die Polizei eingesetzt, aber es bildeten sich auch Gruppen von Studenten, die den bewaffneten Kampf gegen das politische System führen wollten und dann auch führten. Führend in diesem Kampf war die RAF (Rote Armee Fraktion).

Aber die rechte Szene machte sich zu dieser Zeit auch bemerkbar. Die NPD erschien auf der politischen Bühne, aber auch kleine rechtsradikalen Gruppen wie Wehrsportgruppen, die junge Menschen rekrutierten, um diese militärisch auszubilden. Die Leiter der Gruppen waren teilweise ehemalige Bundeswehrsoldaten.


Wie die Situation in der DDR war, kenne ich nur aus den Erzählungen meines Großvaters, der mich hier in der BRD besuchte. Er war während der Weimarer Republik selbst führender Funktionär in der KPD, und während der Nazi-Zeit saß er häufig in Gestapo-Haft. Die Gestapobeamten, so sagte er mir, waren gute Jugendfreunde. Er wurde erst 1936 sozusagen geläutert, danach bekam er wieder einen Arbeitsplatz bei der Reichbahn, wo er bis zum Kriegsende blieb.

Die Machthaber der DDR waren rigeros in der Verfolgung von Kriegsverbrechern. Diese wurden verurteilt und sofort hingerichtet, meistens durch Genickschuss, nach Vorbild des sowjetischen Geheimdienstes. Die Angehörigen anderer NS-Organisationen kamen, soweit ich weiß, etwas besser weg, außer wenn sie in die Hände des sowjetischen Geheimdienstes gerieten, wenn der wieder sein Soll erfüllen mußte. Angehörige der Waffen-SS wurden von der Staatssicherheit zu Spitzeldienste erpresst. Wie es den Angehörigen der Gestapo erging, das ist mir nicht bekannt.

Mein Großvater sagte zum System in der DDR, es sei Faschismus unter rotem Mantel. Er selbst ist in keine Organisation in der DDR eingetreten, nach dem alte Freunde von ihm nach Sibirien kamen.


Die DDR hat die nationalsozialistische Vergangenheit so aufgearbeitet, durch Geschichtsunterricht das politische System des dritten Reiches zu löschen, aber in den Köpfen der Menschen, die noch im dritten Reich aufgewachsen sind, blieben die nationalsozialistischen Strukturen bestehen. Die Jugend lernte sehr schnell das neue System und bereitete sich auf seine gesellschaftliche Stellung in diesem System vor. Man schuf zur Sicherheit des Staates eine Jugendorganisation die FDJ, denn im Nationalsozialismus war es die HJ.

In der BRD schaffte man ein amerikanisches System, die Macht des Kapitals, aber gleichzeitig Freiheiten, die dem Menschen das Gefühl gaben, in Freiheit zu leben, und das Leben als lebenswert zu empfinden. Die Meinungsfreiheit ist eine sehr gute Einrichtung, so daß das das nationalsozialistische Gedankengut in der BRD erhalten blieb, und an die nachfolgenden Generation vermittelt werden konnte, auch wenn es nicht in der Öffentlichkeit geschah.


Jetzt haben wir rechte Gewalt in allen Bundesländern. Die NPD ist eigentlich überall vertreten. Es gibt rechte Jugengruppen, die alle einen eigenen Namen haben, aber aus einer Quelle finanziert werden.

Die Arbeitslosigkeit in den neuen Bundesländern führt dazu, daß viele resignieren und das Gefühl haben, von den Politikern verlassen worden zu sein.

Die etablierte Rechtspartei NPD nutzt diese Situation aus, und schickt ihre brauen Rattenfänger los, um das rekruierbare Menschenpotential für ihre Zwecke, an die Macht zu kommen, auszunutzen. Es wird aber wie bei allen Politikern nur versprochen, und nicht gehalten, aber Menschen sind selten kritisch genug, um ein politisches Programm zu hinterfragen.

Was besonders gefährlich ist, wenn man die eigentlichen Hintermänner nicht kennt und nicht weiß, wo sie sitzen

Die rechte Gewalt, politisch gesehen wird uns, wie auch jede andere Art von Gewalt, erhalten bleiben, solange es Menschen gibt.

Die Hoffnung stirbt nie aus.






Keine Kommentare: